{"id":7464,"date":"2024-03-05T18:40:56","date_gmt":"2024-03-05T17:40:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=7464"},"modified":"2024-09-03T17:22:33","modified_gmt":"2024-09-03T15:22:33","slug":"red-famine-anne-applebaum-eine-buchkritik-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2024\/03\/05\/red-famine-anne-applebaum-eine-buchkritik-teil-1\/","title":{"rendered":"Red Famine &#8211; Anne Applebaum &#8211; Eine Buchkritik Teil 1"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Anne Applebaum besch\u00e4ftigt sich in ihrer Publikation \u201eThe Red Famine \u2013 Stalin\u2019s War on Ukraine\u201c mit einem Ereignis, das bis heute eine Zensur in der Geschichte der Ukraine ausmacht \u2013 dem Holodomor 1932\/33. \u00dcbersetzt man zu Deutsch, so spricht man vom \"Tod durch Hunger\". In der Literatur wird bis heute \u00fcber dessen Kategorisierung diskutiert. Jedoch herrscht Unklarheit, ob man es als einen Genozid einstuft, oder ob man von einem Produkt der sowjetischen Misswirtschaft in der Landwirtschaft und der Gleichg\u00fcltigkeit der Bolschewiki gegen\u00fcber dem Schicksal der Bauern spricht. Unabh\u00e4ngig von diesen Definitionsfragen markiert der Holodomor schmerzhaft f\u00fcr das kollektive Ged\u00e4chtnis der Ukraine einen Grundstein f\u00fcr ein nationalidentit\u00e4res Narrativ \u2013 Sowjetunion gegen die Ukraine; bzw. der gezielte Versuch Stalins, die Ukraine auszuhungern. So schreibt auch Applebaum: \u201eThe famine and its legacy play an enormous role in contemporary Russian and Ukrainian arguments about their identity, their relationship and their shared Soviet experience\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Die Journalistin und studierte Historikerin schrieb f\u00fcr die Washington Post, aber auch Gazeta Wyborcza, The Independent und andere renommierte Zeitschriften. Zudem ist sie Professorin an der London School of Economics und Senior Fellow an der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University und Mitglied des Kuratoriums der Johns Hopkins University. F\u00fcr ihr 2003 ver\u00f6ffentlichtes Werk \u201eGulag \u2013 A History\u201c erhielt sie ein Jahr sp\u00e4ter den Pulitzer Preis.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Bei ihrer Recherche \u00fcber die Hungersnot st\u00fctzt sich Applebaum auf Zeitzeugeninterviews, Briefe und weitere pers\u00f6nliche und \u00f6ffentliche Dokumente, von denen einige erst nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 in ukrainischen und ehemals sowjetischen Archiven \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich wurden. Es ist wichtig zu bemerken, dass sie sich nicht nur auf die Jahre 1932\/33 konzentriert, sondern einen historisch un\u00fcblich weitgefassten Rahmen w\u00e4hlt, um zu einem tieferen Verst\u00e4ndnis des Holodomor aus ukrainischer Perspektive zu gelangen.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Im ersten Teil des Buches befasst sich Applebaum mit der Ukraine als Nation und ihrer Identit\u00e4tsbildung. Sie beschreibt eine starke Verbindung der ukrainischen Sprache mit der Landbev\u00f6lkerung, greift unter anderem auch den Dichterkult Tschewtschenkos; aber auch den nationalpolitischen Kult um Hrushevsky auf und zieht ihre Analyse der ukrainischen Identit\u00e4t bis in die Zeit der Kiewer Rus\u2018, des polnisch-litauischen Commonwealth im sechzehnten Jahrhundert und des Zarenreichs zur\u00fcck (Ab dem neunten Jahrhundert, beginnend mit der Kiewer Rus, bis in das Jahr 1917).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Hierbei behauptet Sie, dass Ukrainer\/innen ab dem Mittelalter eine geteilte Identit\u00e4t, oft auch in Abgrenzung zu Besatzern besa\u00dfen. Diese Formulierung erscheint sehr simpel im Vergleich zu der Komplexit\u00e4t der Nationsbildung der Ukraine. Die Verortung der Ukrainischen Nation oder Traditionen, die als konstituierende Vorg\u00e4nger dieser fungierten, ist eine weitaus <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/41036976?seq=4\">komplexere Frage<\/a>. Applebaum geht auf den Gr\u00fcndungsmythos des Kosakentums nur sehr peripher ein; nennt die Kiever Rus\u2018 ebenfalls kurzgefasst und letztlich geht sie mehr auf die Kolonisation der Ukraine durch Polen, Russland