{"id":9575,"date":"2024-10-15T16:27:07","date_gmt":"2024-10-15T14:27:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=9575"},"modified":"2024-10-15T16:27:11","modified_gmt":"2024-10-15T14:27:11","slug":"gemeinsam-auf-spurensuche-die-guideausbildung-am-denkort-bunker-valentin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2024\/10\/15\/gemeinsam-auf-spurensuche-die-guideausbildung-am-denkort-bunker-valentin\/","title":{"rendered":"Gemeinsam auf Spurensuche: Die Guideausbildung am Denkort Bunker Valentin"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Vom Bahnhof Bremen-Farge sind es noch etwa 20 Minuten zu Fu\u00df zum Bunker Valentin. Ich w\u00e4hle die Strecke, auf deren letzten Metern ich mich durch die sogenannte Bunkerwildnis schlagen muss. Dieser wild wachsende Wald befindet sich an der S\u00fcdseite der heutigen Ruine, vor der ich auf einmal unvermittelt stehe. Ich bin nicht zum <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2023\/08\/24\/u-boot-bunker-valentin-eine-monumentale-erinnerung-an-deutschlands-kriegsgeschichte\/\">ersten Mal am Denkort Bunker Valentin<\/a> im Norden Bremens. Doch diesmal bin ich keine Besucherin. \u00dcber die n\u00e4chsten Wochen nehme ich hier an der Ausbildung zum Guide an der Gedenkst\u00e4tte teil.<\/p>\n<p>Der Bunker Valentin ist ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde ab dem Fr\u00fchjahr 1943 gebaut, zu einem Zeitpunkt, als die Alliierten bereits die Lufthoheit \u00fcber Deutschland innehatten. Oberste Priorit\u00e4t hatte f\u00fcr die Nationalsozialisten der Schutz der R\u00fcstungsindustrie (deren Verbunkerung dem Bau ziviler Luftschutzkellern vorgezogen wurde). Im niemals fertig gestellten Bunker Valentin sollte im Taktverfahren alle paar Tage ein U-Boot vom Stapel laufen. Selbst wenige Monate vor Kriegsende glaubte man, mit dieser \u201eWunderwaffe\u201c den Kriegsverlauf noch umkehren zu k\u00f6nnen. Verantwortlich f\u00fcr das Projekt waren Reichsmarine und das R\u00fcstungsministerium. Zerst\u00f6rt wurde der Bunker durch mehrere Bomben der britischen Luftwaffe Ende M\u00e4rz 1945.<\/p>\n<p>An diesem Ort kamen der Gr\u00f6\u00dfenwahn der Nationalsozialisten und ihr menschenfeindliches rassistisches Weltbild zusammen. Auf der Baustelle arbeiteten f\u00fcr die deutschen Vorarbeiter, Ingenieure und Besch\u00e4ftigte der etwa 50 beteiligten Firmen Zwangsarbeitende aus Europa und Nordafrika. Es handelte sich um mehr als 10.000 Menschen, die als KZ-H\u00e4ftlinge, als Kriegsgefangene oder als zivile Zwangsarbeiter*innen nach Bremen verschleppt wurden. Aufgrund der harten Arbeitsbedingungen, mangelnder Ern\u00e4hrung, Kleidung und Hygiene sowie durch willk\u00fcrliche T\u00f6tungen starben mindestens 1600 von ihnen.<\/p>\n<p>Die Zwangsarbeitenden kamen aus allen L\u00e4ndern (und deren Kolonien!), die das Deutsche Reich im Laufe des Zweiten Weltkriegs besetzte und ausbeutete. Wir erfahren allerdings, dass es einen unterschiedlichen Wissenstand zu Zwangsarbeitenden aus dem Westen und Osten Europas gibt. Nach dem in der NS-Ideologie verankerten <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2023\/05\/23\/der-russe-ist-einer-der-wodka-trinkt-ein-gespraech-mit-dem-antidiskriminierungstrainer-sergej-prokopkin\/\">Antislawismus<\/a> wurden letztere als sogenannte \u201eUntermenschen\u201c betrachtet. Ein Gro\u00dfteil der Menschen, die am Bunker Valentin Zwangsarbeit leisten mussten, stammte aus Polen und der Sowjetunion, vor allem aus der heutigen Ukraine. Dennoch gibt es wesentlich weniger Informationen zu \u00dcberlebenden und Nachkommen aus Mittel- und Osteuropa. Die kommunistischen Regime stellten R\u00fcckkehrer*innen aus Deutschland unter den generellen Verdacht der Kollaboration. Es folgten Verh\u00f6re und Inhaftierungen, in der Sowjetunion nicht selten auch erneute Deportation, diesmal in Gulag-Lager. Dies war keine Atmosph\u00e4re, in der \u00dcberlebende \u00fcber ihre Erfahrungen erz\u00e4hlen oder schreiben wollten (oder konnten). Archive waren erst nach dem Ende der Sowjetunion 1991 zug\u00e4nglich. Zu