{"id":18841,"date":"2024-03-08T14:58:44","date_gmt":"2024-03-08T13:58:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=18841"},"modified":"2024-03-08T14:58:44","modified_gmt":"2024-03-08T13:58:44","slug":"schluss-mit-tierversuchen-an-der-uni-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2024\/03\/08\/schluss-mit-tierversuchen-an-der-uni-bremen\/","title":{"rendered":"Schluss mit Tierversuchen an der Uni Bremen?"},"content":{"rendered":"<p>Alle Jahre wieder wird das Thema \u201eTierversuche\u201c in Bremen hitzig diskutiert. Die letzten Jahrzehnte ging es dabei in der Regel um die Hirnforschung des Neurowissenschaftlers Prof. Andreas Kreiter an Rhesusaffen, welche im Cognium der Universit\u00e4t Bremen stattfindet. <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2021\/12\/04\/tierversuche-an-der-uni-bremen\/\">Hierzu berichteten wir bereits<\/a> und auch, <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2022\/02\/09\/tierversuche-an-der-uni-bremen-gehen-weiter\/\">warum die Forschung damals wieder genehmigt wurde<\/a>.<\/p>\n<p>Doch dieses Mal geht es um mehr als die Forschung eines einzelnen Wissenschaftlers der Uni Bremen \u2013 <strong>es geht um viele Studierende der Naturwissenschaften und explizit um die Studierenden der Biologie.<\/strong><\/p>\n<p>Die \u201eLehre des Lebendigen\u201c besch\u00e4ftigt sich nat\u00fcrlich nicht nur mit Pflanzen, sondern eben auch mit Tieren, welche genau verstanden werden sollen. Um das <strong>Verst\u00e4ndnis \u00fcber die Strukturen und Funktionen einzelner Organismen<\/strong> zu erhalten, werden seit Jahren verschiedene Methoden angewandt. So geh\u00f6ren neben der Literaturrecherche, Bildmaterial und aufwendigen Bleistiftzeichnungen auch das Sezieren und Kennenlernen des Innenlebens auf der Tagesordnung von Biolog:innen. Entsprechend der Vielfalt der Organismen unseres Planeten gibt es hier eine gro\u00dfe Spannbreite vom Regenwurm \u00fcber den Goldfisch bis hin zur Maus, um nur ein paar zu nennen.<\/p>\n<p><strong>Im M\u00e4rz letzten Jahres wurde das Bremer Hochschulgesetz in dieser Richtung ver\u00e4ndert.<\/strong> Nun hei\u00dft es neuerdings:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<strong>In Studium und Lehre ist<\/strong> <strong>auf die Verwendung von eigens hierf\u00fcr get\u00f6teten Tieren<\/strong> <strong>und die mit Belastungen verbundene Verwendung von lebenden Tieren zur Ein\u00fcbung von Fertigkeiten und zur Veranschaulichung von biologischen, chemischen und physikalischen Vorg\u00e4ngen zu verzichten<\/strong>. Das gilt nicht, wenn andere gleichwertige Lehrmethoden und Lehrmaterialien nachweislich nicht zur Verf\u00fcgung stehen. <span style=\"font-size: small\">[\u2026]\u201c<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Hierdurch soll die Uni Bremen dazu verpflichtet werden, auf eigens f\u00fcr die Lehre get\u00f6tete Tiere zu verzichten, was laut Uni jedoch im Widerspruch zum Bundesrecht stehe. Vielmehr sei es laut Tierschutzgesetz zul\u00e4ssig, Tiere f\u00fcr den Zweck der universit\u00e4ren Ausbildung zu t\u00f6ten.<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell herrscht also Kl\u00e4rungsbedarf zwischen der Uni Bremen, dem Land Bremen und dem Bundesverfassungsgericht bez\u00fcglich der Frage, ob die landesweit eingef\u00fchrte Hochschulnovelle Regelungen versch\u00e4rfen kann, die bereits vorher bundesweit gekl\u00e4rt waren und mit diesen im Widerspruch stehen. <strong>Bis zu dieser Kl\u00e4rung gilt vorerst die Hochschulnovelle f\u00fcr die Uni Bremen inklusive der neuen Beschr\u00e4nkungen.