{"id":19745,"date":"2025-12-15T00:26:46","date_gmt":"2025-12-14T23:26:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=19745"},"modified":"2025-12-15T00:49:26","modified_gmt":"2025-12-14T23:49:26","slug":"zwischen-zwei-kapiteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2025\/12\/15\/zwischen-zwei-kapiteln\/","title":{"rendered":"Zwischen zwei Kapiteln"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Die gem\u00fctliche Zeit des Jahres ist l\u00e4ngst angebrochen. F\u00fcr mich bedeutet das: einen Chai Latte zubereiten, Kerzen anz\u00fcnden und mich mit einem guten Buch einkuscheln. Gerade jetzt, wenn die Weihnachtstage n\u00e4her r\u00fccken, scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen. Zwischen all den festlichen Aktivit\u00e4ten entsteht auch Raum f\u00fcr Ruhe \u2013 und f\u00fcr das Lesen. Ich liebe diese Tage, weil sie erlauben, kurz innezuhalten und die Zeit im warmen Zuhause zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In diesem Artikel m\u00f6chte ich euch mitnehmen in meine pers\u00f6nliche Lesezeit und drei B\u00fccher vorstellen, die mich sehr ber\u00fchrt haben, besonders aus der Perspektive einer Studentin. Denn das Studium ist nicht immer ausschlie\u00dflich die \u201ebeste Zeit des Lebens\u201c. F\u00fcr viele ist es auch eine Phase voller Herausforderungen: Erwachsenwerden, Einsamkeit, die Suche nach dem eigenen Ich, der Druck, eine Zukunft zu entwerfen, und das Gef\u00fchl, sich auf diesem Weg manchmal selbst zu verlieren\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b><i>Norwegian Wood<\/i> \u2013<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Haruki Murakami<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><i><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-19747 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6738-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"117\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6738-195x300.jpg 195w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6738-458x705.jpg 458w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6738.jpg 570w\" sizes=\"auto, (max-width: 117px) 100vw, 117px\" \/>Norwegian Wood<\/i> habe ich erst k\u00fcrzlich beendet. Trotz der vielen kontroversen Stimmen hat mich der Ton dieses Buches tief ber\u00fchrt. Der Roman erz\u00e4hlt aus der Perspektive des jungen Studenten Toru Watanabe, der in den 1960er-Jahren in Tokio lebt. Er verarbeitet den Verlust eines engen Freundes und bewegt sich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Frauen, w\u00e4hrend er mit Einsamkeit, Liebe und dem Erwachsenwerden ringt. Murakami beschreibt Einsamkeit, Verlust und emotionale N\u00e4he mit einer eher leichten Intensit\u00e4t. Dieses Buch bietet keine bahnbrechenden Erkenntnisse, es zeigt auch keinen Auswege. Aber genau darin liegt die St\u00e4rke: <i>Norwegian Wood<\/i> soll nicht tr\u00f6sten, sondern einem zum nachdenken bringen. Eine Geschichte die noch lange nachhallt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Man f\u00fchlt sich beim Lesen nicht weniger verloren, aber definitiv weniger allein. Und vielleicht ist das manchmal auch schon genug. Nachdem ich das Buch zugeklappt habe, blieb noch lange ein nachdenklicher klag zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b><i>Spinner<\/i> \u2013 Benedict Wells<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><i><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-19748 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-688x1030.jpg 688w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-768x1150.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-1026x1536.jpg 1026w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-1368x2048.jpg 1368w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-1002x1500.jpg 1002w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-471x705.jpg 471w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6721-scaled.jpg 1710w\" sizes=\"auto, (max-width: 130px) 100vw, 130px\" \/>\u201eUnd mir war auch klar, dass die Leute jemanden wie mich f\u00fcr einen Spinner hielten, weil ich immer noch an meine Tr\u00e4ume glaubte. Aber lustig fand ich\u2019s irgendwie trotzdem. Ich lachte n\u00e4mlich oft, auch wenn es in meiner Situation eigentlich nichts zu lachen gab. Manche fanden das seltsam, aber daf\u00fcr wusste ich, wie man \u00fcberlebt.