den wenigen bekannten Geschichten geh\u00f6rt die von <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/stadtteil-blumenthal\/bunker-valentin-unveroeffentlichte-tagebucheintraege-eines-gefangenen-doc7e43airrudi1av5vjdr0\">Stanis\u0142aw Masny<\/a>. Als 16-j\u00e4hriger wurde er nach einer Razzia in Warschau im Fr\u00fchjahr 1944 nach Bremen deportiert. Bis zum Kriegsende musste er am Bunker Zwangsarbeit leisten, bevor er 1945 nach Polen zur\u00fcckkehren konnte. Heimlich war es ihm gelungen, seine Erfahrungen in einem Tagebuch festzuhalten, das er dem Denkort 2014 zur Verf\u00fcgung stellte. Gemeinsam mit seinem Sohn war er damals zum ersten Mal an den Bunker zur\u00fcckgekehrt. <\/p>\n<p>Die Forschung ist keineswegs abgeschlossen und erlaubt wichtige Perspektivwechsel. Bis vor wenigen Jahren stand beim Blick auf die Opfer allein Europa im Vordergrund. Obwohl es bereits Anhaltspunkte daf\u00fcr gab, dass auch Menschen aus Nordafrika am Bunker Zwangsarbeit leisten mussten, blieben sie unerw\u00e4hnt. So zeigt sich: (Post-)koloniale Machtverh\u00e4ltnisse sind bis heute (un-)sichtbar. Appolinaire Akpene Apetor-Koffi, freier Mitarbeiter am Denkort Bunker Valentin, konnte <a href=\"https:\/\/www.denkort-bunker-valentin.de\/news\/nordafrikanische-zwangsarbeiter\/\">durch seine Recherchen zahlreiche Biografien rekonstruieren<\/a> und dadurch sichtbar machen. Lange Zeit galt zudem, dass es auf der Baustelle keine Frauen gab. Nach neuen Erkenntnissen musste diese Annahme revidiert werden. So sch\u00e4tzt man, dass Hunderte Frauen hier Zwangsarbeit leisten mussten, der Gro\u00dfteil von ihnen stammte aus der <a href=\"https:\/\/www.denkort-bunker-valentin.de\/news\/an-die-tage-des-ueberlebens\/\">Sowjetunion<\/a>. Sie lebten r\u00e4umlich getrennt von den westeurop\u00e4ischen Zwangsarbeitenden und waren schlechter gestellt als diese.<\/p>\n<p>Einen gesamten Tag verbringen wir als Gruppe auf dem ehemaligen Lagergel\u00e4nde, das sich kilometerweit hinter dem Bunker erstreckt und an dem heute nur noch wenige Spuren sichtbar sind. Dorthin f\u00fchrt die sogenannte Lagerstra\u00dfe durch das Dorf. Ein nicht unwichtiger Punkt, wenn es um das Thema geht: Welche Ber\u00fchrungspunkte gab es zwischen den Zwangsarbeitenden und den Dorfbewohner*innen? Es waren nicht nur die t\u00e4glich vorbeimarschierenden Menschenkolonnen-, da sich die Baustelle selbst innerhalb des Ortes befand, konnten die Menschen auch die dortigen Geschehnisse aus n\u00e4chster N\u00e4he verfolgen. Viele profitierten selbst, beispielsweise vom Lebensmittelhandel mit den Lagern. In den Nachkriegserz\u00e4hlungen von Anwohner*innen erscheinen Baustelle und Lager als Sperrzonen, was allerdings nicht der Realit\u00e4t entspricht. Im Gegenteil scheint die Kriegsmarine es mit der Geheimhaltung damals nicht sehr genau genommen zu haben. Um das ehemalige Lagergel\u00e4nde heute zu betreten, ben\u00f6tigt man eine Sondergenehmigung. Denn dort, wo fr\u00fcher Baracken standen und sich Massengr\u00e4ber des KZ-Au\u00dfenlagers sowie anderer Lager befanden (und weitere vermutet werden), ist heute ein Truppen\u00fcbungsplatz der Bundeswehr (!). So ist das Gel\u00e4nde bis heute nicht Teil der Gedenkst\u00e4tte, soll es aber in Zukunft nach einem in Aussicht gestellten Abzug der Bundeswehr werden.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Der Bunker selbst wurde ab den 60er Jahren bis 2010 durch die Bundesmarine als Depot genutzt, wozu der vordere Teil renoviert wurde. Dieser Entscheidung waren kontroverse Diskussionen in der Nachkriegszeit \u00fcber die Frage vorangegangen, was aus dem Bunker zuk\u00fcnftig werden sollte. So war in einem 1953 in einer Bremer Zeitung erschienen Artikel vom Bunker als \u201e8. Weltwunder vom Weserstrand\u201c die Rede. Andere wollten den Bunker sprengen, was aufgrund der N\u00e4he zum Dorf allerdings keine Option darstellte. Durch die milit\u00e4rische Nutzung verschwand der Bunker letztendlich \u00fcber Jahrzehnte hinweg im w\u00f6rtlichen Sinne von der Landkarte (er wurde beispielsweise aus Luftbildern wegretuschiert).