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_18845\" style=\"width: 176px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18845\" class=\"wp-image-18845 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG-20211126-WA0004-1-166x300.jpg\" alt=\"\" width=\"166\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG-20211126-WA0004-1-166x300.jpg 166w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG-20211126-WA0004-1-570x1030.jpg 570w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG-20211126-WA0004-1-768x1387.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG-20211126-WA0004-1-390x705.jpg 390w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG-20211126-WA0004-1.jpg 828w\" sizes=\"auto, (max-width: 166px) 100vw, 166px\" \/><p id=\"caption-attachment-18845\" class=\"wp-caption-text\">Diese Ratte wurde f\u00fcr die durchgef\u00fchrten Tests weder verletzt noch get\u00f6tet.<\/p><\/div>\n<p>Mit der Frage, warum das T\u00f6ten von Tieren f\u00fcr die Lehre wichtig sei, habe ich mich als Studentin der Biologie sowie als ehemalige Tutorin eines Biologiepraktikums h\u00e4ufig auseinandersetzen m\u00fcssen: Ist es wirklich in Ordnung, dass ein Tier stirbt, damit ich etwas lernen kann? Geht es Tieren, die f\u00fcr die Fleischproduktion gehalten werden, nicht viel schlechter als den Labortieren? Und wir versuchen ja auch wirklich nur so wenige Tiere wie m\u00f6glich hierf\u00fcr zu nutzen\u2026 oder? All das sind Gedanken, die bestimmt jede:r reflektierte:r Biologiestudierende schon einmal hatte.<\/p>\n<p><strong>Der Neurobiologe und Tierschutzbeauftragte der Uni Bremen, Detlef Wegener<\/strong>, sagt dazu:<em> &#8222;Ein Biologe muss wissen, wie der K\u00f6rper eines Organismus aufgebaut ist, wo welche Organe liegen.&#8220;<\/em> Hierzu m\u00fcsse er im Laufe seines Studiums auch leibhaftige K\u00f6rper von innen gesehen haben, nicht nur Schaubilder. <em>&#8222;Es ist unsere Aufgabe, daf\u00fcr zu sorgen, dass unsere Studierenden die n\u00f6tige Sachkunde erwerben, die sie f\u00fcr die Arbeit in verschiedenen Forschungseinrichtungen auch au\u00dferhalb Bremens qualifiziert. Auch das Tierschutzgesetz fordert diese Sachkunde&#8220;<\/em>, so Wegener.<\/p>\n<p>Ich will an dieser Stelle nicht urteilen und auch nicht meine Meinung in den Vordergrund stellen. Das Thema ist (in gewisser Weise wohl zurecht) brisant genug. Jedoch m\u00f6chte ich meine Erfahrungen in Bezug hierauf schildern.<\/p>\n<div id=\"attachment_18844\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18844\" class=\"size-medium wp-image-18844\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.04-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.04-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.04-773x1030.jpeg 773w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.04-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.04-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.04-1125x1500.jpeg 1125w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.04-529x705.jpeg 529w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.04.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-18844\" class=\"wp-caption-text\">Regenwurm in Sezierschale<\/p><\/div>\n<p>In den ersten Semestern des Biologiestudiums wird man eigentlich nur mit lebenden Tieren f\u00fcr Beobachtungen und Zeichnungen konfrontiert; seziert werden nur bereits get\u00f6tete Exemplare, wobei mit kleineren Tieren wie Regenw\u00fcrmern oder Nacktschnecken begonnen wird. Hierbei wird mindestens in Gruppen von zwei bis mehreren Studierenden gearbeitet. Es kam auch schon vor, dass sechs Studierende an einem Tier sa\u00dfen.