{"id":468,"date":"2020-11-07T12:47:48","date_gmt":"2020-11-07T11:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=468"},"modified":"2021-12-08T22:40:43","modified_gmt":"2021-12-08T21:40:43","slug":"so-lebt-man-heute-in-moskau-identitaet-und-kommunikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2020\/11\/07\/so-lebt-man-heute-in-moskau-identitaet-und-kommunikation\/","title":{"rendered":"So lebt man heute in Moskau (1\/3): Identit\u00e4t und Kommunikation"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><strong>So lebt man in Moskau<\/strong><\/p>\n<p>1958 hat Hermann P\u00f6rzgen ein Buch mit dem Titel \u201eSo lebt man in Moskau\u201c ver\u00f6ffentlicht. Er war damals Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der Hauptstadt der Sowjetunion und brachte seine Reportagen nach der Erstpublikation in der Zeitung ein weiteres Mal geb\u00fcndelt in Buchform heraus.<\/p>\n<p>Der Nachname \u201eP\u00f6rzgen\u201c z\u00e4hlt nicht gerade zu den h\u00e4ufigsten im deutschen Sprachraum. Nachdem ich gerade selbst zwei Jahre lang in Moskau gelebt habe, m\u00f6chte ich, Yvonne P\u00f6rzgen, die Reportagen meines entfernten Verwandten aufgreifen und gut 60 Jahre nach seinen Erlebnissen antworten: So lebt man <em>heute<\/em> in Moskau.<\/p>\n<p>Ich nehme die Beitr\u00e4ge in \u201cSo lebt man in Moskau\u201d zum Anlass, meine eigenen Erfahrungen und Ansichten zu formulieren, subjektiv und als Blick aus einem Zwischenraum, da ich nicht \u201cswoja\u201d bin, also keine \u201cvon uns\u201d und somit vieles anders erfahre als die Dauer-Moskauer, aber dennoch dabei, bis zu einem bestimmten Grad eingebunden war und Einblick bekommen habe. All das ist gepr\u00e4gt von tiefer Skepsis gegen\u00fcber dem System und gro\u00dfer Sympathie f\u00fcr die Menschen.<\/p>\n<p>Hermann P\u00f6rzgen hatte da in den 1950er Jahren in Moskau einen schwierigeren Stand. Er reiste 1935 zum ersten Mal in die Sowjetunion. 1937 bis 1941 berichtete er als Korrespondent der \u201cFrankfurter Zeitung\u201d von dort. 1944 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, 1955 kam er frei. Nur zwei Jahre sp\u00e4ter reiste er f\u00fcr die Frankfurter Allgemeine wieder in die Sowjetunion.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>\u201cRussisch oder Sowjetisch?\u201d<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<blockquote>\n<p>\u201eSowenig man fr\u00fcher das Deutsche Reich mit Preu\u00dfen gleichsetzen konnte oder Jugoslawien mit Serbien, so ungenau ist es, f\u00fcr die Sowjetunion den Namen Ru\u00dfland zu gebrauchen oder die Unionsb\u00fcrger schlankweg Russen zu nennen.\u201c (S. 7)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Punkt sollte sich erledigt haben, hat es aber nicht. Oft genug ist in Gespr\u00e4chen \u00fcber die Geschichte immer noch zu h\u00f6ren, wie es war, als am Ende des 2. Weltkriegs \u201cdie Russen\u201d kamen. Russland hat die v\u00f6lkerrechtliche Nachfolge der Sowjetunion angetreten, aber sowjetisch waren auch Ukraine, Belarus, Lettland, Estland, Litauen, Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Georgien, Aserbaidschan, Armenien und Moldau. Wechsel der Staatsform und der Ideologie gab es im 20.\/21. Jahrhundert mehr als genug. Eine Konstante ist Moskau als Hauptstadt der Sowjetunion und heute Hauptstadt der Russl\u00e4ndischen F\u00f6deration. Geblieben ist auch, dass in Moskau nicht alles russisch ist. Wie die Russl\u00e4ndische F\u00f6deration ist auch Moskau bev\u00f6lkert von Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Nationen. Als diplomatisches Zentrum arbeiten hier viele \u201cExpats\u201d. Als wirtschaftlicher Anziehungspunkt zieht es \u201cgastarbajtery\u201d aus dem Kaukasus und aus Zentralasien an, ohne die in der Stadt vieles gar nicht laufen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Frage \u201cRussisch oder Sowjetisch?