{"id":1974,"date":"2021-11-12T08:00:30","date_gmt":"2021-11-12T07:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=1974"},"modified":"2022-02-06T14:35:20","modified_gmt":"2022-02-06T13:35:20","slug":"umweltaktivismus-ein-erfahrungsbericht-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/11\/12\/umweltaktivismus-ein-erfahrungsbericht-teil-1\/","title":{"rendered":"Umweltaktivismus &#8211; Ein Erfahrungsbericht"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1707\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ehimetalor-akhere-unuabona-nDBDh32ybgY-unsplash-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"ehimetalor-akhere-unuabona-nDBDh32ybgY-unsplash\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ehimetalor-akhere-unuabona-nDBDh32ybgY-unsplash-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ehimetalor-akhere-unuabona-nDBDh32ybgY-unsplash-1280x854.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ehimetalor-akhere-unuabona-nDBDh32ybgY-unsplash-980x653.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/ehimetalor-akhere-unuabona-nDBDh32ybgY-unsplash-480x320.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-2421\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_4 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Die Schiebet\u00fcr des Polizeiwagens knallt zu, f\u00fcr einen Augenblick Dunkelheit, bis ein Beamter das Licht anknipst. In meiner kleinen metallenen Zelle versuche ich die Zahlen, die mit Edding geschrieben, auf meinem Arm stehen, zu entziffern. Mein Anruf aus der Polizeistation w\u00fcrde an diese Nummer gehen. So lerne ich sie eben noch auswendig, nur um eine Nummer sicherzugehen, da die Zahlen mit meinem Schwei\u00df davonlaufen. Ich schaue mich um, wobei ich nur eine sp\u00e4rliche Luke entdecke, die es mir erlaubt, den Beamten zu sehen der uns im Wagen begleitet.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_4 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>\u201cWas halten Sie eigentlich von uns Umweltaktivisten?\u201c, frage ich ihn, ohne zu beachten, dass man mich aus der Zelle kaum h\u00f6ren kann. Er schaut mich einen Moment verwirrt an, und bittet um die Wiederholung meiner Worte.\u00a0 Ich schreie meine Frage, er antwortet bescheiden: \u201eNa ja, ihr seid ein Haufen Arbeit. Unsere Kr\u00e4fte k\u00f6nnen wir garantiert woanders besser einsetzen, als hier zu sein, um euch zu verhaften. Ihr habt da, meiner Meinung nach, einen v\u00f6llig falschen Ansatz. Ich finde, es f\u00e4ngt beim Individuum an. Jeder sollte f\u00fcr sich selbst entscheiden, wie er sich in Anbetracht der Klimaproblematik verh\u00e4lt. Regionale Bioprodukte kaufen, mehr Fahrrad fahren, all sowas eben. Ich meine, wir sind ja nicht das Problem. Das Einzige, was ihr tut, ist es uns und dazu auch noch Passanten zu behindern.\u201c Teilweise stimme ich ihm zu, versuche jedoch auch meinen Punkt zu verdeutlichen, was ich letztendlich aufgebe, als der Wagen pl\u00f6tzlich langsamer wird. Angekommen. Wo? Keinen Schimmer.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_4 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_1\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1829\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/alexandre-debieve-HReDVliWJ7U-unsplash-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"alexandre-debieve-HReDVliWJ7U-unsplash\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/alexandre-debieve-HReDVliWJ7U-unsplash-scaled.jpg 1829w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/alexandre-debieve-HReDVliWJ7U-unsplash-1280x1792.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/alexandre-debieve-HReDVliWJ7U-unsplash-980x1372.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/alexandre-debieve-HReDVliWJ7U-unsplash-480x672.