<\/p>\n<p>Erst Anfang der 80er Jahre erlangte der Ort Aufmerksamkeit, durch die von Radio Bremen ausgestrahlte Sendung \u201eKeiner verl\u00e4sst lebend das Lager\u201c, die auf den Recherchen Rainer Habels zu Massengr\u00e4bern in der Farger Heide beruhte. Er war es auch, der mittels der von ihm gegr\u00fcndeten Initiative \u201eBlumen f\u00fcr Farge\u201c Kontakt mit \u00dcberlebenden und Nachkommen aufnahm, die bereits zuvor Gedenkfahrten in die Gegend unternommen hatten.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2240\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241005_113003-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"20241005_113003\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241005_113003-scaled.jpg 2240w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241005_113003-1280x1463.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241005_113003-980x1120.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241005_113003-480x549.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2240px, 100vw\" class=\"wp-image-9584\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_blurb et_pb_blurb_0  et_pb_text_align_left  et_pb_blurb_position_top et_block_module et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_content\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_container\">\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_description\"><p><strong>Ein Versuch, sich der Komplexit\u00e4t des Ortes zu n\u00e4hern - Mindmap f\u00fcr m\u00f6gliche Ankn\u00fcpfungspunkte unserer F\u00fchrungen<\/strong><\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Ein Ort zum Erinnern f\u00fcr diese Menschen wurde hart erk\u00e4mpft. Es gelang allein durch zivilgesellschaftliche Anstrengungen und gegen gro\u00dfen Widerstand, 1983 die Errichtung eines Mahnmals (allerdings au\u00dferhalb des weiterhin umz\u00e4unten Bundeswehrgel\u00e4ndes um den Bunker) zu erwirken. Bei der Einweihung sprach unter anderem der ehemalige franz\u00f6sische KZ-Gefangene <a href=\"https:\/\/www.lernwerkstatt-neuengamme.de\/medien\/pdf\/ha6_1_3_bio_2007.pdf\">Andr\u00e9 Migdal<\/a>, der sich zeitlebens f\u00fcr die deutsch-franz\u00f6sische Friedensarbeit einsetzte.<\/p>\n<p><em>Wir \u00fcberlassen den Menschen von Morgen die einfache Botschaft, die notwendig ist f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis zwischen den Menschen, f\u00fcr die Toleranz, aber auch f\u00fcr die Hoffnung, dass die Welt ein Bremen-Farge oder einen \u201eBunker Valentin\u201c nie mehr erleben m\u00f6ge.<\/em><\/p>\n<p>Etwa zeitgleich wurde in Bremerhaven eine Stra\u00dfe nach dem bereits verstorbenen Bauingenieur Arnold Agatz benannt, der das Projekt Bunker Valentin mitgeleitet hatte. Nicht nur er hatte als einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe des R\u00fcstungsprojekts nach dem Krieg seine Karriere unbeirrt ausbauen k\u00f6nnen. Eine rechtliche Aufarbeitung und Verurteilung von Verantwortlichen der Baustelle hat es nie gegeben.<\/p>\n<p>Der Denkort Bunker Valentin bildet auch diese widerspr\u00fcchlichen und doch zeitgleichen Ereignisse ab. 2015 konnte er schlie\u00dflich seine Tore \u00f6ffnen, nachdem die Bundeswehr den Ort endlich freigegeben hatte. Diesem Projekt waren ebenfalls jahrelange K\u00e4mpfe vorangegangen. Es entstand ein Lern- und Dokumentationszentrum der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, welches sich mit den hier ver\u00fcbten Verbrechen auseinandersetzt und weitere Forschung vorantreibt.<\/p>\n<p>Das Thema <a href=\"https:\/\/www.bildung-ns-zwangsarbeit.de\/\">NS-Zwangsarbeit<\/a> stellt f\u00fcr viele in Deutschland bis heute eine Wissensl\u00fccke dar. 13 Millionen Menschen mussten w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus im Deutschen Reich Zwangsarbeit leisten. Hierbei handelte es sich, wie am Bunker Valentin deutlich wird, um eine heterogene Gruppe an Menschen. Schnell wird mir w\u00e4hrend der Ausbildung klar, dass es gar nicht m\u00f6glich ist, <em>die<\/em> eine Geschichte des Bunkers Valentin zu erz\u00e4hlen. Vielmehr er\u00f6ffnet sich der Ort einem, indem verschiedene Blickwinkel eingenommen werden. Dies schlie\u00dft sehr unterschiedlichen Erfahrungen der Menschen ein, die hier Zwangsarbeit leisteten.