\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieser Satz stammt aus <i>Spinner<\/i> von Benedict Wells \u2013 einem meiner liebsten Autoren. Und er fasst sehr gut zusammen, worum es in diesem Buch geht. <i>Spinner<\/i> erz\u00e4hlt von Orientierungslosigkeit, vom Wunsch dazuzugeh\u00f6ren und von dem Gef\u00fchl, nicht ganz richtig zu sein. Der Protagonist Jesper Lier ist Student in Berlin (wenn auch nur zum Schein) und er ist definitiv kein Held seiner Geschichte, er ist jemand, der sich gerade so durch den Alltag schl\u00e4gt und sich mehr tastend durch das Leben bewegt. Und gerade dieses unperfekte, manchmal sogar kuriose Verhalten macht ihn so nahbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Benedict Wells zeigt, dass Erwachsenwerden nicht bedeutet, pl\u00f6tzlich Antworten zu haben. Sondern oft nur, weiterzugehen, trotz der Zweifel und Unsicherheit. Dieses Buch ist leise, chaotisch und ehrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b><i>Dienstags bei Morrie<\/i> \u2013 Mitch Albom<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-19749 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"137\" height=\"207\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-199x300.jpg 199w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-683x1030.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-768x1158.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-1018x1536.jpg 1018w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-1358x2048.jpg 1358w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-994x1500.jpg 994w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-467x705.jpg 467w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_6722-scaled.jpg 1697w\" sizes=\"auto, (max-width: 137px) 100vw, 137px\" \/>Als letztes Buch m\u00f6chte ich euch <i>Dienstags bei Morrie<\/i> von Mitch Albom ans Herz legen. Es ist ein autobiografisches Buch, in dem der Journalist Mitch Albom die letzten Lebensmonate seines ehemaligen Professors Morrie Schwartz beschreibt. In w\u00f6chentlichen Gespr\u00e4chen \u2013 immer dienstags \u2013 sprechen die beiden \u00fcber Liebe, Arbeit, Angst, Zeit und den Tod. Ich finde gerade f\u00fcr uns Studierende ist dieses Buch besonders eindr\u00fccklich, weil es einen Gegenpol zum leistungsorientierten Studienalltag bildet. W\u00e4hrend vieles im Studium auf Zukunft, Erfolg und Karriere ausgerichtet ist, stellt Morrie die Frage, was ein gutes Leben eigentlich ausmacht \u2013 bevor man sich endg\u00fcltig auf einen Weg festlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><i>\u201eSo viele Menschen laufen herum, die ein sinnloses Leben f\u00fchren. Sie scheinen St\u00e4ndig im Halbschlaf zu sein, selbst dann, wenn sie damit besch\u00e4ftigt sind, Dinge zu tun, die sie f\u00fcr wichtig halten. Das liegt daran, dass sie den falschen Dingen hinterherjagen.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieses Buch stellt eine Frage, die im Studium oft zu kurz kommt: <i>Was bedeutet ein gutes Leben?<\/i> Nicht im Sinne von Karriere oder Leistung, sondern im Hinblick auf Beziehungen, Zeit und Menschlichkeit. Auf mich wirkte diese lekt\u00fcre entschleunigend und es relativierte vieles, was uns im Alltag so gro\u00df erscheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vielleicht sind es nicht die wichtigsten B\u00fccher, die man gelesen haben sollte. Aber es sind B\u00fccher f\u00fcr Momente, in denen man merkt, dass man sich zwischen zwei Kapiteln befindet: nicht mehr ganz dort, wo man war, und noch nicht angekommen dort, wo man hinwill.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Falls ihr schon eines davon gelesen habt oder euch noch weitere passende Lekt\u00fcren einfallen, teilt gerne eure Meinungen in den Kommentaren!<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gem\u00fctliche Zeit des Jahres ist l\u00e4ngst angebrochen. F\u00fcr mich bedeutet das: einen Chai Latte zubereiten, Kerzen anz\u00fcnden und mich mit einem guten Buch einkuscheln. Gerade jetzt, wenn die Weihnachtstage n\u00e4her r\u00fccken, scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen. Zwischen all den festlichen Aktivit\u00e4ten entsteht auch Raum f\u00fcr Ruhe \u2013 und f\u00fcr das Lesen. Ich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15273,"featured_media":19746,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[10841,1023098,580333],"tags":[118,704141,133486,125557],"class_list":["post-19745","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-campus-aktuell","category-mental-health","category-studileben","tag-buch","tag-buchempfehlung","tag-buecher","tag-buchvorstellung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15273"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19745"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19754,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19745\/revisions\/19754"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19746"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}