CLEO (2019)

Kreativ, künstlerisch und vor allem kitschig – Das Großstadtmärchen Cleo (2019) lockt seine Zuschauer mit allerlei filmischen Spielereien, zahlreichen bekannten Schauplätzen im schönen Berlin und kleinen Auftritten bekannter Persönlichkeiten der Berliner Geschichte.

Die kleine Cleo (Gwendolyn Göbel) ist Entdeckerin, strotzt nur so vor Fantasie und Einfallsreichtum und geht mit ihrem Vater, Tierpfleger Bernd (Fabian Busch) auf Entdeckungstour quer durch ihre Heimatstadt Berlin. Auf der Suche nach einer verborgenen Uhr, die das Zeitreisen ermöglichen soll, begeben sich Vater und Tochter unter die Erde und graben nach dem ungewöhnlichen Artefakt. Dabei stößt Cleo aus Versehen auf eine Bombe des Zweiten Weltkriegs, was zum Tod ihres Vaters führt, der an der Ausgrabungsstätte begraben wird. Das kleine Mädchen wird nun zur Vollweisin, da ihre Mutter bereits bei ihrer Geburt starb. Sie umgibt ihr verwundetes Herz mit einer Mauer aus Stein und lässt niemanden mehr an sich heran, nicht einmal ihre imaginären Freunde Albert Einstein, Max Planck und Marlene Dietrich, die zuvor im alltäglichen Leben ihre treuen Begleiter waren.

Jahre später arbeitet die nun erwachsene Cleo (Marlene Lohse) als Tourguide in der deutschen Hauptstadt und hat mit ihren traumatisierenden Erlebnissen aus der Vergangenheit zu kämpfen. Mit einer Schatzkarte der Gebrüder Sass steht eines Tages allerdings Eigenbrödler Paul (Jeremy Mockridge) vor ihr, der sein Entdeckerdasein voll auslebt und sie durch eine Schatzsuche quer durch Berlin mitnehmen will. Cleo erhofft sich, ihren Vater durch die Entdeckung der magischen Uhr zurückbringen zu können und wagt sich auf das Abenteuer. Begleitet werden sie und Paul von den zwei schrägen Einbruchsexperten Zille und Günni, die im Berliner Untergrund ihr Unwesen treiben und den beiden bei ihrer Mission mit Dynamit und Bolzenschneider zur Seite stehen. Cleo wird schlussendlich mit einer Entscheidung konfrontiert: Versucht sie die Vergangenheit zu verändern oder akzeptiert sie das Geschehene und lässt sie sich auf Paul und eine damit ungewisse Zukunft ein?

Weniger ist ja bekanntlich mehr, doch das Gegenteil gilt für die zahlreichen gestalterischen Gimmicks, die Regisseur Erik Schmitt und sein Team in ihren Film eingebaut haben. Ob nun eine Animation von Cleos Herz, das sich nach dem Tod des Vaters mit einer steinernen Mauer umrandet, um die Trauer und Verschlossenheit der Protagonistin zu symbolisieren oder ein Zwischenschnitt von Cleo, wie sie die Sonne über den Asphalt einer Straße zieht, um den Übergang von Tag zu Nacht darzustellen – Diese kleinen Zwischensequenzen machen den Film zu etwas besonderem und geben ihm zudem einen speziellen Charme, der nur so vor Jugendhaftigkeit strotzt.

Doch gerade ihre Jugend hat Cleo im Film durch ihren schweren Schicksalsschlag verloren und damit auch ihre Fantasie und ihren Entdeckungsgeist. Diese gilt es nun im Verlauf der Handlung wiederzufinden. Während sie in einer Szene bei einer Touristenführung durch Berlin nochmals ihre Ängste und den Verlust ihres Vaters durchlebt und es nicht schafft, durch eine Unterführung zu gehen, wird sie im nächsten Moment wie durch Magie von Wegweisern durch die ganze Stadt geleitet und zu einem besonderen Ziel geführt – nämlich Paul. Durch ihn entdeckt sie ihre Abenteuerlust von neuem und auch ihre Freunde aus der Vergangenheit fangen wieder an zu ihr zu sprechen und ihr bei der Suchaktion zu helfen. Vor allem der Auftritt der Gebrüder Sass, deren Schatz die Protagonisten zu finden versuchen, aber auch von Albert Einstein, Marlene Dietrich und Max Planck sind eine schöne Hommage an die bekannten Figuren und wirken keinesfalls deplaziert. Allenfalls bilden ihre Szenen eine schöne Erweiterung zu der Geschichte Berlins, die auch dem Zuschauer schon zu Beginn des Films näher gebracht wird. So beginnt ein mysteriöser Historiker gleich zu Anfang von den Ursprüngen der Hauptstadt zu erzählen, begleitet Cleo und die anderen narrativ auf ihrer Schatzsuche und wird von diesen schließlich in einem kleinen Archiv verborgen inmitten des Teufelsbergs aufgespürt. Klingt etwas skuril – das ist es auch – aber dennoch passt auch diese kleine, etwas eigenartige Nebenrolle prima in das etwas ausgeflippte Ensemble des Films hinein.

Ebenfalls werden viele wichtige Orte Berlins in die Handlung eingebaut. Die alte Berliner Mauer, an der Cleo das Licht der Welt erblickt, die Spree, auf welcher sich Paul in einem kleinen Hausboot einquartiert hat oder auch der Teufelsberg, an welchem die Handlung bei der Entdeckung des Sass-Schatzes kulminiert. Dies sind nur einige der insgesamt 70 verschiedenen Drehorte, die für die Produktion des Films genutzt wurden. Vor allem die Geschichte der Großstadt stand für die Produzenten im Vordergrund und auch der dort zu findenden Magie sollte filmisch Ausdruck verliehen werden. Der Film ist ein modernes Großstadtmärchen und erzählt dabei allerdings nicht nur die Geschichte der Protagonisten, sondern auch die der Stadt selbst.

Cleo. Regie: Erik Schmitt. Deutschland 2019: Detailfilm. Komödie/Romanze. 101 Minuten.

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