{"id":12152,"date":"2025-11-18T19:00:30","date_gmt":"2025-11-18T18:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/?p=12152"},"modified":"2025-11-18T19:00:36","modified_gmt":"2025-11-18T18:00:36","slug":"per-anhalter-durch-italien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/2025\/11\/18\/per-anhalter-durch-italien\/","title":{"rendered":"Per &#8222;Anhalter&#8220; durch Italien"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p align=\"justify\">Der fortlaufende Novembernieselregen schwingt um zu schweren Regentropfen, die auf meine soeben angezogene Jacke prallen. Die Lichter der vorbeirasenden Autos spiegeln sich in den Pf\u00fctzen der durch die Laternen beleuchteten Autobahn. Meta reicht mir das Warndreieck, mit welchem ich einige Meter hinter unser Auto gehe und es neben einer der vielen Pf\u00fctzen aufstelle \u2013 Wo bin ich hier nur wieder gelandet?<\/p>\n<p align=\"justify\">Einige Stunden zuvor sa\u00df ich noch im warmen Zug aus der Schweiz auf meinem Weg in Richtung Grado, einer kleinen Stadt direkt an der Adriak\u00fcste auf dem letzten Drittel zwischen Venedig und Triest. Dort sollte ich f\u00fcr die kommenden Monate bei den Bardinis, meiner Au-Pair Familie leben. Wir hatten uns einige Wochen zuvor \u00fcber eine Zoomkonferenz kennengelernt und heute war der Tag, an welchem wir uns endlich pers\u00f6nlich kennenlernen w\u00fcrden. Doch dann kam die metallisch rauschende Durchsage des italienischen Zugf\u00fchrers, dass die Fahrt aufgrund des aufkommenden Unwetters \u201eCiaran\u201c, leider ab dem n\u00e4chsten Bahnhof enden w\u00fcrde \u2013 Das hatte mir gerade noch gefehlt! Meta und ich, eine junge ZFA (Zahnmedizinische Fachangestellte) aus Slowenien, welche ich soeben auf der Zugfahrt kennengelernt hatte, schauten uns entgeistert an. Was sollte das nun wieder hei\u00dfen???<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p align=\"justify\">Wenige Minuten sp\u00e4ter standen wir mit unserem Gep\u00e4ck auf einem der Bahnsteige, dem Venedig vorgelagerten Bahnhof \u201eVenezia Mestre\u201c. Wie sich herausstellte, war Meta ebenso wie ich auf dem Weg in Richtung Osten, sie zur\u00fcck nach Slowenien, nachdem sie eine Freundin in Verona besucht hatte, sodass wir \u00fcberlegten, gemeinsam eine L\u00f6sung f\u00fcr unseren restlichen Weg zu finden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Erstmal Treppe runter, Treppe rauf. Unser erster Stopp war das Informationszentrum des Bahnhofs, an welchem wir nach einer angespannten Pause, in der sich durch das gesamte Geb\u00e4ude schl\u00e4ngelden Schlange erfuhren wir, dass es wohl noch einen Zug zumindest in unsere Richtung geben w\u00fcrde. Ein erster Lichtblick, w\u00e4hrend sich gleichzeitig die Wolken am Himmel immer weiter zuzogen! Treppe runter, Treppe rauf. Doch als wir nach kilometerlangen Treppen den Richtigen Bahnsteig erreichten, offenbarte uns die in orange leuchtender Schrift flackernde Informationstafel, dass jener Zug auch soeben, \u201egecancelt\u201c wurde \u2013 Verdammt. Also zur\u00fcck in die Warteschlange. Treppe runter, Treppe rauf. Die offenbar zurecht stark gestresste Dame im Informationsschalter schlug uns hektisch vor, es noch einmal mit dem n\u00e4chsten, dem letzten Zug, zu probieren, welcher in 5 Minuten k\u00e4me. Also ein letzter Sprint, Treppe runter, Treppe rauf, Zug! Dieser zu unserem Gl\u00fcck just in diesem Moment in den Bahnhof einrollte.