{"id":12672,"date":"2026-03-16T16:22:57","date_gmt":"2026-03-16T15:22:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=12672"},"modified":"2026-03-16T16:22:59","modified_gmt":"2026-03-16T15:22:59","slug":"die-chatkontrolle-der-eu-zwischen-kinderschutz-und-massenueberwachung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2026\/03\/16\/die-chatkontrolle-der-eu-zwischen-kinderschutz-und-massenueberwachung\/","title":{"rendered":"Die Chatkontrolle der EU zwischen Kinderschutz und Massen\u00fcberwachung"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1459\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/cyber-security-1515836154wzI.jpg\" alt=\"\" title=\"cyber-security-1515836154wzI\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/cyber-security-1515836154wzI.jpg 1920w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/cyber-security-1515836154wzI-1280x973.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/cyber-security-1515836154wzI-980x745.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/cyber-security-1515836154wzI-480x365.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1920px, 100vw\" class=\"wp-image-12676\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Bald k\u00f6nnten alle deine Nachrichten, Bilder und Dateien, die du auf Messengerdiensten wie WhatsApp verschickst, ohne jegliche Einwilligung oder Verdacht gescannt werden und das alles im Namen des Kinderschutzes.<br \/>\nDoch k\u00f6nnen durch diese Ma\u00dfnahme wirklich die Schw\u00e4chsten gesch\u00fctzt werden oder \u00f6ffnet sie die T\u00fcr zu einer noch nie da gewesenen Form der Massen\u00fcberwachung?<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union sieht seit einigen Jahren den Schutz von Kindern offline sowie online als eines ihrer wichtigsten politischen Ziele an. Vor diesem Hintergrund arbeitet die EU-Kommission seit etwas mehr als drei Jahren an einer Verordnung, welche zur Pr\u00e4vention und Bek\u00e4mpfung des sexuellen Missbrauchs im Internet dient. Der Entwurf der Verordnung wurde in den letzten Jahren immer weiter erg\u00e4nzt. Dabei hat sich klar herausgestellt, dass gro\u00dfe Dienstanbieter st\u00e4rker und direkt in Verantwortung gezogen werden sollen, um sexuellen Missbrauch auf ihren Plattformen sowie im Internet allgemein aufzudecken.<br \/>\nDie EU-Kommission begr\u00fcndet diesen Schritt mit unzureichenden freiwilligen Ma\u00dfnahmen seitens der Dienstanbieter und einer Fragmentierung in den L\u00e4ndern aufgrund von unterschiedlichen nationalen Gesetzen und Vorschriften. Daher g\u00e4be es eine Notwendigkeit f\u00fcr einheitliche Vorschriften innerhalb der EU.<br \/>\nBesonders betroffen w\u00e4ren gro\u00dfe Dienstanbieter von Hostingdiensten wie ICloud oder Google Drive sowie Kommunikationsdiensten wie WhatsApp oder Telegram, die dann bereits bekannte Materialien von Missbrauch entfernen m\u00fcssten.<br \/>\nIm weiteren Sinne ganz aktuell ist das Vorhaben die Dienstanbieter zu verpflichten die Inhalte ihrer Nutzer zu durchsuchen. Durch eine Chatkontrolle sollen Chats der Nutzer auf potenzielle Straftaten gescannt werden, dabei sind auch \"encrypted-chats\" inbegriffen. K\u00fcnftig sollen k\u00fcnstliche Intelligenz und Algorithmen eingesetzt werden, um private Nachrichten nach bestimmten Schl\u00fcsselw\u00f6rtern zu durchsuchen. Dabei ist bereits heute bekannt, dass KI-Systeme Schwierigkeiten haben zwischen tats\u00e4chlichem