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Filmkritiken zum 30. Internationalen Filmfest Emden-Norderney

UND DER ZUKUNFT ZUGEWANDT

Sich der Zukunft zuwenden, der Vergangenheit den Rücken kehren. Das jungen sozialistische Projekt schützen, für den Preis der Wahrheit.

Nach zehn Jahren im Strafgefangenenlager in der Sowjetunion werden Antonia Berger und ihre Tochter zusammen mit zwei weiteren Frauen freigelassen. Sie werden mit einer Wohnung, guten Jobs und ein wenig Geld von der DDR empfangen, aber nur unter der Bedingung von der Ungerechtigkeit und den Gräueltaten in der Sowjetunion zu schweigen. Frustriert und mit dem Gefühl von ihren Genossinnen und Genossen allein gelassen worden zu sein, versucht Antonia Berger dennoch ihr Leben unter der Last der Vergangenheit weiterzuführen, denn was hätten die zehn Jahre der Qual gebracht, wenn durch die Wahrheit der Traum von einem sozialistischen Staat zerstört wird. Es schwingt immer die Frage und die Angst mit, wann und wie die Wahrheit ans Licht kommt. 

Die Dramaturgie, die Dialoge, wie auch die Ästhetik sind die eines typischen deutschen Spielfilms, der sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt. Die Dialoge sind zu erklärend, lassen kaum Spielraum für Interpretation, die Ausbrüche von Emotionen wirken zumeist wie von der Theaterbühne, als dass sie dem Medium Film angepasst sind. Allein Alexandra Maria Lara in der Rolle der Protagonistin Antonia Berger schafft es der doch sehr deutschen Dramatik entgegenzuwirken. Ihr Leid wird weniger lauten Emotionalen Ausbrüchen dargestellt, sondern eher in ihren schweigenden aber dennoch ausdrucksstarken Gesichtsausdrücken, was aber auch der Rolle geschuldet ist. Denn Antonia Berger soll und will Schweigen.

Dennoch ist der Film thematisch hochspannend, setzt er sich doch, wie der Titel schon verrät, nicht nur mit den allseits bekannten Themen des Überwachungsstaates auseinander, sondern bringt noch andere Facetten der DDR hervor. Die Hoffnung und der Traum der Menschen in ein besseres politisches System, aber auch die ernüchternde Realität, dass auch in diesem Staat mit Gewalt gegen politisch anders denkende und unpassende Wahrheiten vorgegangen wird. 

Der Zukunft zugewandt ist eine wichtige filmische Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit.

UND DER ZUKUNFT ZUGEWANDT. Deutschland 2019. Drama. Regie: Bernd Böhlich. 108 Min. FSK 12.

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