{"id":8076,"date":"2024-08-17T11:51:37","date_gmt":"2024-08-17T09:51:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=8076"},"modified":"2024-09-03T17:29:46","modified_gmt":"2024-09-03T15:29:46","slug":"red-famine-anne-applebaum-eine-buchkritik-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2024\/08\/17\/red-famine-anne-applebaum-eine-buchkritik-teil-2\/","title":{"rendered":"Red Famine \u2013 Anne Applebaum \u2013 Eine Buchkritik Teil 2"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Applebaum beschreibt die Hungersnot dennoch detailliert, auch mit Hilfe von Interviews, privaten Korrespondenzen und Memoiren. Timothy Snyder, ein US-amerikanischer Historiker mit Schwerpunkt auf Geschichte Mittel- und Osteuropas, schreibt in der Washington Post: \u201eHer account will surely become the standard treatment of one of history\u2019s great political atrocities.\u201c Plokhy und Applebaum sind sich \u00fcber die Auswirkungen der Hungersnot auf die Ukraine einig, was in Plokhys Ver\u00f6ffentlichung \"The Frontline\" wie folgt zum Ausdruck kommt: \"The December 1932 decree turned Stalin\u2019s all-Union 'grain-extraction' campaign into a direct assault on the Ukrainian political elite and the cultural foundations of Ukrainian nation-building, thereby distinguishing the famine in Ukraine from that in other parts of the USSR.\" Plokhy lobt ebenso die Hartn\u00e4ckigkeit Applebaums auf diese Einzigartigkeit der ukrainischen Situation aufmerksam zu machen. Hierbei ziehe sie sehr detailliert die St\u00e4rke des ukrainischen Nationalismus und den b\u00e4uerlichen Widerstand gegen das kommunistische Regime in Moskau heran. Ein Charakteristikum Ihrer Publikation, das von anderen Stimmen, wie zum Beispiel Mark Tauger, eher kritisch angemerkt wird, da das Werk Potential gehabt h\u00e4tte, tiefer auf weitere Einflussfaktoren und Erkl\u00e4rungen der Hungersnot einzugehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Ebenfalls k\u00f6nne man an dieser Stelle Applebaums Vorgehen, die Hungersnot geografisch zu verorten kritisieren. Sie schreibt im Abschnitt \u201eBorders\u201c \u00fcber das Ende des Hungers mit dem Beginn des russischen Territoriums. Hierbei zitiert sie aus einem Sammelband ukrainischer Schriftsteller\/innen herausgegeben von Michael Browne \u201eFerment in the Ukraine\u201c aus dem Jahre 1971. In dem Zitat geht es um eine Region \u201edirekt hinter Kharkiv\u201c. Nun stellt sich die Frage, welche Region genau gemeint ist, und weshalb Applebaum erst am Ende des Buches im Kapitel \u201eAftermath\u201c die Auswirkungen der Hungersnot 1932\/33 in Kazakhstan lediglich kurz anmerkt.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Eine weitere Kritik, die man auf die Memoiren \u00fcber die Hungersnot bezogen anf\u00fchren kann, stammt von Sheila Fitzpatrick, eine der ersten Kommentatorinnen zum Werk von Applebaum im Guardian. Sie merkt an, dass viele dieser Berichte aus den Archiven des Ukrainischen Instituts f\u00fcr Nationale Erinnerung stammen, welches laut Fitzpatrick auch politisch eine klare Agenda f\u00fchrt. Dennoch betont Fitzpatrick, dass Applebaum definitiv keinen unkritischen, rein an der ukrainischen Erinnerungskultur orientierten, Bericht der Hungersnot pr\u00e4sentiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Im Kern schlie\u00dft sich Applebaum Terry Martin\u2019s Idee der nationalen Interpretation der Hungersnot an. Sie verweist in Ihrem Werk auf sein Argument, dass die Hungersnot im sowjetischen Kurs gegen die Bauern wurzelt, welcher im weiteren Verlauf in die Nationalit\u00e4tspolitik des Regimes integriert wurde. Ebenfalls im Einklang mit dem historischen Mehrheitsdiskurs f\u00fchrt Applebaum die Zahl der Opfer der Hungersnot an, die auf 4,5 Millionen gesch\u00e4tzt wird. Besonders lobenswert ist hierbei auch die ausf\u00fchrliche Art und Weise, mit der Applebaum durch Erl\u00e4uterung der historischen Z\u00e4hlungen inkl. Bedingungen und damit verbundenen Problematiken an die Todesopferzahl heranf\u00fchrt.