{"id":1757,"date":"2021-08-19T09:02:10","date_gmt":"2021-08-19T07:02:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=1757"},"modified":"2021-12-10T14:01:55","modified_gmt":"2021-12-10T13:01:55","slug":"kommentar-zu-der-eurovision-song-contest-und-die-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/08\/19\/kommentar-zu-der-eurovision-song-contest-und-die-politik\/","title":{"rendered":"Kommentar zu &#8222;Der Eurovision Song Contest und die Politik&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Lieber Timon,<\/p>\n<p>ich als absolute Outsiderin finde deinen Einblick in die ESC-Fangemeinde \u00e4u\u00dferst spannend! Jedes Jahr aufs Neue verschlafe ich dieses f\u00fcr manche\/n Europ\u00e4er:in so bedeutende Musikevent. Erst am n\u00e4chsten Morgen, wenn der Gewinnersong bereits zum f\u00fcnften Mal im Radio l\u00e4uft und entt\u00e4uschte Deutsche, das Telefon noch fest in der Hand, sich die letzten Tr\u00e4nen von der Wange wischen, merke ich - da war was!\u00a0Ein Blick in die sozialen Medien und schon bin ich im Bilde, was sich am Vorabend in den europ\u00e4ischen Wohnzimmern abspielte. Gro\u00dfe Emotionen, eher wenig Gesang und die Angespanntheit am Ende des Wettbewerbs, wer wohl dieses Jahr gewinnen wird.<\/p>\n<p>Timon, ich m\u00f6chte dir nicht zu nahe treten, aber dein j\u00e4hrliches Lieblingsevent konnte mich bisher nicht \u00fcberzeugen. Und trotzdem m\u00f6chte ich mich nun ganz frech von au\u00dfen einmischen, wenn du schreibst, ein grunds\u00e4tzliches Politikverbot beim ESC sei aus deiner Sicht sinnvoll, da dies \u201cdie Grundidee, die verschiedensten Kulturen Europas an einem Abend im Jahr zusammenzuf\u00fchren und mit allen ein unpolitisches Musikfest zu feiern\u201d, sch\u00fctze. Einspruch!<\/p>\n<p>Dazu m\u00f6chte ich zun\u00e4chst fragen, was beim ESC \u00fcberhaupt gefeiert wird. Ist es tats\u00e4chlich die Musik oder eher eine der Musik \u00fcbergeordnete Form des friedlich-kompetitiven Verh\u00e4ltnisses zwischen den europ\u00e4ischen Staaten.<\/p>\n<p>In deinem ersten Beitrag zum ESC (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/07\/02\/der-eurovision-song-contest-eine-einfuehrung\/\">Der Eurovision Song Contest - Eine Einf\u00fchrung<\/a>), bezeichnest du selbst den ESC als \u201cKulturgut Europas\u201d. Inwiefern der ESC es bereits jetzt zum Kulturgut geschafft hat, kann ich schwer beurteilen. Mich beispielsweise hat diese Tradition noch nicht erfasst. Dennoch stimmt es, dass viele ESC-Begeisterte den Wettbewerb bereits seit Kindesjahren verfolgen, angestachelt durch Eltern, weitere Verwandte oder Freunde. So wird der ESC von Generation zu Generation, von Wohnzimmer zu Wohnzimmer weitergetragen.<\/p>\n<p>Der ESC ist auch bekannt f\u00fcr seine politisch teils brisanten Botschaften, die diskret in Songtexten versteckt, in Kost\u00fcmen verwebt oder auch abseits der B\u00fchne ge\u00e4u\u00dfert werden. Wie du in deinem zweiten Beitrag der ESC-Reihe (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/08\/18\/der-eurovision-song-contest-und-die-politik\/\">Der Eurovision Song Contest und die Politik<\/a>) erl\u00e4uterst, stehen die jeweiligen Musiker:innen(-gruppen) h\u00e4ufig kritisch gegen\u00fcber ihrer eigenen nationalen politischen F\u00fchrung. Ich finde es \u00e4u\u00dferst interessant, dass der portugiesische S\u00e4nger Paulo Cavalho mit seinem Beitrag 1974 ma\u00dfgeblich das politische Geschehen beeinflussen konnte, bis es schlie\u00dflich zum Putsch gegen die faschistische Regierung in Portugal kam. Und in diesem Sinne m\u00f6chte ich mich f\u00fcr kritische Beitr\u00e4ge beim ESC aussprechen.