und \u00d6sterreich-Ungarn ein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Unterschiedliche Gruppen und Interessen in den gesellschaftlichen Hierarchien waren nicht per se einheitlich unter einem Ukrainischen Narrativ vereint, das sich gegen alle au\u00dfenstehenden Nationen richtete, wie es durch Applebaums Formulierung erscheint. In Ostgalizien unter Habsburger Herrschaft forderte die Frage nach Identit\u00e4t eine Entscheidung zwischen der Zugeh\u00f6rigkeit zu Ruthenien, der Ukraine oder Russland. Auch in Russland selbst gab es Ideen einer ukrainischen Nation, die der Idee der \"Kleinrussen\" gegen\u00fcberstanden, verbunden mit politischen Sympathien f\u00fcr das jeweilige Land. Nachdem sie den einheitlichen Charakter der ukrainischen nationalen Identit\u00e4t hervorgehoben hat, erw\u00e4hnt Applebaum diese in dem Land vorherrschende Dichotomie, geht aber nicht n\u00e4her darauf ein.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Die Betonung, die Applebaum auf die Ukraine als b\u00e4uerliches Volk legt, ist nachvollziehbar. Offen bleibt, inwieweit sich die Landbev\u00f6lkerung tats\u00e4chlich mit einer ukrainischen Identit\u00e4t, sowie Sprache identifizierte und dies politisch zum Ausdruck brachte. So behauptet Applebaum, dass die ukrainische Nationalbewegung durch die \"Wiederbelebung\" der ukrainischen Sprache Unterst\u00fctzung in der Bauernschaft fand. Applebaum behandelt diesen Aspekt an dieser Stelle nicht direkt. Ihre anschlie\u00dfende Darstellung der ukrainischen Revolution ab 1917 beschreibt jedoch auch eine Politisierungstendenz der Landbev\u00f6lkerung in der Ukraine. Dabei beantwortet sie indirekt die vorherige Frage, indem sie das Hauptinteresse der Landbev\u00f6lkerung, n\u00e4mlich den Landbesitz, nennt, nicht die nationalidentit\u00e4re Zugeh\u00f6rigkeit. An weiterer Stelle, als sie die kurzzeitige Machtergreifung Petliuras umschreibt, nennt Applebaum wiederholt das erneute Aufleben der ukrainischen Sprache durch ein tempor\u00e4res Verbot der Russischen Sprache in Kiew.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Jene nationalistische Sichtweise f\u00fchrt sich auch in ihrer Darstellung der Kriegsverbrechen und antisemitischen Pogrome in der Ukraine fort. Franziska Davies, Ost-Europa Historikerin, beschreibt es in einem Artikel f\u00fcr die S\u00fcddeutsche Zeitung wie folgt: \u201eNicht erw\u00e4hnt werden von Applebaum die Massenpogrome, die zu einem erheblichen Teil Ukrainer kurz nach dem deutschen Einmarsch in der heutigen Westukraine im Jahr 1941 an ihren j\u00fcdischen Nachbarn ver\u00fcbten, denen sie Kollaboration mit der gerade abgezogenen Sowjetherrschaft vorwarfen \u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Applebaum behauptet zu Recht, dass alle Seiten im B\u00fcrgerkrieg in der Ukraine Pogrome ver\u00fcbt haben, weist aber jede weitere Untersuchung der Verantwortung f\u00fcr die Pogrome als \u201eRosinenpickerei\" zur\u00fcck. Allerdings betreibt Applebaum hier selbst \u201eRosinenpickerei\u201c. Sie bevorzugt die niedrigste Sch\u00e4tzung der Zahl der Pogromopfer von 50.000. Diese Zahl stammt von dem Pogromforscher Naum Gergel. Sie erw\u00e4hnt nicht, dass seine Forschungen auch ergaben, dass Truppen der Ukrainischen Volksrepublik f\u00fcr etwa 40 Prozent der Pogrome verantwortlich waren und ihre Pogrome im Durchschnitt m\u00f6rderischer waren als die der wei\u00dfen Armee und der Bolschewiki.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Auch kritisch zu betrachten ist ihre Behauptung, dass \"in der Stadt Proskuriv (heute Chmelnyzkyj) ein von den Bolschewiki angezettelter Aufstand im Laufe von zwei Tagen zum Tod von 1.600 Menschen f\u00fchrte\". Dies ist eine Verschleierung der Identit\u00e4t sowohl der ukrainischen T\u00e4ter als auch der j\u00fcdischen Opfer des ber\u00fcchtigtsten und blutigsten ukrainischen Pogroms jener Zeit, denn der Slogan der einmarschierenden Armee lautete wie folgt: \u201eT\u00f6tet die Juden, und rettet die Ukraine \u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Den schon vor dem zweiten Weltkrieg verwurzelten ukrainischen Antisemitismus in dieser Publikation nicht tiefer zu examinieren scheint eine L\u00fccke in der Betrachtung der gesellschaftlichen Dynamiken zu bilden, zumal es beispielsweise verst\u00e4rkt das antisemitische Narrativ gab, die Juden seien f\u00fcr die Hungersnot verantwortlich. Applebaum greift dies lediglich peripher auf und portr\u00e4tiert es im Rahmen nationalsozialistischer u.o. bolschewistischer Propaganda.