<\/p>\n<p>Doch was ist mit den Perspektiven der T\u00e4ter*innen? Aktuell ist im renovierten Bunkerinneren eine Installation zu sehen, in welcher Opfer- und T\u00e4teraussagen nebeneinandergestellt werden. In einer Sequenz behauptet der leitende Ingenieur <a href=\"https:\/\/www.denkort-bunker-valentin.de\/biografien\/erich-lackner\/\">Erich Lackner<\/a> w\u00e4hrend eines Interviews Anfang der 80er Jahre, die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle seien f\u00fcr alle gleich gewesen. Gleichzeitig erkl\u00e4rt der Niederl\u00e4nder <a href=\"https:\/\/www.denkort-bunker-valentin.de\/biografien\/klaas-touber\/\">Klaas Touber<\/a>, der im sogenannten Arbeits- und Erziehungslager der Gestapo gefangen gehalten wurde, wie die Monate auf der Baustelle sein Leben zerst\u00f6rt h\u00e4tten. In der Gruppe diskutieren wir. Einige finden es nicht richtig, den T\u00e4tern diesen Raum zu geben.<\/p>\n<p>Doch die Aufgabe von politischer Bildungsarbeit ist eben genau das: Erkl\u00e4ren was war, in den Kontext setzen und den Menschen die Aufgabe mit auf den Weg geben, sich ihre Meinung zu bilden. Und die Auseinandersetzung mit dem Bunkerbau w\u00e4re ohne einen Blick auf die T\u00e4ter nur die halbe Geschichte. Denn es waren ja genau diese Einstellungen, die die hier begangenen Verbrechen erm\u00f6glichten.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_3  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_4  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Der Denkort bietet so die M\u00f6glichkeit, sich dem komplexen Thema der Zwangsarbeit im Dritten Reich anzun\u00e4hern. Doch dies ist nicht immer der Beweggrund f\u00fcr Menschen, den Ort zu besichtigen. Im Bewerbungsgespr\u00e4ch werde ich gefragt, wie ich mich in herausfordernden Situationen mit Besucher*innen verhalten w\u00fcrde. Stell dir vor, jemand sagt bei der \u00f6ffentlichen F\u00fchrung: Ach, schlimm mit der Zwangsarbeit, aber architektonisch ist der Bunker doch eine Meisterleistung. Was ich da machen w\u00fcrde? \u201eUff\u201c, entf\u00e4hrt es mir. Erstmal tief durchatmen hoffentlich. Das musste ich bei der Frage im Auswahlgespr\u00e4ch auch.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_5  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_1\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241004_161002-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"20241004_161002\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241004_161002-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241004_161002-1280x960.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241004_161002-980x735.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20241004_161002-480x360.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-9585\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_blurb et_pb_blurb_1  et_pb_text_align_left  et_pb_blurb_position_top et_block_module et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_content\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_container\">\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_description\"><p><strong>Wildnis auf dem Dach des Ruinenteils<\/strong><\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_4  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_6  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_4  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>In der folgenden Ausbildung geht es auch deshalb darum, sich mit der eigenen Haltung auseinander zu setzen. Wo liegen meine pers\u00f6nlichen Grenzen? Worin besteht meine Motivation, hier arbeiten zu wollen? Viele nennen Gr\u00fcnde, die wir sp\u00e4ter unter \u201eMission\u201c zusammenfassen werden. Menschen hier durch F\u00fchrungen zum Besseren bekehren zu wollen (und was ist das denn eigentlich auch genau?), k\u00f6nnte in der