{"id":1721,"date":"2021-11-11T00:05:54","date_gmt":"2021-11-10T23:05:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=1721"},"modified":"2021-11-11T08:20:49","modified_gmt":"2021-11-11T07:20:49","slug":"dostoevskij-zum-200-geburtstag-oder-auch-schnorren-will-gelernt-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/11\/11\/dostoevskij-zum-200-geburtstag-oder-auch-schnorren-will-gelernt-sein\/","title":{"rendered":"Dostoevskij zum 200. Geburtstag oder Auch Schnorren will gelernt sein"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Im August 1865 schrieb Fjodor Dostojewski aus Wiesbaden an seinen russischen Schriftstellerkollegen Iwan Turgenjew in Baden-Baden:<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_testimonial et_pb_testimonial_0  et_pb_css_mix_blend_mode clearfix  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light et_block_module et_pb_testimonial_no_image\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/standard_compressed_Dostoevskij_1876_1_.jpg)\" class=\"et_pb_testimonial_portrait\"><\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_testimonial_description\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_testimonial_description_inner\"><div class=\"et_pb_testimonial_content\"><p>Ich f\u00fchle mich abscheulich und sch\u00e4me mich, Sie mit mir zu bel\u00e4stigen. Aber Sie sind schlichtweg momentan die einzige Person, an die ich mich wenden kann, und zweitens sind Sie sind viel kl\u00fcger als die anderen, und deshalb ist es f\u00fcr mich moralisch einfacher, mich an Sie zu wenden. Worum es geht: Ich wende mich an Sie wie ein Mensch an einen Menschen und bitte Sie um 100 (einhundert) Taler. Ich erwarte einen Betrag von einer russischen Zeitschrift (Lesebibliothek), wo man mir bei meiner Abreise versprochen hat, etwas (w\u00f6rtl.: ein Tr\u00f6pfchen) Geld zu schicken, und auch noch von einem anderen Herrn, der mir helfen soll. Es versteht sich von selbst, dass ich es Ihnen wohl nicht fr\u00fcher als in drei Wochen zur\u00fcckgeben werde. Aber vielleicht gebe ich es Ihnen doch schon fr\u00fcher. Auf jeden Fall einen Monat. Ich f\u00fchle mich schlimm (ich dachte, es w\u00fcrde schlimmer sein), aber vor allem sch\u00e4me ich mich, Sie zu bel\u00e4stigen, aber wenn man ertrinkt, was soll man tun?<\/p><\/div><\/div>\n\t\t\t\t\t<span class=\"et_pb_testimonial_author\">Fjodor Dostojewski<\/span>\n\t\t\t\t\t<p class=\"et_pb_testimonial_meta\"><\/p>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Welcher kluge Mensch k\u00f6nnte eine so schmeichelhaft vorgetragene Bitte ausschlagen, noch dazu von jemandem, der den Adressaten als \u201eBester und hochverehrter Iwan Sergejewitsch\u201c bezeichnet? Der Anfang des Briefes ist gelungen, der Schluss mit der Bitte angemessen dem\u00fctig. Strategisch unklug ist der Mittelteil gestaltet, in dem Dostojewski von Gl\u00fcck und Pech beim Roulettespiel berichtet:<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_testimonial et_pb_testimonial_1  et_pb_css_mix_blend_mode clearfix  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light et_block_module et_pb_testimonial_no_image\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/standard_compressed_Dostoevskij_1876_1_.jpg)\" class=\"et_pb_testimonial_portrait\"><\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_testimonial_description\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"et_pb_testimonial_description_inner\"><div class=\"et_pb_testimonial_content\"><p>Aber [im Jahr 1863] habe ich in Wiesbaden in einer Stunde bis zu 12.000 Franken gewonnen. Obwohl ich jetzt nicht daran dachte, meine Lebensumst\u00e4nde durch Gl\u00fccksspiel zu verbessern, wollte ich doch 1.000 Franken gewinnen, um zumindest diese drei Monate \u00fcber die Runden zu kommen. F\u00fcnf Tage bin ich nun schon in Wiesbaden und ich habe alles verspielt, restlos alles, selbst meine Uhr, und sogar dem Hotel schulde ich noch etwas.