{"id":8013,"date":"2024-03-31T19:53:56","date_gmt":"2024-03-31T17:53:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=8013"},"modified":"2024-11-04T17:02:47","modified_gmt":"2024-11-04T16:02:47","slug":"die-global-gateway-initiative-als-gegenentwurf-zur-neuen-seidenstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2024\/03\/31\/die-global-gateway-initiative-als-gegenentwurf-zur-neuen-seidenstrasse\/","title":{"rendered":"Die Global Gateway Initiative als Gegenentwurf zur Neuen Seidenstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-weight: 400\">Vor dem Aufstieg des Westens bildete die Seidenstra\u00dfe mit einem Netz von \u00fcber 6000 Kilometern die Verbindung zwischen dem Fernen Osten und Europa. Sie war eine historische Handelsroute, die den Austausch von Waren, Kulturen und Ideen zwischen weit voneinander entfernten Regionen erm\u00f6glichte. Die Seidenstra\u00dfe trug nicht nur zum wirtschaftlichen Austausch bei, sondern spielte auch eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von Kultur, Religionen und Wissen zwischen verschiedenen Zivilisationen. Die Handelsroute war ein Netzwerk von Karawanenwegen und Seeverbindungen, welche eine Schl\u00fcsselrolle in der historischen Globalisierung spielte. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Die Zeiten von Marco Polo und seinesgleichen m\u00f6gen nat\u00fcrlich lange zur\u00fcck liegen, den Geist der Seidenstra\u00dfe scheint das allerdings unber\u00fchrt zu lassen, sodass er mehrere Jahrhunderte sp\u00e4ter seine Renaissance erlebt.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-weight: 400\">Chinas Bem\u00fchungen als ernste Alternative zum Westen aufzutreten, \u00e4u\u00dfert sich in einer, sagen wir, durchaus selbstbewussten Investitionsoffensive. \u00dcber 10 Jahre ist es nun her, dass Xi Jinping das Riesenprojekt \u201eBelt and Road Initiative\u201c vorstellte. Nicht weniger als mehrere hunderte Milliarden Euro investiert das Land in Kooperation mit anderen asiatischen Partnern seitdem in die Wiederbelebung der alten Handelsrouten. In Deutschland ist das Projekt eher unter dem Namen \u201eNeue Seidenstra\u00dfe\u201c bekannt und ist auch hierzulande ein Thema wie vor kurzem klar wurde, als sich der chinesischen Staatskonzerns Cosco in den Hamburger Hafen einkaufte. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Eine breite Diskussion \u00fcber die Risiken einer Abh\u00e4ngigkeit von China war die direkte Folge.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-weight: 400\">China hat bei seinen Vorhaben einen Vorteil: Es gilt in vielen Nehmer-L\u00e4ndern als eher gro\u00dfz\u00fcgig und direkt, was den Geldfluss angeht. Statt, wie dem Westen oftmals vorgehalten wird, viele Forderungen zu stellen und Prozesse mit zu viel B\u00fcrokratie zu verlangsamen, ist China oftmals interessiert und bereit dann unkompliziert zu investieren, wenn andere es nicht sind. Durch diese Strategie ist China in den letzten Jahren zum gr\u00f6\u00dften \u00f6ffentlichen Gl\u00e4ubiger weltweit aufgestiegen. Die<\/span><span style=\"font-weight: 400\"> Neue Seidenstra\u00dfe unterstreicht somit durchaus die Ambitionen wirtschaftlich, als auch geopolitisch zur Gro\u00dfmacht aufzusteigen. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Mittlerweile sind rund 70 L\u00e4nder an dem Mega-Projekt beteiligt, darunter auch S\u00fcd- und Osteurop\u00e4ische, f\u00fcr die China auf der einen Seite wie eine Art Entwicklungshelfer fungiert und auf der anderen ein durchaus ernstzunehmendes Druckmittel auf Br\u00fcssel darstellt.