Es ist wieder so weit! In Abständen von gut einem Jahr findet studentischer Unmut über Lücken in der Bildungsfinanzierung, beziehungsweise Sparpläne, über Verwertungslogik bei Bildungsinhalten und deren Priorisierung, Leistungsdruck durch Regelstudienzeit und über den ganzen Rest der Palette von Schlagwörtern, die in Redebeiträgen auf Demos und in Gesprächen mit AStA und Co immer wieder fallen, eine Bühne. Eine Bühne, auf die sich zur Abwechslung mal mehr als nur die Augen der üblichen Verdächtigen richtet.

Diese Bühne ist die studentische Vollversammlung. Es ist für viele unpolitische Studis, aber leider auch von denen für viel zu wenige, der einzige Tag im Jahr, an denen sie sich mit den politischen Schlagwörtern, die unsere Studigeneration prägen, konfrontieren lassen. Viele sind vielleicht von den Konsequenzen dessen, was durch die Megafone oft wie ungreifbare Worthülsen in die Menge fliegt, durchaus betroffen, sehen sich permanent mit dem Leistungsdruck konfrontiert. Unmut zum Politikum machen, schien aber lange Jahre fast aus der Mode geraten zu sein.

Die jährlichen Zusammenkünfte von Studis haben ihren jährlichen Turnus erst vor zwei einhalb Jahren zurückerlangt. Vorher herrschte Jahre lang Stille in der Glashalle. Und auch heute sind die Vollversammlungen weit davon entfernt einen guten Teil der gesamten Studierendenschaft abzubilden. Aber sie müssen sein. Ein AStA, der durch knapp zweistellige Ergebnisse bei den jährlichen Wahlen, die bald wieder anstehen, legitimiert wird, muss zumindest in den wichtigsten Fragen zeigen, dass seine Arbeit nicht nur im Elfenbeinturm stattfindet, sondern sich den Sorgen der Allgemeinheit widmet und im Stande ist, Druck aufzubauen und zu mobilisieren. Es müssen Beschlüsse zu Problematiken gefasst werden, von denen zumindest jeder und jede mal gehört haben sollte. Es soll niemand sagen können: Der AStA macht doch, was er will.

Wer sich an der Arbeit des AStAs auf konstruktivere Art beteiligen will, als durch bloßes Heben des Stimmzettels, der oder die kann gerne schon in Arbeitskreisen, Arbeitsgruppen, et cetera dem AStA zuarbeiten. Diese Studis sind bei der Vollversammlung ohnehin zumeist am Start. Wer aber sonst aber nicht mitarbeitet, der oder die kann sich zumindest an diesem Tag unter die Aktiven Studierenden mischen und durch das Heben seiner oder ihrer Stimmkarte aus Schlagwörtern ein Politikum machen. Die studentischen Strukturen sind nicht mehr das, was sie mal in den Gründungszeiten der Uni waren, hört man immer wieder. Wir alle können sie aber durch unsere Vernetzung zu diesen machen! Mein Plädoyer als Autor der EULe lautet also: Studis, vereinigt euch! Für ein selbstbestimmtes Studium.

Die Forderungen, über die die Studierendenschaft dieses Mal abstimmen soll, ob sie sich gemeinschaftlich hinter sie stellen kann, betreffen vor allem die Gebahren des Zentralen Prüfungsamtes und damit einhergehenden Zeitdruck bei der Studienverlaufsplanung. Sie umfassen:

1. die Abschaffung der An- und Abmeldefristen für Prüfungsleistungen über pabo/ flexnow.
   • Bürokratie ist kein Selbstzweck, sondern muss Student*innen flexibel ihren indivi- duellen Weg durchs Studium erleichtern.
2. die Abschaffung der Drei-Semesterfrist für das Beenden von Modulen.
   • In welchem Zeitrahmen studiert wird, liegt im Ermessen der*des Studierenden selbst.
3. den Erhalt individueller Abgabefristen.
   • Wann Prüfungsleistungen erbracht werden, ist nicht formell, sondern im Dialog zwischen Dozierenden und Studierenden zu regeln.
4. die konsequente Ablehnung jeglicher Form der Anwesenheitspflicht.
   • Eine konstruktive Beteiligungskultur in Seminaren kann nicht erzwungen werden. Stattdessen geht eine Anwesenheitspflicht über       
     individuelle Lebenssituationen hinweg.
5. die generelle Reduzierung des Leistungsdrucks in Modulen und die Erhöhung der Regelstudienzeit auf mindestens acht Semester im Bachelor.
   • Eine sinnvolle Auseinandersetzung mit Studieninhalten braucht Zeit und Energie. Ein primär quantitatives Abarbeiten gestellter         
     Anforderungen tut der Qualität des Studiums Abbruch.

Seht ihr das anders? Oder genau so? Egal, wie ihr darüber abstimmen wollt, kommt am 31. Mai um 12:00 Uhr in die Glashalle! Gebt diesen Themen die Öffentlichkeit, die sie verdienen.

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