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Die daran anschlie\u00dfenden Kapitel \u201eThe Cover Up\u201c und \u201eThe Holodomor in History and Memory\u201c bezeichnet Fitzpatrick, als exzellent und als die Interessantesten f\u00fcr Akademiker\/innen. Hier behandelt Applebaum die Versuche der Sowjetunion, vor allem Stalins, die Hungersnot zu verharmlosen und die Verantwortung von sich abzuschieben und die post-sowjetische ukrainische Aufarbeitung der Thematik. Sie befasst sich hierbei auch mit der relativ jungen Generation ukrainischer Intellektueller nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1985, die die Autorit\u00e4t und Legitimit\u00e4t des sowjetischen Systems in Frage zu stellen wagten, insbesondere dessen toxische Industriepolitik und ber\u00fcchtigte Geheimhaltung. Dazu geh\u00f6rte auch eine \"Wiederentdeckung\" des Holodomor.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Das Werk schlie\u00dft im Kapitel \u201eThe Ukrainian Question Reconsidered\u201c mit einer Diskussion Applebaums \u00fcber die Einstufung des Holdomor als Genozid. Hierbei herrscht Uneinigkeit von Seiten der Kritik \u00fcber Applebaums Behandlung der UN-V\u00f6lkermordkonvention \u00fcber die Begriffsdefinition des Genozids. Zuerst stellt sie zurecht fest, dass es sich bei einem Genozid mehr um eine legale und moralische, als eine historische Kategorie handelt. Interessant ist auch die unterschiedliche Interpretation von Seiten der Kritik. Fitzpatrick beispielsweise bezeichnet Applebaums Meinung als differenziert und nicht per se in Einstimmung mit der Einstufung als <span style=\"background-color: #ffffff;font-size: 14px\">Genozid.<\/span><span style=\"background-color: #ffffff;font-size: 14px\">\u00a0<\/span><\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_2_5 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1430\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/marius-oprea-ySA9uj7zSmw-unsplash-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"marius-oprea-ySA9uj7zSmw-unsplash\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/marius-oprea-ySA9uj7zSmw-unsplash-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/marius-oprea-ySA9uj7zSmw-unsplash-1280x715.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/marius-oprea-ySA9uj7zSmw-unsplash-980x547.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/marius-oprea-ySA9uj7zSmw-unsplash-480x268.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-8087\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_5 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">\u00dcberraschender Weise sprach sich Applebaum auf Facebook pers\u00f6nlich gegen diese Interpretation aus, und <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/anneapplebaumwp\/posts\/704110623118513\">positionierte sich f\u00fcr die Bezeichnung des Holodomor als Genozid<\/a>. <span style=\"color: #000000\">Sie sieht lediglich eine Problematik in der UN-Konvention f\u00fcr eine legale Durchsetzung des Begriffes. Applebaum behaupte, dass die Hungersnot perfekt in die urspr\u00fcngliche Definition von V\u00f6lkermord passe, wie sie von dem Rechtswissenschaftler Raphael Lemkin aufgestellt wurde.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_4  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Damit eine Handlung als V\u00f6lkermord gilt behauptet die Autorin, dass die UN-V\u00f6lkermordsdefinition die Absicht, alle Mitglieder einer ethnischen Gruppe zu t\u00f6ten, voraussetzt. Die UN-Konvention selbst beschreibt V\u00f6lkermord jedoch ausdr\u00fccklich als \"Handlungen, die mit der Absicht begangen werden, eine nationale, ethnische, rassische oder religi\u00f6se Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerst\u00f6ren\"<\/span><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. <span style=\"color: #000000\">Somit wird klar, dass V\u00f6lkermord auch \u201enur\u201c an einem Teil einer Gruppe begangen werden kann, um gesetzlich anerkannt und verurteilt zu werden. Hierzu \u00e4u\u00dfert sich Applebaum nicht und es bleibt offen, weshalb sie sich dazu entschieden hat, dieses wichtige Detail nicht in ihre Betrachtungen miteinzubeziehen. Man k\u00f6nnte jedoch argumentieren, dass sie dies aufgrund ihrer Argumentation gegen die Sowjetunion bzw. russische Propaganda getan hat. Denn in diesem Textabschnitt geht sie auch auf die teilweise erfolgreichen Versuche der Sowjetunion ein, aktiv die Definition der UN-Konvention zu beeinflussen. Doch hat dieser Fakt nicht viel mit der Kategorisierung zu tun, die, wie wir gesehen haben, auch laut UN legitim w\u00e4re.