{"id":7404,"date":"2023-12-13T18:02:52","date_gmt":"2023-12-13T17:02:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=7404"},"modified":"2023-12-27T14:32:22","modified_gmt":"2023-12-27T13:32:22","slug":"i-have-witnessed-tragedies-in-those-camps-ein-gespraech-mit-cihat-yilmaz-ueber-die-humanitaere-krise-an-der-belarusisch-litauischen-grenze-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2023\/12\/13\/i-have-witnessed-tragedies-in-those-camps-ein-gespraech-mit-cihat-yilmaz-ueber-die-humanitaere-krise-an-der-belarusisch-litauischen-grenze-2021\/","title":{"rendered":"\u201cI have witnessed tragedies in those camps\u201d \u2013 Ein Gespr\u00e4ch mit Cihat Yilmaz \u00fcber die humanit\u00e4re Krise an der belarusisch-litauischen Grenze 2021"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Von Deutschland aus erscheinen die Grenzen der Europ\u00e4ischen Union manchmal sehr weit entfernt, obwohl sie das eigentlich nicht sind. Vilnius, wo ich gerade mein Auslandssemester verbringe, liegt nordwestlich einer solchen Grenze. Von hier aus sind es nur knapp 40 km bis ins benachbarte Belarus. Nach der geplanten Krisenverodnung im Rahmen der Reform des EU-Asylrechts sollen gefl\u00fcchtete Menschen an den EU-Au\u00dfengrenzen bis zu 20 Wochen festgehalten werden d\u00fcrfen \u2013 in haft\u00e4hnlichen Bedingungen. Um zu verstehen, was dies in der Realit\u00e4t bedeutet, gen\u00fcgt ein Blick auf diese \u00f6stliche Grenze der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2021 kam es in Litauen \u2013 wie auch in Polen und Lettland \u2013 zu einem ungewohnt hohen Aufkommen gefl\u00fcchteter Menschen aus dem Globalen S\u00fcden an den belarusischen Grenzen. Innerhalb weniger Monate wollten mehr als 4000 Personen im EU-Land Schutz suchen, das normalerweise einige hundert Asylantr\u00e4ge pro Jahr bearbeitet. Es vermehrten sich Hinweise auf eine Beteiligung des Lukaschenka-Regimes. Dieses antwortete hierdurch vermutlich auf EU-Sanktionen wegen der brutalen Niederschlagung der Proteste 2020 und nutzte die Zerstrittenheit der Europ\u00e4ischen Union im Punkt Migration f\u00fcr seine Zwecke. Die litauische Regierung sprach deshalb von hybrider Kriegsf\u00fchrung und reagierte mit extremer H\u00e4rte. Nach Verh\u00e4ngung des Ausnahmezustands, wurden Asylsuchende ab Anfang August an der Grenze nach Belarus zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Gefl\u00fcchtete Menschen wurden innerhalb Litauens bis zu einem Jahr in menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen festgehalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center\"><em>\"You never know the reasons that pushed a person to leave his country and live here\" - im Gespr\u00e4ch mit Cihat<\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe mit Cihat (38) gesprochen, der als Mitarbeiter des Roten Kreuzes in den Camps \u00fcbersetzte. Das Interview fand im Rahmen eines Uniprojekts statt. Gemeinsam mit drei litauischen Studierenden wollten wir herausfinden, welche Auswirkungen Menschen aus dem Globalen S\u00fcden, die seit l\u00e4ngerem in Litauen leben, nach den Ereignissen von 2021 in der Gesellschaft erlebten. Cihat stammt aus dem t\u00fcrkischen Kurdistan. Er lebte f\u00fcr 10 Jahre in Irakisch-Kurdistan, bevor er 2014 f\u00fcr ein Masterstudium in Internationale Beziehungen nach Kaunas, der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt in Litauen, kam. Vor kurzem promovierte er dort in Politikwissenschaft \u00fcber die kurdische Frage im Nahen Osten.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_5 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>2021 begann er zudem als interkultureller Mediator beim Roten Kreuz in Vilnius zu arbeiten. Seine Aufgaben bestehen unter anderem darin, zu \u00fcbersetzen, aber auch in der Organisation kultureller Veranstaltungen. Im Team f\u00fchlt er sich \u00fcberaus wohl, Kolleg*innen seien zu Freund*innen geworden. Er habe aber auch rassistische Erfahrungen in Litauen gemacht \u2013 auch auf institutioneller Ebene. So habe er erlebt, wie im Migrationsamt Ausl\u00e4nder*innen je nach Herkunft unterschiedliche Behandlung erfuhren. Cihat erkl\u00e4rt mir: \u201cYou\u2019re also a foreigner, but because you're Western, because you're from Europe, you would be considered much different, in a more positive way than me because I'm from Middle East. There is an element of racism here. It is sad to see actually, this element of racism is still there. I personally experienced that in governmental institutions.