{"id":6957,"date":"2023-09-24T13:02:00","date_gmt":"2023-09-24T11:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=6957"},"modified":"2024-01-12T12:44:12","modified_gmt":"2024-01-12T11:44:12","slug":"tanzen-im-gefaengnis-lukiskes-ein-etwas-anderer-erinnerungsort-in-vilnius","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2023\/09\/24\/tanzen-im-gefaengnis-lukiskes-ein-etwas-anderer-erinnerungsort-in-vilnius\/","title":{"rendered":"Tanzen im Gef\u00e4ngnis? Luki\u0161k\u0117s, ein etwas anderer Erinnerungsort in Vilnius"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>\u201eIn Vilnius feiern wir sogar im Gef\u00e4ngnis\u201c \u2013 diesen Spruch h\u00f6re ich an meinem ersten Tag der Orientierungswoche als Austauschstudentin an der Universit\u00e4t Vilnius. Im Gef\u00e4ngnis feiern? Klingt erstmal abwegig. Doch tats\u00e4chlich ist dies in Litauens Hauptstadt m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Konkret geht es um die ehemalige Haftanstalt Luki\u0161ki\u0173 kal\u0117jimas (Luki\u0161k\u0117s Gef\u00e4ngnis), die sich mitten im Zentrum nahe dem Parlamentsgeb\u00e4ude und der gr\u00f6\u00dften Einkaufsstra\u00dfe in Vilnius befindet. Seit ihrer Schlie\u00dfung 2019 werden die Geb\u00e4ude von hunderten K\u00fcnstler*innen als Studios oder Ateliers genutzt. Veranstaltungen wie Konzerte, Kunstausstellungen, Partys und Sport\u00fcbertragungen finden innerhalb des Komplexes und im Sommer auch im Innenhof statt. Auch f\u00fcr private Veranstaltungen k\u00f6nnen R\u00e4ume gemietet werden. Zudem kann man F\u00fchrungen durch das bis vor wenigen Jahren noch aktive Gef\u00e4ngnis buchen, die zum Teil durch ehemalige W\u00e4rter*innen gegeben werden.<\/p>\n<p>Bei einer solchen zweist\u00fcndigen Tour durch den Komplex, an der ich gemeinsam mit einem Freund teilnehme, kann man sich vom maroden Zustand der Geb\u00e4ude \u00fcberzeugen. Dies gab unter anderem Anlass f\u00fcr Kritik seitens der EU und trug letztendlich auch zu dessen Schlie\u00dfung bei. Es erscheint mir kaum vorstellbar, dass Luki\u0161k\u0117s zur Zeit seiner Erbauung 1904 das modernste Gef\u00e4ngnis des Russischen Zarenreiches darstellte \u2013 allerdings habe sich, so betont der F\u00fchrer unserer Tour, seitdem eben kaum etwas geb\u00e4udetechnisch ver\u00e4ndert. Anders verh\u00e4lt es sich mit den Menschengruppen, die hier im Laufe der Zeit inhaftiert waren: Anhand von ihnen l\u00e4sst sich die bewegte Geschichte der heute litauischen Stadt Vilnius nachzeichnen.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Unter dem Eindruck der polnischen Aufst\u00e4nde im 19. Jahrhundert sollte die Gef\u00e4ngnisstruktur im westlichen Grenzgebiet des Zarenreiches ausgebaut werden. Bei der \u201eBedrohung\u201c durch nationale Bewegungen nahm das multikulturelle und -konfessionelle Vilnius im Zarenreich eine Schl\u00fcsselposition ein. So strebten sowohl Vertreter*innen der Nationalbewegungen Polens, Belarus\u2018 als auch Litauens danach, Vilnius zur Hauptstadt ihres zuk\u00fcnftigen Staates zu machen. Inhaftiert in Luki\u0161k\u0117s\u2018 (polnisch: \u0141ukiszki; belarusisch: \u041b\u0443\u043a\u0456\u0448\u043a\u0456) waren im Zarenreich daher vor allem politische Gegner*innen, die sich auch innerhalb der Gef\u00e4ngnismauern in unterschiedliche Gruppierungen je nach nationaler und politischer Gesinnung aufspalteten. Zu den prominentesten kommunistischen Gefangenen z\u00e4hlte Felix Dzerzhinsky, der sp\u00e4ter die sowjetische Geheimpolizei Tscheka gr\u00fcnden sollte.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_154907-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"20230910_154907\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_154907-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_154907-1280x960.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_154907-980x735.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_154907-480x360.