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1829px, 100vw\" class=\"wp-image-2407\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_4  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Der Beamte steigt aus dem Auto, gr\u00fc\u00dft seine Kollegen, die uns schon erwarten und holt uns einzeln aus unseren Zellen. Er begleitet uns hinaus, durch den Haupteingang eines ziemlich heruntergekommenen wei\u00dfen Hauses, dessen graues Blechdach es nicht sch\u00f6ner erscheinen l\u00e4sst. Meine Augen versuchen sich verzweifelt an das grelle Licht der Umgebung anzupassen. Es geht weiter in einen Zwischenraum, wo wir unsympathisch gegr\u00fc\u00dft und abgetastet werden. \"Jegliche Gegenst\u00e4nde sind abzugeben\", r\u00e4uspert sich ein \u00e4lterer Beamter verschlafen.\u00a0Nun werden wir in einen sp\u00e4rlich beleuchteten Gewahrsamsraum gef\u00fchrt, der wie eine beschmierte Turnhallenumkleide aussieht. Mein Diskussionspartner verabschiedet sich und w\u00fcnscht uns noch alles Gute, er hat Feierabend.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_3  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_5  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Etwas entfernt im Hintergrund in einem Nebenraum l\u00e4uft ein Fu\u00dfballspiel, w\u00e4hrend sich die Beamten bem\u00fchen, einer weiteren Aktivistin im Flur den Sekundenkleber von den H\u00e4nden zu entfernen, um ihre Fingerabdr\u00fccke zu archivieren. \u201eEntschuldigen Sie, k\u00f6nnen wir bitte unseren rechtm\u00e4\u00dfigen Anruf t\u00e4tigen?\u201c, fragt ein Aktivist, seine Stimme hallt ein wenig durch die, in gelbes Licht getunkte, Turnhallenumkleide. \u201eEuch steht jetzt kein Anruf zur Verf\u00fcgung. Das ist nicht wie im Fernsehen\u201c, entgegnet uns einer der drei Beamten trocken. \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit werden wir aufgerufen, um, trotz unseres Widerspruchs (gegen Fingerabdr\u00fccke), unsere Personalien aufnehmen zu lassen. Es ist mittlerweile sehr sp\u00e4t, ich sitze auf einem klapprigen Drehstuhl und komme mir vor, als w\u00fcrden wir Bewerbungsfotos schie\u00dfen. Die Kamera scheint nicht zu funktionieren, der Beamte h\u00f6rt Popmusik und ist am Handy besch\u00e4ftigter als mit der Einstellung des Objektivs. F\u00fcnfter Versuch, es klappt, ich kann gehen. \"So, hier sind Ihre Gegenst\u00e4nde. Wenn Sie wollen, k\u00f6nnen Sie dort unterschreiben, als Best\u00e4tigung des Erhalts Ihrer Sachen\", er klingt genauso m\u00fcde, wie ich es bin. Ohne Unterschrift begebe ich mich endlich ins Freie.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_4  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_6  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_4  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Jetzt stehen wir irgendwo in Berlin-Moabit in einer verlassenen dunklen Stra\u00dfe, beleuchtet vom fremdartig grellen Licht der Polizeiwache. Uns erschl\u00e4gt eine finale Ersch\u00f6pfung. All die Aufregung, dessen Spannungsbogen ihren H\u00f6hepunkt erreicht hat, erscheint uns nun wie ein weit zur\u00fcckliegender Traum.\u00a0 In meinem Kopf kreischt immer noch die Flex, mit der neben unserem Arm ges\u00e4gt wurde. Solidarische, wie auch missachtende Blicke der Passanten spiegeln sich vor meinem inneren Auge ab, zumindest bevor wir von Polizeiw\u00e4gen und Beamten eingekesselt wurden. Auch der b\u00f6se Blick des Busfahrers, dessen Stra\u00dfe wir blockierten (was tats\u00e4chlich nicht eingeplant war), will mir nicht aus dem Kopf gehen. Immerhin hatten wir einen gro\u00dfartigen Ausblick auf das, vom orangen warmen Licht des Sonnenuntergangs umarmte, Brandenburger Tor, w\u00e4hrend wir mit Bolzenschneidern, S\u00e4gen, sowie Hammer und Mei\u00dfel Unter den Linden bedr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n<p>Eine Gruppe von Leuten kommt uns in der Dunkelheit entgegen. Unser Empfang, bei genauerer Betrachtung unsere Bezugsgruppe! Quasi unsere Aktivistenfamilie, in der sich alle pers\u00f6nlicher kennen und aufeinander Acht geben. Es ist ein sehr erleichterndes Gef\u00fchl, von Ihnen in Empfang genommen zu sein. Jetzt sitzen wir vor der Polizeiwache mit einer Thermoskanne Tee und warten auf weitere \u201cFreigelassene\u201d.