{"id":502,"date":"2020-11-15T11:58:59","date_gmt":"2020-11-15T10:58:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=502"},"modified":"2021-06-07T09:51:08","modified_gmt":"2021-06-07T07:51:08","slug":"so-lebt-man-heute-in-moskau-botschaft-und-konsulat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2020\/11\/15\/so-lebt-man-heute-in-moskau-botschaft-und-konsulat\/","title":{"rendered":"So lebt man heute in Moskau (2\/3): Botschaft und Konsulat"},"content":{"rendered":"<p><em>In <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2020\/11\/07\/so-lebt-man-heute-in-moskau-identitaet-und-kommunikation\">Teil 1 &#8222;So lebt man in Moskau heute: Identit\u00e4t und Kommunikation&#8220;<\/a> bin ich Hermann P\u00f6rzgens beruflichen Erfahrungen als Korrespondent im Moskau der 1950er Jahre gefolgt. Im zweiten Beitrag bewege ich mich auf der Ebene der Institutionen:\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>\u201eIn alten Schl\u00f6ssern und Kaufmannspalais\u201c<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie pers\u00f6nliche Residenz des einstigen deutschen Botschafters Graf Schulenburg beherbergt gegenw\u00e4rtig den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche und seine Beh\u00f6rde, den Heiligen Synod. [\u2026] Es ist jedoch Tatsache, da\u00df der bundesdeutsche Botschafter eine architektonisch bedeutend sch\u00f6nere Residenz erhielt, auch in g\u00fcnstiger Lage, nach ihrer Herrichtung und geschmackvollen Ausstattung ein wahres Schmuckk\u00e4stchen, das sich mit den besten Diplomatenh\u00e4usern Moskaus messen kann. Auch mit dem Kanzleigeb\u00e4ude, etwas abgelegen in der Gegend des Zoologischen Gartens, hat die Botschaft keinen schlechten Griff getan.\u201c (S. 17)<\/p><\/blockquote>\n<p>In Moskau hatte Deutschland mit seinen Botschaften mehr Gl\u00fcck als zuvor in St. Petersburg. Kaum hatte man dort ein neues, imposantes Geb\u00e4ude fertiggestellt, da brach der Erste Weltkrieg aus. Nach der Oktoberrevolution verlegten die Sowjets die Hauptstadt nach Moskau. Die deutsche Botschaft folgte. 1941 berief sie nach dem \u00dcberfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion ihr Personal ab. Nach dem Krieg wurden mit der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik 1949 zwei Vertretungen n\u00f6tig. Umgekehrt stellte sich nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 die Frage, wie man verfahren wollte. Die ab 1984 neugebaute bundesdeutsche Botschaft an der Mosfilmowskaja Uliza wurde gesamtdeutsche Botschaft. Der Botschafter residiert in einer Villa in der Powarskaja Uliza. Das DDR-Botschaftsgeb\u00e4ude am Leninskij Prospekt \u00fcbernahm Teile des gesamtdeutschen Konsulats. Den Rest des Geb\u00e4udes stellte man Goethe-Institut und DAAD zur Verf\u00fcgung. Das Geb\u00e4ude erwies sich leider als asbestverseucht, es soll nun abgerissen werden. Mitten im Corona-Lockdown zog der DAAD deswegen in R\u00e4umlichkeiten im \u201eDeutschen Dorf\u201c am Prospekt Wernadskogo, bestehend aus Hochh\u00e4usern, die einst f\u00fcr DDR-Angeh\u00f6rige erbaut worden waren. Das Goethe-Institut plant einen Neubau an anderer Stelle. Die Villa, die Hermann P\u00f6rzgen erw\u00e4hnt, befindet sich in der Bolschaja Grusinskaja. Nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Bundesrepublik Deutschland und Sowjetunion 1955 diente sie ab 1956 als Botschaftssitz. Heute befindet sich dort die Werkstadt des Bildhauers Surab Zereteli, dessen Werke in Moskaus \u00f6ffentlichem Raum sehr pr\u00e4sent sind, weil Zereteli der Lieblingsk\u00fcnstler von Jurij Luschkow, von 1992 bis 2019 Moskaus Oberb\u00fcrgermeister, war. Bekanntestes und umstrittenstes Beispiel ist die Skulptur von Peter dem Gro\u00dfen im Fluss Moskwa. Luschkow starb \u00fcbrigens 2019 in einem Krankenhaus in Deutschland \u2013 was nichts mit den Botschaftsgeb\u00e4uden zu tun hat.