{"id":1338,"date":"2021-07-02T14:08:55","date_gmt":"2021-07-02T12:08:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=1338"},"modified":"2021-07-02T14:08:59","modified_gmt":"2021-07-02T12:08:59","slug":"das-mahnmal-zum-gedenken-an-das-novemberpogrom-im-bremer-schnoor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2021\/07\/02\/das-mahnmal-zum-gedenken-an-das-novemberpogrom-im-bremer-schnoor\/","title":{"rendered":"Das Mahnmal zum Gedenken an das Novemberpogrom im Bremer Schnoor"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><em>In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden im gesamten nationalsozialistischen Deutschland antij\u00fcdische Pogrome begangen. Sie werden heute als Wendepunkt im Hinblick auf die Gewalt gegen J\u00fcd:innen diskutiert und bilden einen wichtigen Ged\u00e4chtnisort in der deutschen Erinnerungskultur.<\/em> <em>In Bremen wird an die Opfer dieses Pogroms unter anderem in Form eines Denkmals erinnert. Unweit der ehemaligen Synagoge im Schnoor, die w\u00e4hrend des Novemberpogroms g\u00e4nzlich zerst\u00f6rt wurde, befindet es sich auf dem Platz vor dem Landherrenamt an der Dechanatstra\u00dfe. Das historische Ereignis erh\u00e4lt dadurch einen Gedenkort, der besonders am 9. November \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit findet. Das Denkmal wird als repr\u00e4sentativer Ort des Erinnerns auch von politischer Seite genutzt. Die Initiative zur Entstehung des Denkmals kam aber aus der Zivilgesellschaft.<\/em> \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: large\"><strong>Die Novemberpogromnacht in Bremen<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Den Novemberpogromen 1938 ging ein Attentat auf die \u201aBotschaft des deutschen Reiches\u2018 in Paris voraus, welches vom 17-j\u00e4hrigen Herschel Grynszpan aus Verzweiflung begangen wurde. Ursprung seiner Verzweiflung war die Abschiebung seiner in Deutschland lebenden polnisch-j\u00fcdischen Eltern nach Polen. Der Diplomat Ernst vom Rath wurde durch dieses Attentat schwer verletzt und verstarb am 9. November. Dieses Ereignis wurde von den Nationalsozialisten als Vorwand zur Vergeltung genutzt. Auch Bremen wurde Schauplatz der Novemberpogrome. Hauptbefehlshaber f\u00fcr das Pogrom in Bremen war der B\u00fcrgermeister und SA-Gruppenf\u00fchrer der Sturmabteilung \u201aNordsee\u2018 Heinrich B\u00f6hmcker. Ab Mitternacht begann der \u00dcberfall auf j\u00fcdische Gesch\u00e4fte in Bremen-Mitte, der sich schnell auf das gesamte Stadtgebiet ausweitete. Pl\u00fcnderungen, Zerst\u00f6rung und Brandstiftung von j\u00fcdischen Institutionen, beispielsweise der ehemaligen Synagoge in der Gartenstra\u00dfe (heute: Kolpingstra\u00dfe), waren nur ein Teil des Pogroms. Hinzu kam die Misshandlung j\u00fcdischer B\u00fcrger:innen, z.B. der \u00dcberfall auf das j\u00fcdische Altersheim in Gr\u00f6pelingen. Es wurden in dieser Nacht rund 178 M\u00e4nner verhaftet, die daraufhin im \u201aZuchthaus Oslebshausen\u2018 und sp\u00e4ter im KZ Sachsenhausen festgehalten wurden und nur durch eine geplante Ausreise mit ihrer gesamten Familie freikamen. W\u00e4hrend der Pogromnacht wurden in Bremen f\u00fcnf Menschen ermordet: das Ehepaar Martha und Dr. Adolph Goldberg, Selma Zwienicki, Heinrich Rosenblum und Leopold Sinasohn. Deutschlandweit wurden 91 Menschen ermordet. \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: large\"><strong>Hintergr\u00fcnde und Akteur:innen der Errichtung des Denkmals<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Entstehung der \u201eGedenkst\u00e4tte Reichskristallnacht\u201c f\u00e4llt in eine Zeit des erinnerungskulturellen Umbruchs. Ausschlaggebend daf\u00fcr war die 68er-Bewegung, die eine intensive Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der jungen Bundesrepublik forderte. Besonders ab 1980 nahm die zivilgesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte zu. Die Initiative f\u00fcr die \u201eGedenkst\u00e4tte Reichskristallnacht\u201c, ergriff 1978 der Bremer Kaufmann Dirk Heinrichs. Nach der Zustimmung des regierenden B\u00fcrgermeisters Koschnick und der Bremischen B\u00fcrgerschaft sowie der Zusicherung des Platzes vor dem Landherrenamt gr\u00fcndete sich 1980 der \u201eGedenkst\u00e4tte Reichskristallnacht e.V.