{"id":744,"date":"2012-04-06T11:00:45","date_gmt":"2012-04-06T09:00:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=744"},"modified":"2021-09-07T02:45:11","modified_gmt":"2021-09-07T00:45:11","slug":"vorgestellt-studierende-auf-der-anderen-seite-des-tisches","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2012\/04\/06\/vorgestellt-studierende-auf-der-anderen-seite-des-tisches\/","title":{"rendered":"Vorgestellt: Studierende auf der anderen Seite des Tisches"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schon immer habe ich mich gefragt, wie es eigentlich ist, TutorIn zu sein. Ist das nicht h\u00f6llisch anstrengend, soviel zu korrigieren und gleichzeitig eine gute Unterst\u00fctzung zu sein? Da ist dann doch auch noch das eigene Studium. Was ist dann so reizvoll am Tutorendasein? Wie ihr gerade lesen k\u00f6nnt, schwirren Fragezeichen um meinem Kopf. Gute Sache dass ich dann einfach mal losrennen kann um nachzufragen. Geschnappt habe ich mir Sadik \u00d6zoguz.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hallo Sadik! Nett dass du dir die Zeit genommen hast. Kannst du dich kurz mal vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sadik:<\/strong> Mein Name ist Sadik \u00d6zoguz, ich bin 22 Jahre alt und studiere an der Uni Bremen Informatik auf Bachelor, jetzt im 6. Semester. Wenn ich mal nicht in der N\u00e4he des Laptops sitze, was mir immer seltener vorzukommen scheint, engagiere ich mich in verschiedenen Vereinen und Jugendgruppen, in denen man gut und gerne \u00fcber Gott und die Welt diskutiert. Letztes Semester war ich als studentische Hilfskraft Tutor in der Pflichtveranstaltung &#8222;Technische Informatik 2&#8220;, die haupts\u00e4chlich von Informatik-Studenten im 3. Semester bzw. von Systems-Engeneering-Studenten im 5.Semester belegt wird. Es war das erste Mal, dass ich als Tutor t\u00e4tig war.<\/p>\n<p><strong>Wie kamst du dazu Tutor zu werden? Was war deine Motivation?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sadik:<\/strong> Wenn du jede Woche in mehreren Tutorien sitzt, die Arbeit von verschiedenen Tutoren mitbekommst und sie am Ende des Semesters in den Evaluationsb\u00f6gen beurteilen sollst, wirst du nat\u00fcrlich neugierig auf den Tutor-Job. Besonders, wenn man sieht, dass einige Tutoren selbst noch Studenten sind. Wieso sollte man dann nicht irgendwann denken: &#8222;das kann ich auch&#8220;? Manchmal denkt man sich sicher auch: &#8222;das kann ich besser&#8220;. Ich wollte damit in erster Linie eine andere Perspektive als die des Tutanden kennenlernen und meinen Erfahrungshorizont erweitern. Au\u00dferdem<br \/>\nwollte ich die &#8218;alten&#8216; Lerninhalte auffrischen und vertiefen. Jeder wei\u00df, dass derjenige, der anderen etwas erkl\u00e4rt, mehr lernt, als derjenige, der es erkl\u00e4rt bekommt. Das war mir ebenfalls wichtig.<br \/>\nAls ich gesehen habe, dass eine Veranstaltung, f\u00fcr die ich mich als Teilnehmer schon sehr interessiert habe, noch Tutoren sucht, habe ich mich daf\u00fcr beworben. Ich h\u00e4tte meine Bewerbung vielleicht noch aus Unsicherheit zur\u00fcckgezogen, wenn einer der Veranstalter mich nicht darauf angesprochen h\u00e4tte, ob ich denn Tutor sein will.<\/p>\n<p><strong>So mal als Tipp f\u00fcr alle anderen, wie wird man eigentlich TutorIn? Was braucht man daf\u00fcr und was muss man tun?