\u201d ist deswegen heute nicht mit einem oder mit zwei Schlagworten zu beantworten, sondern man muss mindestens die Trias \u201cPostsowjetisch, Russisch, Multinational\u201d aufmachen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> \u201cKorrespondent in Moskau\u201d <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<blockquote>\n<p>\u201cWo die M\u00f6glichkeit der journalistischen Information so gering ist, sehen sich die Beobachter vielfach auf ihre Kombinationsgabe angewiesen. Auch die sowjetischen Leser sind ja gewohnt, Wichtiges zwischen den Zeilen zu lesen. Kaum in einem andern (sic) Land ist es so schwierig, die wirkliche Bedeutung einer Ma\u00dfnahme oder Bekanntmachung zu erkennen, wie in der Sowjetunion.\u201d (S. 9)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die heutige Situation ist recht \u00e4hnlich. Den Superlativ, dass es in keinem anderen Land so schwierig ist, w\u00fcrde ich nicht mehr benutzen, siehe Nordkorea, siehe Iran, siehe sicher auch viele andere L\u00e4nder au\u00dferhalb des postsowjetischen Raums. Aber auch in Russland ist es nicht immer leicht herauszufinden, was gerade Sache ist.<\/p>\n<p>Nachdem in den 90er Jahren unabh\u00e4ngige Zeitungen, Radiosender, Fernsehkan\u00e4le und allm\u00e4hlich auch Internetseiten entstanden waren, hat man die aus Regierendensicht allzu kritischen in den 2000ern wieder geschlossen. Im Gegenzug wurde international der Fernsehsender \u201eRussia Today\u201c lanciert, um die russische Sicht der Dinge auch auf Deutsch, Franz\u00f6sisch, Englisch etc. zu pr\u00e4sentieren. Die \u00e4lteren Generationen und die Menschen, die in Russland au\u00dferhalb der gro\u00dfen St\u00e4dte leben, informieren sich in Russland weiterhin haupts\u00e4chlich \u00fcber das staatliche Fernsehprogramm. Das kann man sich ansehen, muss man aber nicht. Ich habe es versucht. Wirklich. Mehrmals. Aber immer, wenn ich eingeschaltet habe, gab es Diskussionsrunden, bei denen sich die \u201eGespr\u00e4chs\u201c-Partner so anschrien, dass nichts mehr zu verstehen war. Alternativ gibt es wahlweise \u201eChe \u2013 f\u00fcr echte M\u00e4nner\u201c oder auch \u201eSpas\u201c (Erl\u00f6ser), wenn man es etwas besinnlicher mag. Mein Ausweg waren Radio (Echo Moskvy), Zeitung (Novaja Gazeta und Internet (Meduza). Mit der Berichterstattung \u00fcber mich selbst habe ich ganz besondere Erfahrungen gemacht, auf die ich bei n\u00e4chster Gelegenheit ausf\u00fchrlicher eingehen werde.<\/p>\n<p>Das mit dem Lesen zwischen den Zeilen klappt heute auch mal mehr, mal weniger gut, wie sich nicht zuletzt zu Beginn der Coronakrise zeigte. Als ein Land nach dem anderen in den Lockdown ging, passierte in Russland erst einmal gar nichts. Der Erste, der etwas unternahm, war der Moskauer B\u00fcrgermeister Sobjanin. Er verk\u00fcndete die Pflicht zu zwei Wochen Selbstisolation f\u00fcr alle, die aus Risikol\u00e4ndern einreisten. Als man russlandweit die vielen F\u00e4lle von Lungenentz\u00fcndungen in den Krankenh\u00e4usern nicht mehr ignorieren konnte, bequemte sich Putin zu einer Ma\u00dfnahme. Er ging vor die Presse und verk\u00fcndete zehn Tage arbeitsfrei \u2013 \u201evychodnye\u201c \u2013 f\u00fcr alle. Bezahlt. Problem: \u201evychodnye\u201c ist das Wort f\u00fcr Urlaub. Bezahlter Urlaub? Nichts wie raus aus Moskau und ab nach Sotschi, wo es schon im M\u00e4rz sch\u00f6n warm ist. Am Ende war Sotschi \u00fcberrannt und die Stadt schickte alle Touristen wieder nach Hause. Soviel zur Isolation.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu den Medien und zur grenz\u00fcberschreitenden Berichterstattung. Beeindruckend ist Hermann P\u00f6rzgens Schilderung, wie die Zensur im Haupttelegrafenamt funktioniert:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u201cDie Korrespondenten \u00fcbergeben ihre Berichte (mit Durchschlag) an einem besonderen Schalter der Telegrafenbeamtin, welche sie durch eine Nebent\u00fcr in die Zensurabteilung hineinreiht. Die dort ihres Amtes waltenden Bevollm\u00e4chtigten der Hauptverwaltung f\u00fcr Literatur \u2013 so lautet die offizielle Bezeichnung \u2013 hat keiner der Korrespondenten bisher zu Gesicht bekommen. [\u2026] bis das Manuskript, mit dem rechteckigen Stempel des geheimnisvollen Zensors versehen, wieder zum Vorschein kommt, vergeht zuweilen eine Stunde oder auch mehr. [\u2026] Berichterstatter gro\u00dfer Zeitungen telefonieren vom Internationalen Fernsprechpunkt aus ihre zensierten Mitteilungen und Artikel.