{"id":18850,"date":"2024-03-16T15:53:56","date_gmt":"2024-03-16T14:53:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=18850"},"modified":"2024-03-16T16:19:12","modified_gmt":"2024-03-16T15:19:12","slug":"international-womens-day-feministischer-kampftag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2024\/03\/16\/international-womens-day-feministischer-kampftag\/","title":{"rendered":"International Women\u2018s Day \u2014 Feministischer Kampftag"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400\">Wie jedes Jahr fand vergangene Woche am 8. M\u00e4rz der internationale Frauentag statt und wie jedes Jahr wurden auf den Social Media-Accounts diverser Politiker flei\u00dfig Blumenbilder gepostet und sogenannte \u201estarke Frauen\u201c gefeiert. Schnell scheint es beim Betrachten dieser Bilder, als g\u00e4be es im Grunde keine Geschlechterungerechtigkeit mehr \u2013 als sei der Weltfrauentag nunmehr nichts als eine Art valentinstags\u00e4hnlicher, kommerzialisierter Feiertag, an dem es ausreicht, wenn die M\u00e4nner den Frauen eine Rose in die Hand dr\u00fccken und einmal \u201edanke f\u00fcr alles\u201c sagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Aber worin liegt denn der Sinn des Weltfrauentags? Und welche Probleme gibt es noch im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Fangen wir mit den Basics an: \u201eM\u00e4nner und Frauen sind gleichberechtigt\u201c, so hei\u00dft es in Art. 3 Abs. 2 des deutschen Grundgesetzes. Und weiter: \u201eDer Staat f\u00f6rdert die tats\u00e4chliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.\u201c Besonders dieser zweite Satz ist eine unerl\u00e4ssliche Erg\u00e4nzung \u2013 denn nur dadurch, dass im Grungesetz festgehalten ist, dass M\u00e4nner und Frauen mit Einf\u00fchrung dieses Artikels 1949 auf dem Papier gleichberechtigt sind, hei\u00dft das schlie\u00dflich noch lange nicht, dass sie es \u00fcber Nacht auch pl\u00f6tzlich in der Realit\u00e4t waren. F\u00fcr fast drei\u00dfig weitere Jahre brauchten Frauen, die berufst\u00e4tig sein wollten, die Erlaubnis ihres Ehemannes, f\u00fcr mehr als vierzig weitere Jahre war sogar die Vergewaltigung in der Ehe straffrei. Also wurde 1994 (vor gerade einmal drei\u00dfig Jahren!), der zweite Satz hinzugef\u00fcgt. Mit ihm verpflichtete sich die Regierung, aktiv daraufhinzuarbeiten, dass m\u00f6glichst bald nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis von einer vollkommenen Gleichberechtigung der Geschlechter gesprochen werden kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Und wie l\u00e4uft das so?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Nun, schauen wir uns einmal die Fakten an: Der Anteil von Politikerinnen im deutschen Bundestag liegt bei gerade einmal 35% \u2013 nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass diese 35% einen Bev\u00f6lkerungsanteil von 50% repr\u00e4sentieren sollen. Denn w\u00e4hrend einige Parteien selbstauferlegte Frauenquoten zwischen einem Drittel und der H\u00e4lfte ihrer Vertreter*innen befolgen, lehnen unter anderem CDU und FDP eine solche Quote ab, was sich auch in ihren Frauenanteilen deutlich bemerkbar macht. Es stellt sich also die Frage, wie \u00fcber aktuelle Themen im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit, wie der Strafbarkeit von Schwangerschaftsabbr\u00fcchen, Frauenquoten in F\u00fchrungspositionen oder dem Gender Pay Gap produktiv und ausgeglichen diskutiert werden soll, wenn die Personengruppe, die von diesen Themen am st\u00e4rksten betroffen ist, nicht ausreichend vertreten ist. Und auch abseits des Bundestages liegt noch ein langer Weg vor uns, bis Frauen in der Gesellschaft tas\u00e4chlich M\u00e4nnern gleichgestellt sind. So sind 71,1% der Betroffenen h\u00e4uslicher Gewalt Frauen und fast jeden dritten Tag kommt es in Deutschland zu einem sogenannten Femizid, also einem T\u00f6tungsdelikt, bei dem das weibliche Geschlecht des