{"id":14763,"date":"2026-09-16T12:04:33","date_gmt":"2026-09-16T10:04:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=14763"},"modified":"2026-09-16T12:04:33","modified_gmt":"2026-09-16T10:04:33","slug":"die-titanic-des-17-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2026\/09\/16\/die-titanic-des-17-jahrhunderts\/","title":{"rendered":"Die Titanic des 17. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"\r\n\r\n<div class=\"et_pb_section_0 et_pb_section et_section_regular et_block_section\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_0 et_pb_row et-vb-row--no-module et_pb_gutters1 et_block_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_0 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_column_empty et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\"><\/div><\/div>\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_1 et_pb_row et_flex_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_1 et_pb_column et-last-child et_flex_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et_flex_column_24_24 et_flex_column_24_24_tablet et_flex_column_24_24_phone\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_0 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p style=\"text-align: justify\">Es ist der 10. August 1628. Die Stockholmer gucken in die nach der Stadt benannten Bucht und sehen dort die Vasa. Dieses neueste Schiff der schwedischen Marine beginnt an jenem Tag ihre Jungfernfahrt. Die Besatzung gibt Salutsch\u00fcsse aus einigen ihrer 64 Kanonen ab, als pl\u00f6tzlich eine Brise aufkommt. Kurz darauf sehen die Zuschauer, wie das Schiff Schlagseite bekommt und kurz darauf untergeht. Wie konnte dies nur geschehen?<br \/>Bevor diese Frage beantwortet wird, sollte man jedoch erst einmal gucken, wieso dieses waffenstarrende Schiff \u00fcberhaupt gebaut wurde.<br \/>Im Jahr 1628 ist Gustav II. Adolf bereits seit 17 Jahren K\u00f6nig von Schweden. Zu Beginn seiner Regierungszeit ist er mit gleich drei Kriegen konfrontiert. Gegen D\u00e4nemark im Kalmarkrieg, gegen Russland im Ingermanl\u00e4ndischen Krieg und gegen Polen-Litauen im Polnisch-Schwedischen Krieg. Zumindest die ersten beiden werden in zwei bzw. sechs Jahren beendet. An D\u00e4nemark muss Schweden zwar die Finnmark (ganz im Norden des heutigen Norwegens) abtreten, von Russland bekommt es jedoch wenig sp\u00e4ter das Ingermanland. Dies ist das Gebiet, das sich heute in etwa rund um die Region von St. Petersburg befindet. Dadurch verliert Russland zun\u00e4chst den Zugang zur Ostsee und Schweden hat dort zeitweise eine Monopolstellung.<br \/>Der Polnisch-Schwedische Krieg hingegen dauert l\u00e4nger an. Von 1600 bis 1629 tobt dieser Krieg im Ostseeraum. Auch wenn er nicht durchgehend gef\u00fchrt wird, bestimmt er doch die Politik der beteiligten L\u00e4nder. Gustav II Adolf k\u00e4mpft dabei gleichzeitig gegen seinen Cousin Sigismund III. Wasa. Dieser ist seit 1587 der K\u00f6nig von Polen und Gro\u00dff\u00fcrst von Litauen und beansprucht auch bis zu seinem Tod den schwedischen Thron.<br \/>Als Gustav II Adolf den Thron besteigt, ist Schweden ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig armes Land. Der K\u00f6nig wollte dies jedoch \u00e4ndern und Schweden zu der Gro\u00dfmacht Nordeuropas machen. So gelingt es ihm 1621 Riga zu erobern und Livland nach dem Frieden mit Polen-Litauen ganz in Besitz zu nehmen. In diesen Kriegen verliert Schweden jedoch nach und nach seine Flotte.<br \/>Als Ersatz und zur Darstellung seiner Macht gab der K\u00f6nig ein neues, m\u00e4chtiges Schiff, die Vasa, benannt nach seiner Dynastie, in Auftrag.<br \/>Es war ein gewagtes Vorhaben. Anders als die anderen Kriegsschiffe der Zeit sollte die Vasa zwei statt nur ein Kanonendeck haben. Aufgrund eines Wechsels in der Strategie brauchte man mehr Kanonen. W\u00e4hrend fr\u00fcher feindliche Schiffe vor allem geentert wurden und Schiffe daher ein hohes Achterdeck besa\u00dfen, sollte der Gegner jetzt zuerst m\u00f6glichst kampfunf\u00e4hig geschossen und dabei auch gro\u00dfe Teile seiner Besatzung get\u00f6tet werden. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch nur zwei andere Schiffe mit doppelten Kanonendecks, daher war auch dieses Wissen noch nicht verbreitet.<br \/>Da es auch an modernen Instrumenten fehlte, um Gewicht und Ma\u00dfe abzustimmen, nutzte man die bew\u00e4hrten Modelle als Vorbilder. Dies hatte zur Folge, dass ein stark verziertes, gro\u00dfes Achterdeck am Heck des Schiffes gebaut wurde und zeitgleich auch das zweite Kanonendeck. Dadurch wurde die Vasa sehr kopflastig und das Gewicht des im Wasser liegenden Teils war nicht genug, um den \u00fcber dem Wasser Liegenden auszubalancieren. Zu allem \u00dcberfluss war das Schiff auch noch nicht breit genug. Dieses Problem wurde von der Besatzung auch erkannt und ein Schiffsoffizier lie\u00df den Laderaum auch noch beladen, damit es tiefer im Wasser liegen w\u00fcrde, dem musste jedoch Einhalt geboten werden, da die Kanonenluken sonst zu nah an der Wasseroberfl\u00e4che gelegen h\u00e4tten. Kurz vor dem Auslaufen wurde die Stabilit\u00e4t getestet. Bereits dort schwankte das Schiff bedenklich und daher wurden diese Tests schnell beendet.<br \/>Dies h\u00e4tte die Verantwortlichen bereits bedenklich stimmen m\u00fcssen. Trotzdem geschah dann das, was eingangs beschrieben wurde. Nach den Salutsch\u00fcssen kam pl\u00f6tzlich Wind auf und die Vasa neigte sich auf die eine Seite, dadurch gelang Wasser durch die Kanonenluken und das 69 Meter lange Schiff konnte sich nicht mehr aufrichten. Nach einer Fahrt von nur 1300 Metern ging die Vasa unter und riss etwa 30 Menschen mit in den Tod.<br \/>Bei einem Prozess danach wurden die baulichen Probleme zur Kenntnis genommen und niemand von den beteiligten Personen des Ungl\u00fccks verurteilt, der Konstrukteur war bereits verstorben. Es wurde aus diesen Fehlern jedoch gelernt. Ein Jahr sp\u00e4ter lief das Schwesterschiff der Vasa, die \u00c4pplet, vom Stapel. Diese war um einen Meter breiter und konnte damit das Gewicht besser verteilen.<br \/>Schwedens K\u00f6nig war zu diesem Zeitpunkt gar nicht in Stockholm. Er befand sich in Polen auf einem Feldzug. Er \u00fcberlebte das Prestigeprojekt jedoch auch nicht lange. Nachdem Schweden 1630 aufseiten der Protestanten in den Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg eingetreten war, starb Gustav II Adolf am 16. November 1632 w\u00e4hrend der Schlacht von L\u00fctzen. Sein Ziel, Schweden zu der Gro\u00dfmacht Nordeuropas zu machen, konnte jedoch eine Zeitlang realisiert werden. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts verlor es diese Position.<br \/>Ab 1957 wurde die Vasa st\u00fcckweise geborgen und bis 1990 konserviert. Seitdem kann man sie im Vasa Museet in Stockholm angucken und dabei auch etwas \u00fcber die Menschen an Bord und Handelswege in der Ostsee lernen.<\/p>\n<p>Quellen:<br \/>Schmiedke, Daniel (2006): Die Vasa Geschichte des schwedischen Prunkschiffes, Koehler &amp; Amelang<\/p>\n<p>Website Vasa Museet: https:\/\/www.vasamuseet.se\/de<\/p>\n<p>Bild: Wikipedia<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":15241,"featured_media":14765,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_total_topic_count_hidden":0,"_bbp_total_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207],"tags":[],"class_list":["post-14763","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15241"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14763"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14858,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14763\/revisions\/14858"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14765"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}