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-6961\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_blurb et_pb_blurb_0  et_pb_text_align_left  et_pb_blurb_position_top et_block_module et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_content\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_container\">\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_description\"><p>Die orthodoxe Kirche beim Blick auf den Eingang zum Gef\u00e4ngniskomplex<\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Modern an Luki\u0161k\u0117s war f\u00fcr die damalige Zeit nicht nur dessen Infrastruktur, sondern auch der Ansatz, demnach Religion zur Resozialisierung der verurteilten Menschen eine entscheidende Rolle spielen sollte. Dementsprechend fanden sich im urspr\u00fcnglichen Bau eine orthodoxe Kirche, eine katholische Kapelle sowie eine Synagoge. Obwohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts j\u00fcdische und katholische Menschen die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in Vilnius darstellten, ist die orthodoxe Kirche als Symbol der offiziellen Religion des Zarenreiches architektonisch am prominentesten und ist bereits beim Blick von au\u00dfen zu erkennen. Die Synagoge wurde unter der NS-Besatzung zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>In der Zwischenkriegszeit geh\u00f6rte Vilnius zum wiederhergestellten Polen, zu dessen Gefangenen j\u00fcdische, belarusische und litauische Nationalist*innen sowie die als noch gr\u00f6\u00dfere Bedrohung empfundenen Anh\u00e4nger*innen des Kommunismus z\u00e4hlten. Dies \u00e4nderte sich mit \u00dcbernahme der Stadt durch die Sowjetunion 1940, die Vilnius der Litauischen Sowjetrepublik einverleibte und nationale Aktivist*innen als Hauptfeinde betrachtete. 1941 begannen bereits die ersten Deportationen von hier aus in das Gulag-System in Richtung Osten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die deutsche Besatzung spielte Luki\u0161k\u0117s ebenfalls eine Schl\u00fcsselrolle. So wurde hier ein Gro\u00dfteil der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung aus Vilnius inhaftiert. F\u00fcr viele bedeutete es die letzte Station, bevor sie im s\u00fcdwestlich von Vilnius gelegenen Waldst\u00fcck Ponary ermordet wurden. Zudem wurden im Gef\u00e4ngnis wichtige sowjetische Pers\u00f6nlichkeiten der Region und Kriegsgefangene inhaftiert. Exekutionen und grausame Haftbedingungen pr\u00e4gten den Gef\u00e4ngnisalltag.<\/p>\n<p>Mit der erneuten Eroberung Vilnius durch die Rote Armee 1944 stellten polnische Untergrundk\u00e4mpfer*innen bis Ende der 1940er die gr\u00f6\u00dfte Gruppierung an Gefangenen dar. Diese hatten vor dem sowjetischen Einmarsch vergeblich versucht, Vilnius von den verbleibenden deutschen Truppen zur\u00fcckzuerobern. Im Verlauf wurden sie durch litauische Gefangene ersetzt. Hierzu z\u00e4hlten auch Teile der Partisan*innenbewegung gegen die sowjetische Besatzung.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_3  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_4  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_1\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_180645-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"20230910_180645\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_180645-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_180645-1280x960.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_180645-980x735.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20230910_180645-480x360.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-6962\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_blurb et_pb_blurb_1  et_pb_text_align_left  et_pb_blurb_position_top et_block_module et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_content\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_container\">\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_description\"><p>Im Innenhof verfolgen Menschen das Finale der Basketball-WM<\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_5  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Leider ist Luki\u0161k\u0117s als transnationaler Erinnerungsort nicht das Thema unserer F\u00fchrung. Wir erhalten nahezu keine historischen Informationen, vielmehr habe ich das Gef\u00fchl, an einer \u201aErlebnistour\u2018 teilzunehmen, die uns durch dunkle R\u00e4ume und Orte gewaltvoller Verbrechen f\u00fchrt. Wir enden im Todestrakt, in welchem der ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte litauische Mafiaboss Boris Dekanidse 1995 hingerichtet worden sein soll. F\u00fcr den Mord an einem Journalisten, der die Strukturen seiner Mafia-Gruppierung publik gemacht hatte, wurde er als letzte Person Litauens zum Tode verurteilt. Der Fall war brisant, galt Dekanidse doch als unantastbar \u2013 die sogenannte Vilnius-Brigade drohte damit, das gesamte Gef\u00e4ngnis zu st\u00fcrmen, sodass hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden mussten. Zudem wurde aufgrund von Drohungen seitens seiner Familie das damals noch aktive litauische Atomkraftwerk heruntergefahren.