Für jede Aufgabe, jedes persönliche Dilemma und jede Lebensfrage gibt es scheinbar eine digitale Antwort. Teilweise erhalten wir aber auch Antworten auch Fragen, die eigentlich noch niemand gestellt haben kann, wenn man sich den undurchdringlichen Urwald an Applikationen und Programmen einmal anschaut, die uns geboten werden, um den Alltag angeblich zu erleichtern. Vom Lügendetektor über die Abnehm- oder Gartenapp zu Lovoo, „Mein Gedanke für den Tag“, der digitalen Wasserwaage und der StauMobil-App ist alles dabei, was das Herz begehrt. Dabei ist der App-Store von nebenan meistens voll von Angeboten, die viel versprechen und wenig halten. Es hilft nur Ausprobieren, ob der neuste heiße Scheiß wirklich den erwünschten Mehrwert erbringt oder einfach nur Speicherplatz auf dem Smartphone verbraucht. Wir Studierende sind natürlich prädestiniert für solche Angebote: Immer zu wenig Zeit, aufgewachsen in der Generation Internet und Handy-affin. Kein Wunder, dass viele Anbieter sich gerade an uns richten und mit der ultimativen „Studenten-App“ werben, die das „must-have“ sind, um „smart im Unialltag“ zu werden. Bei so vielen Anglizismen kann das ja nur ultramodern sein. Wir gehen davon aus, dass ihr Kassenschlager wie Jodel, Babbel, Doodle und Tinder längst kennst (falls nicht, gern geschehen) und sind für euch ganz tief in den Pool der Möglichkeiten getaucht, auf der Suche nach Apps die tatsächlich etwas taugen …


 

  1. Evernote

Unserer Meinung nach ist Evernote die beste App zum Notieren auf dem Handy. Sie ist vor allem etwas für Menschen mit Sammelwut und solche die es werden wollen aber auch für jene, die etwas Ordnung in offene Arbeitsprozesse bringen möchten. Das digitale Notizbuch hat mehrere Funktionen: Ihr könnt unterwegs Ideen oder Notizen in Text-, Sprache- oder Bildform sammeln, in verschiedenen Notizbüchern speichern und verschlagworten, sowie Checklisten erstellen. Außerdem könnt ihr den „Clipper“ nutzen, um Artikel und Bilder aus eurem Browser zu speichern. Da die Notizen auch automatisch mit dem PC oder Mac synchronisiert oder mit anderen geteilt werden können, eignet sich die App ebenfalls, um Arbeiten mit anderen zu diskutieren. Natürlich ist man dadurch auch immer auf den geladenen Akku angewiesen, wenn man mit seinen Notizen arbeiten möchte und tut teilweise wahrscheinlich besser daran, doch noch mal den Kuli zu zücken.

  1. Flatastic

Wer kennt das nicht? Man lebt in einer WG, steht gerade beim Rewe vor dem Regal mit den Shampoos und fragt sich: Fehlt uns eigentlich noch irgendwas anderes im Kühlschrank, das ich mitbringen könnte, wenn ich schon mal hier bin? Und wenn ja, was? Solche und einige andere WG-Organisationsfragen will Flatastic lösen. Auf Flatastic erstellt man eine virtuelle WG, fügt seine Mitbewohner hinzu und erhält dadurch Zugriff auf: Eine digitale Pinnwand, eine geteilte Einkaufsliste, den Putzplan und eine Finanzübersicht. Im Finanzplan kann jeder Mitbewohner eintragen, wie viel er für den letzten WG-Einkauf ausgegeben hat und die App macht am Ende des Monats automatisch den Kassensturz. Nur für Faulenzer gibt’s ein Problem: Mit dem digitalen Putzplan kann sich wirklich keiner mehr vor der Hausarbeit drücken. Für kleinere WG’s vielleicht unnötig, in größeren Gemeinschaften bestimmt ein Mehrwert.

