{"id":15029,"date":"2026-10-16T13:36:12","date_gmt":"2026-10-16T11:36:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=15029"},"modified":"2026-10-16T13:36:12","modified_gmt":"2026-10-16T11:36:12","slug":"liechtensteins-langer-weg-zur-gleichberechtigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2026\/10\/16\/liechtensteins-langer-weg-zur-gleichberechtigung\/","title":{"rendered":"Liechtensteins langer Weg zur Gleichberechtigung"},"content":{"rendered":"\r\n\r\n<div class=\"et_pb_section_0 et_pb_section et_section_regular et_block_section\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_0 et_pb_row et_block_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_0 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_0 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p class=\"p1\">Das Land Liechtenstein ist ein 160 Quadratkilometer gro\u00dfer Binnenstaat mit etwa 40.000 Einwohner:innen. Laut Verfassung ist Liechtenstein ein F\u00fcrstenturm, das als konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage organisiert ist. Seit 1923 ist der Staat durch einen Zollvertrag verwaltungsm\u00e4\u00dfig und wirtschaftlich eng mit der Schweiz verbunden.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Frauenstimm- und Wahlrecht<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Finnland war 1906 der erste Staat Europas, der das allgemeine und gleiche Frauenwahlrecht einf\u00fchrte. 1971 wurde in der Schweiz das Frauenstimmrecht auf nationaler Ebene eingef\u00fchrt. Damit war sie das vorletzte europ\u00e4ische Land, das dieses Recht einf\u00fchrte. Das benachbarte Liechtenstein sollte das letzte sein. Dort wurde drei Wochen nach der Abstimmung in der Schweiz eine Verfassungsinitiative der Fortschrittlichen B\u00fcrgerpartei zur Einf\u00fchrung des Frauenstimm- und Wahlrechts per Referendum mit 51% der Stimmen abgelehnt. Zur Verfassungs\u00e4nderung fehlten nur 81 Stimmen. Die Wahlberechtigten waren logischerweise ausschlie\u00dflich M\u00e4nner. Auf diese Entscheidung folgend, veranstalteten Sch\u00fcler:innen einen Protestmarsch durch die Hauptstadt Vaduz und liefen mit Plakaten mit Aufschriften wie \u201eWir sch\u00e4men uns f\u00fcr euch\u201c oder \u201eWir zweifeln an der m\u00e4nnlichen Vernunft\u201c durch die Stra\u00dfen. Die Proteste wurden von Frauenrechtsgegnern gewaltsam bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p class=\"p1\">Liechtenstein war ein sehr katholisches und konservatives Land. Aufgrund dieser Werte und dem mit ihnen einhergehenden patriarchalen Frauenbild, erhielten M\u00e4dchen keine bzw. schlechte Bildung, wodurch sich f\u00fcr lange Zeit keine Frauenbewegung bildete. Ein weiterer Faktor, der die M\u00e4nner vermutlich zu ihrer Wahlentscheidung brachte, war die Ausl\u00e4nder:innen-Feindlichkeit. Die M\u00e4nner bef\u00fcrchteten, dass eingeheiratete Ausl\u00e4nderinnen zu viel Entscheidungsmacht bek\u00e4men.<\/p>\n<p class=\"p1\">1973 folgte die zweite Volksabstimmung, die eindeutiger ausging als die erste. Diesmal stimmten 55,9% der M\u00e4nner gegen die Einf\u00fchrung des Frauenstimm- und Wahlrechts. Nach dieser Niederlage \u00e4nderten die Frauenrechter:innen ihre Strategie und versuchte sich erstmal an der Gleichberechtigung auf regionaler Ebene. 1976 wurde die Verfassung so ge\u00e4ndert, dass die elf Gemeinden des Landes selbstst\u00e4ndig \u00fcber das Frauenstimmrecht abstimmen konnten, um es auf Gemeindeebene einzuf\u00fchren. Nach zehn Jahren war in allen Gemeinden das Frauenstimmrecht durchgesetzt.<\/p>\n<p class=\"p1\">1984 kam es dann endlich zum Erfolg. Am 11. April wurde vom Landtag ein Verfassungsgesetz zur Einf\u00fchrung des Frauenstimm- und Wahlrechts verabschiedet, worauf am 29. Juni und 1. Juli die dritte und letztendlich entscheidende Abstimmung der M\u00e4nner folgte. Mit knappen 51,3% wurde schlie\u00dflich die politische Gleichberechtigung auf Landesebene eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"p1\">Zwar erhielten die Frauen damit schon erhebliche Rechte, jedoch wurde erst 1992 explizit in der Verfassung festgeschrieben, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind. \u00dcbrigens im gleichen Jahr, in dem das erste Smartphone auf den Markt kam. Gerade noch so vor der Jahrtausendwende \u2013 1999 \u2013 wurde dann schlie\u00dflich ein Gleichstellungsgesetz erlassen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Und wie ist die Situation heute? Laut der \u201eSituationsanalyse Gender 2018\u201c des Vereins f\u00fcr Menschenrechte in Liechtenstein \u201esind M\u00e4nner in h\u00f6heren Positionen \u00fcbervertreten und weisen daher im Mittelwert h\u00f6here L\u00f6hne als die Frauen auf\u201c (Situationsanalyse zur Gleichstellung von Frau und Mann, 08.01.2018). Au\u00dferdem wurde festgestellt, dass Frauen weniger politische F\u00fchrungspositionen einnehmen und in Gremien sowie \u00f6ffentlicher Wahrnehmung unterrepr\u00e4sentiert sind. Wir schlie\u00dfen aber mit einer positiven Botschaft, die auf eine gute Entwicklung hoffen l\u00e4sst: Seit 2025 ist Brigitte Haas (auf dem Foto zu sehen) Liechtensteins Regierungschefin und damit die erste Frau, die dieses Amt je ausf\u00fchrte.<\/p>\n<p class=\"p1\">Quellen:<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Foto: <\/span>https:\/\/regierung.li\/medienportal-medium\/16183\/233524\/0\/detail<\/p>\n<p class=\"p2\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/frauen-im-fuerstentum-der-lange-kampf-um-<\/p>\n<p class=\"p2\">frauenrechte-in-liechtenstein-100.htmlhttps:\/\/www.menschenrechte.li\/menschenrechte\/frau-und-mann<\/p>\n<p class=\"p2\">https:\/\/www.srf.ch\/kultur\/gesellschaft-religion\/als-letztes-land-in-europa-das-weib-<\/p>\n<p class=\"p2\">schweige-liechtensteins-spaetes-frauenstimmrecht<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":17037,"featured_media":15032,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207,1013887,1013889,1013888],"tags":[1013896,1013898,1013895,1013897],"class_list":["post-15029","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-feminismus","category-frauenrechte","category-liechtenstein","tag-frauenrechte","tag-gleichberechtigung","tag-liechtenstein","tag-wahlrecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17037"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15029"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15029\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15035,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15029\/revisions\/15035"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}