\u201c. Der Verein schrieb einen Wettbewerb aus, zu dem acht K\u00fcnstler eingeladen wurden. Das Mahnmal sollte \u201eschlicht\u201c, \u201ezeitlos\u201c, nicht aufdringlich, aber sichtbar sein. Das \u201aGedenkmal\u2018 an die f\u00fcnf Opfer des Novemberpogroms sollte auch f\u00fcr die weiteren Millionen j\u00fcdischer Opfer im Holocaust stehen und f\u00fcr die Zukunft mahnen. Die Entw\u00fcrfe der K\u00fcnstler wurden im Jahr 1980 in der Bremischen B\u00fcrgerschaft einen Monat lang ausgestellt. Das abschlie\u00dfende Urteil traf eine Jury. Sie w\u00e4hlte das Modell von Hans Dieter Voss. Finanziert wurde es aus Spenden von Bremer B\u00fcrger:innen. Zu diesem Zweck gab es zwischen 1981 und 1982 insgesamt vier Spendenaufrufe an die Bev\u00f6lkerung Bremens. Insgesamt kamen dabei 33.859,30 DM zusammen, die jedoch nicht die vorgesehenen Kosten deckten. Die ausstehende Summe von 15.000 DM \u00fcbernahm daraufhin die Stiftung \u201eWohnliche Stadt\u201c. Die Instandhaltung der Gedenkst\u00e4tte sicherte der Senat zu. Eine bewusste \u00f6ffentliche Einweihung des Denkmals fand nicht statt und auch der Verein l\u00f6ste sich nach der Errichtung des Denkmals auf.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_3_5 et_pb_column et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><span style=\"font-size: large\"><strong>Die Gestaltung des Denkmals<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Voss\u2018 Entwurf sah ein matt-schwarzes, blockartiges Monument aus Beton vor, <span>das in der Mitte eine Gedenktafel tragen sollte<\/span>. Auch eine Neupflasterung, Bepflanzung mit B\u00e4umen und eine Bank dem Denkmal gegen\u00fcber waren vorgesehen. Der Plan konnte nicht mehr durch den K\u00fcnstler Hans Dieter Voss selbst realisiert werden, da dieser kurz nach dem Wettbewerb verstarb. Folglich gehen die Interpretationen des Entwurfes auseinander. So definierte die Jury das Monument als \u201eKlagemauer\u201c, \u201eErschie\u00dfungswand\u201c und \u201eTor des Hades\u201c, von der \u00d6ffentlichkeit wurde der Entwurf auch als Kreuz wahrgenommen. Diesbez\u00fcglich sind der erw\u00fcnschte Ausdruck und die Interpretation der Gestaltung nicht klar zu definieren. Aus dem Entwurf wurde nur das Denkmal (ohne Bank, neues Pflaster und Bepflanzung) realisiert. Das Denkmal ist in seiner Gestaltung zur\u00fcckhaltend. Es ist aber nicht ganz selbsterkl\u00e4rend. So steht der Ort des Denkmals in keiner direkten Verbindung zum historischen Ereignis. Lediglich die N\u00e4he zur ehemaligen Synagoge ist hier zu nennen. Auch die Inschrift des Monuments k\u00f6nnte ohne ausreichend historischen Hintergrund miss- bzw. nicht verstanden werden. So hei\u00dft es \u201eUnsere j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger Martha Goldberg [\u2026] wurden in dieser Stadt in der Nacht vom 9. zum 10.11.1938 ermordet.\u201c Es fehlt eine klare Benennung der Tat und des Ereignisses. Es wird erwartet, dass das Datum allen Betrachter:innen gel\u00e4ufig ist. Die eher unbelebte Lage (auf einem ehemaligen Parkplatz) tr\u00e4gt nicht zur Inklusion des Denkmals in die Wahrnehmung im allt\u00e4glichen Leben bei.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_column_2_5 et_pb_column et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Vorderseite-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"November Mahnmal Vorderseite\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Vorderseite-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Vorderseite-1280x960.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Vorderseite-980x735.