  1. Semper

Die App Semper ist „gemacht von Leuten, die gern dazulernen, aber Auswendiglernen hassen“ und soll Menschen, denen es ähnlich geht, dabei helfen, Vokabeln und Fakten einfacher zu behalten. Ganz nebenbei kann man hier in kleinen Trainingsintervallen lernen und Gelerntes mit anderen teilen. Dazu können die Nutzer auf fast 50 000 bestehende „Packs“ zugreifen oder eigene hinzufügen. Diese Packs können Vokabeln, Grammatik oder mundgerecht verpacktes Wissen in Form von Fragen und Antworten enthalten, nicht nur zu bestimmten Studiengängen und Fremdsprachen, sondern auch verschiedene Themen aus der Allgemeinbildung betreffend. Ihr könnt ebenso eine Sprachfunktion nutzen oder euch bei jedem Bildschirmentsperren eine Frage aus dem aktuellen Pack stellen lassen. Diese Funktion kostet leider extra und auch die Benutzung ist zu Beginn etwas unübersichtlich, doch wer will, kann mit dieser App endlich seine geheimsten Wissenslücken füllen und hat die Karteikarten zur Prüfung immer dabei.

  1. Kochmamsell

Die Kochmamsell zeigt euch die Sonderangebote von Supermärkten und Discountern und spuckt gleich die dazu passenden Rezeptideen aus. Die Einkaufsliste samt Preisen liefert die App ebenfalls mit. Ideal also für den typischen Was-soll-ich-heute-bloß-kochen-Blues und um schon im Vorfeld die Kontrolle darüber zu behalten, wie viel man ausgeben will. Ein weiterer Vorteil: Es reicht ein einziger Gang zum Supermarkt, um für das ganze Menü einzukaufen. Es gibt zwar wenig Rezeptvielfalt pro Markt (ca. 3-5), aber die Vorschläge werden regelmäßig aktualisiert.

 


  1. Brainyoo

Die App Brainyoo liefert alles, was Semper ↑ auch kann, allerdings ohne die bereits angelegten Packs. Mit dieser App kann der fleißige Studi Lernpläne und Karteikarten erstellen, verwalten, mit dem Computer synchronisieren, einfach wiederfinden und hat immer alles dabei, um mit dem Lernen loszulegen. Allerdings besteht immer die Pflicht ein Onlinekonto anzulegen und wer sich ganz oldschool ein paar Karteikarten schreibt, wird es wahrscheinlich auch so durch die Prüfung schaffen.

 

  1. Frag Mutti

Wir sind zwar alle starke, unabhängige Erwachsene, die erfolgreich ihren Lebensalltag meistern – aber dennoch haben die meisten von uns bestimmt schon einmal zu Hause angerufen, um zu fragen, wie man denn nun Kartoffeln kocht/Hemdkragen bügelt/die neue Samtjacke wäscht/den Wasserhahn entkalkt, usw. usw. Auf diese und andere Debakel will die neue App zur Frag-Mutti-Webseite eingehen. Bei genauerem Hinsehen ergibt sich aber: Zum Herumscrollen und für ein paar Rezeptideen ist die App ganz interessant, wer aber tatsächlich ein konkretes „Problem“ hat, tut besser daran, schnell ein paar Stichworte zu googeln. Oder eben doch zum Telefonhörer zu greifen, denn seien wir mal ehrlich, Mama freut sich und sie weiß es eh besser.

  1. Web Opac

Web Opac ermöglicht den Zugang von unterwegs auf die Kataloge und Mitgliedskonten von über tausend städtischen und wissenschaftlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Die App beinhaltet eine Katalogsuche per Barcode, ISBN oder Schlagwort, die Möglichkeit, die gefundenen Ergebnisse in einer Merkliste zu speichern und teilweise auch schon auszuleihen. Wer in unserer SuUB nicht fündig geworden ist, erhält vielleicht hier wenigstens den Zugang zu einer nützlichen Online-Quelle für die nächste Hausarbeit. Einziges Manko: Die Suche kann nicht bei allen Bibliotheken gleichzeitig durchgeführt werden, stattdessen muss man jedes Mal in ein neues Konto der entsprechenden Bibliothek wechseln, was die Suche verlangsamt.