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <span style=\"color: #000000\">\u00dcbereinkommen \u00fcber die Pr\u00e4vention und Bestrafung des Verbrechens des V\u00f6lkermords - Genehmigt und zur Unterzeichnung und Ratifizierung oder zum Beitritt vorgeschlagen durch die Resolution 260 A (III) der Generalversammlung vom 9. Dezember 1948 - Inkrafttreten: 12. Januar 1951, in \u00dcbereinstimmung mit Artikel XIII.<\/span><\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_3  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_4  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_5  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Das Buch \u201eRed Famine \u2013 Stalin\u2019s War on Ukraine\u201c von Anne Applebaum nimmt definitiv eine bedeutende Rolle in der heutigen Zeit ein und tr\u00e4gt zur Diskursverbreitung und Erforschung des Holodomors bei. Es leistet seinen Beitrag, das Bewusstsein f\u00fcr dieses tragische Ereignis zu sch\u00e4rfen und tr\u00e4gt zu einer breiteren Diskussion \u00fcber die sowjetische Politik und die Leiden der ukrainischen Bev\u00f6lkerung bei. Applebaums gr\u00fcndliche Recherche und ihre F\u00e4higkeit, verschiedene Quellen zu nutzen, machen das Buch zu einer wichtigen Ressource f\u00fcr Forscherinnen und Forscher, die sich ausf\u00fchrlicher mit dem Holodomor auseinandersetzen m\u00f6chten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Dennoch gibt es Stellen, die widerspr\u00fcchlich erscheinen, Quellen deren Ursprung man genauer untersuchen m\u00fcsste, Details die von Applebaum nicht genauer betrachtet werden und einen Bias der Autorin, der sich stark auf der Seite der Ukraine verorten l\u00e4sst. Wie mit diesem Artikel deutlich wurde wurzelt dieser zum Teil in den verwendeten Quellen des Ukrainian Research Centres, aber vermutlich auch an der ideologischen Sph\u00e4re in der sich die Autorin befindet, wenn man ihr akademisches und privates Umfeld genauer betrachtet (Plokhy; Das Ukrainian Research Centre Harvard oder ihr Mann, ehemaliger polnischer Au\u00dfenminister. Alles auch sehr EU und Ukraine lehnende Instanzen in ihrem unmittelbaren Umfeld). Umso wichtiger erschien mir an dieser Stelle die Arbeit mit der Kritik, um andere Perspektiven und kritische Einsch\u00e4tzungen zu ber\u00fccksichtigen, und damit zu einem umfassenderen Verst\u00e4ndnis dieses historischen Ereignisses und Applebaums Werk zu gelangen. Die dabei kritischste Stimme ist mit Abstand Mark Tauger zuzuschreiben. Aufgrund der L\u00e4nge seines Artikels konnte ich nur einige seiner Punkte in den Blog integrieren, doch ist seine Kritik durchaus lesenswert, gut durch Literatur gest\u00fctzt und w\u00e4re potentiell eine individuelle Betrachtung im Rahmen eines weiteren Artikels wert. Er sieht Applebaums Werk sehr kritisch im ukrainischen nationalistischen Narrativ verankert und findet ihre Arbeitswese bez\u00fcglich Zitierungen und Literaturangaben mangelhaft, oft behauptet er auch Widerspr\u00fcche und fehlende Belege auf Seiten der Autorin gefunden zu haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Die weiteren genannten Kritiker\/innen (Plohky, Davies, Fitzpatrick und Snyder) sind gegen\u00fcber der Publikation Applebaums definitiv positiver gestimmt und w\u00fcrden das Werk in die Sparte einer gelungen Public History Publikation einordnen, die doch eine bemerkenswerte Tiefe erreicht. Laut ihnen pr\u00e4sentiert Applebaum erfolgreich ihr zentrales Argument: Stalin nutzte die Hungersnot nicht nur, um Ukrainer\/innen zu t\u00f6ten, sondern auch, um die ukrainische