{"id":6294,"date":"2023-05-16T00:24:18","date_gmt":"2023-05-15T22:24:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=6294"},"modified":"2023-05-16T00:33:41","modified_gmt":"2023-05-15T22:33:41","slug":"oscar-2023-warum-sind-einige-ukrainerinnen-mit-dem-ergebnis-nicht-zufrieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2023\/05\/16\/oscar-2023-warum-sind-einige-ukrainerinnen-mit-dem-ergebnis-nicht-zufrieden\/","title":{"rendered":"\u201eOscar 2023\u201c: Warum sind einige Ukrainer*innen mit dem Ergebnis nicht zufrieden?"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_justified et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><span style=\"font-size: 12pt\"><b>In der Nacht vom 12. auf den 13. M\u00e4rz fand in Los Angeles die 95. Oscar-Verleihung statt.<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Die absurde Science-Fiction-Kom\u00f6die \u201eAlles \u00fcberall und gleichzeitig\u201c von Daniel Kwan und Daniel Schreinert (engl. \u201eEverything Everywhere All at Once\u201c) wurde zum besten Film des Jahres 2023 ernannt. Der Film gewann bei dieser Verleihung sieben Oscars. Der Oscar f\u00fcr die beste Hauptdarstellerin ging an Michelle Yeoh.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Brendan Fraser gewann den Preis als bester Schauspieler f\u00fcr seine Hauptrolle in dem Film Whale. Fraser spielte in Darren Aronofskys Film einen zur\u00fcckgezogen lebenden, fettleibigen Professor. Dies ist seine erste Hauptrolle seit 12 Jahren. Um diese Rolle spielen zu k\u00f6nnen, nahm Fraser mehr als ein Dutzend Kilos zu und verbrachte sechs Stunden am Tag im Schminkstuhl.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Au\u00dferdem wurde ein biografischer Film \u00fcber den russischen Politiker Alexej Nawalny, der seit 2021 in einer Hochsicherheitskolonie inhaftiert ist, f\u00fcr den besten Dokumentarfilm nominiert. Der Film wurde von HBO Max und CNN Films produziert und von dem ber\u00fchmten kanadischen Dokumentarfilmer Daniel Roer inszeniert. Der Autor selbst beschrieb sein Werk als \"die Geschichte eines Mannes und seines Kampfes gegen ein autorit\u00e4res Regime\".<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Nawalnys zwei Kinder und seine Frau Yulia waren gekommen, um gemeinsam mit dem Regisseur den renommiertesten Preis der Filmindustrie entgegenzunehmen. Der Film dreht sich um die Vergiftung des russischen Oppositionsf\u00fchrers mit dem Giftstoff \u201eNowitschok\u201c im Jahr 2020 und die Untersuchung dieser Ereignisse durch die Organisation Bellingcat. Der Film zeigt auch Nawalnys Aufenthalt in der deutschen Charit\u00e9-Klinik, seine Gespr\u00e4che mit den FSB-Offizieren, die das Attentat ver\u00fcbten, sowie seine R\u00fcckkehr nach Russland im Jahr 2021 und seine anschlie\u00dfende Inhaftierung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Insgesamt wurde der Film vom westlichen Publikum viel gelobt. Bei Rotten Tomatoes liegt die Kritikerbewertung bei 99 %, und auf der Website Metacritics gibt es 82 von 100 Punkten. Noch vor der Oscar-Verleihung wurde der Film von Daniel Roer mit einem BAFTA-Preis in einer \u00e4hnlichen Kategorie ausgezeichnet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Trotz der offensichtlichen Sympathie des westlichen Publikums f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeit von Alexej Nawalny und den Film als Ganzes, verurteilte eine gro\u00dfe Mehrheit der Ukrainer*innen die Entscheidung der Filmakademie, den Film mit dem prestigetr\u00e4chtigen Oscar auszuzeichnen. Hierzu trug auch die Tatsache bei, dass neben dem Film \u00fcber den russischen Oppositionsf\u00fchrer auch \u201eA House Made of Splinters\u201c f\u00fcr die Kategorie nominiert worden war. Der ukrainischer Film wurde im Lyssytschansker Zentrum f\u00fcr soziale und psychologische Rehabilitation von Kindern w\u00e4hrend des Krieges im Donbass vor der Invasion auf das ganze Territorium gedreht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Im ukrainischen Internet \u00fcberschlugen sich negative Kommentare \u00fcber den Filmpreis. Und das nicht, weil das amerikanische Filminstitut einen Film ausgezeichnet hat, der einen Vertreter des angreifendes Staates\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 12pt\">zeigt, sondern weil es den Krieg in der Ukraine v\u00f6llig ignoriert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Das zweite Jahr in Folge verweigerten die Organisatoren dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj die Er\u00f6ffnungsrede mit der Begr\u00fcndung, die Oscar-Verleihung sei von Natur aus \u201ekein politisches Forum\u201c. Gleichzeitig ging der Preis f\u00fcr den besten Dokumentarfilm im Jahr 2022 an einen Film \u00fcber einen russischen politischen Gefangenen, dessen Frau auf der Hauptb\u00fchne der Veranstaltung eine sehr politische Rede hielt:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eMein Mann ist im Gef\u00e4ngnis, weil er die Wahrheit gesagt hat. Mein Mann ist im Gef\u00e4ngnis, weil er sich f\u00fcr die Demokratie eingesetzt hat. Alexej, ich tr\u00e4ume von dem Tag, an dem du frei sein wirst und unser Land frei sein wird\u201c, sagte Julia Nawalnaja, die mit ihren beiden erwachsenen Kindern an der Zeremonie in Los Angeles teilnahm.