  1. Sparpionier

Diese App ist was für die richtigen Sparfüchse unter euch. Sparpionier vergleicht die Sonderangebote deutscher Supermärkte und zeigt, wo es was momentan am günstigsten gibt. Darüber hinaus erhaltet ihr mit der App auch einen Überblick über die momentanen Benzinpreise und die verfügbaren Supermärkte in eurer Umgebung. Dafür bekommt man aber auch eine Flut an vermeintlichen Angeboten, auch solche, die vielleicht nicht preislich deutlich unter dem Durchschnitt liegen, sondern auch die, die im Vergleich mit anderen Produkten als normalpreisig einzustufen sind. Mit anderen Worten: Dank der App ganze zehn Cent auf die Fischstäbchen gespart! Wer am Ende des Monats mit 50 Cent noch ein Essen zaubern muss, wird sich über diese App freuen, ansonsten ist Geiz vielleicht manchmal doch nicht so geil.


  1. CamScanner

Der CamScanner verspricht das, wovon wir alle träumen: Einfach ein Dokument per Kamera scannen, bearbeiten, in der Cloud speichern und Ausschnitte direkt in editierbaren Text umwandeln. Was die App tatsächlich tut ist nichts anderes, was die Kamera nicht auch könnte, nämlich den Text abfotografieren, die Qualität minimal aufbessern und das Ganze dann nicht als .png sondern eben als .pdf speichern. Für die magische Funktion, eingescannte Pdf‘s in editierbare Texte umzuwandeln, soll man 5 Euro im Monat bezahlen. Dann doch lieber mal Zeit auf’s Abtippen verschwenden.

 

  1. AppJobber

Auch den AppJobber können wir nicht weiterempfehlen. Die Applikation wirbt damit, man könne mal eben „nebenan, um die Ecke“ etwas dazu verdienen. Sie vermittelt sogenannte Microjobs, das heißt, sie bietet die die Möglichkeit, Geld zu verdienen, während ihr kleine Aufgaben von unterwegs erledigt. Dies passiert, indem ihr zum Beispiel Speisekarten fotografiert, kontrolliert, ob es ein bestimmtes Restaurant oder einen Laden noch gibt oder sich die Öffnungszeiten geändert haben. Klingt nach einer feinen Idee, der Praxistest zeigt jedoch, dass man für die „kleinen Aufgaben“ eben auch nur „kleines Geld“ bekommt. Wer mehr als einen Euro verdienen will, muss sich schon in’s Zeug legen. Ein Beispiel: Für den Preis von zwei Euro gab es heute die Möglichkeit, in Bremen einen Trimm-dich-Pfad zu kontrollieren, das heißt, den Pfad abzulaufen und zu überprüfen, ob die Geräte noch intakt sind, sowie „hochwertige Fotos“ von den Übungsgeräten zu machen, die man auch veröffentlichen könnte. Wer also nicht zufällig gerade an dem Standort eines solchen Microjobbs vorbeigeht oder nicht bereit ist, für 2 Euro eine halbe Stunden durch den Wald zu stapfen und einen Trimm-dich-Pfad zu fotografieren, für den ist diese App nur Zeitverschwendung. Aber hey, das Ende des Monats kommt bestimmt!

 

Unser Fazit:

Die meisten getesteten Apps bieten keinen herausragenden Mehrwert und viele weitere Angebote, die wir gefunden haben, können in ihren Funktionen recht unkompliziert von Stift und Papier abgelöst werden. Für manche individuellen Bedürfnisse können nach einigem Suchen aber doch ein paar Schätze dabei sein.

Welche App hat euren Studienalltag gerettet? Schreibt sie gerne in die Kommentare!

Bildquelle: Pixabay.com, freigegeben über CC0 Public Domain

1 Kommentar
  1. Jan-Niklas
    Jan-Niklas sagte:

    Hallo Frau Kollegin,
    sehr hilfreicher Artikel! :)
    Vielen Dank für die Recherche.
    Dieses Programm kann ich Studierenden auch sehr ans Herz legen: http://www.chip.de/downloads/PDF24-Creator_43805654.html
    Damit lassen sich PDF-Dokumente per Drag and Drop ganz easy zusammenführen, trennen, konvertieren, in ihrer Auflösung verändern.
    Für erfahrene PDFler*innen bietet das Programm auch erweiterte Optionen für Cross-Document References etc.
    LG
    Jan-Niklas

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