{"id":2554,"date":"2021-11-29T09:32:07","date_gmt":"2021-11-29T08:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=2554"},"modified":"2021-12-19T20:34:02","modified_gmt":"2021-12-19T19:34:02","slug":"aktivistin-glafira-zhuk-aus-belarus-an-der-uni-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/11\/29\/aktivistin-glafira-zhuk-aus-belarus-an-der-uni-bremen\/","title":{"rendered":"Aktivistin Glafira Zhuk aus Belarus an der Uni Bremen"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Im Seminar \u201cTechniken des wissenschaftlichen Arbeitens\u201d wird normalerweise \u00fcber Dinge wie Quellensuche, Zitiertechniken oder Formatierung gesprochen. Doch am Donnerstag den 20. Oktober gibt es \u00fcberraschend Besuch - aus Belarus. Glafira Zhuk ist Aktivistin. Sie k\u00e4mpft gegen das autorit\u00e4re Regime von Staatschef Alexander Lukaschenko und f\u00fcr ein demokratisches Belarus. Der Deutsche Journalistenverband hat sie eingeladen, w\u00e4hrend eines Monats in Bremen \u00fcber ihre Erlebnisse in Belarus zu berichten. Ihr heutiges Publikum sind die Studierenden der Integrierten Europastudien an der Universit\u00e4t Bremen.<\/p>\n<p>Glafira Zhuk arbeitet als Journalistin, sie schreibt \u00fcber aktivistische Arbeit in Belarus. Dass sie heute in Bremen ist und nicht zu Hause, in Minsk, sei keine freiwillige Entscheidung, erz\u00e4hlt Glafira. Eine R\u00fcckkehr zu ihrer Familie sei momentan keine Option, da das Regime Lukaschenko heimkehrenden Belaruss:innen unterstellt, Spionaget\u00e4tigkeiten im Auftrag der EU nachzugehen. \"Auf Basis welcher Beweislage?\", fragen sich wom\u00f6glich einige. Doch das Regime Lukaschenko setzt nicht auf Beweise. Glafira wurde bereits einmal inhaftiert, unter dem Vorwand, vor dem Gerichtsgeb\u00e4ude protestiert zu haben, was verboten ist. Tats\u00e4chlich war sie dort, um \u00fcber Gerichtsprozesse zu berichten. Der Europablog hat Glafira Zhuk im Anschluss der Veranstaltung zu ihrem einmonatigen Gef\u00e4ngnisaufenthalt befragt. Das gesamte Interview ist <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=2017&amp;preview=true\">hier<\/a> nachzulesen.<\/p>\n<p>Glafira hat eine Pr\u00e4sentation vorbereitet, mit der sie die Studierenden \u00fcber das politische Geschehen in Belarus informieren m\u00f6chte. Zun\u00e4chst zeigt sie, wo auf der Weltkarte sich Belarus befindet, n\u00e4mlich angrenzend an Russland, Litauen, Polen und die Ukraine. Belarus geh\u00f6rt zu den postsowjetischen Staaten und wurde erst 1991 unabh\u00e4ngig, nachdem die Sowjetunion endg\u00fcltig kollabiert war, erz\u00e4hlt Glafira. Die Zeit zwischen 1991 und 1994 nennt sie die demokratische Bl\u00fctezeit Belarus\u2019. Der heute autorit\u00e4r regierende, heftig umstrittene Staatschef Alexander Lukaschenko gelangte 1994 \u00fcber demokratische Wahlen (sowohl von EU als auch UN anerkannt) in sein Amt. Eine von ihm veranlasste Verfassungs\u00e4nderung 1996 ebnete den Weg f\u00fcr eine zeitlich unbegrenzte Amtszeit. Daraufhin verschlechterten sich die Beziehungen zur EU, w\u00e4hrend Lukaschenkos politische Loyalit\u00e4t fortan Russland beziehungsweise Wladimir Putin galt. In diesem Zuge wurden auch Medien zunehmend reglementiert, erz\u00e4hlt sie weiter. So gelingt Glafira die \u00dcberleitung zum Jetzt. Sie als Journalistin sei unter anderem aus Belarus geflohen, da sie dort nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen k\u00f6nne, ohne f\u00fcrchten zu m\u00fcssen, erneut verhaftet zu werden. Unabh\u00e4ngige Journalist:innen vor Ort gebe es kaum noch, da immer mehr Personen spontan und ohne rechtskr\u00e4ftige Gr\u00fcnde verhaftet w\u00fcrden. Generell sei es schwierig geworden, untereinander zu kommunizieren. Wie Glafira erz\u00e4hlt, m\u00fcssen Kolleg:innen st\u00e4ndig umziehen, sodass Beh\u00f6rden sie nicht finden und wom\u00f6glich verhaften k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am 17. November 2019 fanden in Belarus Parlamentswahlen statt. Es war bereits bekannt, dass Machthaber Lukaschenko seine schwindende Macht wohl kaum einem neuen oder einer neuen Regierungschef:in \u00fcberlassen w\u00fcrde. Wie erwartet inszenierte sich Lukaschenko schlie\u00dflich als Sieger der Wahlen. Obwohl Belaruss:innen \u00fcber massiven Wahlbetrug klagten - die Stimmabgabe sei weder frei, noch gleich, noch geheim abgelaufen - hielt Lukaschenko an seinem Amt fest. Im Ausland reagierte man mit Skepsis. Viele Staaten verweigern Lukaschenko die Anerkennung als rechtm\u00e4\u00dfigen Staatschef. Nach den Wahlen formierte sich Widerstand in Belarus. Es folgten Massenkundgebungen, organisiert von einer (vermutlich) gesellschaftlichen Mehrheit, die Lukaschenko als ihren Pr\u00e4sidenten klar ablehnt und demokratische Neuwahlen verlangt. Das Regime erwiderte diese Forderungen mit massivem Polizeiaufgebot und Gewalt gegen Demonstrant:innen. Viele wurden und werden verhaftet, interniert, teils verpr\u00fcgelt. Lukaschenko setzt auf Abschreckung.