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_4  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_6  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_4  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Vom Keller, in dem sich der Todestrakt befand, geht es f\u00fcr die Teilnehmenden der F\u00fchrung wieder nach drau\u00dfen. Hier sehen wir uns die un\u00fcberwindbar erscheinende Zaunanlage um das Gef\u00e4ngnis an. Der Tourguide berichtet, dass es \u2013 soweit bekannt \u2013 keiner Person gelungen sei, auf diese Weise zu fliehen. Der Kontrast zwischen Luki\u0161k\u0117s als Gef\u00e4ngnis und seiner heutigen Nutzung wird mir auch dadurch deutlich, dass zur selben Zeit, als wir an der F\u00fchrung teilnehmen, das Finale der Basketball-WM auf eine Leinwand im Innenhof \u00fcbertragen wird, sodass die F\u00fchrung von einer Ger\u00e4uschkulisse aus begeisterten Fans begleitet wird. All dies macht Luki\u0161k\u0117s f\u00fcr mich zu einem surrealen Ort.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00fcberwiegend kommerzielle Nutzung des Ortes erntete das neu entstandene Kulturzentrum, das sich Luki\u0161k\u0117s 2.0 nennt, auch Kritik. So regte sich Widerstand gegen Pl\u00e4ne, ehemalige Zellen \u00fcber Airbnb zu vermieten, nachdem das Gef\u00e4ngnis als Drehort der Serie \u201eStranger Things\u201c 2020 Popularit\u00e4t erlangt hatte.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_7  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_2\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20220827_174602-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"20220827_174602\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20220827_174602-scaled.jpg 1920w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20220827_174602-1280x1707.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20220827_174602-980x1307.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20220827_174602-480x640.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1920px, 100vw\" class=\"wp-image-6972\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_blurb et_pb_blurb_2  et_pb_text_align_left  et_pb_blurb_position_top et_block_module et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_content\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_container\">\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_description\"><p>\u201eF\u00fcr diesen zuk\u00fcnftigen Gef\u00e4ngnisinsassen bleibt eine Zelle reserviert\", betont unser Tourguide.<\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_5  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_8  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_5  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Luki\u0161k\u0117s ist auch aus der Musikszene von Vilnius kaum mehr wegzudenken. Wie aber ist es f\u00fcr Musiker*innen, an diesem besonderen Ort zu spielen? Um dieser Frage nachzugehen, habe ich mit Ignas gesprochen, der mit seiner Band Homechestra bereits mehrmals auf der B\u00fchne von Luki\u0161k\u0117s aufgetreten ist. Auf meine Frage, ob dies anders war als an gew\u00f6hnlichen Orten zu spielen, antwortete er:<\/p>\n<p><em>\u201eEs war aufregend, denn der Ort wurde bereits sehr in den sozialen Medien gehypt. Eine Sache, die vielleicht etwas verst\u00f6rend war, war die folgende: Wenn man im Backstagebereich die Toilette benutzen will, dann ist diese in einer der Zellen. Man verwendet also die bestehende Infrastruktur des Gef\u00e4ngnisses. Das bringt einen dazu, dar\u00fcber nachzudenken: Neben der Toilette steht ein Bett, in dem mal jemand geschlafen hat. Ich hatte bereits an einer F\u00fchrung teilgenommen, von welcher mir am meisten diese Geschichte h\u00e4ngengeblieben ist: Die Gefangenen hatten Zugang zu den B\u00fcchern in der Bibliothek. Da der Zustand des Gef\u00e4ngnisses bereits sehr schlecht war, nahmen die H\u00e4ftlinge die B\u00fccher, um sie auf ihre Betten zu legen, damit es w\u00e4hrend des Schlafens w\u00e4rmer war. Wenn man sich daran erinnert\u2026 es ist einfach sehr d\u00fcster dort drin. An anderen Orten, die renoviert sind, ist es in Ordnung. Ich w\u00fcrde mein Empfinden als gemischte Gef\u00fchle beschreiben: Ich fand das nicht total verst\u00f6rend, aber schon ein bisschen beunruhigend. Man erinnert sich an Dinge und stellt sich das Leben der Menschen im Gef\u00e4ngnis vor. Dort hat sich kaum etwas ver\u00e4ndert. Es gibt immer noch ihre Inschriften an den W\u00e4nden. Es ist ein bisschen ungew\u00f6hnlich im Vergleich zu anderen Orten, an denen ich gespielt habe. An anderen Orten beurteilt man die Ausstattung, zum Beispiel wie die B\u00fchne aufgebaut ist. In Luki\u0161k\u0117s ist der Veranstaltungsort eine \u201aExtraschicht\u2018, etwas, zu was der Ort erst sp\u00e4ter wurde. Es war nicht der urspr\u00fcngliche Sinn dieses Ortes. Man kann irgendwie sp\u00fcren, dass man sich hier woanders befindet.