sp\u00e4teren Vermittlungsarbeit ein Hindernis darstellen. Nat\u00fcrlich ist die politische Bildungsarbeit nicht neutral, gleichzeitig sollen Kontroversen m\u00f6glichst abgebildet werden, um eigene Denkprozesse anzusto\u00dfen und keine vorgefertigte Meinung zu lehren. Auch sollen Besucher*innen nicht emotional \u00fcberw\u00e4ltigt werden. <span data-show-topic=\"ba5f892f16c7b067da29c96cc8cd7959\" data-topic-content=\"ba5f892f16c7b067da29c96cc8cd7959\">Hierzu positionieren wir uns zu der Frage \u201eStatt Empathie von den Besucher*innen zu erwarten, bringe ich den Besucher*innen Empathie entgegen\u201c auf einer Skala \u201eWie stark stimme ich der Aussage zu?\u201c.<\/span> Ein zentraler Punkt, denn wer wei\u00df schon, mit welchem P\u00e4ckchen Menschen hierherkommen und ob eine emotionale Abgrenzung nicht auch eine absolut gesunde Reaktion sein kann. Au\u00dferdem: Nat\u00fcrlich kann sich niemand wirklich in die Menschen hineinversetzen, die hier Zwangsarbeit leisteten.<\/p>\n<p>Wir nehmen auch andere Themen kritisch unter die Lupe. Oftmals werden Tatorten von NS-Verbrechen eine besondere \u201eAura\u201c zugeschrieben, etwas, das der Ort von selbst ausstrahlt und Menschen bei seiner Besichtigung sp\u00fcren w\u00fcrden. Doch kann ein Ort wirklich eine Aura haben? Diese ist wohl eher menschengemacht. Denn: Nicht dem Ort wohnt eine bestimmte Bedeutung inne, vielmehr sind es die Menschen, die mit einem bestimmten Mindset hierherkommen und abh\u00e4ngig hiervon etwas auf den Ort projizieren. Dies ist wichtig, denn es macht auch klar: Unterschiedliche Perspektiven sind erlaubt. Auch das \u201eangemessene Verhalten\u201c an einer Gedenkst\u00e4tte lernen wir zu hinterfragen. Denn warum sollten Besucher*innen sich am Bunker Valentin wie auf einem Friedhof verhalten (was er nicht ist), wenn das beim Besuch der Waterfront nicht gefordert wird? Auch hier leisteten Menschen Zwangsarbeit, f\u00fcr die damalige Deschimag (Deutsche Schiff- und Maschinenbau Aktiengesellschaft), aus der sp\u00e4ter die Werft AG Weser hervorging. All diese wertvollen Gedankenanst\u00f6\u00dfe werden mich bei der weiteren Guide-Ausbildung begleiten.<\/p>\n<p>Am vorletzten Tag der Ausbildung begeben wir uns als Gruppe auf das Dach des Bunkers. Um sich dessen Dimension vorstellen zu k\u00f6nnen: Der Bunker umfasst eine Fl\u00e4che von etwa f\u00fcnf Fu\u00dfballfeldern. \u00dcber eine lange Wendeltreppe erklimmen wir zun\u00e4chst den renovierten vorderen Teil. Auf dessen Dach befindet sich mittlerweile eine Photovoltaikanlage. Weiter hinten beginnt der Ruinenteil, der sich ganz anders gestaltet. Das Dach ist hier vollkommen verwildert. Der Beton ist kaum mehr zu sehen. Der Boden ist mit Moos, kleinen T\u00fcmpeln und \u2013 ich traue meinen Augen nicht \u2013 B\u00e4umen bedeckt. Es er\u00f6ffnet sich eine unwirkliche Landschaft vor uns, die uns vergessen l\u00e4sst, wo wir uns eigentlich befinden. Wie die Bunkerwildnis auf dem ehemaligen Baustellengel\u00e4nde hat sich die Natur auch diesen Ort zur\u00fcckerobert. An einigen Stellen sind allerdings tiefe Bombeneinschlagsl\u00f6cher zu entdecken. Auch hier hat die gewaltvolle Vergangenheit Spuren hinterlassen.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":13654,"featured_media":9591,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,849566,197027,1013759],"tags":[13868,1013760,1013761],"class_list":["post-9575","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-ariane-brachmann","category-bremen-und-umzu","category-ns-zwangsarbeit","tag-bremen","tag-bunker-valentin","tag-ns-zwangsarbeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9575","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13654"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9575"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9575\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9687,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9575\/revisions\/9687"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9591"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}