<\/p>\n<p>Tier ist Tier und tot ist tot \u2013 das ist mir sehr bewusst. Ich m\u00f6chte nur veranschaulichen, dass die Lehrenden der Uni Bremen darauf bedacht sind, den entstehenden Schaden so klein wie m\u00f6glich zu halten und gleichzeitig ihren Studierenden eine vollwertige Ausbildung zu bieten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ausbildung s\u00e4mtlicher Biologiestudierender der Uni Bremen m\u00fcssten laut Wegener pro Jahr etwa 25 Exemplare der invasiven nordamerikanischen Ochsenfr\u00f6sche ihr Leben lassen. Hinzu k\u00e4men rund zwanzig Goldfische und etwa 50 Ratten.\u00a0 F\u00fcr die Forschung sei die Zahl zum Teil deutlich h\u00f6her, dies h\u00e4nge aber von den aktuellen Forschungsprojekten ab.<\/p>\n<p>Von der Neuerung sind aktuell <strong>bereits Studierende des Masterstudiengangs Neurosciences betroffen<\/strong> und d\u00fcrfen bis auf Weiteres nicht wie vorher mit Labortieren arbeiten. Im kommenden Sommersemester k\u00f6nnte es auch zu <strong>weiteren Folgen f\u00fcr Biologiestudierende und deren Praktika<\/strong> kommen, sollte noch kein Eilentscheid vorliegen, der die Lehre mit Labortieren an der Uni Bremen wieder bef\u00fcrwortet. Und auch in allen weiteren Semestern w\u00fcrde dies Auswirkungen auf die Biologiestudierenden haben, da das neue Gesetz den Begriff<em> \u201eTiere\u201c<\/em> nicht genauer eingegrenzt hat und somit auch Lebewesen wie M\u00fcckenlarven, Schnecken oder Fruchtfliegen eingeschlossen sind.<\/p>\n<div id=\"attachment_18842\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18842\" class=\"size-medium wp-image-18842\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.031-300x218.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.031-300x218.jpeg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.031-1030x750.jpeg 1030w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.031-768x559.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.031-1536x1118.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.031-1500x1092.jpeg 1500w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.031-705x513.jpeg 705w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/WhatsApp-Image-2024-03-07-at-15.57.031.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-18842\" class=\"wp-caption-text\">Virtulelle Laborarbeit in der AG Gro\u00df-Hardt<\/p><\/div>\n<p>Da <strong>w\u00e4hrend der Pandemie f\u00fcr eine gewisse Zeit das Betreten der Labore f\u00fcr Studierende nicht zul\u00e4ssig<\/strong> war, wurde auf sehr alternative Arten gelehrt, sodass ich diese Methoden mit der klassischen Laborarbeit vergleichen kann. Hierbei standen <strong>virtuelle Laborarbeit, Videos und Online-Sezierungen<\/strong> auf der Tagesordnung. Nat\u00fcrlich war der Lerneffekt nicht mit dem vor Ort vergleichbar und ich k\u00f6nnte vermutlich bis heute nicht sagen, wie genau die Organe eines Goldfisches platziert sind. Ob mir das f\u00fcr meinen weiteren Werdegang schadet? Ich bezweifle es.<\/p>\n<p>Meines Wissens nach, muss niemand an der Uni Bremen gegen den eigenen Willen ein Tier t\u00f6ten. Auch nicht als Student:in der Biologie. Es gibt immer Alternativen, wenn die Studierenden diese w\u00fcnschen und dies darf auch keine negativen Konsequenzen bez\u00fcglich der Benotung haben.<\/p>\n<p>Wie steht ihr zu dem Thema? L\u00e4sst sich ein gleichwertiger Lernerfolg unter weniger realistischen Bedingungen erzielen? Diskutiert gerne konstruktiv in den Kommentaren hier\u00fcber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Jahre wieder wird das Thema \u201eTierversuche\u201c in Bremen hitzig diskutiert. 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