{"id":20111,"date":"2026-10-31T18:48:01","date_gmt":"2026-10-31T17:48:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=20111"},"modified":"2026-10-31T18:50:55","modified_gmt":"2026-10-31T17:50:55","slug":"true-crime-bremen-gesche-gottfried","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2026\/10\/31\/true-crime-bremen-gesche-gottfried\/","title":{"rendered":"True Crime Bremen: Gesche Gottfried"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>TW: Im folgenden Artikel werden die Themen Mord, Kindermord und Hinrichtung aufgegriffen. Solltet ihr diesen Themen gegen\u00fcber sensibel sein, lest gerne einen anderen Artikel auf unserem Blog.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Halloween \u2013 die gruseligste Jahreszeit &#8211; steht vor der T\u00fcr. Ein perfekter Zeitpunkt f\u00fcr ein bisschen True Crime. Auch unsere wundersch\u00f6ne Stadt Bremen blieb von Intrigen, Mord und Todschlag nicht verschont. Der wohl bekannteste True-Crime Fall aus Bremen ist wahrscheinlich die Serienm\u00f6rderin Gesche Gottfried. Und gerade jetzt zu Halloween, ist eine Reise zum \u201eEngel aus Bremen\u201c wohl am passendsten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>\u00a0Der Anfang<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir schreiben das Jahr 1785. Magarethe Gottfried, geborene Timm, genannt Gesche wird als Tochter eines Schneidermeisters und einer Wolln\u00e4herin in Bremen geboren. Sie selbst h\u00e4lt wenig vom Heiraten \u2013 anders als ihre Eltern. Mit 21 Jahren verheiraten ihre Eltern sie mit dem Sattlermeister Johann Gerhard Miltenberg, wodurch Gesche Gottfried und ihre Familie sowohl finanziell, als auch gesellschaftlich aufsteigen. Sie bekommt drei Kinder mit ihrem Ehemann, der einen Gro\u00dfteil seines Geldes in Kneipen und Bordellen ausgibt und schlie\u00dflich zum k\u00f6rperlichen Pflegefall wird. Gesche Gottfried bringt ihn kurzerhand mit M\u00e4usebutter \u2013 bestehend aus Arsenik und Schmalz \u2013 um. Die M\u00e4usebutter bekommt Gesche Gottfried aus dem Haus ihrer Mutter, welche diese eigentlich f\u00fcr M\u00e4use auf dem Dachboden verteilt. Zun\u00e4chst verabreicht sie ihrem Ehemann das Gift zum Fr\u00fchst\u00fcck. Er \u00fcberlebt trotz starken Erbrechens, Durchfall und Durst. Vier Tage sp\u00e4ter stirbt er durch eine weitere Dosis Gift in seinem Essen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Weitere Morde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zwei Jahre nach ihrem ersten Mord an ihrem Ehemann, t\u00f6tet Gesche Gottfried weiter. Ihre kranke Mutter zog zu ihr um gepflegt zu werden. Doch statt sie zu pflegen, bringt Gesche Gottfried ihre Mutter mithilfe von Arsenik in einer Limonade unter Qualen um. Nach der Trauerfeier ihrer Mutter, t\u00f6tet sie ihre j\u00fcngste Tochter, erneut mit Gift, dieses Mal auf einem St\u00fcck Butterkuchen. In den weiteren Wochen vergiftet sie auch ihre \u00e4lteste Tochter, ihren Vater, ihren Sohn und ihren Bruder. Die Gr\u00fcnde ihres Handelns bleiben unklar. Im sp\u00e4teren Prozess macht sie immer wieder widerspr\u00fcchliche Aussagen zu ihren Motiven, ohne Reue zu zeigen. Ihren Sohn t\u00f6tet sie beispielsweise nicht direkt. Sie gibt an, nach einiger Zeit dosieren zu k\u00f6nnen, welche Dosis des Giftes t\u00f6tet und welche Dosis krank macht. Warum sie nun ihren Sohn nicht sofort t\u00f6tete, war ihr selbst auch nicht bewusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sie verliebt sich neu in den Weinh\u00e4ndler Michael Christoph Gottfried, dessen Namen sie annimmt. Er stirbt wenige Tage nach der Eheschlie\u00dfung mit Gesche. Die Todesursache ist eine Vergiftung mit Arsenik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Engel aus Bremen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach au\u00dfen bleiben ihre Morde und ihr wahres Wesen unerkannt. Gesche Gottfried k\u00fcmmert sich liebevoll um ihre Angeh\u00f6rigen, bis diese alle den grausamen Tod finden. Sie engagiert sich in der Gemeinde, sie ist gepr\u00e4gt von Wohlt\u00e4tigkeit und k\u00fcmmert sich um die Armen und Kranken, was ihr