\u201d (S. 12)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Heute l\u00e4uft die Kommunikation nat\u00fcrlich anders, sowohl f\u00fcr Journalistinnen und Journalisten als auch f\u00fcr alle anderen. Aber dem russischen \u00dcberwachungs- und Abh\u00f6rsystem eilt sein Ruf voraus. Hatte es etwas mit dem zu tun, was er zu seinen Studierenden gesagt hat, dass ein DAAD-Lektoratskollege des Landes verwiesen wurde? Hat sich da ein Vater bei den entsprechenden Stellen beschwert? Hat es einen Grund, warum mir in Uljanowsk in der universit\u00e4tseigenen Wohnung das eine und meiner amerikanischen Fulbright-Kollegin das andere Zimmer zugewiesen wurde, ohne das man uns gefragt hat? Wird das eine Zimmer von einem englischsprachigen, das andere von einem deutschsprachigen Beauftragten abgeh\u00f6rt? Wahrscheinlich war das nicht der Fall, aber man wird schnell paranoid und vermutet hinter jedem Windowsabsturz die Einmischung des FSB. Zudem wird es ausl\u00e4ndischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Russland Schritt f\u00fcr Schritt schwerer gemacht, sich legal zu verhalten. Bis Mai 2018 etwa durften Universit\u00e4ten ihre ausl\u00e4ndischen Angestellten auf die Universit\u00e4tsadresse registrieren und das International Office war somit f\u00fcr die Registrierung verantwortlich. Ab Juni 2018 galt das nicht mehr. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich bedeutete das in Moskau, dass ich nach jeder Reise, bei der ich entweder die Landesgrenze \u00fcberschritt oder in einer anderen russischen Stadt registriert wurde, zum Beispiel in einem Hotel, meinen Vermieter aufs Amt schicken musste, mit seinem und meinem Pass und einem zweifach von ihm ausgefertigten Formular. Im Schnitt war ich einmal pro Monat unterwegs. Mein Vermieter war eine Seele von einem Menschen und nahm es mit Humor.<\/p>\n<p>Ich lese in Hermann P\u00f6rzgens Beschreibungen auch einen gewissen Fatalismus: So ist es eben, was willst du machen, da muss man eben durch. Diese Einstellung ist auch im heutigen Moskau die beste M\u00f6glichkeit, das ohnehin strapazierte Nervenkost\u00fcm nicht zu zerrei\u00dfen. Nicken, ja und amen sagen, irgendwie wird es schon gehen. Tut es auch. Meistens.<\/p>\n<p>Hier geht es zu Teil 2: <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2020\/11\/15\/so-lebt-man-heute-in-moskau-botschaft-und-konsulat\/\">\"So lebt man heute in Moskau: Botschaft und Konsulat\"<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1958 hat Hermann P\u00f6rzgen ein Buch mit dem Titel \u201eSo lebt man in Moskau\u201c herausgebracht. 60 Jahre sp\u00e4ter zog Yvonne P\u00f6rzgen in die russische Hauptstadt. 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Oft genug ist in Gespr\u00e4chen \u00fcber die Geschichte immer noch zu h\u00f6ren, wie es war, als am Ende des 2. Weltkriegs \u201cdie Russen\u201d kamen. Russland hat die v\u00f6lkerrechtliche Nachfolge der Sowjetunion angetreten, aber sowjetisch waren auch Ukraine, Belarus, Lettland, Estland, Litauen, Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Georgien, Aserbaidschan, Armenien und Moldau. Wechsel der Staatsform und der Ideologie gab es im 20.\/21. Jahrhundert mehr als genug. Eine Konstante ist Moskau als Hauptstadt der Sowjetunion und heute Hauptstadt der Russl\u00e4ndischen F\u00f6deration. Geblieben ist auch, dass in Moskau nicht alles russisch ist. Wie die Russl\u00e4ndische F\u00f6deration ist auch Moskau bev\u00f6lkert von Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Nationen. Als diplomatisches Zentrum arbeiten hier viele \u201cExpats\u201d. 