<\/p><\/div><\/div>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t<p class=\"et_pb_testimonial_meta\"><\/p>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_4 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Welcher kluge Mensch wollte einem notorischen Gl\u00fccksspieler noch Geld leihen? Wie hohl wirken nach diesem arglosen Gest\u00e4ndnis die Versicherungen, in einem Monat oder auch schon in drei Wochen, vielleicht sogar noch fr\u00fcher, w\u00fcrde Turgenjew sein \u201cTr\u00f6pfchen Geld\u201d zur\u00fcckbekommen. Turgenjew (Autor von \"das Adelsnest\", \"Rauch\", \"V\u00e4ter und S\u00f6hne\" etc.) w\u00e4hlte seinem Charakter entsprechend den goldenen Mittelweg und schickte statt der erbetenen 100 immerhin 50 Taler, Dostojewski eskalierte ganz nach seiner Art die Situation. Nicht drei Wochen und nicht einen Monat, sondern elf Jahre sp\u00e4ter gab er Turgenjew das Geld zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><span style=\"font-size: 10pt\"><em>Iwan Turgenjew (1818-1883), Bild aus den 1870ern<\/em><\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_4 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"400\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Turgenev_1870s.jpg\" alt=\"\" title=\"Turgenev_1870s\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Turgenev_1870s.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Turgenev_1870s-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" class=\"wp-image-2331\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_3  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_4  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Dostojewskis Biographie wirkt phasenweise wie eine Seifenoper. Da verkauft er die Rechte an seinen Werken und verpf\u00e4ndet einen noch nicht geschriebenen Text, den er aus Zeitnot einer jungen Stenotypistin diktiert. Wie es in Seifenopern eben der Fall ist, verlieben sich die beiden ineinander. Das Manuskript wird im letzten Moment fertig, sie nimmt seinen Heiratsantrag an - w\u00e4re es ein M\u00e4rchen, w\u00e4re an dieser Stelle Schluss. In bester Seifenopermanier folgt aber die n\u00e4chste Wendung der Ereignisse mit Flucht vor Schuldnern ins Ausland, Freude \u00fcber die erste Schwangerschaft, Trauer \u00fcber den Tod des Kindes, Spielschulden, Krankheit \u2026 Ganz sch\u00f6n dick aufgetragen vom Leben und in Dramatik und Emotionalit\u00e4t jeder Telenovela \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tte Anna Grigorjewna Snitkina es besser wissen k\u00f6nnen. Mit dem \u201cSpieler\u201d (<em>Igrok<\/em>) diktierte Fjodor Michailowitsch ihr schlie\u00dflich das ganze Drama der Spielsucht. Doch bereits in ihrem Fall wog gegen\u00fcber dem schn\u00f6den Geldproblem die literarische Kunstfertigkeit des Schriftstellers schwerer. Die dem Zeitmangel geschuldete notgedrungene K\u00fcrze des \u201eSpielers\u201c mag auch dazu beigetragen haben. Dostojewskis Werke nahmen ja sonst gern epische Z\u00fcge an. Bezeichnend ist etwa in den \u201eD\u00e4monen\u201c (<em>Besy<\/em>) der Vermerk auf Seite 53 (PSS Bd. 10), hier beginne nun recht eigentlich die Chronik. Statt \u00fcber 50 Seiten Vorspann demonstriert \u201eDer Spieler\u201c komprimiert Dostojewskis K\u00f6nnen, vor allem seinen selten vermuteten Humor und die treffende Sch\u00e4rfe seiner Charakterzeichnungen: die starrsinnige <em>babulenka<\/em> \u2013 gro\u00dfartig!; die geldgierige Familie, die heuchlerisch schmeichelnd ihrem Ableben entgegenfiebert \u2013 grandios!<\/p>\n<p>Als Mensch war Fjodor Michailowitsch Dostojewski, dessen Geburtstag sich 2021 zum 200. Mal j\u00e4hrt, weder der einfachste noch der angenehmste Umgang. Doch nicht an seinen Taten sei der Schriftsteller zu messen, sondern an seinen Worten, und da vor allem an denen seiner Romane und Erz\u00e4hlungen. Und die sind so gewichtig, dass sie in Vadim Jendreykos Dokumentarfilm (2009) \u00fcber Swetlana Geier als \u201eElefanten\u201c bezeichnet werden. Geier hatte die f\u00fcnf gro\u00dfen Romane Dostojewskis ins Deutsche \u00fcbersetzt und dabei auch etablierte Titel ge\u00e4ndert. So wurde aus dem \"J\u00fcngling\" (<em>Podrostok<\/em>) \"Ein gr\u00fcner Junge\" und statt \"Schuld und S\u00fchne\" (<em>Prestuplenie i nakazanie<\/em>) hei\u00dft der wohl bekannteste Roman Dostojewskis bei ihr den Titel \"Verbrechen und Strafe\".<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_4  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_2_5 et_pb_column et_pb_column_5  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_1\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"2163\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Dosto-Buecher-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"Dosto B\u00fccher\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Dosto-Buecher-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Dosto-Buecher-1280x1082.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Dosto-Buecher-980x828.