\u201d<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_2_5 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"697\" height=\"697\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/FB_IMG_1701077268232.jpg\" alt=\"\" title=\"FB_IMG_1701077268232\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/FB_IMG_1701077268232.jpg 697w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/FB_IMG_1701077268232-480x480.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 697px, 100vw\" class=\"wp-image-7434\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_blurb et_pb_blurb_0  et_pb_text_align_left  et_pb_blurb_position_top et_block_module et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_content\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_container\">\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_description\"><p style=\"text-align: center\">Cihat Yilmaz \u00fcbersetzte f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in den Aufnahmelagern<\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>In seiner Funktion als \u00dcbersetzer \u2013 Cihat spricht unter anderem Kurdisch, T\u00fcrkisch, Arabisch und F\u0101rsi \u2013 arbeitete er in den Camps an den Grenzen zu Belarus 2021. Die Bedingungen dort seien furchtbar gewesen: Die gefl\u00fcchteten Menschen h\u00e4tten wild durcheinander gew\u00fcrfelt zum Teil mit Fremden in Zelten schlafen m\u00fcssen. Einmal am Tag h\u00e4tten sie Essen, genauer gesagt Snacks, bekommen. Darauf angesprochen, wurde Cihat in der Verwaltung geantwortet, man folge nur den Anweisungen. Den Gefl\u00fcchteten wurden ihre Handys weggenommen, sodass viele aufgrund der Sorge um Familienangeh\u00f6rige schier durchgedreht w\u00e4ren. Er war entsetzt: \u201cThey were living in a horrible situation. I couldn\u2019t believe that, how could Lithuania do that? Why is Lithuania doing that? Why are you blaming these people? This is a collective punishment. You never know the reasons that pushed a person to leave his country and live here.\u201d<\/p>\n<p>Cihat erkl\u00e4rt, dass die H\u00e4lfte der Gefl\u00fcchteten, etwa 2000 Menschen, aus dem Irak stammten. Mehrheitlich handelte es sich hierbei um Jesid*innen, die zum Teil direkte Opfer von Gewalt durch die ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien) geworden waren. Weitere Personen waren den Kriegen im Sudan, Syrien oder Jemen entflohen. Auch unbegleitete Minderj\u00e4hrige waren unter den Gefl\u00fcchteten. Wie diese Menschen als Waffe wahrgenommen werden konnten, kann Cihat daher nicht nachvollziehen: \u201dSo, how come these people are considered as a tool of hybrid war? First of all, it's an individual, it's a human being. So that's where this government failed. Because the government first of all defined it as a crisis, but it did not define it as humanitarian crisis, it defined it as a refugee crisis or emergency situation or this kind of crisis. And then the means they used to prevent this crisis or to at least put it in a small scale would be either military or police force, not humanitarian force. So that's what they did. I always thought that Lithuania could have done much better. But unfortunately, for me Lithuania failed to manage this crisis.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center\"><em>Menschen als <\/em>\u201a<em>Waffen' oder wie Litauen der Menschlichkeit den Krieg erkl\u00e4rte<br \/><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Litauische Politiker*innen verwendeten Kriegsrhetorik. So erkl\u00e4rte man 2021, das Land befinde sich im bewaffneten Kampf, der \u00dcbertritt der Gefl\u00fcchteten \u00fcber die Grenze sei als eine Aggression zu werten. Die Menschen w\u00fcrden wie \u201aBomben\u2018 \u00fcber die Grenzen der EU geworfen werden. Panik \u00fcber angebliche Gefahren durch die Gefl\u00fcchteten wurden medial bewusst gesch\u00fcrt. Mithilfe von Othering und der Reproduktion von Vorurteilen zeichnete man das Bild <em>der <\/em>Gefl\u00fcchteten, welche angeblich kriminell und aggressiv seien \u2013 und daher f\u00fcr Litauen ein Sicherheitsrisiko darstellen w\u00fcrden. Cihat erinnert sich: \u201cSome people felt threatened because of the presence of those migrants and some citizens in the towns and the villages protested against setting up the camps of the people because even they were saying that they are dangerous people, they are thieves, they are rapists, they are\u2026 very unpleasant words.