<\/p>\n<p align=\"justify\">Im \u00fcberf\u00fcllten, von schw\u00fcler Luft erf\u00fcllten Zug stehend, blieb jedoch eine Frage, wie wir von hier an weiterk\u00e4men, denn unser Zug w\u00fcrde uns nur gut 60 Kilometer voranbringen. Was f\u00fcr mich nicht einmal die H\u00e4lfte und f\u00fcr Meta gerade mal ein Viertel der Strecke bedeutete. Als Meta die Nummer ihres j\u00fcngeren Bruders w\u00e4hlte, welcher sie eventuell von unserem Endbahnhof in \u201ePortogruaro\u201c abholen w\u00fcrde \u2013 Mehr aus Spa\u00df als wirkliche Idee, fragte ich sie ob sie mich eventuell von dort aus ein St\u00fcck in Richtung Grado mitnehmen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nach einigen Minuten des hin und her Telefonierens, folgte sodann ein neuer Schlachtplan: Metas Bruder w\u00fcrde sich nun mit ihrer Mutter auf den Weg aus Slowenien nach Italien machen, um uns am Bahnhof abzuholen. Ich schrieb eine kurze Nachricht an Laura, meiner Au-Pair Mutter, das ich eine L\u00f6sung f\u00fcr \"unser Problem\" gefunden h\u00e4tte und hoffentlich bald in Grado ankommen w\u00fcrde.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p align=\"justify\">In \u201ePortogruaro\u201c angekommen, f\u00fchlten sich die Minuten des Wartens wie Stunden an, bis schlie\u00dflich ein silberner \u201ePeugeot Tepee\u201c auf den Bahnhofsparkplatz vorfuhr. Im Auto sa\u00dfen ihr Bruder und ihre Mutter. Mein Ersteindruck, schwer sympathische Leute \u2013 so ein Gl\u00fcck!<\/p>\n<p align=\"justify\">Die nassen Rucks\u00e4cke im Kofferraum verstaut, starteten wir unsere Fahrt, zun\u00e4chst aus der Stadt heraus, dann auf die Autobahn. Der von den Scheinwerfern angeleuchtete Nieselregen, zeichnete ein einladendes Bild f\u00fcr meine Zeit in Italien, doch das schlechte Wetter au\u00dferhalb des Autos hielt uns nicht davon ab, mit voller Euphorie zu den Liedern im italienischen Radio mitzusingen. Bis vor uns auf der Stra\u00dfe ein Bauteil unsere freudige Fahrt zum Stoppen bringt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein lauter Knall verbunden mit dem Absacken des hinteren linken Reifens, beinah schleudernd, kommen wir auf dem rechten Standstreifen unter lautem Scheppern zum Stehen \u2013 Dat kann doch jetzt nicht wahr sein! Meta und ich schauen uns entgeistert an. Der Reifen ist geplatzt! Ich streife mir meine Jacke \u00fcber und stelle das Warndreieck, welches Meta mir anreicht, einige Meter hinter unserem Auto neben eine der Pf\u00fctzen auf. Die Lage entpuppt sich als \u00e4u\u00dferst ung\u00fcnstig, insofern als dass das Wechseln des Reifens hier nicht m\u00f6glich ist.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_image et_pb_image_0\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<span class=\"et_pb_image_wrap \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1440\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20231102_211753-scaled.jpg\" alt=\"\" title=\"im auto\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20231102_211753-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20231102_211753-1280x720.jpg 1280w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20231102_211753-980x551.jpg 980w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/files\/20231102_211753-480x270.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw\" class=\"wp-image-12155\" \/><\/span>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p align=\"justify\">Die fr\u00f6hliche Musik der Warte-es-wird-alles-gut-Musik scheint fast schon ironisch. \u201eLeider k\u00f6nnen wir Ihnen da nicht helfen\u201c, kratzt es von der anderen Seite der Leitung. <i>\u201e<\/i><i>M<\/i><i>ies<\/i>!