<\/p>\n<p><strong>\u201eDeutscher Konsul \u2013 M\u00e4dchen f\u00fcr alles\u201c<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie vordringlichste konsularische Aufgabe bildet nat\u00fcrlich die Betreuung der eigenen Staatsb\u00fcrger in der Sowjetunion. Angefangen von der Hilfe bei Erteilung der Visen oder Sorge f\u00fcr die Unterkunft erstreckt sie sich sogar auf die kompliziertesten Notariatsgesch\u00e4fte.\u201c (S. 19-20)<\/p><\/blockquote>\n<p>Daran hat sich grunds\u00e4tzlich wenig ge\u00e4ndert. Die Botschaft ist die Anlaufstelle, wenn man Unterst\u00fctzung braucht. Oder Sehnsucht nach Brezeln hat. Im Geb\u00e4udekomplex der Botschaft an der Uliza Mosfilmowskaja gibt es einen B\u00e4cker, bei dem man sonntags Laugengeb\u00e4ck und in der Weihnachtszeit Stollen bekommt. \u00dcber das Gesch\u00e4ft unter der Woche wei\u00df ich nichts, weil ich den Laden immer nur sonntags vor und nach dem Gottesdienst offen erlebt habe. Zwei SeelsorgerInnen sind nach Moskau entsandt, eine Pastorin der evangelischen und ein Pfarrer der katholischen Kirche. Die Gemeinden wechseln sich am Sonntag f\u00fcr die Messe bei der Nutzung des Mehrzweckraums ab. Um 10 Uhr starten die Katholiken und m\u00fcssen p\u00fcnktlich um 11 Uhr fertig sein, um den Protestanten Platz zu machen. Allzu ausf\u00fchrlich darf die katholische Predigt also nicht ausfallen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNur Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche werden aus grunds\u00e4tzlichen Erw\u00e4gungen von der Botschaft nicht geltend gemacht.\u201c (S. 21)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser Satz ist eine der wenigen Stellen, an denen Hermann P\u00f6rzgen sich, und auch das nur sehr vage, auf den Zweiten Weltkrieg bezieht. Den ausformulierten Gedanken kann man unschwer weiterdenken: Es w\u00e4re schon \u00e4u\u00dferst vermessen, wenn Deutsche nach ihren Kriegsverbrechen und nachdem durch sie Millionen Menschen in der Sowjetunion gestorben sind, keine 15 Jahre sp\u00e4ter Entsch\u00e4digungen verlangen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Sieg im Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg wird inzwischen noch st\u00e4rker herausgehoben als zu Sowjetzeiten. Als Hermann P\u00f6rzgen in Moskau war, war der 9. Mai, der Tag des Sieges, ein normaler Arbeitstag. Erst ab 1965 fanden alle f\u00fcnf Jahre \u00fcberhaupt Paraden statt, am 1. Mai dagegen j\u00e4hrlich. Putin kn\u00fcpfte 2000 an die Paradentradition an, seither wird am 9. Mai alles aufgefahren, was das Waffenarsenal hergibt. 2020 verschob man die Parade coronabedingt auf den 23. Juni, 2021 wurde wieder wie gewohnt marschiert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/06\/07\/so-lebt-man-heute-in-moskau-33-niemals-geht-man-so-ganz\/\">Hier geht es zum abschlie\u00dfenden dritten Beitrag.\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Teil 1 &#8222;So lebt man in Moskau heute: Identit\u00e4t und Kommunikation&#8220; bin ich Hermann P\u00f6rzgens beruflichen Erfahrungen als Korrespondent im Moskau der 1950er Jahre gefolgt. Im zweiten Beitrag bewege ich mich auf der Ebene der Institutionen:\u00a0 \u201eIn alten Schl\u00f6ssern und Kaufmannspalais\u201c \u201eDie pers\u00f6nliche Residenz des einstigen deutschen Botschafters Graf Schulenburg beherbergt gegenw\u00e4rtig den Patriarchen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":12575,"featured_media":503,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207,52090,547623,572053],"tags":[165085,849355,572065,26137,572067,572066],"class_list":["post-502","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-russland","category-unterwegs","category-yvonne-poerzgen-2","tag-architektur","tag-asbest","tag-botschaft","tag-daad","tag-goethe-institut","tag-konsulat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12575"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=502"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/502\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1153,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/502\/revisions\/1153"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/503"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}