\u00a0<\/p>\n<p>Das war\u2019s also. Drei Monate Planung, ewige Diskussionsrunden bis sp\u00e4t in die Nacht, etliche Workshops und Stunden \u00fcber Stunden an handwerklicher\/k\u00fcnstlerischer Arbeit sp\u00e4ter standen wir hier: im Nirgendwo. Unser Film neigt sich dem Ende zu, woraufhin uns ein Haufen Fragen durch den Kopf gehen: War es das jetzt wert? Was h\u00e4tte besser laufen k\u00f6nnen? Wie geht es den Anderen aus der Aktion? Welche Repressionen kommen auf mich zu?<\/p>\n<p>Was kommt als N\u00e4chstes?!<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewaltfreier ziviler Ungehorsam im Angesicht einer der schwerwiegendsten Krisen unserer Zeit. <\/p>\n","protected":false},"author":13658,"featured_media":2421,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p style=\"margin-top: 0cm; background: white;\"><span style=\"color: black;\">Die Schiebet\u00fcr des Polizeiwagens knallt zu, f\u00fcr einen Augenblick Dunkelheit, bis ein Beamter das Licht anknipst. In meiner kleinen metallenen Zelle versuche ich die Zahlen, die mit Edding geschrieben, auf meinem Arm stehen, zu entziffern. Mein Anruf aus der Polizeistation w\u00fcrde an diese Nummer gehen. Ich lerne sie eben noch auswendig, nur um eine Nummer sicherzugehen, da die Zahlen mit meinem Schwei\u00df davonlaufen. Ich schaue mich um, wobei ich nur eine sp\u00e4rliche Luke entdecke, die es mir erlaubt, den Beamten zu sehen der uns im Wagen begleitet.<\/span><\/p><p style=\"margin-top: 0cm; background: white;\"><span style=\"color: black;\">\u201cWas halten Sie eigentlich von uns Umweltaktivisten?\u201c, frage ich ihn, ohne zu beachten, dass man mich aus der Zelle kaum h\u00f6ren kann. Er schaut mich einen Moment verwirrt an, und bittet um die Wiederholung meiner Worte.\u00a0 Ich schreie meine Frage, er antwortet bescheiden: \u201eNa ja, ihr seid ein Haufen Arbeit. Unsere Kr\u00e4fte k\u00f6nnen wir garantiert woanders besser einsetzen, als hier zu sein, um euch zu verhaften. Ihr habt da, meiner Meinung nach, einen v\u00f6llig falschen Ansatz. Ich finde, es f\u00e4ngt beim Individuum an. Jeder sollte f\u00fcr sich selbst entscheiden, wie er sich in Anbetracht der Klimaproblematik verh\u00e4lt. Regionale Bioprodukte kaufen, mehr Fahrrad fahren, all sowas eben.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Ich meine, wir sind ja nicht das Problem. Das Einzige, was ihr tut, ist es uns und dazu auch noch Passanten <\/span><span style=\"color: #000000;\">zu behindern<\/span><span style=\"color: black;\">.\u201c <\/span><span style=\"color: black;\">Ich stimme ihm teilweise zu, versuche jedoch auch meinen Punkt zu verdeutlichen, was ich letztendlich aufgebe, als der Wagen pl\u00f6tzlich langsamer wird. Angekommen. Wo? Keinen Schimmer.<\/span><\/p><p style=\"margin-top: 0cm; background: white;\"><span style=\"color: black;\">Der Beamte steigt aus dem Auto, gr\u00fc\u00dft seine Kollegen, die uns schon erwarten und holt uns einzeln aus unseren Zellen. Er begleitet uns hinaus, durch den Haupteingang eines ziemlich heruntergekommenen wei\u00dfen Hauses, dessen graues Blechdach es nicht sch\u00f6ner erscheinen l\u00e4sst. Meine Augen versuchen sich verzweifelt an das grelle Licht der Umgebung anzupassen. Es geht weiter in einen Zwischenraum, wo wir unsympathisch gegr\u00fc\u00dft und abgetastet werden. \"Jegliche Gegenst\u00e4nde sind abzugeben\", r\u00e4uspert sich ein \u00e4lterer Beamter verschlafen.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/span><span style=\"color: black;\">Nun werden wir in einen sp\u00e4rlich beleuchteten Gewahrsamsraum gef\u00fchrt, der wie eine beschmierte Turnhallenumkleide aussieht. Mein Diskussionspartner verabschiedet sich und w\u00fcnscht uns noch alles Gute, er hat Feierabend.