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Davies zufolge bleibt auch die Kollaboration ukrainischer Faschisten mit den NS-Truppen und die Ermordung von Hunderttausenden Polen in Wolhynien in der heutigen Nordwestukraine, durch die sogenannte UPA (Ukrainische Aufstandsarmee) zwischen 1943 und 1945, unerw\u00e4hnt. Auch Aussagen wie: \u201eThe collaboration of some Ukrainians with the Nazis\u201c unterstreichen eine gewisse Fahrl\u00e4ssigkeit in Applebaums Umgang mit der Thematik der Kollaboration. Hierbei spricht sie sich zwar zurecht auch gegen historische Literatur aus, die die Ukraine zur Zeit des Zweiten Weltkrieges aufgrund der Kollaboration als \u201efaschistisch\u201c bezeichnet, doch fragt sich inwieweit hier ihre eigene Stellungnahme zum Vorschein gelangt, oder weshalb sie sich an dieser Stelle nicht an einen neutraleren Ausdruck gehalten hat.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Die Kritik der unerw\u00e4hnten Pogrome, der mangelnden Auseinandersetzung mit dem ukrainischen Antisemitismus und Massakern ist nach genauer Betrachtung als legitim anzusehen. Applebaum erw\u00e4hnt jedoch an diesen zuvor bemerkten Stellen meistens, dass eine tiefere Investigation den Rahmen sprengen w\u00fcrde. Man k\u00f6nne hier argumentieren, dass sie sich selbst diesen gro\u00dfen Rahmen vorgenommen hat und sich die teleologische Ausrichtung ihres Werkes verschieben w\u00fcrde, sobald sie von ihrem Narrativ abweichen w\u00fcrde. Es ist nun mal der Versuch Applebaums ein positives ukrainisches Narrativ zu kartographieren, und Abschweifungen kritischer Natur gegen\u00fcber der Rolle der ukrainischen Bev\u00f6lkerung konstituieren weder Applebaums Schwerpunkt, Expertise noch Ziel ihrer Publikation.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_4  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Fahren wir in der Betrachtung des Werkes fort, so gelangen wir zum Herzst\u00fcck der Publikation; der Hungersnot. Den Kern der ersten Hungersnot in den 1920er Jahren sieht Applebaum in der bolschewistischen Etablierung des <em>War Communism <\/em>in der Ukraine, der laut Autorin 1918 in das Land Einzug fand, und die Militarisierung aller \u00f6konomischen Beziehungen bedeutete, einschlie\u00dflich der Kontrolle \u00fcber den Weizen der Ukraine. Sie schreibt: \u201e[...], the Bolsheviks assumed that the exploitation of Ukraine was the price that had to be paid in order to maintain control of Russia \u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Ende der 1920er Jahre gab die Sowjetunion die Neue \u00d6konomische Politik zugunsten von <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/izpb\/sowjetunion-i-1917-1953-322\/189565\/stalinismus\/\">Kollektivierung, Requirierung und Dekulakisierung<\/a> auf. Die Bolschewiki wollten die Bauern zwingen, sich den Kolchosen anzuschlie\u00dfen. Sie verh\u00e4ngten Getreidequoten, mit deren Ertr\u00e4gen das industrielle Wachstum durch Exporte finanziert werden sollte. Beschlagnahmungsbrigaden zogen in die D\u00f6rfer, um die Erzeugnisse zu konfiszieren, und setzten Gewalt ein, um Widerstand zu \u00fcberwinden. Damit einher ging eine Kampagne zur Liquidierung der sogenannten Kulaken, der vermeintlich reicheren Bauern. Die als Kulaken bezeichneten Bauern verloren ihre H\u00f6fe und wurden in die Peripherie der Sowjetunion verbannt, in der der Boden schlechte Anbaubedingungen bot.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Die Bauern wehrten sich und griffen dabei auf Methoden zur\u00fcck, die von Gewalt bis zum Horten von Nahrung reichten. Allein im M\u00e4rz 1930 registrierte man zweitausend Massenproteste in der Ukraine. Somit verschlimmerte sich die Krise in der sowjetischen Landwirtschaft, die wiederrum zu einer weit verbreiteten Unterern\u00e4hrung in vielen Teilen der Sowjetunion f\u00fchrte. Stalin, der die nicht erf\u00fcllten Getreidequoten der Pr\u00e4senz Ukrainischer Nationalisten innerhalb der Ukrainischen Kommunistischen Partei zuschrieb, sah den f\u00fcnf Jahres Plan nicht in Erf\u00fcllung gehen und befand sich in einer prek\u00e4ren Situation, was die Sicherstellung seiner Macht betraf.