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Filmkritiken zum 30. Internationalen Filmfest Emden-Norderney

LIYANA

„Nicht jede Familiengeschichte endet schön, aber wir wollen unsere eigene Geschichte erzählen.“

In dem von Armut und HIV geprägten Swaziland sind Waisenkinder keine Seltenheit. Auch die fünf Protagonisten des Films Zweli, Sibusiso, Phumlani, Mkhuleko und Nomcebo leben in einem Waisenhaus und entwickeln gemeinsam unter Anleitung der Autorin Gcina Mhlope die Geschichte von Liyana. Nach dem Tot ihrer beiden Eltern und dem Überfall auf ihr Haus, wird Liyana von ihrer Großmutter auf eine gefährliche Reise geschickt, um ihre zwei entführten Zwillingsbrüder zu retten. Zusammen mit ihrem treuen Begleiter, dem Ochsen, durchlebt Liyana auf ihrer Reise dunkle Momente von Hunger, Hilflosigkeit und Angst, aber auch Momente von Ruhe und Hoffnung. Traumata und Träume, die, wie es scheint, aus dem Leben der fünf Jungen stammen und durch die Geschichte einen Weg finden, ihre eigenen Erfahrungen zu verarbeiten. 

Die fantasievoll animierte Geschichte von Liyana wird kunstvoll mit den dokumentarischen Szenen aus dem Alltag der Kinder und den Interview ähnlichen Filmsequenzen verwoben. Die animierten Bilder bewegen sich kaum, jegliche Dynamik und Dramatik erzeugen die Kinder selbst, indem sie voller Begeisterung und mit viel Einfühlungsvermögen Liyanas Geschichte erzählen. Lediglich sanfte Afrikanische Instrumente und Klänge unterstreichen die von den Kindern erzeugte Dramatik. 

Aaron und Amanda Kopp schaffen es in ihrem ersten gemeinsamen Regiedebüt sich von klassischen Genrekategorien loszulösen und kreieren so eine gelungene Verschmelzung aus Dokumentar- und Animationsfilm. Sie schaffen es zudem, nicht einen Film über Afrikanische Waisenkinder zu drehen, sondern überlassen den Kindern selbst die Bühne, lassen sie selbst erzählen. Sie umgehen so die Gefahr, Stereotypen und Machtverhältnisse zu reproduzieren, die sonst so häufig in Dokumentarfilmen Eingang finden. 

Liyana ist ein unheimlich berührender Film, der einem die wahnsinnige Stärke von Kindern vor Augen führt. 

LIYANA. Swasiland/USA/Quatar 2017. Regie: Aaron Kopp, Amanda Kopp. 77 Min.

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