<\/p>\n<p>Glafira zeigt Bilder, die w\u00e4hrend der Proteste in Minsk entstanden sind. Aus urheberrechtlichen Gr\u00fcnden d\u00fcrfen diese leider nicht hier angezeigt werden. Das folgende Bild ist auch w\u00e4hrend der Proteste in Belarus entstanden und darf lizenzfrei genutzt werden (siehe unten: Bildquellen). Es vermittelt eine ganz andere Atmosph\u00e4re, im Gegensatz zu Glafiras Bildern, auf denen Momente der Gewalt eingefangen wurden. Auf ihren Bildern zu sehen sind Polizisten und Demonstrierende. Die einen schwer bewaffnet, die anderen schwer verletzt.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1713\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/karina-maslina-iQVO5LBVv6w-unsplash-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"karina-maslina-iQVO5LBVv6w-unsplash\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/karina-maslina-iQVO5LBVv6w-unsplash-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/karina-maslina-iQVO5LBVv6w-unsplash-1280x857.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/karina-maslina-iQVO5LBVv6w-unsplash-980x656.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/karina-maslina-iQVO5LBVv6w-unsplash-480x321.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-2560\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Im Anschluss an Glafiras Pr\u00e4sentation haben die Studierenden die M\u00f6glichkeit, ihr Fragen zu stellen. Die meisten wissen vom politischen Zustand Belarus\u2019, haben die Nachrichten verfolgt. Es wird gefragt, f\u00fcr wie realistisch sie es h\u00e4lt, dass Lukaschenko bald abtreten wird. Glafira meint, dass die Strategie, wie sie Lukaschenko momentan f\u00e4hrt, sehr teuer ist. Insbesondere die Ausgaben f\u00fcr Polizei und Milit\u00e4r seien mit den Protesten gewachsen. Polizisten verdienen mitunter doppelt so viel wie Wissenschaftler:innen, sagt Glafira. Auf Dauer k\u00f6nne sich dieses System nicht finanzieren. Lukaschenkos politische Zukunft hinge gr\u00f6\u00dftenteils an Geldgeber Russland. Eine weitere Frage betrifft die Unterst\u00fctzung Lukaschenkos innerhalb der belarussischen Bev\u00f6lkerung. Mit welcher Rechtfertigung beteiligten sich beispielsweise Polizisten an den staatlichen Repressionen, fragt ein Student. Glafira erwidert, dass ein Gro\u00dfteil des Polizeiapparats Lukaschenko unterst\u00fctzt. Es seien insbesondere Polizisten, die von der Situation momentan am meisten profitieren, aufgrund steigender L\u00f6hne. Dadurch entstehe auch eine finanzielle Abh\u00e4ngigkeit, meint Glafira. Die Lebensumst\u00e4nde derjenigen, die auf dem Land leben, seien besonders prek\u00e4r, weshalb viele die Proteste als Destabilisierung der ohnehin angespannten Lage sehen. Zuletzt die Frage, wie man Belaruss:innen momentan helfen k\u00f6nne. Da holt Glafira Postkarten hervor. Wer m\u00f6chte, kann einer\/einem inhaftierten Belaruss:in eine Karte schreiben, die Glafira sp\u00e4ter verschicken wird.<\/p>\n<p>Zum Ende der Veranstaltung bedanken sich die Studierenden f\u00fcr Glafiras Besuch an der Universit\u00e4t Bremen. Viele von ihnen sind beeindruckt von ihr und sprachlos \u00fcber das, was sie in Belarus erfahren musste. Es bleibt ein <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/CVQoNVCI_s9Rl1A72SfaDQZJgCfILy1T4UyJc80\/\">gemeinsames Foto<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><span style=\"font-size: 10pt\">Bildquellen: Unsplash - <em>Andrew Keymaster (1), <\/em><em>Karina Maslina (2)<\/em><\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehr zum Thema:<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\">- <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/11\/12\/fuer-30-tage-im-gefaengnis-habe-ich-200-dollar-bezahlt-interview-mit-glafira-zhuk\/\">\u201eF\u00fcr 30 Tage im Gef\u00e4ngnis habe ich 200 Dollar bezahlt.\u201c Interview mit Glafira Zhuk<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\">- <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/07\/22\/17-07-2021-bremer-solidaritaetsveranstaltung-mit-belarus-die-revolution-hat-ein-weibliches-gesicht\/\">17.07.2021, Bremer Solidarit\u00e4tsveranstaltung mit Belarus: \u201cDie Revolution hat ein weibliches Gesicht\u201d<\/a><\/span><\/p>\n<p>- <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2018\/01\/03\/belarus-zwischen-ost-und-west-auf-der-suche-nach-dem-eigenen-weg\/\"><span style=\"font-size: 10pt\">Belarus zwischen Ost und West. Auf der Suche nach dem eigenen Weg.<\/span><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":12782,"featured_media":2559,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,565379,547280,849396,469],"tags":[565379,849548,368741,70563,21040,287],"class_list":["post-2554","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-belarus","category-debatte-europa","category-ella-baumann","category-studium","tag-belarus","tag-glafira-zhuk","tag-ies","tag-lukaschenko","tag-proteste","tag-uni-bremen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12782"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2554"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2554\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2960,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2554\/revisions\/2960"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2559"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}