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Ein anschauliches Beispiel f\u00fcr Chinas strategische Investitionen in europ\u00e4ische Infrastruktur ist der Hafen von Pir\u00e4us in Griechenland. Als erste gro\u00dfe Investition in einen europ\u00e4ischen Hafen erwarb der chinesische Staatskonzern Cosco, die gleiche Firma wie in Hamburg, 2016 die vollst\u00e4ndige Kontrolle \u00fcber den Hafen. Diese Investitionen haben durchaus Auswirkungen auf die politische Haltung der Empf\u00e4ngerl\u00e4nder: So blockierte Griechenland bereits EU-Resolutionen, die sich kritisch mit der Menschenrechtssituation in China auseinandersetzten. Auch der Fall Italiens zeigt die Komplexit\u00e4t der wirtschaftlichen Verflechtungen mit China: Als erstes G7-Land trat Italien 2019 der Neuen Seidenstra\u00dfe bei. Mittlerweile diskutiert das Land jedoch einen Ausstieg aus dem Projekt, da die erhofften wirtschaftlichen Vorteile ausblieben &#8211; Italien importiert nach wie vor deutlich mehr Waren aus China als umgekehrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-weight: 400\">Der Europ\u00e4ischen Union blieb dieses Engagement Chinas nicht verborgen, sodass sie sich 10 Jahre nach China dazu entschied, ebenfalls einen globalen Investitionsplan vorzulegen. Der Name dieses Prestigeprojektes lautet: Global Gateway Initiative. In diesem Rahmen stellen die G7-Staaten 600 Milliarden Euro, wovon die EU 300 Milliarden Euro beisteuert, in Aussicht. Die Hauptlast sollen die 27 Mitgliedsstaaten und private Investoren tragen. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Ursula von der Leyen stellte das Projekt wie folgt vor: \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Wir werden intelligente Investitionen in hochwertige Infrastruktur f\u00f6rdern, die entsprechend unseren Werten und Anspr\u00fcchen h\u00f6chsten Sozial- und Umweltstandards gen\u00fcgen. Die Global-Gateway-Strategie zeigt auf, wie Europa sich krisenfester mit der Welt vernetzen kann.\u201c <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">Der Westen positioniert sich somit als demokratische, kapitalistische Alternative zu China, sozusagen als \u201esystemischer Rivale\u201c. Es soll ausdr\u00fccklich nicht um schnelles Geld oder neue Abh\u00e4ngigkeiten gehen. Allerdings gibt es neben <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Lob \u00e1 la \u201eendlich wird sich gegen China zur Wehr gesetzt\u201c, auch viel Kritik an der Initiative, da diese doch recht unkonkret bleibt.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Von der Leyen spricht z.B. von Wasserstoff, Unterseekabeln und Transportnetzen. Konkrete, schnell umzusetzende Pl\u00e4ne werden dabei aber nicht vorgelegt. Ein weiterer Kritikpunkt ist der vergleichsweise geringe Geldbetrag. Viele der versprochenen Gelder f\u00fcr das Projekt sind n\u00e4mlich vorher bereits fest verplant, dementsprechend also nicht als neue Investition zu werten. Im Gegensatz zu den riesigen Investitionen in die Neue Seidenstra\u00dfe ist das Budget der EU am Ende dann doch vergleichsweise geringf\u00fcgig.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-weight: 400\">Obwohl Chinas Wirtschaft aktuell gro\u00dfe Probleme hat, kann das Projekt der neuen Seidenstra\u00dfe bisher als Erfolg f\u00fcr das Land betrachtet werden. Wichtig dabei zu nennen\u00a0spielen zunehmend Investoren aus autokratischen Staaten wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten eine wichtige Rolle bei der Finanzierung, wodurch China seine Beziehungen in den Nahen Osten weiter ausbauen kann.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Es ist gelungen, zahlreiche neue Verbindungen und Partnerschaften zu schlie\u00dfen und zu zeigen, dass man als aufstrebendes Land bereit ist, global Verantwortung zu \u00fcbernehmen und sich als Alternative zum Westen zu positionieren. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Inwiefern die EU den Vorsprung der Volksrepublik noch aufholen kann, bleibt abzuwarten.<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400\" \/><br style=\"font-weight: 400\" \/><br style=\"font-weight: 400\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Aufstieg des Westens bildete die Seidenstra\u00dfe mit einem Netz von \u00fcber 6000 Kilometern die Verbindung zwischen dem Fernen Osten und Europa. 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