{"id":14111,"date":"2026-03-13T15:57:33","date_gmt":"2026-03-13T14:57:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=14111"},"modified":"2026-03-13T15:57:33","modified_gmt":"2026-03-13T14:57:33","slug":"prostitution-in-deutschland-streit-um-das-nordische-modell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2026\/03\/13\/prostitution-in-deutschland-streit-um-das-nordische-modell\/","title":{"rendered":"Prostitution in Deutschland: Streit um das nordische Modell"},"content":{"rendered":"\r\n\r\n<div class=\"et_pb_section_0 et_pb_section et_section_regular et_block_section\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_0 et_pb_row et_block_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_0 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_0 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\">Nachdem die Bundestagspr\u00e4sidentin Julia Kl\u00f6ckner bei einer Preisverleihung der \u201eHeldinnen Awards\u201c der Alice-Schwarzer-Stiftung 2025 das deutsche Prostitutionsmodell stark kritisierte und Deutschland das \u201ePuff Europas\u201c nannte, kam die Frage erneut auf, ob Deutschland Prostitution durch das nordische Modell, am Beispiel von Schweden, regeln sollte.\u00a0<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div>\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_1 et_pb_row et_flex_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_1 et_pb_column et-last-child et_flex_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et_flex_column_24_24 et_flex_column_24_24_tablet et_flex_column_24_24_phone\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_1 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\">Schweden f\u00fchrte 1999 das Sexkaufverbot ein, um Prostitution rechtlich zu regulieren. Dieses Gesetz orientiert sich am nordischen Modell und verbietet jeglichen Sexkauf, sowie Zuh\u00e4lterei. Beide Taten k\u00f6nnen mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Die Prostituierten hingegen bleiben straffrei und k\u00f6nnen sexuelle Dienstleistungen weiterhin anbieten. Schweden st\u00fctzte sich damals bei der Einf\u00fchrung des Gesetzes auf die normative Annahme, dass der Erwerb von sexuellen Handlungen ein Symptom von patriarchalen Gesellschaftsstrukturen sei. Da sich Schweden zur Geschlechtergleichstellung verpflichtet hat, w\u00fcrde eine staatliche Regelung wie in Deutschland die Unterdr\u00fcckung der Frau systematisch f\u00f6rdern. Denn eine eindeutige Studienlage beweist, dass Frauen, die in der Prostitution arbeiten, deutlich mehr Gewalt erfahren, als Frauen, die in anderen Berufen arbeiten.\u00a0<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div>\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_2 et_pb_row et_flex_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_2 et_pb_column et-last-child et_flex_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et_flex_column_24_24 et_flex_column_24_24_tablet et_flex_column_24_24_phone\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_2 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\">Von diesen Gewalterfahrungen und auch Unfreiwilligkeit spricht Julia Kl\u00f6ckner in ihrer Rede. Sie kritisiert das deutsche Modell, welches einem sehr selbstbestimmten Ansatz folgt. Deutschland regelt Prostitution wie folgt: Seit dem Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes 2002 ist Prostitution legal und wird nicht mehr als sittenwidrig angesehen. Dementsprechend k\u00f6nnen Prostituierte auch sozialversicherungspflichtig sein und die eingegangene Vereinbarung zwischen Sexk\u00e4ufer und Prostituierte kann rechtlich gepr\u00fcft werden. Um Prostituierte zu sch\u00fctzen, wurde 2017 zus\u00e4tzlich das Prostituiertenschutzgesetz erlassen. Damit wurde eine Anmeldepflicht und damit einhergehende gesundheitliche Beratungstermine f\u00fcr Prostituierte eingef\u00fchrt, sowie bestimmte Mindestanforderungen an die Betreibung eines Prostitutionsgewerbe festgelegt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\">Kl\u00f6ckner kritisiert, dass durch diese beiden Gesetze Prostitution zu einem Beruf, wie jeder andere gemacht wird, und belegt ihre Position mit den Gewalterfahrungen, die Frauen, vor allem durch M\u00e4nner erleben. Diese stark mediatisierten Aussagen bleiben jedoch nicht ohne Kritik. Der Berufsverband Sexarbeit kritisiert Kl\u00f6ckners Aussage, 85 - 95 % der in der Prostitution arbeitenden Menschen t\u00e4ten das aus \u00f6konomischen Zw\u00e4ngen. Sie betonen, dass diese Zahlen nicht empirisch belegt seien, sondern aus Sch\u00e4tzungen von prostitutionskritischen Organisationen stammen. Laut dem Verband w\u00fcrde das nordische Modell au\u00dferdem nicht Gewalt entgegenwirken, sondern durch die Verschiebung des Sektors in die Illegalit\u00e4t Gewalt und Menschenhandel f\u00f6rdern und zu einer schlechteren Gesundheitsversorgung beitragen. Zus\u00e4tzlich wird selbstbestimmte Sexarbeit nicht thematisiert und als seltenes Ph\u00e4nomen abgetan, welches die Realit\u00e4t verzerre.