\u201d In den litauischen Medien gab es kaum Stimmen Gefl\u00fcchteter zu h\u00f6ren. Statt die Menschen und ihre Einzelschicksale zu beleuchten, wurden Gefl\u00fcchtete als eine Gesamtbedrohung dargestellt.<\/p>\n<p>Auch mir begegneten solche Aussagen. Als ich im Gespr\u00e4ch mit einer litauischen Kommilitonin meine Kritik \u00fcber das grundlose Festhalten der Gefl\u00fcchteten in quasi-Gef\u00e4ngnissen \u00e4u\u00dferte, erkl\u00e4rte diese: \u201eBut that was something different, it was a hybrid attack on Lithuania.\u201c \u2013 So als ob damit alles zu diesem Thema gesagt sei. In einer Online-Umfrage des Rundfunksenders LRT im August 2021 sprachen sich nur 3% der befragten Litauer*innen f\u00fcr die Aufnahme und Integration der Gefl\u00fcchteten als sinnvollste Reaktion auf die Ereignisse aus \u2013 gegen\u00fcber 33%, die einen Zaun an der Grenze zu Belarus als L\u00f6sung sahen.<\/p>\n<p>Cihat meint: \u201cI never look at that one as a hybrid war, or the problem between the Belarusian authorities and the Lithuanian authorities or the European authorities, or whatever. First of everything I look at it as a humanitarian crisis because I have witnessed tragedies in those camps. I did not care for what reason the person came here. But the problem is that the person is here and he does not have the access to his or her basic rights. There was also a very interesting statement by a politician who said that Lukashenko is arming those people and using them as a weapon against Europe. And at that time, I saw a pregnant woman. So, how come that an unborn child can be a threat to you?\u201d<\/p>\n<p>Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen \u00fcbten Kritik am Umgang mit den Gefl\u00fcchteten. In einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung wandten sich 20 litauische Organisationen an die Regierung. Zu ihnen z\u00e4hlte die NGO Diversity Development Group, deren Forschungsleiterin Giedr\u0117 Bla\u017eyt\u0117 eine selektive Asylpolitik scharf kritisierte: \u201cLast year a humanitarian corridor was created for Belarusians fleeing persecution, but now this country is considered safe for migrants and migrants who are at the border are pushed back into its territory\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center\"><em>\u00a0Z\u00e4une an der Grenze und in den K\u00f6pfen \u2013 Was ist seit 2021 geschehen?<br \/><\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ereignisse von 2021 h\u00e4tten laut Cihat insgesamt einen gro\u00dfen Einschnitt in die Wahrnehmung von Migrant*innen aus dem Globalen S\u00fcden in Litauen bedeutet: \u201cThese refugee issues that started 2021 are still an ongoing problem. This somehow created a narrative in the minds of the people about the foreigners.\u201c Er selbst bekam Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft bereits w\u00e4hrend der Geschehnisse 2021 zu sp\u00fcren. So berichtet er: \u201cAt the beginning of the crisis, I was commuting in Kaunas and Vilnius, so of course I couldn\u2019t always wear Red Cross t-shirts or something like that. I was approached by some people: \u2018Okay, you\u2019re also a refugee, came now?\u2019 I had to tell them: \u2018No, I\u2019m not\u2019. But it had this bad feeling, as if okay, they are bad guys and I\u2019m the good guy.