{"id":7167,"date":"2023-12-05T13:06:03","date_gmt":"2023-12-05T12:06:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=7167"},"modified":"2023-12-05T13:06:13","modified_gmt":"2023-12-05T12:06:13","slug":"der-golem-von-prag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2023\/12\/05\/der-golem-von-prag\/","title":{"rendered":"Der Golem von Prag"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\">Prag, die wundersch\u00f6ne Hauptstadt Tschechiens, ist nicht nur f\u00fcr ihre beeindruckende Architektur und reiche Kultur bekannt, sondern auch f\u00fcr eine faszinierende Legende, die die Stadt seit Jahrhunderten begleitet: die Geschichte des Golems von Prag. Wie im Artikel zum j\u00fcdischen Viertel in Prag angek\u00fcndigt, werden wir uns in diesem Blogartikel auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, um die Legende des vom Rabbi Loew geschaffenen Golems zu erkunden und dabei die historischen Wurzeln und die kulturelle Bedeutung dieses mythischen Wesens aufdecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was genau ist denn \u00fcberhaupt ein Golem? Auf merriam-webster findet sich eine Definition, die vom Golem als \u201e[...] ein k\u00fcnstliches menschliches Wesen in der hebr\u00e4ischen Folklore, das mit Leben ausgestattet ist [...]\u201c beschreibt. Die meisten Schriften sprechen also von einem Wesen, das vollst\u00e4ndig aus unbelebter Materie, meist Lehm oder Schlamm, erschaffen wird. \u00dcber den Verlauf der Geschichte ist der Golem zu einer Art wandelbaren Metapher mit scheinbar unbegrenzter Symbolik geworden. Dabei kann er ein Opfer oder ein B\u00f6sewicht sein, ein Mann oder eine Frau - oder manchmal beides. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Golem verwendet, um Krieg, Gemeinschaft, Resistenz, Isolation, Hoffnung und Verzweiflung zu symbolisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die \u00e4ltesten Geschichten \u00fcber Golems stammen aus dem fr\u00fchen Judentum. Im Talmud (Traktat Sanhedrin 38b) wurde Adam zun\u00e4chst als Golem (\u05d2\u05d5\u05dc\u05dd) erschaffen, als sein Staub \"zu einer formlosen Schale geknetet\" wurde. Wie Adam werden alle Golems von Menschen, die der Gottheit nahe stehen, aus Lehm erschaffen, aber kein anthropogener Golem ist vollst\u00e4ndig menschlich. Zu Beginn war die Hauptschw\u00e4che des Golems seine Unf\u00e4higkeit zu sprechen. Sanhedrin 65b beschreibt, wie Rava einen Menschen (gavra) erschuf. Er schickte den Mann zu Rav Zeira. Rav Zeira sprach zu ihm, aber er antwortete nicht. Rav Zeira sagte: \"Du wurdest von den Weisen erschaffen; kehre zu deinem Staub zur\u00fcck\" (Kaiserliches Aram\u00e4isch: \u05d4\u05d5\u05d4 \u05e7\u05d0 \u05de\u05e9\u05ea\u05e2\u05d9 \u05d1\u05d4\u05d3\u05d9\u05d4 \u05d5\u05dc\u05d0 \u05d4\u05d5\u05d4 \u05e7\u05d0 \u05de\u05d4\u05d3\u05e8 \u05dc\u05d9\u05d4 \u05d0\u05de\u05e8 \u05dc\u05d9\u05d4 \u05de\u05df \u05d7\u05d1\u05e8\u05d9\u05d0 \u05d0\u05ea \u05d4\u05d3\u05e8 \u05dc\u05e2\u05e4\u05e8\u05d9\u05da).<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_2_5 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_gallery et_pb_gallery_0  et_pb_bg_layout_light et_pb_gallery_grid\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_gallery_items et_pb_grid_items et_post_gallery clearfix\" data-per_page=\"1\"><div class=\"et_pb_gallery_item et_pb_grid_item et_pb_bg_layout_light et_pb_css_mix_blend_mode et_pb_gallery_item_0_0\"><div class=\"et_pb_gallery_image landscape\">\n\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ryan-lum-1ak3Z7ZmtQA-unsplash-scaled.jpg\" title=\"\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\">\n\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"284\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ryan-lum-1ak3Z7ZmtQA-unsplash-400x284.jpg\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ryan-lum-1ak3Z7ZmtQA-unsplash-scaled.jpg 479w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ryan-lum-1ak3Z7ZmtQA-unsplash-400x284.jpg 480w\" sizes=\"(max-width:479px) 479px, 100vw\" class=\"wp-image-7173\" \/>\n\t\t\t\t\t<span class=\"et_overlay\"><\/span>\n\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t<\/div><\/div><\/div><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_5 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\">Und was hat es nun mit der Geschichte des Golems von Prag, die tief in der j\u00fcdischen Kultur und der reichen Geschichte der Stadt verwurzelt ist, auf sich? Die Legende besagt, dass im 16. Jahrhundert der Rabbi Judah Loew ben Bezalel, auch bekannt als der Maharal von Prag, einen k\u00fcnstlichen Menschen, den Golem, erschuf und ihn auf den Namen Josef taufte. Dieser Golem wurde aus Lehm oder Ton geformt und zum Leben erweckt, um die j\u00fcdische Gemeinde vor drohenden Gefahren, wie Pogromen oder antisemitischen Angriffen zu sch\u00fctzen. Der Rabbi brachte dem Golem ein magisches Wort bei, das ihn zum Leben erweckte und wieder zum Schweigen bringen konnte. Doch die Macht des Golems hatte auch ihre Schattenseiten, da er gelegentlich au\u00dfer Kontrolle geriet, was zu Ausschreitungen und Konflikten mit der Prager Bev\u00f6lkerung f\u00fchrte.