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sadik:<\/strong> Erstmal sind ja viele Tutoren wissenschaftliche Mitarbeiter des Dozenten. Ich vermute mal, dass die sich den Tutorjob nicht unbedingt immer ausgesucht haben. Was die studentischen Tutoren angeht, ist es sicher von der jeweiligen Veranstaltung bzw. vom Dozenten abh\u00e4ngig. In einigen F\u00e4llen wurden Studenten direkt nach der Pr\u00fcfung gefragt, ob sie nicht im n\u00e4chsten Semester mal Tutor spielen wollen. Nat\u00fcrlich ist der Kontakt zum Veranstalter nicht unvorteilhaft, denn wieso soll man jemandem ein Tutorium \u00fcberlassen, den man nicht kennt? Aber der offizielle Weg l\u00e4uft \u00fcber ein zentrales Bewerbungsverfahren. In der Informatik werden daf\u00fcr jedes Semester Rundmails mit Hinweisen zu offenen Tutorstellen geschickt, woraufhin man sich bewerben kann. Die Bewerbung kann kaum als solche Bezeichnet werden. Man schreibt nur seine Kontaktdaten, seine bisherigen Erfahrungen und 2-3 S\u00e4tze zur Motivation. Ein Termin f\u00fcr ein kurzes Gespr\u00e4ch zur Kl\u00e4rung aller Fragen wird bestimmt vereinbart, aber nicht unbedingt erst nach der offiziellen Bewerbung. Ein intensives Bewerbungsgespr\u00e4ch kann man nicht erwarten. Falls man vom Prof direkt auf den Tutorjob angesprochen wird, kann man wohl davon ausgehen, dass man die n\u00f6tigen Voraussetzungen erf\u00fcllt. Ansonsten sollte man die Veranstaltung selbst einmal erfolgreich absolviert haben und den Stoff m\u00f6glichst nicht komplett vergessen haben. Es werden an der Uni Bremen auch verschiedenen Schulungen angeboten, die man besuchen kann. In manchen Studieng\u00e4ngen kann man ohne diese Schulungen nicht als Tutor t\u00e4tig sein. Bei uns in der Informatik wird das in naher Zukunft wohl auch so sein. Aber diese Schulungen sollte man nicht als Hindernis betrachten, sondern als Gelegenheit noch mehr Erfahrungen zu gewinnen. Man lernt da auch einiges zu Aspekten wie z.B. Lehrmethoden, Umgang mit Problemf\u00e4llen oder dergleichen. Au\u00dferdem wird einem sp\u00e4testens in der Tutorenschulung klar, welche Voraussetzungen man abgesehen vom Fachlichen erf\u00fcllen sollte. Z.B. Spa\u00df am Umgang mit anderen Menschen. Immerhin geht es ja nur darum andere beim Lernen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\">Weiter geht es auf Seite 2!<\/span><\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p><strong>Und wie ist das eigentlich so? Macht es Spa\u00df oder ist das furchtbar anstrengend?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sadik:<\/strong> Beides. Ich musste jede Woche einen Haufen \u00dcbungsbl\u00e4tter korrigieren. Das war anstrengend und zeitraubend. Anfangs ist man noch vorsichtig und langsam mit dem Abziehen von Punkten, aber nach kurzer Zeit ist man da relativ hemmungslos. Es macht auch Spa\u00df die Zettel zu lesen, aber es macht mehr Spa\u00df, wenn man weniger Fehler abziehen muss. Besonders \u00e4rgerlich ist es, wenn man den Tutanden ihre L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge nicht zur\u00fcckgeben kann, weil man es nicht geschafft hat, sie zu ende zu korrigieren. Das Tutorium selber habe ich eigentlich immer gerne gehalten, aber das<br \/>\nkann auch sehr von der Beteiligung im Tutorium abh\u00e4ngen. Als Tutand nimmt man das nicht so wahr, aber wenn der Tutor alleine reden muss und keiner bereit ist seine Fragen zu beantworten, ist es schwerer f\u00fcr ihn die Motivation aufrecht zu halten. Umso sch\u00f6ner ist es, wenn die Beteiligung gro\u00df ist und wenn Fragen gestellt werden, die man teilweise auch gar nicht beantworten kann. Dann muss man nochmal nachschauen und lernt wieder etwas. Auch positiv: Wenn man einen Fehler macht, ist es meistens nicht dramatisch. Es gibt genug Teilnehmer im Tutorium, die dich gerne verbessern. Ein sehr positiver Nebeneffekt, der mir erst sp\u00e4ter klar wurde: Man lernt viele gute Studenten kennen und kn\u00fcpft viele neue Kontakte.