Grooming, Ironie oder harmlosen Kontexten zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, wird die Ma\u00dfnahme seit Jahren kontrovers diskutiert und war bereits mehrfach Gegenstand von Abstimmungen. Nach aktuellem Stand sprechen sich zw\u00f6lf Mitgliedstaaten f\u00fcr das Vorhaben aus, wobei nicht alle ausdr\u00fccklich die Chatkontrolle unterst\u00fctzen, sondern eher den allgemeinen Ansatz st\u00e4rkerer Kontrolle von Nutzern im Internet. Neun Mitgliedstaaten lehnen den Entwurf in seiner derzeitigen Form ab. Zu den st\u00e4rksten Unterst\u00fctzern der Chatkontrolle z\u00e4hlen D\u00e4nemark und Frankreich. Beide L\u00e4nder sehen die derzeitigen Datenschutzanforderungen als ein gro\u00dfes Problem in der Aufkl\u00e4rung von sexuellem Missbrauch im Internet. Besonders D\u00e4nemark setzte das Thema mehrmals oben auf die Agenda und steht f\u00fcr striktere Kontrolle der Nutzer auf Messengerdiensten.<br \/>\nVon Deutschland wird die Chatkontrolle von Beginn an abgelehnt und stark kritisiert. Grundlegend lehnen alle Parteien des Bundestags die anlasslose und massenhafte Kontrolle privater Chats ab, ein solcher Eingriff sei in einem Rechtsstaat \u201etabu\u201c, wie Bundesjustizministerin Stefanie Hubig betonte. Die CDU\/CSU vergleicht das Vorhaben der EU-Kommission mit dem \u00d6ffnen jedes einzelnen Briefes und warnt, dass dadurch alle B\u00fcrger unter Generalverdacht gestellt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Von Aktivisten im Bereich des Datenschutz sowie der Anonymit\u00e4t im Internet wird das Vorhaben ebenfalls stark kritisiert, da es in die Privatsph\u00e4re jedes Einzelnen eingreift. Ebenfalls wird der Kinderschutzaspekt kritisch gesehen, da es durch die KI-Systeme h\u00f6chst wahrscheinlich zu sehr vielen Falschmeldungen kommen k\u00f6nnte und tats\u00e4chliche T\u00e4ter wahrscheinlich einfach auf andere Dienste ausweichen w\u00fcrden, um sich der Kontrolle zu entziehen. Somit w\u00fcrde die Kontrolle eine Illusion von Sicherheit schaffen, aber tats\u00e4chlich zu einer massenhaften \u00dcberwachung f\u00fchren.<br \/>\nNach aktuellem Stand (November 2025) zeigen interne Dokumente, dass sich die EU-Mitgliedstaaten zunehmend von einer verpflichtenden Chatkontrolle abwenden. Stattdessen haben sich die Mitglieder auf eine \u201efreiwillige\u201c Chatkontrolle geeinigt. Hierbei ist wichtig zu erw\u00e4hnen, dass \"freiwillig\" nicht hei\u00dft, dass der Nutzer sich in einem Opt-In Verfahren dazu entscheiden kann, sondern den Dienstanbietern wird erm\u00f6glicht, freiwillige Kontrollen durchzuf\u00fchren. Nun sollen noch die st\u00e4ndigen Vetreter der EU-Staaten sowie die Justizminister im Dezember 2025 tagen und dann soll der Gesetzesentwurf als Position des European Council beschlossen werden.<\/p>\n<p>Ob die \u201efreiwillige\u201c Chatkontrolle eventuell zu den gleichen Problemen f\u00fchrt wie eine verpflichtende Chatkontrolle, kann jetzt noch nicht gesagt werden. Aber es scheint so, als w\u00fcrde auch noch in den n\u00e4chsten Jahren der Konflikt zwischen Kinderschutz und digitaler Privatsph\u00e4re bestehen bleiben. Insgesamt scheint es jedoch, als w\u00e4ren die Zeiten der Anonymit\u00e4t im Internet vorbei und die EU dies durch Ma\u00dfnahmen wie die Chatkontrolle oder Pl\u00e4ne f\u00fcr eine verpflichtende Identifizierung im Netz weiter vorantreibt.