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Nawalny ist den Ukrainer*innen seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt. Und er hat immer einen gemischten Eindruck hinterlassen. Seine Ermittlungen zur Korruption im Kreml haben stets gro\u00dfe Aufmerksamkeit und Bewunderung hervorgerufen. Gleichzeitig wird ihm vorgeworfen, Putins imperialistische Anspr\u00fcche auf die Ukraine zu teilen. Es sei darauf hingewiesen, dass der russische Oppositionsf\u00fchrer Alexej Nawalny, der f\u00fcr seine Kritik an Kreml-Diktator Wladimir Putin bekannt ist, eine zweideutige Haltung zur russischen Aggression gegen die Ukraine einnahm. Au\u00dferdem ist Alexej Nawalny selbst daf\u00fcr bekannt, sich kontrovers \u00fcber die Ukraine zu \u00e4u\u00dfern, insbesondere \u00fcber die Krim, die von Russland annektiert wurde, weswegen er auch in der Ukraine kritisiert wurde. Der russische Oppositionelle dr\u00fcckte es im Jahr 2014 folgenderma\u00dfen aus:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\"><b>\u201eDie Krim bleibt Teil Russlands und wird in absehbarer Zeit nie wieder Teil der Ukraine werden.\u201c \u201eIst die Krim ein Sandwich mit Wurst, oder was, um es hin und her zu drehen?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Erst im Februar 2023, ein Jahr nach dem Beginn der russischen Invasion, sah Nawalny ein, dass Russland alle eroberten Gebiete, einschlie\u00dflich der Krim, an die Ukraine zur\u00fcckgeben und f\u00fcr die durch den Krieg verursachten Sch\u00e4den aufkommen sollte. Gleichzeitig erw\u00e4hnte der russische Politiker nichts \u00fcber die Gebiete anderer L\u00e4ndern, die von Russland illegal besetzt wurden, wie Transnistrien, Abchasien und S\u00fcdossetien.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Die Reaktion des Regisseurs des ukrainischen Films \u201eA House Made of Splinters\u201c auf den Gewinnerfilm Navalny war wie folgt:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eIch will die Filmakademie nicht kritisieren. Das ist ihr Recht, das ist ihre Entscheidung. Aber wir verstehen, dass die russische Propaganda weiterhin sehr gut funktioniert und die so genannte 'Opposition' und die so genannten 'Politiker' sehr sch\u00f6n pr\u00e4sentiert. Aber leider funktioniert die Propaganda dank der riesigen Budgets und gro\u00dfen Konzerne, die den Film f\u00f6rdern. Jedoch wir glauben immer noch, dass unser Film von hoher Qualit\u00e4t ist, dass wir viel Wertvolles getan haben, als wir \u00fcber die Ukraine und die Probleme der Kinder in der Ukraine \u00fcberall gesprochen haben.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Der ukrainische Au\u00dfenminister Dmytro Kuleba kritisierte auch die Weigerung, den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj, bei der Oscar-Verleihung eine Rede halten zu lassen: \u201eIch denke, wenn \u201eIm Westen nichts Neues\u201c den Oscar f\u00fcr den besten ausl\u00e4ndischen Film gewinnt und Pr\u00e4sident Selenskyj, der sich im Krieg befindet, das Land regiert und im gr\u00f6\u00dften Krieg Europas seit dem Zweiten Weltkrieg k\u00e4mpft, nicht bei der Oscar-Verleihung sprechen darf, dann gibt es kein besseres Beispiel f\u00fcr die Falschheit der Spitzenmanager und Produzenten in der Filmindustrie\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Mychajlo Podoljak, Berater von Andrij Jermak, dem Leiter des Pr\u00e4sidialamtes der Ukraine, wies auf die Doppelmoral der Oscar-Veranstalter hin:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eWenn die Oscars nichts mit Politik zu tun haben, wie k\u00f6nnen wir dann das dokumentarische Manifest von Nawalny verstehen, in dem die russische Innenpolitik \u00fcberschwappt? Wenn die Oscars nichts mit dem Krieg in der Ukraine und dem Massenv\u00f6lkermord an den Ukrainern zu tun haben, warum reden wir dann st\u00e4ndig von Humanismus und Gerechtigkeit\u201c, schrieb er auf Twitter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Die Entscheidung der American Film Academy l\u00f6ste auch in den sozialen Medien heftige Reaktionen aus. Viele Ukrainer*innen brachten ihre Emp\u00f6rung dar\u00fcber zum Ausdruck:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium\">\u201eBei diesem Oscar geht es nicht um das Leben, sondern um die filmische Realit\u00e4t, in der die exaltierte westliche Boh\u00e8me lebt. Sie hat einfach das gew\u00e4hlt, was ihr \u00e4sthetisch n\u00e4her ist. Schlie\u00dflich sind Navalnys l\u00e4chelnde Kinder auf dem roten Teppich viel filmischer als ukrainische Waisenkinder aus einem Waisenhaus im Donbas. Leider.\u201c, - schreibt ein ukrainischer Journalist\u00a0Sergii Ivanov im Twitter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Ein anderer Publizist, Sergei Fursa, vertrat die Meinung, dass der Oscar-Sieg des Films auch ein Schlag gegen die russische Propaganda sei, die beispielsweise in Indien und Lateinamerika sehr wirksam ist. Und ein Film wie dieser, der ein solches Russland und einen solchen Putin zeigt, ist ein Schlag gegen den Ort, an dem Putin schmerzt. Und das ist in dem Interesse des ukrainischen Volkes.<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":13690,"featured_media":6300,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,849604,1013646,1013624,1013622],"tags":[1013653,1013652,52067],"class_list":["post-6294","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alona-manhasarian","category-oscar","category-russland-debatte-europa","category-ukraine-debatte-europa","tag-nawalny","tag-oscar2023","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13690"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6294"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6294\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6627,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6294\/revisions\/6627"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}