Nationalbewegung zu zerst\u00f6ren, die er als Bedrohung f\u00fcr die Sowjetmacht ansah, und um die Idee der Ukraine als unabh\u00e4ngige Nation f\u00fcr immer zu vernichten. Es wurde durch die Kritikbetrachtung besonders deutlich, dass Applebaums gew\u00e4hlter historischer Rahmen der Ukraine bemerkenswert und ambitioniert versucht einen Bogen in die Gegenwart zu ziehen, aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe aber auch selektive oder zufallsbedingte L\u00fccken aufweist. Meine pers\u00f6nliche Positionierung findet sich wohlbemerkt in der Mitte der in diesem Blogbeitrag pr\u00e4sentierten Kritik. Doch stimme ich letzteren Kritiker\/innen zu, dass Anne Applebaum ein \u00e4u\u00dferst ausf\u00fchrliches Werk publizierte, welches Potential zu einem Standardwerk besitzt. Dennoch darf man nicht den Fakt ignorieren, dass sie prim\u00e4r eine Journalistin ist und das Werk dementsprechend von akademischen Publikationen zu unterscheiden ist.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_6  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">QUELLEN<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Alexander, Yonah; Myers, Kenneth (2015). Terrorism in Europe \u2013 Routledge Library Editions: Terrorism and Insurgency. Routledge Publishing, New York.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Applebaum, Anne (2017). Red Famine Stalin\u2019s War on Ukraine. First Anchor Books Edition. Penguin Random House LLC, New York.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Davies, Franziska (2020). Als in Stalins Reich Millionen Menschen verhungerten. https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/stalin-ukraine-1.4752620<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Fitzpatrick, Sheila (2017). Red Famine by Anne Applebaum review \u2013 did Stalin deliberatley let Ukraine starve? The Guardian: https:\/\/www.theguardian.com\/books\/2017\/aug\/25\/red-famine-stalins-war-on-ukraine-anne-applebaum-review<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Gergel, Nahum. \"The pogroms in the Ukraine in 1918\u201321\" in YIVO Annual of Jewish Social Science, 6 (1951).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Plokhy, Serhii (2021). The Frontline \u2013 Essays on Ukraine\u2019s Past and Present. Harvard University Press.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Snyder, Timothy (2017). The deliberate starvation of millions in Ukraine. The Washington Post: https:\/\/www.washingtonpost.com\/outlook\/the-deliberate-starvation-of-millions-in-ukraine\/2017\/11\/03\/0999f2d0-b8bb-11e7-be94-fabb0f1e9ffb_story.html<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Tauger, Mark (2006). \u201cStalin, Soviet Agriculture, and Collectivization,\u201d in Trentmann and Just, eds.,\u00a0<em>Food and Conflict in Europe in the Age of the Two World Wars<\/em>, New York.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: x-small;color: #000000\">Tauger, Mark (2018). Review of Anne Applebaum\u2019s \u201eRed Famine: Stalin\u2019s War on Ukraine\u201c. History News Network, Columbian College of Arts &amp; Sciences, The George Washington University: https:\/\/historynewsnetwork.org\/article\/169438<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":13658,"featured_media":7599,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[1013706,207,1013655,1013673,849570,1013622],"tags":[1013703,1013724,1013702,1013725,52067],"class_list":["post-8076","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-allgemein","category-genozid","category-geschichte","category-jean-kruschinsky","category-ukraine-debatte-europa","tag-anne-applebaum","tag-buchkritik","tag-holodomor","tag-red-famine","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13658"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8076"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8076\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9261,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8076\/revisions\/9261"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}