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Was jedoch nicht von Applebaum erw\u00e4hnt wird ist die M\u00f6glichkeit der Bauern die kollektiven Farmen zu verlassen, sofern sie zum Eintritt gezwungen wurden (Auch im Zusammenhang mit dem Narrativ Stalins, lokale Ukrainische Akteure als S\u00fcndenb\u00f6cke dazustellen). Diese, vorsichtig ausgedr\u00fcckt, \u201eEmanzipierung\u201c und gute Wetterbedingungen f\u00fchrten im Jahre 1930 zu einer Rekordernte. Plokhy beschreibt es als: \u201e[...] victory for the peasantry and a defeat for collectivization [...].\u201c Laut Plokhy war dies aus Stalins Sicht Grund genug die sp\u00e4teren schlechteren Quoten als L\u00fcge abzuschreiben und den Bauern das Verstecken ihrer Ernte vorzuwerfen; was dann mit einer h\u00e4rteren Kollektivierung einherging. Weitere Ma\u00dfnahmen <em>(<\/em><em>Bspw.: Kollektive Farmen die auf Blacklists gesetzt werden konnten, sofern sie nicht die Quoten erf\u00fcllten. Geschlossene Grenzen in der Ukraine, um privaten Handel von Nahrung auszuschlie\u00dfen und Abwanderung zu verhindern<\/em><em>) <\/em>Stalins festgehalten im Dekret \"\u00dcber die Beschaffung von Getreide in der Ukraine, im Nordkaukasus und in der westlichen Region\" vom 14. Dezember 1932, f\u00fchrten letztlich zu der heute als Holodomor bekannten Hungersnot. Am meisten betroffen waren Regionen s\u00fcdlich von Kiew, in denen es schon zu Beginn der strikteren Kollektivierung kein Getreide mehr einzutreiben gab.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Mark Tauger, Geschichtsprofessor and der Universit\u00e4t West Virginia, kritisiert an dieser Stelle Applebaums Zitierung Stalins \u00fcber die mechanisierte Landwirtschaft. Die Autorin schreibe das Vorhaben als \u201asowjetischen Wissenschaftskult\u2018 ab, ohne anzuerkennen, dass die sowjetische F\u00fchrung versuchte die amerikanische Landwirtschaft nachzuahmen <em>(<\/em><em>Jene war noch st\u00e4rker mechanisiert und wissenschaftlich fundiert<\/em><em>). <\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #000000\">Somit, schlussfolgert Tauger, ziehe Applebaum nicht in Betracht, dass die Missernten dazu beigetragen haben k\u00f6nnten, die sowjetische F\u00fchrung in der Modernisierungsfrage ihrer Agrarkultur zu beeinflussen. Ihm fehle an dieser Stelle auch die Erw\u00e4hnung des VASKhNiL, der zentralen Forschungsakademie f\u00fcr Agrarkultur; die andere Ziele verfolgte, als; so Tauger \u00fcber Applebaum\u2019s Aussage; \u201adie Bauern f\u00fcr die Industrie auszuquetschen\u2018. So war die Modernisierung der Landwirtschaft ein zentrales Thema auf den Plenarsitzungen des Zentralkomitees von 1928, dem Applebaum keine Beachtung schenkt.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_5  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\"><strong><em><span style=\"color: #000000\">Im <\/span><\/em><span style=\"color: #000000\"><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2024\/08\/17\/red-famine-anne-applebaum-eine-buchkritik-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zweiten Teil<\/a><\/span><span style=\"color: #000000\"> <\/span><em><span style=\"color: #000000\">werden ich mich weiteren kritischen Stimmen widmen und mein pers\u00f6nliches Fazit zum Buch pr\u00e4sentieren.<\/span><\/em><\/strong><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":13658,"featured_media":7599,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,547936,1013655,1013673,849570,1013622],"tags":[1013703,1013702,58,52067],"class_list":["post-7464","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-generation-europa","category-genozid","category-geschichte","category-jean-kruschinsky","category-ukraine-debatte-europa","tag-anne-applebaum","tag-holodomor","tag-literatur","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13658"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7464"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9258,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7464\/revisions\/9258"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}