Opfers im Rahmen patriarchaler Geselkschaftsstrukturen eine Rolle gespielt hat, da sie von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner get\u00f6tet wurde. Allzu oft werden Femizide noch verharmlosend als \u201eFamiliendramen\u201c oder \u201eEifersuchtstaten\u201c betitelt und so in ihrer Bedeutung f\u00fcr die Gesellschaft heruntergespielt. Die Angst vor sexistisch motivierten Gewalttaten ist bei vielen Frauen allgegenw\u00e4rtig \u2013 angefangen bei verbaler sexueller Bel\u00e4stigung auf offener Stra\u00dfe (was in Deutschland nicht per se strafbar ist), \u00fcber k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe nach dem Clubbesuch bis hin zu Stalking. In F\u00fchrungspositionen in der Wirtschaft sind Frauen unterrepr\u00e4sentiert und dass sie im Bewerbungsverfahren noch immer oft unter meist vorgeschobenen Gr\u00fcnden diskriminiert werden (Sie k\u00f6nnten ja schwanger werden!), ist l\u00e4ngst ein offenes Geheimnis. Und hier wurde auf soziale, unterschwellige Misogynie sowie die h\u00e4ufige Doppelbelastung von Frauen durch zus\u00e4tzliche Care-Arbeit noch gar nicht eingegangen \u2013 ihr seht: Das Thema k\u00f6nnte zahlreiche Artikel f\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Doch selbst, wenn all das einige immer noch nicht von der Notwendigkeit eines Frauentages \u00fcberzeugen kann, ist zu bedenken, dass es sich um einen <em>internationalen <\/em>Frauentag handelt. Und selbst dann, wenn man nur auf die <strong>gesetzliche\u00a0<\/strong>Gleichberechtigung (wie sie eben in Deutschland herrscht) schaut, ergibt sich ein schockierendes Bild; von 190 L\u00e4ndern ist eine solche Gleichstellung auf dem Papier in nur 14 L\u00e4ndern existent. Vielerorts werden Frauen noch immer aufs H\u00e4rteste diskriminiert, physisch und seelisch verletzt, ohne dass sie auf den Schutz oder die Hilfe des Staates hoffen d\u00fcrfen. Alleine f\u00fcr diese Frauen und M\u00e4dchen ist ein Weltfrauentag von Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">In feministischen Kreisen hat der Weltfrauentag aus diesen Gr\u00fcnden auch schon l\u00e4nger den Namen \u201efeministischer Kampftag\u201c bekommen; dieser soll verdeutlichen, dass es sich nicht um einen Feiertag handelt, sondern um einen Tag des Aktivismus, der zum Anlass genommen wird, um verst\u00e4rkt auf bestehende Missst\u00e4nde aufmerksam zu machen und auf Demonstrationen oder \u00fcber Online-Aktionen verst\u00e4rkt gemeinsam nach politischem und sozialem Fortschritt zu streben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Statt also Blumen zu verteilen und anzunehmen, w\u00e4re es f\u00fcr einige Politiker vielleicht eher an der Zeit, Frauen endlich richtig zuzuh\u00f6ren, ihre Sorgen und Probleme ernstzunehmen und das Versprechen aus Artikel 2 des Grundgesetzes weiter einzul\u00f6sen \u2013 damit wir eines Tages in einer Gesellschaft leben k\u00f6nnen, in der alle Geschlechter tats\u00e4chlich mit den gleichen Chancen, Rechten und dem gleichen Respekt leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/gleichberechtigung-weltbank-101.html#:~:text=Gesetzliche%20Gleichberechtigung%20nur%20in%2014%20L\u00e4ndern&amp;text=Dazu%20z\u00e4hlen%20neben%20Deutschland%20etwa,Gebiete%2C%20der%20Jemen%20und%20Sudan.\">Tagesschau<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/pressemitteilungen\/DE\/2022\/11\/bka-partnerschaftsgewalt.html\">Bundesministerium des Inneren und f\u00fcr Heimat<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2022\/kw17-kalenderblatt-gleichberechtigungsgesetz-504286\">Deutscher Bundestag<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/31159\/50-jahre-frauen-in-der-politik-spaete-erfolge-aber-nicht-am-ziel\/\">Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/gg\">Grundgesetz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie jedes Jahr fand vergangene Woche am 8. 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