\u201d<\/p>\n<p>Im August letzten Jahres beendete Litauen den Bau eines \u00fcber 500 km langen und vier Meter hohen Stacheldrahtzauns an der Grenze zu Belarus. Das Grenzgebiet ist seit 2021 nur mit Sondergenehmigung zu betreten, offiziell besteht hier weiterhin Ausnahmezustand. Im Mai dieses Jahres verabschiedete der Seimas, das litauische Parlament, ein Gesetz, das Push-backs im Falle so genannter irregul\u00e4rer Migration legalisiert. Bereits im Juni 2022 hatte der Europ\u00e4ische Gerichtshof vorherige Gesetzes\u00e4nderungen in Litauen als v\u00f6lkerrechtswidrig verurteilt, durch welche den Schutzsuchenden ein grunds\u00e4tzlicher Anspruch auf ein Asylverfahren verwehrt bleibt. Die rechtspolitische Sprecherin der NGO Pro Asyl Wiebke Judith zeigte sich best\u00fcrzt: \u201eWie bereits in Polen und Ungarn soll auch hier eine Praxis zum Gesetz werden, die erst k\u00fcrzlich vom Europarat als Folter eingestuft wurde. Die Talfahrt des Fl\u00fcchtlingsschutzes in der EU h\u00e4lt an.\"<\/p>\n<p>Von den ca. 4000 Gefl\u00fcchteten, sind nicht einmal 200 in Litauen verblieben. Viele h\u00e4tten, nachdem sie die Camps endlich verlassen durften, ihren Weg in andere EU-L\u00e4nder fortgesetzt. Diejenigen, die geblieben sind, so berichtet Cihat, versuchen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Im Rahmen seiner Arbeit beim Roten Kreuz hat er auch mit Gefl\u00fcchteten zu tun, deren Asylantrag abgelehnt wurde, die aber nicht abgeschoben werden k\u00f6nnen. Diese Menschen k\u00f6nnten weder vor noch zur\u00fcck und seien quasi rechtlos. Sie bes\u00e4\u00dfen weder eine Versicherung noch k\u00f6nnten sie ein Konto er\u00f6ffnen. Eine gerade erschienene Untersuchung der NGO Human Rights Monitoring Institute beschreibt die Erfahrungen der Gefl\u00fcchteten \u2013 zun\u00e4chst im Grenzgebiet und sp\u00e4ter in den Aufnahmezentren \u2013 als traumatisierend, viele Betroffene w\u00fcrden bis heute an psychischen Folgeerscheinungen leiden. Nach der Klage eines Irakers, der ein halbes Jahr in einem Aufnahmelager festgehalten wurde, erkl\u00e4rte das litauische Verfassungsgericht das unbegr\u00fcndete grunds\u00e4tzliche Festhalten aller Gefl\u00fcchteten zudem als verfassungswidrig.<\/p>\n<p>Das Narrativ, das man geschaffen habe, meint Cihat, sei schwer zu durchbrechen. So w\u00fcrden gro\u00dfe Teil der litauischen Bev\u00f6lkerung bis heute negativ auf die damals nach Litauen gefl\u00fcchteten Menschen blicken. Aktuell sei das Thema in den Medien nicht pr\u00e4sent. Gefl\u00fcchtete aus dem Globalen S\u00fcden seien zudem kaum sichtbar und die Aufmerksamkeit auf den russischen Krieg gegen die Ukraine gerichtet. Cihat ist aber \u00fcberzeugt, dass es nur einen weiteren Anlass ben\u00f6tigt, um die Stimmung erneut gegen die so betitelten \u201aIllegalen Migrant*innen\u2018 aufzubringen.<\/p>\n<p>Ich habe ihn gefragt, ob all dies auch seine Sichtweise auf sein eigenes Leben in Litauen ver\u00e4ndert habe, worauf er antwortete: \u201eYes, absolutely. I will be frank. After what I have experienced \u2013 not my personal experiences, but what I experienced in terms of these migrants and how they were treated and how people view them, I have decided, I cannot live in this country. No, not at all. Unfortunately, but no. Because it could have been me. One of them could have been me. I saw the people; I saw the pregnant woman was detained for more than a year. Babies were born in those cages, in those closed camps. I saw people who lost their minds, I saw people who started to have psychological issues, serious psychological issues. For no reason they were kept there. And one of them could have been me.\u201d<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":13654,"featured_media":7410,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,849566,849434,1013659],"tags":[1013687,1013688,52057],"class_list":["post-7404","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-ariane-brachmann","category-europas-grenzen","category-litauen","tag-eu-aussengrenze","tag-gefluechtete","tag-litauen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7404","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13654"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7404"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7404\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7620,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7404\/revisions\/7620"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7410"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7404"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7404"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7404"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}