\u00a0<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div>\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_3 et_pb_row et_flex_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_3 et_pb_column et-last-child et_flex_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et_flex_column_24_24 et_flex_column_24_24_tablet et_flex_column_24_24_phone\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_3 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\">Der Verein TERRE DES FEMMES (TDF), der sich f\u00fcr Menschenrechte f\u00fcr Frauen einsetzt, unterst\u00fctzt hingegen Kl\u00f6ckners Forderungen nach einem nordischen Modell. Der Verein spricht sich schon seit 2014 f\u00fcr die Einf\u00fchrung dieses Modells aus. Denn laut der Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Christa Stolle k\u00f6nne es in einer Gesellschaft keine Gleichberechtigung geben, solange Frauenk\u00f6rper als Ware gekauft werden k\u00f6nnen. TDF argumentiert zum einen auf der faktischen Seite: Deutschland ist durch die liberale Gesetzgebung zum Zielort f\u00fcr Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung geworden. Dazu kommt, dass in der Prostitution arbeitende Frauen deutlich mehr Gewalt erfahren, als Frauen in anderen Berufen. Diese Taten werden zudem meist von den m\u00e4nnlichen Sexk\u00e4ufern und Zuh\u00e4ltern begangen. Zum anderen begr\u00fcnden sie ihre Position aus der normativen Sicht, \u00e4hnlich wie in Schweden: Prostitution ist ein Ausdruck eines grundliegenden Machtungleichgewichts zwischen den Geschlechtern, durch die, die Ansichtsweise suggeriert werde, M\u00e4nner h\u00e4tten ein Recht auf Sex und Frauen m\u00fcssten ihren K\u00f6rper dazu zur Verf\u00fcgung stellen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\">Diese Debatte zeigt einen grundlegenden Konflikt zwischen zwei Positionen in Deutschland. Diese begr\u00fcndet sich vor allem in den verschiedenen normativen Annahmen. Bef\u00fcrworter:innen eines Sexkaufverbots argumentieren vor allem mit grundlegenden patriarchalen Strukturen, die sich in der Prostitution wiederfinden, w\u00e4hrend Kritiker Prostitution auch als selbstbestimmte Sexarbeit sehen. Aber auch in der Frage, wie man den Gewalterfahrungen entgegenwirken kann, sind sich die beiden Seiten uneinig. Ob Deutschland das nordische Modell einf\u00fchren wird, so wie es unter anderem Julia Kl\u00f6ckner und der Verein TERRE DES FEMMES fordern, oder es erstmal bei den aktuellen Regelungen bleibt, steht erst mal offen. Aktuell gibt es zumindest keinen neuen Gesetzesentwurf, der eine \u00c4nderung der rechtlichen Lage bewirken w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\r\n\r\n<div class=\"et_pb_section_1 et_pb_section et_section_regular et_flex_section\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_row_4 et_pb_row et_flex_row\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_column_4 et_pb_column et-last-child et_flex_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et_flex_column_24_24 et_flex_column_24_24_tablet et_flex_column_24_24_phone\">\r\n\r\n<div class=\"et_pb_text_4 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_flex_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Quellen\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\"><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/prostitution-julia-kloeckner-nennt-deutschland-puff-europas-a-0f5d8d97-657d-4263-a174-b7fbc252ca07\" style=\"color: #96607d;text-decoration: underline\">https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/prostitution-julia-kloeckner-nennt-deutschland-puff-europas-a-0f5d8d97-657d-4263-a174-b7fbc252ca07<\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\"><a href=\"https:\/\/www.bmbfsfj.bund.de\/bmbfsfj\/themen\/gleichstellung\/frauen-vor-gewalt-schuetzen\/prostituiertenschutzgesetz\/prostituiertenschutzgesetz-fragen-und-antworten\" style=\"color: #96607d;text-decoration: underline\">https:\/\/www.bmbfsfj.bund.de\/bmbfsfj\/themen\/gleichstellung\/frauen-vor-gewalt-schuetzen\/prostituiertenschutzgesetz\/prostituiertenschutzgesetz-fragen-und-antworten<\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\"><a href=\"https:\/\/www.berufsverband-sexarbeit.de\/index.php\/2025\/11\/10\/deutschland-als-puff-europas\/\" style=\"color: #96607d;text-decoration: underline\">https:\/\/www.berufsverband-sexarbeit.de\/index.php\/2025\/11\/10\/deutschland-als-puff-europas\/<\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\"><a href=\"https:\/\/frauenrechte.de\/aktuelles\/detail\/pressestatement-solange-sexkauf-nicht-sanktioniert-wird-kann-es-keine-gleichberechtigung-geben\" style=\"color: #96607d;text-decoration: underline\">https:\/\/frauenrechte.de\/aktuelles\/detail\/pressestatement-solange-sexkauf-nicht-sanktioniert-wird-kann-es-keine-gleichberechtigung-geben<\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 8pt;line-height: 18.4px;font-size: medium;font-family: Aptos, sans-serif;color: #000000\">https:\/\/www.db-thueringen.de\/receive\/dbt_mods_00066057\u00a0<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":16661,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207,1013815,1013839],"tags":[],"class_list":["post-14111","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-deutschland","category-schweden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16661"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14111"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14111\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14133,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14111\/revisions\/14133"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}