{"id":14542,"date":"2026-04-22T13:27:02","date_gmt":"2026-04-22T11:27:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=14542"},"modified":"2026-04-22T13:27:02","modified_gmt":"2026-04-22T11:27:02","slug":"hilfsvereine-waehrend-des-deutsch-franzoesischen-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2026\/04\/22\/hilfsvereine-waehrend-des-deutsch-franzoesischen-krieges\/","title":{"rendered":"Hilfsvereine w\u00e4hrend des Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieges"},"content":{"rendered":"\r\n\r\n<div class=\"et_pb_section_0 et_pb_section et_section_regular et_block_section\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_0 et_pb_row et_flex_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_0 et_pb_column et-last-child et_flex_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et_flex_column_24_24 et_flex_column_24_24_tablet et_flex_column_24_24_phone\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_0 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Die Geschichte des letzten der drei sogenannten Einigungskriege, der Deutsch-Franz\u00f6sische Krieg von 1870\/71 beinhaltet auch die Geschichte der Wohlfahrt. W\u00e4hrend die politischen Anf\u00e4nge und seine Auswirkungen sowie die milit\u00e4rischen Aspekte oft und ausf\u00fchrlich beschrieben wurden, steht die Hilfe f\u00fcr Gesch\u00e4digte des Krieges eher an zweiter Stelle.<\/p>\n<p>Bevor man sich damit besch\u00e4ftigt, muss man sich jedoch erst einmal angucken, warum die Hilfsvereine \u00fcberhaupt eine so wichtige Rolle spielen konnten.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft der deutschen Staaten, und vor allem in den Industrieregionen Preu\u00dfens, waren in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts mitten in der Industrialisierung. Dadurch waren viele M\u00e4nner in jenen Industrieunternehmen besch\u00e4ftigt, zeitgleich waren aber auch noch viele Menschen in den anderen Wirtschaftszweigen, wie etwa der Landwirtschaft t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Als der Krieg dann am 19. Juli 1870 ausbrach, verursachte er sehr schnell binnenwirtschaftliche Probleme. Auf den f\u00fcr die Wirtschaft so wichtigen Eisenbahnschienen hatten die Z\u00fcge des Milit\u00e4rs Vorrang. Zus\u00e4tzlich wurden hunderte Lokomotiven und tausende Lokf\u00fchrer eingezogen. W\u00e4hrend die milit\u00e4rische Leitung seit Jahren Pl\u00e4ne f\u00fcr einen eventuellen Krieg gegen Frankreich ausgearbeitet hatte, bei denen so gut wie alle Aspekte beachtet wurden, gab es solche Pl\u00e4ne nicht f\u00fcr die Wirtschaft. Da langsam, aber sicher auch die Zeit gekommen war, wo riesige Heere von Nationalstaaten mobilisiert wurden, rief man Hunderttausende von M\u00e4nnern ein und entzog so der Wirtschaft ihre Arbeiter.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend man sich in den wohlhabenderen Kreisen zun\u00e4chst \u00fcber den Krieg gefreut hatte, da er die nationale Einheit vorantreiben und Handelsbeschr\u00e4nkungen wegfallen w\u00fcrden, erfolgte recht schnell Ern\u00fcchterung. Aufgrund der unsicheren politischen Situation horteten sie ihr Geld und so war auch weniger Kapital im Umlauf. Eine Blockade der deutschen H\u00e4fen behinderte zudem auch noch den Export von Getreide aus den preu\u00dfischen Gebieten \u00f6stlich der Elbe. Diese hielt zwar nicht lange an, sodass bald wieder nach Gro\u00dfbritannien und Skandinavien exportiert werden konnte. Es half aber eher den gr\u00f6\u00dferen Betrieben, die sich Maschinen und h\u00f6here L\u00f6hne leisten konnten.<\/p>\n<p>So gab es \u00fcberall im Land Massenentlassungen in fast allen Bereichen der Wirtschaft. Je l\u00e4nger der Krieg dauerte, desto mehr hatten bspw. Unternehmen im Ruhrgebiet Probleme, ihre Arbeit fortzuf\u00fchren, da durch fehlende Eisenbahnen weniger Steinkohle geliefert wurde. Durch fortgesetzte Bauprojekte versuchten Beh\u00f6rden dem entgegenzutreten, jedoch war dies auf verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenige Regionen begrenzt und man konnte auch nicht alle Entlassenen dort einsetzen.<\/p>\n<p>Zu allem \u00dcberfluss wurde durch die steigende Nachfrage des Milit\u00e4rs nach Nahrung und Textilien eine Preisspirale ausgel\u00f6st, die die Inflation erh\u00f6hte und sich von den unteren sozialen Schichten kaum geleistet werden konnte.