{"id":47,"date":"2021-12-29T14:23:08","date_gmt":"2021-12-29T13:23:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/exoticgeeks\/?p=47"},"modified":"2022-02-15T20:59:20","modified_gmt":"2022-02-15T19:59:20","slug":"ein-tag-im-park-beobachtungsaufgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/exoticgeeks\/2021\/12\/29\/ein-tag-im-park-beobachtungsaufgabe\/","title":{"rendered":"[SL] Ein Tag im Park &#8211; Beobachtungsaufgabe"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><strong><span style=\"font-size: 24pt\">Es<\/span><\/strong> ist Mittwoch, der 28. Dezember, und es ist kalt. Kalt genug, um warm eingepackt einen kleinen Spaziergang zu machen und ein Weilchen im Park zu bleiben. Durch die kahlen Baumwipfel sehe ich, wie bereits um 13 Uhr die Sonne tief steht wie an einem Sommerabend, die Wolkendecke liegt k\u00fchl und grau \u00fcber der \u00fcberraschend belebten Szenerie. Im Bremer B\u00fcrgerpark sitze ich gegen\u00fcber des trockenen Marcus-Brunnens, der auf einem Platz hinter dem imposanten Parkhotel steht, in einer von immergr\u00fcnem Dickicht umgebenen Nische auf einer steinernen Bank &#8211; und beobachte die Passanten. Von meiner Warte aus bietet sich ein weiter Blick \u00fcber nahezu den gesamten Platz, und obwohl ich damit gerechnet hatte, Menschen anzutreffen, waren es doch mehr als erwartet. Es mag niemanden \u00fcberraschen, was ich zu berichten habe, schlie\u00dflich ist ein Park zu dieser Jahreszeit nicht der einladendste Ort. Ich m\u00f6chte mich aber dem\u00fctig zeigen und trotzdem n\u00e4her beschreiben, was jeder sich ohnehin schon denken kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Anfangs war ich noch versucht, mir jede Person zu notieren, die mein Blickfeld kreuzt, im Verlauf meiner Beobachtung habe ich jedoch angefangen, mich auf jene zu konzentrieren, die sich aus der Menge abgehoben haben. Mir schien nicht die Betrachtung jeder einzelnen Joggerin und jedes Joggers wichtig zu sein, es gab davon eine Menge und wir alle begegnen ihnen t\u00e4glich: M\u00e4nner und Frauen gleicherma\u00dfen, die mit ihren, wie ich beobachtet habe, oftmals bunten Jacken und kurzen oder d\u00fcnnen Trainingshosen allein, oder aber zu zweit, durch den Park laufen und, wie einmal beobachtet, nat\u00fcrlich mal eine Pause machen und im Schritttempo gehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Eine zweite Gruppe winterlicher Parkbesucher, diese interessanter als die erste, waren Erwachsene verschiedener Altersgruppen mit Kind. Meist war es ein Erwachsener, oft der Vater, oder ein P\u00e4rchen aus Mann und Frau, das die Kinder begleitete, in einem Fall zwei junge M\u00e4nner. Diese Gr\u00fcppchen bewegten sich langsamer als andere Passanten und blieben oft stehen, um mit ihren neugierigen Kindern zu interagieren, auf sie zu warten, sie beim Erkunden zu beobachten. Ich habe sowohl Kleinkindern wie auch \u00e4lteren im Alter von etwa acht dabei zugesehen, wie sie auf dem Brunnenrand turnten und balancierten, w\u00e4hrend ihre Eltern sich unterhielten oder mit Tretrad in der Hand warteten. Ein besonders lebhaftes kleines M\u00e4dchen, das ungeduldig darauf warten musste, dass ihre Mutter fertig wurde (Ich wei\u00df nicht mit was, ich war gerade erst angekommen), warf das neben ihr stehende Fahrrad um, sodass die junge Mutter fluchend die darauf verstauten Lebensmittel vom Gehweg aufsammeln musste. In einem anderen Moment h\u00f6rte ich entferntes Kinderheulen und -geschrei &#8211; die Spielpl\u00e4tze hier sind immer belebt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Von den ganz Kleinen dagegen, die noch das Privileg besitzen, im Kinderwagen herumchauffiert zu werden, habe ich wenige gesehen. Zumeist waren es Frauen, die am Kinderwagen gingen. Ich erinnere mich aber an einen Jogger, der im Lauf den Kinderwagen einh\u00e4ndig vor sich herschob &#8211; ein guter Vater und engagierter Sportler zugleich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Eltern, Kinder, Jogger und &#8211; der Postbote? Der B\u00fcrgerpark erstreckt sich als zweitgr\u00f6\u00dfte Bremer Gr\u00fcnanlage \u00fcber ein Gebiet von 200 Hektar, mitten in der Stadt. Entsprechend sind viele der Menschen hier auf dem Weg