Liyana: Die Verarbeitung der Geschichte in einer Geschichte

Liyana, das ist der Name des Films von Aaron und Amanda Kopp, welcher 2017 erschien und teilweise im Swaziland gefilmt – teilweise animiert – wurde, aber auch der Name des fiktionalen Charakters Liyana. Das Mädchen wird von Kindern eines Waisenhauses zusammen mit der Geschichtenerzählerin Gcina Mhlope erdacht, um diesen zu helfen ihre Kindheitstraumata zu verarbeiten. Hintergrund sind die Missstände im Swaziland, welchen durch eine hohe Zahl HIV-Infizierter und Sklavenhandel geprägt sind.

In dem mit der Kamera gefilmten Teil wird also die Geschichte dieser Kinder dokumentiert. Dazu gehört vor allem das Leben im Waisenhaus, aber auch der Besuch beim Arzt, um die Kinder auf Krankheiten wie HIV zu prüfen. Zusätzlich werden die Kinder gefilmt, wenn sie die Geschichte Liyanas erzählen. Die von der Kamera eingenommene Perspektive wirkt dann wie bei einem Interview. Wenn auch immer nur ein Kind erzählt, wurden die Ideen doch in der Gruppe mit den anderen Kindern und Gcina Mhlope erarbeitet.

Die Geschichte Liyanas – die animiert dargestellt wird – beginnt damit, dass ihre Eltern an AIDS sterben und ihre zwei Brüder von Sklavenhändlern verschleppt werden. Mit dem Segen ihrer Großmutter und einem Stier an ihrer Seite macht sie sich auf den Weg, um ihre Brüder zu suchen.

Die zwei Erzählerstränge sind im Film verflochten, sie wechseln sich ab. Wenn die Kinder erzählen, wie die Geschichte weitergeht, wechselt die Kamera aus der Interviewperspektive zu den animierten Bildern. Auffällig ist dabei, dass die Animationen und Geräusche sich an den Vorstellungen der Kinder orientieren. Bilder, die die Kinder mit Gcina Mhlope malen, werden sinngemäß animiert. Im Film wird mit dem zoom in ein treffender Übergang vom Bild zur Animation erreicht. Zudem erzählen die Kinder nicht nur die Geschichte, sie imitieren weiterhin die Geräusche, welche in dieser gehört würden. Auch diese wurden sinngemäß vom Filmteam übernommen. So wird Liyanas Geschichte – und damit die Geschichte der Waisen – wirkungsvoll in Form der Animationen umgesetzt. Der Stil wirkt dabei minimalistisch, ist gleichzeitig aber sehr farbintensiv.

Hauptsächlich wird der Film mit Streichern und Blasinstrumenten untermalt, welche je nach Situation mal ruhig, mal fröhlich oder drohend klingen, sodass eine der jeweiligen Situation entsprechende Atmosphäre geschaffen wird. Gelegentlich kommt auch Gesang hinzu, dann allerdings primär im dokumentarischen Teil des Films.

Insgesamt ist Liyana ein mitreißender Film, der die traurige, aber nicht beendete Geschichte der Waisenkinder im Swaziland dokumentiert und gleichzeitig aufzeigt, wie mit den Traumata umgangen wird, umhüllt von den schönen Animationen in Liyanas Geschichte.

Von Marc Mehling

Liyana | USA | 2017 | Dokumentarfilm | Aaron Kopp, Amanda Kopp | 77 min. | Gcina Mhlope | FSK unbekannt

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