\u201c<\/em><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_6  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_9  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_6  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Die Umwandlung des ehemaligen Gef\u00e4ngnisses in ein Kulturzentrum beurteilt er recht positiv. So w\u00fcrden die sonst verlassenen Geb\u00e4ude des Komplexes f\u00fcr etwas Gegenteiliges, etwas, dass Freude bringen soll, genutzt werden. Seiner Meinung nach w\u00e4re ein partieller Umbau der Geb\u00e4ude sinnvoll, um diese besser zu kulturellen Zwecken nutzen zu k\u00f6nnen. Hierbei sollten einige Teile zu Bildungszwecken bestehen bleiben, in anderen Bereichen k\u00f6nnte man allerdings die \u201eGef\u00e4ngnis\u00e4sthetik loswerden\u201c.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_2 et_pb_column et_pb_column_10  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_3\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1365\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/292296457_387286366721482_5374155388057428376_n.jpg\" alt=\"\" title=\"292296457_387286366721482_5374155388057428376_n\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/292296457_387286366721482_5374155388057428376_n.jpg 2048w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/292296457_387286366721482_5374155388057428376_n-1280x853.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/292296457_387286366721482_5374155388057428376_n-980x653.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/292296457_387286366721482_5374155388057428376_n-480x320.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2048px, 100vw\" class=\"wp-image-6963\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_blurb et_pb_blurb_3  et_pb_text_align_left  et_pb_blurb_position_top et_block_module et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_content\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_container\">\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_blurb_description\"><p>Ignas (Mitte) mit seiner Band Homechestra bei einem Auftritt im Innenhof des ehemaligen Gef\u00e4ngnisses<\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_7  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_11  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_7  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Mir pers\u00f6nlich wird Luki\u0161k\u0117s 2.0 als besonderer und bizarrer Ort in Erinnerung bleiben \u2013 in meinem Kopf lassen sich die dort begangenen Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen der unterschiedlichen Regime kaum mit meinen Erlebnissen dort verkn\u00fcpfen. Bereits bei einem Besuch in Vilnius vor einem Jahr war ich selbst bei einem Konzert im Innenhof des Komplexes gewesen. Hierbei erschloss sich mir dessen vielschichtige Geschichte in keiner Weise: Beim heutigen Spaziergang \u00fcber das Gel\u00e4nde finden sich keine Hinweistafeln oder andere Formen der Erinnerung an die Ereignisse, die sich hier in der Vergangenheit abgespielt haben. Ich teile die Auffassung, dass Luki\u0161k\u0117s als Kulturtreffpunkt zu einem lebensfrohen und kulturell bunten Ort geworden ist, dessen Tore vielen Menschen offenstehen. Gleichzeitig verschweigt er einen Gro\u00dfteil seiner Geschichte, wird den Ereignissen kaum gerecht und verliert dadurch das Potenzial zu einem die Grenzen Litauens \u00fcberschreitenden Erinnerungsort zu werden.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":13654,"featured_media":6960,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,849566,1013659],"tags":[1013664,1013663,1013662],"class_list":["post-6957","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-ariane-brachmann","category-litauen","tag-erinnerungsort","tag-gefaengnis","tag-vilnius"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13654"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6957"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6957\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7649,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6957\/revisions\/7649"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6960"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}