{"id":14618,"date":"2026-06-02T14:30:16","date_gmt":"2026-06-02T12:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=14618"},"modified":"2026-06-02T14:30:16","modified_gmt":"2026-06-02T12:30:16","slug":"ein-unbekannter-entdecker-der-antike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2026\/06\/02\/ein-unbekannter-entdecker-der-antike\/","title":{"rendered":"Ein unbekannter Entdecker der Antike"},"content":{"rendered":"\r\n\r\n<div class=\"et_pb_section_0 et_pb_section et_section_regular et_block_section\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_0 et_pb_row et_flex_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_0 et_pb_column et-last-child et_flex_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et_flex_column_24_24 et_flex_column_24_24_tablet et_flex_column_24_24_phone\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_0 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Europa hat viele Entdecker hervorgebracht. Seien es Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, James Cook oder die zahlreichen Polarforscher, die die Welt f\u00fcr die Europ\u00e4er entdeckten. In ihrer Zeit war ganz Europa bereits bekannt. In Schweden kannte man Portugal und in Griechenland war Irland bekannt. Anders sah dies jedoch in der Antike aus.<br \/>Unser Protagonist ist Pytheas von Massalia und wurde durch eine Expedition in den Nordwesten Europas ber\u00fchmt. Er wurde um das Jahr 370 v.Chr. geboren und stammte aus dem heutigen Marseille. Massalia wurde im 7. Jahrhundert v.Chr. als griechische Kolonie gegr\u00fcndet und war zu seiner Zeit eine wichtige Handelsstadt im westlichen Mittelmeer, vor allem f\u00fcr den Handel mit den Kelten in den Gebieten des heutigen Frankreichs. Diese Position hatte die Stadt zu dem Zeitpunkt bereits seit l\u00e4ngerer Zeit inne, jedoch ging ihr Einfluss in der Zeit vor der Expedition zur\u00fcck. Dem lagen Ver\u00e4nderungen innerhalb der keltischen Kultur zugrunde. Bei diesen wurden \u00e4ltere Eliten vertrieben und fielen als Zentren f\u00fcr die Verteilung von Luxusg\u00fctern aus dem Mittelmeerraum aus. Die neuen Eliten wollten jedoch auch nicht auf solche G\u00fcter verzichten, suchten sich aber andere Wege, um an diese zu kommen. Infolgedessen fehlten den H\u00e4ndlern aus Massalia jedoch die Absatzm\u00e4rkte. Zus\u00e4tzlich hatten sich die Etrusker nach Norditalien zur\u00fcckgezogen und umgingen Massalia bei der Beschaffung von Waren der Kelten.<br \/>Massalia reagierte darauf mit der Ausweitung des Handels mit den M\u00e4chten im Mittelmeer, die Stadt war aber abh\u00e4ngig von den Waren, die \u00fcber die Kelten gehandelt wurden. Zudem wurde Karthago in Nordafrika immer st\u00e4rker und konnte auch den Zugang zu dem Atlantik blockieren. Daher w\u00e4re es von Vorteil, direkte Wege zu den Quellen von dem so wichtigen Zinn und Bernstein zu finden.<br \/>Die M\u00f6glichkeit einer direkten Verbindung hatte wahrscheinlich auch Pytheas und seine Geldgeber in den 340ern oder 330er v.Chr. auf die Idee gebracht, nach diesen Quellen zu suchen. \u00dcber diese Expedition verfasste er nach seiner R\u00fcckkehr die Schrift \u201e\u00dcber den Ozean\u201c. Wie bei anderen Expeditionen dieser Zeit waren neben den wirtschaftlichen Interessen auch die wissenschaftlichen Elemente von gro\u00dfem Interesse und die \u00fcberlieferten Erkenntnisse lassen diese Expedition auch glaubw\u00fcrdig erscheinen.<br \/>W\u00e4hrend fr\u00fcher vermutet wurde, Pytheas sei um die iberische Halbinsel herumgesegelt, geht man heute davon aus, dass er \u00fcber verschiedene Fl\u00fcsse und den Landweg bis zur M\u00fcndung der Gironde in den Golf der Biskaya kam.<br \/>Von dort aus fuhr er auf Schiffen der Einheimischen bis zu einer Insel, die wahrscheinlich das heutige Quessant an der Westk\u00fcste der Bretagne ist. Von dort aus fuhr er ins heutige Cornwall. Auf einer Insel vor der K\u00fcste wurde Zinn weiterverkauft. Somit hatte Pytheas bereits eine Quelle gefunden.<br \/>Wahrscheinlich erfuhr er dort auch von der n\u00f6rdlichen Ausdehnung Britanniens. Seine Fahrt n\u00f6rdlich diente vor allem den geografischen, ethnografischen und astronomischen Interessen und hatte somit erstmal nichts mehr mit seinem Auftrag zu tun. Pytheas war der erste bekannte Mensch des Mittelmeerraums, der gro\u00dfe Teile, zumindest der K\u00fcste, der Insel bereiste.<br \/>In seinem Bericht behauptete er, ganz Britannien gesehen zu haben, was \u00fcbertrieben ist und auch als Argument genutzt wurde, seinen ganzen Bericht zu verwerfen. Wahrscheinlicher ist es, dass er sich durch die Einheimischen ein Bild von der Lebensweise machen konnte. Dieses Bild weist zwar f\u00fcr die Zeit typische, idealisierte Z\u00fcge von V\u00f6lkern, die weit von den Griechen entfernt lebten, auf, sie decken sich aber mit modernen Erkenntnissen \u00fcber die Ern\u00e4hrung von Landwirtschaft.