In meiner Kindheit habe ich oft und gerne Vater – Mutter – Kind mit meinen Freund*innen gespielt. Ohne groß darüber nachzudenken, was später einmal sein würde, ohne Erwartungsdruck oder übermäßige Verantwortung. Ein einfaches Spiel. Ich erinnere mich daran, wie ich damals des Öfteren sagte: „Wenn ich mal erwachsen bin, dann möchte ich viele Kinder haben – am besten wären Zwillinge!“. Jetzt, mit Mitte zwanzig, muss ich grinsen, wenn ich daran zurückdenke, wie naiv ich damals war.  Es beginnt allmählich – das Kinderkriegen. Um mich herum zumindest. Ganz langsam und dann irgendwie plötzlich wird es zum Thema in meiner Familie und in meinem Freundeskreis. Seltsamerweise fallen mir erst dann die vielen jungen Eltern mit ihren Kindern auf unserem Campus auf. In der Mensa, bei den Veranstaltungen und eigentlich überall. Ich frage mich, wie das wohl ist, studieren mit Kind?

Um das herauszufinden frage ich spontan eine Kommilitonin, welche auch junge Mutter ist, ob sie mir dazu ein paar Fragen beantworten möchte. Mich interessieren ihre Eindrücke und Erfahrungen.

Jessica studiert genau wie ich im 5. Semester, KuMÄB und Kuwi. Sie ist 22 und seit zwei Jahren Mutter ihrer kleinen Tochter. „Ich bin ungeplant Schwanger geworden“ erzählt sie mir offen, als wir uns zum Reden einen ruhigen Ort im GW2 direkt neben einer Heizung suchen. Eigentlich wollte sie eine Ausbildung als Tierpflegerin machen und hat sich aufgrund ihrer Schwangerschaft, dann doch fürs Studium entschieden. Obwohl sie mehrmals die Woche pendeln muss, ist das Studium für sie eine flexiblere Alternative. Außerdem hat ihr das Angebot der Uni Bremen für Eltern gefallen, da es sich auch durch Kinderfreundlichkeit auszeichnet und Unterstützung für Studierende mit Kind anbietet.

Zu Beginn ihres Studiums nimmt sie ihre kleine Tochter, samt Kinderwagen, Windeln, Fläschchen und ihrem Lernkram mit zu ihren Veranstaltungen in die Uni. Als ich sie frage, wie diese Zeit für sie gewesen ist und wie sie sich dabei gefühlt hat, antwortet sie mir:

„Also am Anfang habe ich mich immer so ein bisschen unwohl dabei gefühlt, weil ich nicht wusste wie die Dozenten reagieren. Ich bin dann meistens hingegangen und hab immer gefragt, ob es okay wäre, wenn ich mein Baby mitbringe. „Es schläft auch die ganze Zeit – keine Sorge! Ich geh‘ auch sofort raus, wenn es weint“. Und der Großteil war relativ locker und hat mich auch unterstützt. Ich fand es anfangs total schwierig, die Wege mit dem Kinderwagen zu finden, um hier die Räume zu erreichen, weil die Fahrstühle alle in diesen Türmen [beim GW2-Gebäude] sind. Bis man die gefunden hat, hat das seine Zeit gedauert.“

Trotzdem meint Jessica, dass sie auch Glück hatte das ihre Tochter ein stilles Baby war und die meiste Zeit geschlafen hat, wenn sie in der Uni waren. Für Eltern, dessen Babys etwas lautstärker sind, dürfte sich das Studieren etwas schwieriger gestalten, da sie die Veranstaltungen weder stören noch verpassen möchten. Für Jessica waren genau das die schwierigen Momente. Wenn sie den Raum doch mal mit weinenden Kind verlassen musste.  Oder wenn sie zuhause bleibt, weil ihre Tochter krank ist und sie für sie da sein möchte. Dann beschleicht sie das Gefühl, wichtige oder spannende Themen zu verpassen.

Ich frage Jessica nach ihrem Eindruck, darüber wie sie von ihren Kommiliton*innen als junge Mutter wahrgenommen wurde, wenn sie ihre Tochter in der Uni dabei hatte:

„Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch nicht so gut Anschluss gefunden habe – gerade auch, weil ich nicht in Bremen wohne. Es ist dann schwierig gemeinsam etwas zu unternehmen, weil ich oft meinen Zug kriegen und mein Baby nach Hause bringen musste. Ich hatte mir irgendwie vorgestellt, dass hier [an der Uni] viel mehr Mütter mit Kindern rumlaufen, aber in meinem Studiengang war ich gefühlt die Einzige […]. Ich hab mich dadurch auch bisschen … isoliert, sag ich mal, und so auch schlecht Anschluss gefunden.“

Auch wenn Jessica vermutet, dass ihr Studi-Leben ganz anders verlaufen wäre, wenn sie ohne Kind studiert hätte und nach Bremen gezogen wäre, bereut sie es nicht Mutter geworden zu sein. Mutter zu sein hätte sie positiv verändert: „Ich glaube, dass ich dadurch total verantwortungsbewusst geworden bin und auch viel stressresistenter […]. Ich glaube einfach das ich erwachsener geworden bin.“

Für diesen Artikel haben wir uns mit Jessica (22), studiert KuMÄB und Kulturwissenschaft, unterhalten.

In unserem Gespräch betont Jessica mehrmals, wie wichtig ihr die Sicherheit und der Rückhalt ihrer Familie ist, welche sie bei ihrem Studium unterstützt, indem sie zum Beispiel einspringen, falls die Tagesmutter ihrer Tochter mal ausfällt und Jessica dringend in der Uni anwesend sein muss. Denn tatsächlich ist es die größte Herausforderung, immer eine Betreuung für das Kind zu haben. Genau in diesen Momenten ist sie sehr dankbar für die Unterstützung ihrer Familie. So hatte sie nie das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen und konnte gleichzeitig ihren Weg als Mutter finden.

 

 

 

Beratungsangebote und Services an der Uni Bremen:
https://www.asta.uni-bremen.de/referate/studierende-mit-kind/

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