auch \u00fcber die Bremer Grenzen hinaus den Titel des \u201eEngels aus Bremen\u201c verschafft. Unwissend, welche Geheimnisse sie mit sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Noch weitere Morde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sechs Jahre lang ermordet Gesche Gottfried keine weiteren Menschen. Zumal auch das Gift aus dem Bestand ihrer Mutter verbraucht ist. Eine Zeitungsanzeige macht sie erneut auf \u201eM\u00e4usebutter\u201c aufmerksam. Sie bittet eine Freundin, ihr dieses aus der Apotheke zu besorgen. Kurz darauf stirbt der neue Mann an Gesches Seite \u2013 Paul Thomas Zimmermann \u2013 durch eine Dosis Arsenik. Ohne Verheiratet zu sein, erbt Gesche Gottfried sein Verm\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch damit nicht genug. Ihre weiteren Morde erscheinen fast wahllos. Sie t\u00f6tet eine Musiklehrerin und ihren Nachbarn, der zuvor fast ein Jahr lang durch kleine Dosen Arsen gequ\u00e4lt und krank gemacht wurde. Trotz des Erbes ihres letzten Partners, hat Gesche Gottfried finanzielle Schwierigkeiten und verkauft ihr Haus an das Ehepaar Rumpff. Das Ehepaar stellt Gesche als Haush\u00e4lterin ein und bietet ihr im Gegenzug Essen und Unterkunft. Kurz nach der Geburt des Kindes sterben Ehefrau Rumpff und ihre Amme an einer Vergiftung mit Arsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gesche Gottfried t\u00f6tet ihre Freundin, die ihr die M\u00e4usebutter aus der Apotheke holte, ihre dreij\u00e4hrige Tochter und einen langj\u00e4hrigen Freund. \u00dcberf\u00fchrt wird sie schlie\u00dflich durch den Mordversuch an Johann Rumpff, dessen Frau sie bereits auf dem Gewissen hat. Sie vergiftet ein St\u00fcck Schweinefleisch mit Arsen, was wiederrum kleine wei\u00dfe K\u00f6rner hinterl\u00e4ssst. Gesche erkl\u00e4rt dies damit, dass es sich dabei um Fett handelt. Eine sp\u00e4tere Untersuchung kann jedoch das Arsen nachweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Verhaftung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bereits vor ihrer Verhaftung gibt es Kritik und Warnungen vor dem \u201eEngel von Bremen\u201c, ohne Erfolg. Nach ihrer Verhaftung am 06.03.1828 gesteht Gesche Gottfried insgesamt 15 Morde und weitere Vergiftungen. Sie verbringt drei Jahre in Haft. Die Justiz versucht, ihre Beweggr\u00fcnde und Motive zu verstehen, aber ohne Erfolg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Letztlich wird Gesche Gottfried am 21.04.1831 auf dem Bremer Domplatz durch Enthauptung hingerichtet. Etwa 35.000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden Zeugen der letzten \u00f6ffentlichen Hinrichtung in Bremen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Heute findet sich auf dem Domshof ein eingelassener Pflasterstein, der an Gesche Gottfried und ihre Hinrichtung erinnert. Er befindet sich genau dort, wo ihr Kopf nach der Hinrichtung hingerollt sein soll. Vor lauter Abscheu vor ihren Morden spucken &#8211; auch heute noch \u2013 Menschen auf diesen Stein, was ihm den Namen \u201eSpuckstein\u201c verschafft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr wollt mehr wissen? Hier geht&#8217;s zu meinen Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.stern.de\/gesundheit\/gesche-gottfried--wie-der--engel-von-bremen--zur-giftmoerderin-wurde-8194358.html\">Gesche Gottfried: Wie der &#8222;Engel von Bremen&#8220; zur Giftm\u00f6rderin wurde | STERN.de<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/stichtag5344.html\">21. April 1831 &#8211; Gesche Gottfried wird hingerichtet, Stichtag &#8211; Stichtag<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bremen.de\/tourismus\/spuckstein\">Spuckstein<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Halloween \u2013 die gruseligste Jahreszeit &#8211; steht vor der T\u00fcr. Ein perfekter Zeitpunkt f\u00fcr ein bisschen True Crime. Auch unsere wundersch\u00f6ne Stadt Bremen blieb von Intrigen, Mord und Todschlag nicht verschont. Der wohl bekannteste True-Crime Fall aus Bremen ist wahrscheinlich die Serienm\u00f6rderin Gesche Gottfried. 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