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li data-start=\"171\" data-end=\"471\">\n<p data-start=\"173\" data-end=\"471\">Tarnkappe.info: <a class=\"decorated-link\" href=\"https:\/\/tarnkappe.info\/artikel\/netzpolitik\/erweiterte-chatkontrolle-soll-heute-mit-verzicht-auf-anonymitaet-beschlossen-werden-322855.html\" target=\"_new\" rel=\"noopener\" data-start=\"189\" data-end=\"469\">https:\/\/tarnkappe.info\/artikel\/netzpolitik\/erweiterte-chatkontrolle-soll-heute-mit-verzicht-auf-anonymitaet-beschlossen-werden-322855.html<\/a><\/p>\n<\/li>\n<li data-start=\"472\" data-end=\"757\">\n<p data-start=\"474\" data-end=\"757\">EU Council Presidency (PDF): <a class=\"decorated-link\" href=\"https:\/\/cdn.netzpolitik.org\/wp-upload\/2025\/11\/2025-11-06_Council_Presidency_LEWP_CSA-R_Presidency-compromise-texts_14092.pdf\" target=\"_new\" rel=\"noopener\" data-start=\"503\" data-end=\"755\">https:\/\/cdn.netzpolitik.org\/wp-upload\/2025\/11\/2025-11-06_Council_Presidency_LEWP_CSA-R_Presidency-compromise-texts_14092.pdf<\/a><\/p>\n<\/li>\n<li data-start=\"758\" data-end=\"980\">\n<p data-start=\"760\" data-end=\"980\">Campact Blog: <a class=\"decorated-link\" href=\"https:\/\/blog.campact.de\/2025\/10\/eu-gesetz-chatkontrolle-kinderschutz-massenueberwachung-grundrechte\/\" target=\"_new\" rel=\"noopener\" data-start=\"774\" data-end=\"978\">https:\/\/blog.campact.de\/2025\/10\/eu-gesetz-chatkontrolle-kinderschutz-massenueberwachung-grundrechte\/<\/a><\/p>\n<\/li>\n<li data-start=\"981\" data-end=\"1262\">\n<p data-start=\"983\" data-end=\"1262\">Netzpolitik.org \u2013 EU-Staaten wollen Chatkontrolle: <a class=\"decorated-link\" href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2025\/interne-dokumente-eu-staaten-wollen-chatkontrolle-gesetz-ohne-weitere-aenderungen\/\" target=\"_new\" rel=\"noopener\" data-start=\"1034\" data-end=\"1260\">https:\/\/netzpolitik.org\/2025\/interne-dokumente-eu-staaten-wollen-chatkontrolle-gesetz-ohne-weitere-aenderungen\/<\/a><\/p>\n<\/li>\n<li data-start=\"1263\" data-end=\"1518\">\n<p data-start=\"1265\" data-end=\"1518\">Netzpolitik.org \u2013 Freiwillige Chatkontrolle: <a class=\"decorated-link\" href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2025\/interne-dokumente-eu-staaten-einigen-sich-auf-freiwillige-chatkontrolle\/\" target=\"_new\" rel=\"noopener\" data-start=\"1310\" data-end=\"1516\">https:\/\/netzpolitik.org\/2025\/interne-dokumente-eu-staaten-einigen-sich-auf-freiwillige-chatkontrolle\/<\/a><\/p>\n<\/li>\n<li data-start=\"1519\" data-end=\"1674\">\n<p data-start=\"1521\" data-end=\"1674\">\u201eCHATKONTROLLE\u201c: <a class=\"decorated-link\" href=\"https:\/\/epub.jku.at\/obvulihs\/content\/titleinfo\/9391855\/full.pdf\" target=\"_new\" rel=\"noopener\" data-start=\"1544\" data-end=\"1674\">https:\/\/epub.jku.at\/obvulihs\/content\/titleinfo\/9391855\/full.pdf<\/a><\/p>\n<\/li>\n<\/ul><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":16664,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207],"tags":[],"class_list":["post-12672","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12672","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16664"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12672"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12672\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14215,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12672\/revisions\/14215"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}