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Dosto-Buecher-480x406.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-2329\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_4  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><span style=\"font-size: small\">Zwei Elefanten (<em>Idiot<\/em>, <em>Besy<\/em> [\"D\u00e4monen\"\/\"B\u00f6se Geister\"]) und zwei \"Elef\u00e4ntchen\" (<em>Krotkaja<\/em> [\"Die Sanfte\"], <em>Dvojnik<\/em> [\"Der Doppelg\u00e4nger\"])<\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_5 et_pb_column et_pb_column_6  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_5  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Neben der elefant\u00f6sen Bedeutung f\u00fcr russischsprachige und Weltliteratur gleicherma\u00dfen ist der Dickh\u00e4utervergleich eine m\u00f6gliche Fortsetzung der ausufernden Dostojewskiforschung. Die Liste der Forschungsthemen (die Auswahl ist weder vollst\u00e4ndig noch repr\u00e4sentativ) umfasst Dostojewski und<\/p>\n<ul>\n<li>die Frauen<\/li>\n<li>die Liebe<\/li>\n<li>die deutsche Literatur<\/li>\n<li>Freud<\/li>\n<li>Wahnsinn<\/li>\n<li>St. Petersburg<\/li>\n<li>Tolstoj<\/li>\n<li>Recht und Gerechtigkeit<\/li>\n<li>Nietzsche<\/li>\n<li>the Doors<\/li>\n<\/ul><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_5  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_7  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_6  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>ine Arbeit mit dem Titel \u201eDostojewski und das liebe Vieh\u201c lie\u00dfe sich hier nahtlos einf\u00fcgen. Von den metaphorischen Elefanten abgesehen bekommt man es bei Fjodor Michailowitsch schlie\u00dflich mit allen m\u00f6glichen Lebewesen zu tun.<\/p>\n<p>Zu nennen sind hier Hunde mit mehr oder weniger langer Lebensspanne, daf\u00fcr umso gr\u00f6\u00dferer Flugweite, siehe \u201eIdiot\u201c und die von General Ivolgin erz\u00e4hlte Anekdote.<\/p>\n<p>Weiter geht es mit Pferden: Die ergreifendste Szene in \u201eSchuld und S\u00fchne\u201c ist die Schilderung des Traums, in dem Rodion Raskolnikow das traumatische Ereignis seiner Kindheit erneut durchlebt und mitansieht, wie ein Kutscher sein Zugpferd zu Tode pr\u00fcgelt. Die einf\u00fchlsame Schilderung beansprucht alles Lesermitgef\u00fchl f\u00fcr das Tier. F\u00fcr die Pfandleiherin und ihre Schwester bleibt da nichts mehr \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Selbst exotische Vierbeiner umfasst Dostojewskis Bestiarium, man nehme nur die groteske Erz\u00e4hlung \u201eDas Krokodil. Ein ungew\u00f6hnliches Ereignis oder Die Passage in der Passage\u201c, in welcher der Petersburger Beamte Iwan Matweitsch vom Krokodil Karlchen verschluckt wird und sich im Krokodilbauch so wohl f\u00fchlt, dass er dort bleiben und eine \u201eneue eigene Theorie \u00fcber die neuen \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse\u201c entwickeln will.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_6  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_2_3 et_pb_column et_pb_column_8  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_7  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Zu Lebzeiten des Autors bald verehrt, bald verachtet, wurden Dostojewskis Werke nach seinem Tod vor allem im Ausland zum Inbegriff der russischen Literatur. Zu Sowjetzeiten hatte man in Russland Schwierigkeiten mit Dostojewski. Umso gr\u00f6\u00dfer fiel der Dostojewski-Boom in Perestrojka und postsowjetischer Zeit aus, der bald \u00fcber Lekt\u00fcre und Diskussion der Texte hinausging. Auch vor dem Jubil\u00e4umsjahr wurde Dostojewskis b\u00e4rtiges Gesicht in Russland kommerzialisiert, es blickt einem von T-Shirts, Tragetaschen, K\u00fchlschrankmagneten und Anstecknadeln entgegen. L\u00e4ngst sitzt nicht mehr nur Viktor Pelevins \u201eGeneration P\u201c (Kultroman der 2000er Jahre) im Caf\u00e9 \u201eArme Leute\u201c: In St. Petersburg und Moskau tragen Restaurants den Namen \u201eDostoevskij\u201c und \u00fcber die Internetseite <a href=\"https:\/\/www.dostaevsky.ru\">dostaevsky.ru<\/a> kann man rund um die Uhr Sushi und \u201estritfud\u201c bestellen.