<\/p>\n<p>Der ESC ist ein Wettbewerb, veranstaltet von und f\u00fcr s\u00e4mtliche B\u00fcrger:innen Europas. Wie du schreibst, gibt es sogar weltweit communities, die beim ESC mitfiebern. Das bedeutet, dass dieser Wettbewerb eine ziemlich gro\u00dfe Reichweite hat. Diese Reichweite sollte genutzt werden! Der ESC bietet die M\u00f6glichkeit, jenen wortw\u00f6rtlich eine Stimme zu verleihen, die ansonsten nicht zu Wort k\u00e4men, die vielleicht nicht der\/den europ\u00e4ischen Mehrheitsgesellschaft(-en) angeh\u00f6ren. Nur indem wir uns mit diesen Beitr\u00e4gen auseinandersetzen, kann sich eine gesamteurop\u00e4ische Solidarit\u00e4t einstellen. Es muss deutlich werden, dass nicht alle gesellschaftlichen Gruppen gleiche gesellschaftliche Aufmerksamkeit genie\u00dfen, weil ihnen der offizielle Zugang fehlt. Musik bildet in diesem Fall den Zugang zur gesellschaftlichen Debatte als auch zur transnationalen Sichtbarkeit.<\/p>\n<p>Musik n\u00e4hrt sich immer aus der Gesellschaft. Ohne gesellschaftliche Kontroverse, keine Musik. Na gut, es wird sich immer ein Mark Forster oder Wincent Weiss finden, der alltagstaugliche und unverf\u00e4ngliche \u201calles-ist-gut-wie-es-ist-Pop-Beats\u201d produziert. Inwiefern das inspirierend sein soll, halte ich zumindest f\u00fcr fragw\u00fcrdig. Musik wird st\u00e4ndig neu geformt und bedient sich hierbei zahlreicher Einfl\u00fcsse, die gemeinsam einen neuen potenziellen Einfluss bilden. Insofern halte ich es f\u00fcr geboten, auch vermeintlich politisch motivierte Beitr\u00e4ge zu tolerieren. Sollten wir dies nicht tun, verdrehen wir eben jenen Grundgedanken des friedlichen, unvoreingenommenen Wettbewerbs. Denn diese Regelung kann von politischen Akteuren als Vorwand missbraucht werden, um ihnen sch\u00e4dliche, \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse zu mindern. So erging es eben jener von dir beschriebenen ukrainischen S\u00e4ngerin, Jamala, im Jahr 2016. Auf Kritik russischer Seite hin wurde gefordert, ihren Auftritt zu verbieten, da das von ihr vorgetragene Lied Kritik am Stalin-Regime beinhalte. Der Antrag wurde jedoch zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p>Ich\u00a0 halte es f\u00fcr wichtig hervorzuheben, dass der ESC in erster Linie von den europ\u00e4ischen B\u00fcrger:innen gestaltet wird - und nicht von Politiker:innen. Es zeigt sich, dass europ\u00e4ische Beziehungen eben nicht nur aus der politischen Komponente bestehen, sondern dass auf vielf\u00e4ltige Weise untereinander kommuniziert werden kann, so auch durch Musik.<\/p>\n<p>Auch ich betrachte es als kritisch, wenn dieser Wettbewerb zur Zielscheibe politischer Instrumentalisierung wird. Zun\u00e4chst sollen sowohl Zuschauer:innen als auch Musiker:innen einen sch\u00f6nen Abend genie\u00dfen. Hinter diesem sch\u00f6nen Abend steckt jedoch wesentlich mehr. Wir entscheiden uns, wem wir an diesem Abend Aufmerksamkeit schenken, wie wir miteinander umgehen und schlie\u00dflich, wie tolerant wir gegen\u00fcber neuen musikalischen wie auch gesellschaftlichen Beitr\u00e4gen sind.<\/p>\n<p>Letztendlich ist es schwierig zwischen Gesellschaft, Politik und Kultur zu differenzieren. Alles h\u00e4ngt miteinander zusammen. Was dem einen Ursache, ist dem anderen Wirkung.<\/p>\n<p>Was ich aus diesem Beitrag schlie\u00dfe? Das ich mich n\u00e4chstes Jahr p\u00fcnktlich vor den Fernseher setze!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>PS.: Ist es nicht irgendwie absurd, dass Europ\u00e4er:innen, wie ich, sich teils weniger stark f\u00fcr eigene musikalische oder sportliche Events (siehe EM 2021) begeistern k\u00f6nnen, daf\u00fcr aber Bewohner anderer, ferner gelegener Kontinente (siehe Australien oder China)?<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":12782,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,547280,849396,849457,619,849444],"tags":[849481,849457,849482],"class_list":["post-1757","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-debatte-europa","category-ella-baumann","category-eurovision-song-contest","category-musik","category-timon-boehm","tag-esc","tag-eurovision-song-contest","tag-politikverbot"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12782"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1757"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2807,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1757\/revisions\/2807"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}