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Vorderseite-480x360.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-1430\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_1\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Inschrift-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"November Mahnmal Inschrift\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Inschrift-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Inschrift-1280x960.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Inschrift-980x735.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/November-Mahnmal-Inschrift-480x360.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-1429\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_2\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Lauschorte-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"Lauschorte\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Lauschorte-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Lauschorte-1280x960.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Lauschorte-980x735.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/Lauschorte-480x360.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-1427\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_2  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><span style=\"font-size: large\"><strong>Bedeutung des Denkmals f\u00fcr die Erinnerungskultur Bremens <\/strong><\/span><\/p>\n<p>Welche Bedeutung hat das Denkmal im erinnerungskulturellen Kontext, auch wenn es durch seine Gestaltung m\u00f6glicherweise nicht die erw\u00fcnschte Aufmerksamkeit seiner Initiator:innen findet? Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinde, Politiker:innen der Bremischen B\u00fcrgerschaft und Interessierte versammeln sich jedes Jahr am Gedenktag der Novemberpogrome im Rahmen einer Gedenkveranstaltung beim Mahnmal. Der gestalterisch pr\u00e4gnante Anspruch der \u201aZeitlosigkeit\u2018, den das Denkmal erf\u00fcllen soll, ist im theoretischen Kontext gesehen jedoch kritisch zu betrachten. So argumentiert Aleida Assmann:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Denkm\u00e4ler folgen den historischen Taten nicht blo\u00df nach, sie gehen ihnen auch voraus; sie bilden jeweils eine Klammer, die isolierte Erinnerungen mit ganz bestimmten Erwartungen verkn\u00fcpft. Sie sind zur H\u00e4lfte Erinnerung an etwas Vergangenes und zur anderen H\u00e4lfte Anspruch auf etwas Kommendes. Das Denkmal schaut janusk\u00f6pfig in die Vergangenheit und Zukunft. (Assmann 1993: 57)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Eine immerw\u00e4hrende Zeitlosigkeit eines Denkmals kann somit nicht erf\u00fcllt werden. Auch im Fall des Bremer Denkmals wird durch die Gestaltung die zur Zeit der Errichtung existierende geschichtliche Auffassung deutlich. Zu sehen sind die durch die Denkmalsinitiative der 1980er gepr\u00e4gten erinnerungskulturellen Schwerpunkte wie \u201eDezentralisierung, Authentizit\u00e4t, Selbstreflexion und Diversit\u00e4t\u201c (W\u00fcstenberg 2020: 227) Der Verein \u201eGedenkst\u00e4tte Reichskristallnacht e.V.\u201c beachtete folglich in seinem Gestaltungsanspruch nicht, dass die \u201eWirkung von Denkm\u00e4lern [\u2026] nicht nur zeitlicher Begrenzung (unterliegt), sondern [\u2026] auch abh\u00e4ngig von der jeweiligen Gesellschaft (ist) und deren zielgerichteten Konstruktion des Gedenkens.