<\/p>\n<p>Die steigende Not der Zivilbev\u00f6lkerung und die wachsende Anzahl an Verwundeten wurde von den zust\u00e4ndigen \u00c4mtern durchaus gesehen, ihnen fehlten jedoch die finanziellen Mittel und waren daher kaum in der Lage zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Daher griff man auf das sich schon im Krieg von 1866 bew\u00e4hrte Mittel der Hilfsvereine. Diese hatten schon damals bei der Versorgung der Notleidenden geholfen. So rief etwa K\u00f6nigin Augusta von Preu\u00dfen schon am 17. Juli zur Gr\u00fcndung von Vereinen auf und appellierte besonders an die Frauen. Diese Aufrufe stie\u00dfen auf gro\u00dfe Begeisterung. Insbesondere in den aristokratischen und gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Kreisen, da es der christlichen \u00dcberzeugung entsprach, den Notleidenden zu helfen.<\/p>\n<p>Innerhalb von drei Monaten wurden \u00fcber 300 Vereine mit mehr als 30000 Mitgliedern gegr\u00fcndet. Auch au\u00dferhalb von Preu\u00dfen gab es sie; im K\u00f6nigreich Sachsen zum Beispiel fusionierten verschiedene Vereine zum \u201eInternationalen Hilfsverein f\u00fcr das K\u00f6nigreich Sachsen\u201c. In Bayern dr\u00e4ngten hohe Beamte ihre Untergebenen dazu, Wohlfahrtsaussch\u00fcsse zu bilden.<\/p>\n<p>Auch in Preu\u00dfen wurden im Sommer die vielen Vereine unter einem Dachverband organisiert, auch hier kopierte man den Erfolg aus den beiden vorangegangenen Kriegen.<\/p>\n<p>Dieses Komitee richtete Lazarette ein und hielt Aktionen wie Benefizkonzerte ab, verwaltete Gelder und beschaffte Material f\u00fcr die Pflege von Verwundeten und schickten diese weiter.<\/p>\n<p>Teilweise produzierten die Frauen, die sich engagierten und deren M\u00e4nner weg waren, selbst womit sie sich ein kleines Zusatzeinkommen erarbeiteten.<\/p>\n<p>Die Aufgaben bestanden daraus, vorbeiziehende Truppen an Bahnh\u00f6fen zu versorgen und vor allem die Versorgung von Verwundeten und Gefangenen, wobei letzteres teilweise den Missmut von eher nationalistischen Kreisen heraufbeschwor, da man sich \u201eum den Feind\u201c k\u00fcmmerte. Dies klingt nach erst einmal wenig, diese Aufgaben waren jedoch elementar.<\/p>\n<p>Frauenvereine sammelten Geld f\u00fcr Unterst\u00fctzung von eben jenen Familien, in denen der Vater als Hauptern\u00e4hrer nicht da war und somit kaum finanzielle Mittel besa\u00dfen.<\/p>\n<p>Nach den zwei gro\u00dfen Siegen bei Metz (20.08.) und Sedan (01.09.-02.09.) und der anschlie\u00dfenden Einschlie\u00dfung von Paris (ab 19.09.) ging die gro\u00dfe Menge an Spenden jedoch zur\u00fcck und die Vereine mussten dazu \u00fcbergehen Hauskollekten durchzuf\u00fchren. Erschwerend dazu kam, dass die Kosten f\u00fcr neue Lazarette und Personal immer weiter stiegen. Die gesammelten Gelder bleiben jedoch \u00fcberaus wichtig, da immer mehr Geld des Staates f\u00fcr Pflichtzahlungen an Familien von immer mehr eingezogenen M\u00e4nnern aufgewendet werden musste. Ohne die Spenden w\u00e4ren andere Bereiche auf der Strecke geblieben.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich sagen, dass die Beh\u00f6rden ohne die Hilfe und die privaten Spenden, es wahrscheinlich nicht geschafft h\u00e4tten, sich um die zahlreichen Verwundeten und in Not geratenen Zivilisten zu k\u00fcmmern und eine vern\u00fcnftige Versorgung sicherzustellen. Der Historiker Klaus-J\u00fcrgen Bremm geht sogar so weit, dass die soziale Ordnung ohne diese private Hilfe wahrscheinlich zusammengebrochen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Leider sind die Hilfsvereine und vor allem die Frauen, die mit gro\u00dfem Abstand die meisten dieser Helfer waren, ein vergessenes Kapitel dieser turbulenten Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Bremm, Klaus-J\u00fcrgen (2023): 70\/71 Bismarcks Sieg \u00fcber Frankreich, Verlag Herder GmbH<\/p>\n<p>Seyferth, Alexander (2014): Kollekten f\u00fcr den Krieg. Unterst\u00fctzungsvereine im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg 1870\/71, Milit\u00e4rgeschichtliche Zeitschrift, DE GRUYTER OLDENBOURG<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Bild: Stadtarchiv Karlsruhe<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":15241,"featured_media":14538,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_total_topic_count_hidden":0,"_bbp_total_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207],"tags":[],"class_list":["post-14542","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15241"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14542"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14564,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14542\/revisions\/14564"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}