<\/span><\/p><p style=\"margin-top: 0cm; background: white;\"><span style=\"color: #000000;\">Etwas entfernt im Hintergrund <\/span><span style=\"color: #000000;\">in einem Nebenraum<\/span><span style=\"color: #000000;\"> l\u00e4uft ein Fu\u00dfballspiel, w\u00e4hrend sich die Beamten bem\u00fchen, einer weiteren Aktivistin im Flur den Sekundenkleber von den H\u00e4nden zu entfernen, um ihre Fingerabdr\u00fccke zu archivieren. <\/span><span style=\"color: #000000;\">\u201eEntschuldigen Sie, k\u00f6nnen wir bitte unseren rechtm\u00e4\u00dfigen Anruf t\u00e4tigen?\u201c, fragt ein Aktivist, seine Stimme hallt ein wenig durch die, in gelbes Licht getunkte, Turnhallenumkleide. <\/span><span style=\"color: #000000;\">\u201eEuch steht jetzt kein Anruf zur Verf\u00fcgung. 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Ohne Unterschrift begebe ich mich endlich ins Freie.<\/span><\/p><p style=\"margin-top: 0cm; background: white;\"><span style=\"color: black;\">Jetzt stehen wir irgendwo in Berlin-Moabit in einer verlassenen dunklen Stra\u00dfe, beleuchtet vom fremdartig grellen Licht der Polizeiwache. Uns erschl\u00e4gt eine finale Ersch\u00f6pfung. All die Aufregung, dessen Spannungsbogen ihren H\u00f6hepunkt erreicht hat, erscheint uns nun wie ein weit zur\u00fcckliegender Traum.\u00a0 In meinem Kopf kreischt immer noch die Flex, mit der neben unserem Arm ges\u00e4gt wurde. Solidarische, wie auch missachtende Blicke der Passanten spiegeln sich vor meinem inneren Auge ab, zumindest bevor wir von Polizeiw\u00e4gen und Beamten eingekesselt wurden. Auch der b\u00f6se Blick des Busfahrers, dessen Stra\u00dfe wir blockierten, was tats\u00e4chlich nicht eingeplant war, will mir nicht aus dem Kopf gehen. Immerhin hatten wir einen tollen Ausblick auf das, vom orangen warmen Licht des Sonnenuntergangs umarmte, Brandenburger Tor, w\u00e4hrend wir mit Bolzenschneidern, S\u00e4gen, sowie Hammer und Mei\u00dfel Unter den Linden bedr\u00e4ngt wurden.<\/span><\/p><p style=\"margin-top: 0cm; background: white;\"><span style=\"color: black;\">Eine Gruppe von Leuten kommt uns in der Dunkelheit entgegen. Unser Empfang, bei genauerer Betrachtung unsere Bezugsgruppe! Quasi unsere Aktivistenfamilie, in der sich alle pers\u00f6nlicher kennen und aufeinander Acht geben. Es ist ein sehr erleichterndes Gef\u00fchl, von Ihnen in Empfang genommen zu sein. Jetzt sitzen wir vor der Polizeiwache mit einer Thermoskanne Tee und warten auf weitere \u201cFreigelassene\u201d.\u00a0<\/span><\/p><p style=\"margin-top: 0cm; background: white;\"><span style=\"color: black;\">Das war\u2019s also. Drei Monate Planung, ewige Diskussionsrunden bis sp\u00e4t in die Nacht, etliche Workshops und Stunden \u00fcber Stunden an handwerklicher\/k\u00fcnstlerischer Arbeit sp\u00e4ter standen wir hier: im Nirgendwo. Unser Film neigt sich dem Ende zu, woraufhin uns ein Haufen Fragen durch den Kopf gehen: War es das jetzt wert? Was h\u00e4tte besser laufen k\u00f6nnen? Wie geht es den Anderen aus der Aktion? Welche Repressionen kommen auf mich zu?<\/span><\/p><p style=\"margin-top: 0cm; background: white;\"><span style=\"color: black;\">Was kommt als N\u00e4chstes?!<\/span><\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,547280,547936,849570],"tags":[108523,849507,852803,849510],"class_list":["post-1974","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-debatte-europa","category-generation-europa","category-jean-kruschinsky","tag-aktivismus","tag-cop26","tag-ipcc","tag-pariser-abkommen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13658"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1974"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3704,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1974\/revisions\/3704"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2421"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}