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_3 et_pb_column et_pb_column_9  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_2\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"690\" height=\"652\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/merchandise-e1636370717912.png\" alt=\"\" title=\"merchandise\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/merchandise-e1636370717912-690x551.png 690w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/merchandise-e1636370717912-480x270.png 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 690px) 690px, 100vw\" class=\"wp-image-2363\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_7  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_10  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_8  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Mit den Texten setzen sich neben der Literaturwissenschaft vor allem literarische Vereinigungen auseinander. Die <a href=\"https:\/\/www.dostojewskijgesellschaft.de\/\">Deutsche Dostojewskij-Gesellschaft e.V<\/a>. l\u00e4dt interessierte LeserInnen jedes Jahr zu Tagungen ein und versorgt sie \u00fcber Newsletter mit Neuigkeiten.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_8  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_1_3 et_pb_column et_pb_column_11  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_3\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"198\" height=\"254\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Lem.jpeg\" alt=\"\" title=\"Lem\" class=\"wp-image-2350\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_9  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><span style=\"font-size: 10pt\"><em>Stanislaw Lem (1921-2006), Bild aus den 1960ern<\/em> <\/span><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_2_3 et_pb_column et_pb_column_12  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_10  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde am 30. Oktober (julianischer Kalender, damals in Russland verwendet; 11. November nach gregorianischem Kalender) 1821 in Moskau geboren. Er starb am 28. Januar (9. Februar) 1881 in St. Petersburg. Auf das Jahr genau 100 Jahre nach Dostojewski kam der polnische Schriftsteller und Philosoph Stanislaw Lem auf die Welt, 125 Jahre nach Dostojewski starb er. Dostoevskij war f\u00fcr den pessimistischen Lem ein wichtiger Bezugspunkt in seinem Schreiben und Denken. Was Lem in den 1980er Jahren \u00fcber Dostojewski und in erster Linie dessen \u201cNotizen aus dem Kellerloch\u201d (<em>Zapiski iz podpol'ja<\/em>) sagte, gilt heute mehr denn je: \u201c[\u2026] alles andere, was diese entsetzlichen Aggressionen und grauenhaften Widerspr\u00fcche betrifft, und die H\u00f6llen der menschlichen Natur \u2013 das alles ist absolut aktuell.\u201d (Lem\/Bere\u015b 1986, S. 162-163) Nur eins konnte er ihm nicht verzeihen: dass Andrei Tarkowski mit dem Film \u201cSolaris\u201d (1972) nicht Lems Roman, sondern \u201cSchuld und S\u00fchne\u201d verfilmt habe.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_9  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_13  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_11  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><u>Literatur <\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Dostoevskij, Fedor: Polnoe sobranie socinenij v 30 tomach. Tom 28, kniga 2: Pis\u2019ma 1860-1868. Leningrad 1985.<\/li>\n<li>Guski, Andreas: Dostojewskij. Eine Biographie. M\u00fcnchen 2018.<\/li>\n<li>Lem, Stanis\u0142aw: Lem \u00fcber Lem. Gespr\u00e4che mit Stanis\u0142aw Bere\u015b. Aus dem Polnischen von Edda Werfel. Frankfurt am Main 1986.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser Text erschien urspr\u00fcnglich in leicht abgewandelter Form in der 2021er Ausgabe des \"<a href=\"http:\/\/www.slavistenverband.de\/bds\/#2006\">Bulletins der Deutschen Slavistik<\/a>\", Jahrgang 27, S. 129-131.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":12575,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,58,52090,572053],"tags":[],"class_list":["post-1721","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-literatur","category-russland","category-yvonne-poerzgen-2"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1721","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12575"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1721"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1721\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2458,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1721\/revisions\/2458"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1721"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1721"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1721"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}