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\">Die Legende erz\u00e4hlt, dass der Rabbi den Golem schlie\u00dflich \u201edeaktivieren\u201c musste, um weitere Katastrophen zu verhindern. Ab da an, so hei\u00dft es, wurde der Golem auf dem Dachboden der Altneusynagoge aufbewahrt. Rabbi Loew verbot dann allen au\u00dfer seinen Nachfolgern, den Dachboden zu betreten. Rabbi Yechezkel Landau, ein Nachfolger von Rabbi Loew, wollte Berichten zufolge die Stufen zum Dachboden hinaufsteigen, als er Oberrabbiner von Prag war, um den Wahrheitsgehalt der Legende zu pr\u00fcfen. Daf\u00fcr bereitete er sich durch Fasten und Gebete auf eine Begegnung mit dem Golem vor und tauchte vorher in eine Mikwe ein, h\u00fcllte sich in Phylakterien und einen Gebetsschal und begann, die Stufen hinaufzusteigen. Oben angekommen, z\u00f6gerte er und kam zitternd und ver\u00e4ngstigt sofort wieder herunter. Er rief das von Rabbi Loew ausgesprochene Verbot des Betretens des Dachbodens erneut aus und das Geheimnis \u00fcber diesen Raum blieb ungel\u00fcftet. Doch fand man bei Renovierungen des Dachbodens im Jahre 1883 keinerlei Beweise f\u00fcr die Existenz eines Golems.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein von Paul Wegener wirklich gut umgesetzter Schwarz-Wei\u00df-Film aus den 1920er Jahren, der zu den Meisterwerken des deutschen Expressionismus geh\u00f6rt, verbildlicht die Erz\u00e4hlung hervorragend und ist kostenfrei auf YouTube zu finden: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=p6dvWPN8OMA. Dar\u00fcber hinaus gibt es zahlreiche moderne Adaptionen und Neuinterpretationen, die die Faszination f\u00fcr diese Legende am Leben erhalten.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\">Obwohl die Legende des Golems von Prag gut dokumentiert ist, gibt es wie oben erw\u00e4hnt keine klaren historischen Beweise f\u00fcr die Existenz dieser. Dennoch gibt es historische Bez\u00fcge, die die Legende inspiriert haben k\u00f6nnten. Die Zeit des Maharal von Prag fiel in eine Zeit intensiver Verfolgung und Bedrohung f\u00fcr die j\u00fcdische Gemeinschaft. Die Schaffung eines m\u00e4chtigen Besch\u00fctzers in Form eines Golems k\u00f6nnte eine symbolische Darstellung des \u00dcberlebenswillens und des Widerstands gegen Unterdr\u00fcckung gewesen sein. Die Legende des Golems von Prag hat auch in der Literatur, Kunst und Popkultur erheblichen Einfluss ausge\u00fcbt. Sie hat Schriftsteller, Regisseure und K\u00fcnstler auf der ganzen Welt inspiriert. So findet man Erw\u00e4hnungen des Prager Golems in Schriften, die bis in die 1830er Jahre zur\u00fcckreichen. Eine der bekanntesten literarischen Interpretationen ist Gustav Meyrink's Roman \"Der Golem\", der die Geschichte des Golems in eine d\u00fcstere, mystische Erz\u00e4hlung verwandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Heute ist der Golem von Prag zu einer ikonischen Figur der Stadt geworden. Touristen k\u00f6nnen Prag besuchen und Orte entdecken, die mit der Legende in Verbindung stehen, wie die Alte Neue Synagoge und der j\u00fcdische Friedhof. Souvenirs und Kunstwerke, die den Golem darstellen, sind weit verbreitet und erinnern an diese einzigartige Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Legende des Golems von Prag ist nicht nur ein faszinierendes Beispiel f\u00fcr die Verbindung von Geschichte, Mythos und Kultur, sondern sie zeigt auch, wie Geschichten und Symbole \u00fcber Jahrhunderte hinweg lebendig bleiben k\u00f6nnen. Prag selbst wird immer mit dieser mystischen Kreation verbunden sein, die als Besch\u00fctzer und Symbol f\u00fcr die j\u00fcdische Gemeinschaft dient. Die Mischung aus Geschichte, Mythos und Kunst macht sie zu einer zeitlosen Erz\u00e4hlung, die die Neugier und die Fantasie der Menschen weiterhin befl\u00fcgelt.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":13658,"featured_media":7177,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,849570,1013611],"tags":[21087,1013670,1013672,1013669,1013671],"class_list":["post-7167","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-jean-kruschinsky","category-reisen","tag-geschichte","tag-golem","tag-juedische-legende","tag-prag","tag-rabbi-loew"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13658"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7167"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7167\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7317,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7167\/revisions\/7317"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7177"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}