von A nach B, so wohl auch der Postbote auf seinem beladenen Fahrrad, der eilig \u00fcber den Platz fuhr. Weniger hektisch waren dagegen die anderen Fahrradfahrer, die sicher genauso irgendwo ankommen wollten, sich damit aber weit mehr Zeit lie\u00dfen. Zwei junge M\u00e4nner, die zusammen eine kleine Fahrradtour zu unternehmen schienen, hielten an einer Parkbank ganz in meiner N\u00e4he, einer setzte sich, der andere blieb stehen. Aus ihren Rucks\u00e4cken kramten sie T\u00fcten hervor und begannen, ein paar Br\u00f6tchen zu essen, wobei sie sich angeregt unterhielten, ausruhten und den weiten Platz betrachteten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Zwar sind es oft die \u00e4lteren Menschen gewesen, die ihre Umgebung visuell mehr auszukosten schienen und sich oft umsahen, doch habe ich besonders die j\u00fcngere Generation dabei beobachten k\u00f6nnen, wie sie den Brunnen genauer unter die Lupe nahm. Ich kann mir nur vorstellen, wor\u00fcber sie redeten, als zwei junge M\u00e4nner in Begleitung einer Frau, die etwas zur\u00fcckblieb, n\u00e4her an den Brunnen herantraten, neugierig hineinsahen und miteinander lachten, oder als ein weiterer junger Herr mit seiner Begleiterin vor der beschrifteten Tafel am Brunnen stehenblieb und in ausladenden Gesten auf die Brunnenstatue, dann wieder auf die Tafel deutete. Sie lasen, wie so mancher, noch ein wenig vor sich hin, bevor sie in gleicher Weise weiter schlenderten, wie sie gekommen waren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Neben P\u00e4rchen, Familien und wenigen gr\u00f6\u00dferen Gruppen, in deren zahlreichster ich sechs Personen + Hund gez\u00e4hlt habe, fielen mir insbesondere jene Menschen auf, die allein durch den Park gingen. Extrem wenige davon (und immer z\u00fcgig unterwegs) waren Frauen. Zwei davon machten dabei einen eher verlotterten und traurigen Eindruck. Eine schien krank zu sein und hustete vor sich hin, ging abwesend mit herunterh\u00e4ngenden Armen \u00fcber den Platz. Die andere, eine \u00e4ltere, kleine Person, trug einen Rucksack auf dem R\u00fccken und gewichtig aussehende Taschen in jeder Hand, verschnaufte kurz an einer Parkbank und ging dann langsam weiter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Die Gruppe der m\u00e4nnlichen Einzelg\u00e4nger war betr\u00e4chtlich gr\u00f6\u00dfer und bewegte sich oft gem\u00e4chlicher. Das Alter spielte dabei keine Rolle, sowohl junge M\u00e4nner als auch alte Herren bewegten sich \u00fcber den Platz. Ein bejahrter Mann zog meine Aufmerksamkeit besonders auf sich. Er blieb etwa eine Minute lang mitten auf dem Platz stehen und betrachtete den Brunnen aus einiger Entfernung, bevor er schleichend weiterging, sich dabei aber oft noch nach der Statue umdrehte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Um 13:40 Uhr habe ich meine Beobachtung schlie\u00dflich mit erfrorenen Fingern beendet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Zur Vollst\u00e4ndigkeit meines Berichts komme ich nicht umhin, hinzuzuf\u00fcgen, dass ich bei meiner Beobachtung einige Probleme bemerkt habe, die ich mir f\u00fcr zuk\u00fcnftige Arbeiten merken sollte. Zwar habe ich einen guten \u00dcberblick \u00fcber den Platz gehabt und viele Menschen vorbeigehen sehen, doch genau deswegen habe ich oft nur Momentaufnahmen der Personen machen k\u00f6nnen, bevor sie wieder verschwunden waren. Ich kann \u00fcber niemanden eine genauere Beschreibung geben, falls Aspekte davon f\u00fcr eine Auswertung n\u00f6tig sein sollten, und mir sind wahrscheinlich viele interessante Details entgangen. Au\u00dferdem w\u00e4re interessant gewesen, das ein oder andere Gespr\u00e4ch zu \u00fcberh\u00f6ren, was auf diesem weiten Raum so gut wie unm\u00f6glich ist. Diese Art der Beobachtung zielt entsprechend weniger auf die Betrachtung einzelner Individuen ab, als auf eine eher empirische Studie von Menschen im Park.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Amanvir Rai<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Mittwoch, der 28. Dezember, und es ist kalt. Kalt genug, um warm eingepackt einen kleinen Spaziergang zu machen und ein Weilchen im Park zu bleiben. 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