<br \/>Nachdem er das Cape Wrath im Norden des heutigen Schottlands umsegelt hatte, gelangte er zu den Orkneys, einer Inselgruppe im Nordosten Schottlands, die zu jener Zeit besiedelt wurden. Dort beobachtete der massaliotische Entdecker die Sommersonnenwende und h\u00f6rte von den Bewohnern, dass es weiter n\u00f6rdlich die Insel Thule geben sollte.<br \/>Es war dieser Teil des Berichts, der Pytheas bekannt gemacht hat. Es ist jedoch nicht sicher, ob er diese Insel selbst besucht hat oder nur die Erz\u00e4hlungen der Bewohner wiedergab. Um welche Insel es sich handelt, ist jedoch bis heute nicht sicher. Die R\u00f6mer gingen davon aus, dass er die Shetlands beschrieb, moderne Forscher gehen von Norwegen oder vorgelagerten Insel aus und in letzter Zeit wird auch Island als L\u00f6sung angenommen. Letzteres w\u00e4re m\u00f6glich, da die Bewohner der Orkneys als auch der Shetlands die seem\u00e4nnischen F\u00e4higkeiten besa\u00dfen und die dortigen Gezeiten kannten.<br \/>Pytheas Beschreibungen der Natur treffen auf Island zu. Er beschreibt zum Beispiel, dass das \u201egeronnene\u201c Meer anf\u00e4ngt, womit sehr wahrscheinlich das Eismeer gemeint ist. Ebenfalls daf\u00fcr spricht, dass er angibt, die Einheimischen ihm sagten, dass es Orte gebe, an denen die Nacht nur zwei bis drei Stunden lang sei und dies in der Tat ein real ist.<br \/>Nachdem er sich eine Zeitlang in diesem Raum aufgehalten hatte, fuhr Pytheas an der Ostk\u00fcste Gro\u00dfbritanniens wieder nach S\u00fcden und damit begann der dritte Teil seiner Reise. Die Nordsee war f\u00fcr ihn und seine mediterranen Zeitgenossen nicht nur f\u00fcr Zinn, sondern auch f\u00fcr Bernstein bekannt. Da bekannt war, dass jener Bernstein \u00fcber verschiedene Wege nach S\u00fcden transportiert wurde, bestand sein Auftrag darin, den Ursprungsort zu finden.<br \/>Durch das Wattenmeer fuhr Pytheas zur M\u00fcndung der Elbe, an der er auf germanische St\u00e4mme traf. Dort erfuhr er, dass Bernstein auf einer Insel gekauft wurde, die sehr wahrscheinlich Helgoland ist und als Umschlagplatz diente.<br \/>Es gibt die These, nach der er nach seinen Entdeckungen an der K\u00fcste J\u00fctlands vorbei, bis in die Ostsee und das Baltikum gefahren ist, um an den wahren Ursprungsort des Bernsteins zu gelangen. Der R\u00fcckweg nach Massalia f\u00fchrt entweder \u00fcber den Seeweg zur\u00fcck in den Golf von Biskaya oder entlang der Elbe und der l\u00e4ndlichen Bernsteinroute. In der Antike gab es auch die Theorie, Pytheas sei \u00fcber die Ostsee in die Weichsel, von dort zum Bug oder Dnjestr, um ins Schwarze Meer zu gelangen und dann von da aus \u00fcber sehr bekannte Handelswege zur\u00fcckzukehren. Diese Theorien sind jedoch unwahrscheinlich.<br \/>In Marseille wird er mit Kolumbus verglichen, laut dem Historiker Raimund Schulz lassen sich die beiden jedoch nicht miteinander vergleichen, da Pytheas auf etablierten und den Griechen mehr oder weniger bekannten Handelswegen fuhr. Dass f\u00fcr die Zeit erstaunliche an seinen Leistungen ist, dass er all diese Wege selbst nahm und somit verband.<br \/>Diese f\u00fcr die antiken Verh\u00e4ltnisse au\u00dfergew\u00f6hnliche Reise, wurde in der Antike als ebenso au\u00dfergew\u00f6hnlich betrachtet, dass Pytheas oft als L\u00fcgner bezeichnet wurde. Seine Kritiker behandelten jedoch nicht seine Erkenntnisse, sondern bezweifelten diese aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden oder anhand heute irrelevanter Vorstellungen der Welt.<br \/>Die Arch\u00e4ologie gibt seinen Erkenntnissen jedoch recht und auch wissenschaftliche Erkenntnisse, wie etwa das Klima und Lebensweise verkn\u00fcpft sind, werden heute nicht mehr angezweifelt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Schulz,R. (2016). <span dir=\"ltr\">Abenteurer der Ferne: die grossen Entdeckungsfahrten und das Weltwissen der Antike. Klett-Cotta.<\/span><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":15241,"featured_media":14620,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207],"tags":[],"class_list":["post-14618","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15241"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14618"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14632,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14618\/revisions\/14632"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14620"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}