\u201c Der italienische Abschleppdienst scheint keine Zust\u00e4ndigkeit bei uns zu sehen. Die fr\u00f6hliche Musik der Warte-es-wird-alles-gut-Musik ert\u00f6nt erneut. Ein erneutes Kratzen am Ende der anderen Leitung. Leider ist das f\u00fcr uns nicht m\u00f6glich, wir k\u00f6nnen Ihnen leider nicht helfen, rufen sie am besten bei einem italienischen Abschleppdienst an, erkl\u00e4rt uns der slowenische Sachbearbeiter. Mega! Also, ein weiterer Versuch, dieses mal bei einem anderen Abschleppdienst. Die fr\u00f6hliche Musik der Warte-es-wird-alles-gut-Musik kratz wieder von der anderen Seite der Leitung. \u201eDa m\u00fcssten wir einmal schauen, es sei gerade keiner in der N\u00e4he frei, das k\u00f6nne einige Zeit in Anspruch nehmen\u201c, so die Antwort, also weiter warten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Doch gut eine dreiviertel Stunde sp\u00e4ter, reflektiert die nasse Stra\u00dfe wie zerbrochene Spiegel das orangene Blinklicht des Abschleppwagens. Doch wie sich herausstellt, bietet der Abschleppwagen nicht gen\u00fcgend Platz f\u00fcr uns vier, sodass der Mann sich dazu entschlie\u00dft, das Auto inklusive uns zum n\u00e4chsten Parkplatz hin abzuschleppen. Unter Schaukeln und Ruckeln schiebt sich das Fahrzeug St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck die Ladefl\u00e4che hinauf. Der Abschleppwagen und das darauf geladene Auto, welches wiederum uns geladen hat, setzen sich in Bewegung. Wenig sp\u00e4ter kommen wir auf einem Parkplatz zum Stehen. Doch als wir unsere nassen Rucks\u00e4cke aus dem Kofferraum heben, um den dort gelagerten Reifen herauszuholen, \u00dcberraschung. Dort, wo wir unseren Ersatzreifen erwartet h\u00e4tten, offenbarte sich eine g\u00e4hnende Leere. Wir schauen uns entgeistert an, bis der Mann den Einfall hat, dass sich der Reifen auch unterhalb des Autos befinden k\u00f6nnte, von wo er tats\u00e4chlich wenig sp\u00e4ter den Reifen hervorholt und durch den kaputten ersetzt.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_4  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p align=\"justify\">Zur\u00fcck im warmen Auto geht die Fahrt in Richtung Grado weiter. Ich informiere meine Gastfamilie, um einen Treffpunkt aus zumachen. Gut eine Dreiviertelstunde sp\u00e4ter, treffen wir uns auf einem Parkplatz in Monfalcone. Die zwei sich mit ihren Scheinwerfern anstrahlenden Autos halten auf dem verregneten Parkplatz, der Austausch wirkt schon vielmehr wie eine Szene aus einem alten italienischen Gangsterfilm. Doch schlussendlich findet meine Reise ein Ende und ich steig nach herzlicher Verabschiedung meiner neuen slowenischen Freunde und werde herzlich von meiner italienischen Au-Pair Familie begr\u00fc\u00dft. Ein neues Kapitel beginnt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nun manchmal, entpuppt sich der etwas unvorhersehbarer und ungeplante Weg als eine neue Chance f\u00fcr die besten Erfahrungen. Insofern m\u00f6chte und kann ich nur jeden dazu ermutigen und einladen hinaus in die Welt zu gehen und mit offenen Augen neue Dinge zu erleben und zu erfahren.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":16657,"featured_media":12148,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[1013674,1013807,1013611],"tags":[52074,1013810,1013740,1013809],"class_list":["post-12152","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","category-reisebericht","category-reisen","tag-italien","tag-reisebericht","tag-reisen","tag-slowenien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16657"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12152"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12520,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12152\/revisions\/12520"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/europablog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}