<\/p>\n<p>Am sch\u00f6nsten ist es, wenn man am Ende als Beisitzer in der Pr\u00fcfung sitzt. Endlich mal nicht aufgeregt in einer Pr\u00fcfung, aber gespannt darauf, wer wie abschneiden wird.<\/p>\n<p><strong>Verdient man denn auch was dabei? Was f\u00fcr Erfahrungen hast du nun machen k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sadik:<\/strong> Manche wollen Tutor werden, weil sie mal den Blick Hinter die Kulissen wagen wollen, manche, weil sie dazu lernen wollen, manche, um es im Lebenslauf angeben zu k\u00f6nnen, manche, um neue Kontakte zu kn\u00fcpfen&#8230; aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemand der Bezahlung wegen macht. Als studentische Hilfskraft f\u00fcr ein Semester wird man f\u00fcr 140 Stunden insgesamt besch\u00e4ftigt. Der Stundenlohn wird mit etwas mehr als 8\u20ac berechnet. Falls jemand mehr als 140 Stunden arbeitet, hat er Pech gehabt. Die Arbeitsstunden verteilen sich in der Realit\u00e4t nat\u00fcrlich<br \/>\nnicht gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber das Semester, sondern werden haupts\u00e4chlich in der Vorlesungszeit abgearbeitet. Das Gehalt bleibt gleichm\u00e4\u00dfig bei etwas weniger als 200\u20ac pro Monat. Wenn es einem um das Geld ginge, k\u00f6nnte man sich eine lukrativere Besch\u00e4ftigung suchen, denke ich.<\/p>\n<p><strong>Nur noch eine letzte Frage: Hast du deine Entscheidung, Tutor zu werden, jemals bereut und wem w\u00fcrdest du raten, auch vielleicht mal als Tutor t\u00e4tig zu werden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sadik:<\/strong> Es war eine interessante und sch\u00f6ne Erfahrung. Bereut habe ich es auf keinen Fall. Durch das Korrigieren und die Vorbereitung zum Tutorium habe ich sehr viel gelernt, auch f\u00fcr mein eigenes Studium. Jeder, der das n\u00f6tige Fachwissen hat &#8211; man darf auch mal etwas nicht wissen &#8211; und gerne mit Menschen zu tun hat, der wird von der Entscheidung Tutor zu werden, nur profitieren.<\/p>\n<p><strong>Ich danke dir ganz dolle f\u00fcr das Interview! Ich w\u00fcnsch dir noch vie Gl\u00fcck f\u00fcr deinen weiteren Weg!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sadik:<\/strong> Danke, ich w\u00fcnsche dir und eurem Team ebenfalls viel Gl\u00fcck und alles Gute.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Habt ihr noch Fragen, ich kann sie gerne f\u00fcr euch weiterleiten und hier im Kommentarbereich f\u00fcr euch beantworten! Oder vielleicht habt ihr ne Meinung zu dem Thema oder seid gar selbst ein\/e TutorIn? Wir freuen uns \u00fcber jeden Kommentar!<\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon immer habe ich mich gefragt, wie es eigentlich ist, TutorIn zu sein. Ist das nicht h\u00f6llisch anstrengend, soviel zu korrigieren und gleichzeitig eine gute Unterst\u00fctzung zu sein? Da ist dann doch auch noch das eigene Studium. Was ist dann so reizvoll am Tutorendasein? Wie ihr gerade lesen k\u00f6nnt, schwirren Fragezeichen um meinem Kopf. 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