\u201c (Korn 1999: 236)\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: large\"><strong>Fazit <\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die \u201eGedenkst\u00e4tte Reichskristallnacht\u201c erinnert an die f\u00fcnf Opfer des Novemberpogroms in Bremen und entstand 1982 durch eine Initiative aus der Zivilgesellschaft. Politisch wurde diese Idee zwar unterst\u00fctzt, jedoch nicht durch finanzielle Mittel mitgetragen. Die Gestaltung des Denkmals wurde nicht durch den K\u00fcnstler Voss selbst erkl\u00e4rt und in Folge dessen unterschiedlich interpretiert. Die sehr neutrale Gestaltung birgt die Gefahr, dass das Denkmal nicht verstanden wird, was unter anderem die Inschrift der Gedenktafel zeigt. Der Anspruch der \u201aZeitlosigkeit\u2018, welcher die Gedenkinitiative aufstellt, wird durch zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler kritisiert. Zudem l\u00e4sst er sich theoretisch analysieren. So kann ein Denkmal nie vollkommen zeitlos gestaltet werden, sondern ist immer Spiegel seiner Zeit. Das Denkmal repr\u00e4sentiert eine Wende in der Ged\u00e4chtniskultur und wird damit auch in Bezug auf den Ausdruck, welches es \u00fcber seine Entstehungszeit vermittelt, zum historisch wertvollen Objekt. Ebenfalls \u00fcbernimmt es die wichtige Aufgabe des kollektiven Gedenkortes, dies aber nur marginal und begrenzt auf den Zeitraum um den Gedenktag. Die Bedeutung des Denkmals ist und wird an die geschichtliche Auffassung der Gesellschaft gekoppelt, da gegenw\u00e4rtige und zuk\u00fcnftige Betrachter:innen in einen Dialog treten m\u00fcssen, um das Gedenken in ihr allt\u00e4gliches Leben zu integrieren. \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur<\/p>\n<ul>\n<li>Assmann, Aleida (1993): Arbeit am nationalen Ged\u00e4chtnis. Eine kurze Geschichte der deutschen Bildungsidee, Bd.14, Frankfurt: Campus.<\/li>\n<li>Beneke, Maren (2020): Gedenken zur Reichspogromnacht. Appell an jeden, nicht wegzusehen. In: <em>Weser-Kurier <\/em>am 10.11.2020. Text abrufbar unter https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/bre-men-stadt_artikel,-appell-an-jeden-nicht-wegzusehen-_arid,1943450.html (letzter Zugriff am 29.03.2020)<\/li>\n<li>Korn, Salomon (1999): Geteilte Erinnerung \u2013 Holocaust-Gedenken in Deutschland In: Bors-dorf, Ulrich; Heinrich Theodor Gr\u00fctter, Orte der Erinnerung. Denkmal, Gedenkst\u00e4tte, Museum. Frankfurt am Main [u.a.]: Campus-Verlag, 231-244.<\/li>\n<li>Brinkhus, J\u00f6rn (2013): Die Novemberpogrome 1938 im Land Bremen. Bremen: Staatsarchiv Bremen.<\/li>\n<li>Drechsel, Wiltrud Ulrike; J\u00fcrn Jakob Lohse (2011): Holocaust-Denkm\u00e4ler in Bremen 1945-2001. In: Drechsel, Wiltrud Ulrike (Hrsg.), Geschichte im \u00f6ffentlichen Raum. Denkm\u00e4ler in Bremen zwischen 1435 und 2001. Bremen: Donat, 102\u2013132.<\/li>\n<li>Koch, Angela; Eva Hohenberger (Hrsg.) (2019): Grau in Grau. \u00c4sthetisch-Politische Praktiken der Erinnerungskultur. Berlin: Metropol.<\/li>\n<li>Lohse, J\u00fcrn (2007): Die Holocaust-Denkm\u00e4ler in Bremen. Hamburg: Diplomica Verlag.<\/li>\n<li>Thie\u00dfen, Malte (2009): Das kollektive als lokales Ged\u00e4chtnis. Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Lokalisierung von Geschichtspolitik. In: Schmid, Harald (Hrsg.), Geschichtspolitik und kollektives Ged\u00e4chtnis. Erinnerungskulturen in Theorie und Praxis, Bd. 41, G\u00f6ttingen: V&amp;R Unipress, 159-180.<\/li>\n<li>Vinken, Gerhard (2018): Vom Denkmal zum Erbe, ein Pl\u00e4doyer. Heidelberg. In: Bogner, Simone\/ Birgit Franz\/ Hans-Rudolf Meier\/ Marion Steiner (Hrsg.): Denkmal - Erbe - Heritage, Bd. 27, Heidelberg: arthistoricum.net, 238-242.<\/li>\n<\/ul><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":12575,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,197027,849441,564450,547623],"tags":[165085,13868,565260,21087,779748],"class_list":["post-1338","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-bremen-und-umzu","category-clara-hafner","category-gastautorin","category-unterwegs","tag-architektur","tag-bremen","tag-erinnerungskultur","tag-geschichte","tag-mahnmal"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12575"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1338"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1338\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1618,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1338\/revisions\/1618"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}