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Den Superlativ, dass es in keinem anderen Land so schwierig ist, w\u00fcrde ich nicht mehr benutzen, siehe Nordkorea, siehe Iran, siehe sicher auch viele andere L\u00e4nder au\u00dferhalb des postsowjetischen Raums. Aber auch in Russland ist es nicht immer leicht herauszufinden, was gerade Sache ist.\r\n\r\nNachdem in den 90er Jahren unabh\u00e4ngige Zeitungen, Radiosender, Fernsehkan\u00e4le und allm\u00e4hlich auch Internetseiten entstanden waren, hat man die aus Regierendensicht allzu kritischen in den 2000ern wieder geschlossen. Im Gegenzug wurde international der Fernsehsender \u201eRussia Today\u201c lanciert, um die russische Sicht der Dinge auch auf Deutsch, Franz\u00f6sisch, Englisch etc. zu pr\u00e4sentieren. Die \u00e4lteren Generationen und die Menschen, die in Russland au\u00dferhalb der gro\u00dfen St\u00e4dte leben, informieren sich in Russland weiterhin haupts\u00e4chlich \u00fcber das staatliche Fernsehprogramm. Das kann man sich ansehen, muss man aber nicht. Ich habe es versucht. Wirklich. Mehrmals. Aber immer, wenn ich eingeschaltet habe, gab es Diskussionsrunden, bei denen sich die \u201eGespr\u00e4chs\u201c-Partner so anschrien, dass nichts mehr zu verstehen war. Alternativ gibt es wahlweise \u201eChe \u2013 f\u00fcr echte M\u00e4nner\u201c oder auch \u201eSpas\u201c (Erl\u00f6ser), wenn man es etwas besinnlicher mag. Mein Ausweg waren Radio (Echo Moskvy), Zeitung (Novaja Gazeta und Internet (Meduza). Mit der Berichterstattung \u00fcber mich selbst habe ich ganz besondere Erfahrungen gemacht, auf die ich bei n\u00e4chster Gelegenheit ausf\u00fchrlicher eingehen werde.\r\n\r\nDas mit dem Lesen zwischen den Zeilen klappt heute auch mal mehr, mal weniger gut, wie sich nicht zuletzt zu Beginn der Coronakrise zeigte. Als ein Land nach dem anderen in den Lockdown ging, passierte in Russland erst einmal gar nichts. Der Erste, der etwas unternahm, war der Moskauer B\u00fcrgermeister Sobjanin. Er verk\u00fcndete die Pflicht zu zwei Wochen Selbstisolation f\u00fcr alle, die aus Risikol\u00e4ndern einreisten. Als man russlandweit die vielen F\u00e4lle von Lungenentz\u00fcndungen in den Krankenh\u00e4usern nicht mehr ignorieren konnte, bequemte sich Putin zu einer Ma\u00dfnahme. Er ging vor die Presse und verk\u00fcndete zehn Tage arbeitsfrei \u2013 \u201evychodnye\u201c \u2013 f\u00fcr alle. Bezahlt. Problem: \u201evychodnye\u201c ist das Wort f\u00fcr Urlaub. Bezahlter Urlaub? Nichts wie raus aus Moskau und ab nach Sotschi, wo es schon im M\u00e4rz sch\u00f6n warm ist. Am Ende war Sotschi \u00fcberrannt und die Stadt schickte alle Touristen wieder nach Hause. Soviel zur Isolation.\r\n\r\nAber zur\u00fcck zu den Medien und zur grenz\u00fcberschreitenden Berichterstattung. 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Bis Mai 2018 etwa durften Universit\u00e4ten ihre ausl\u00e4ndischen Angestellten auf die Universit\u00e4tsadresse registrieren und das International Office war somit f\u00fcr die Registrierung verantwortlich. Ab Juni 2018 galt das nicht mehr. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich bedeutete das in Moskau, dass ich nach jeder Reise, bei der ich entweder die Landesgrenze \u00fcberschritt oder in einer anderen russischen Stadt registriert wurde, zum Beispiel in einem Hotel, meinen Vermieter aufs Amt schicken musste, mit seinem und meinem Pass und einem zweifach von ihm ausgefertigten Formular. Im Schnitt war ich einmal pro Monat unterwegs. Mein Vermieter war eine Seele von einem Menschen und nahm es mit Humor.\r\n\r\nIch lese in Hermann P\u00f6rzgens Beschreibungen auch einen gewissen Fatalismus: So ist es eben, was willst du machen, da muss man eben durch. 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