{"id":18439,"date":"2023-07-07T22:01:52","date_gmt":"2023-07-07T20:01:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=18439"},"modified":"2025-09-29T00:02:56","modified_gmt":"2025-09-28T22:02:56","slug":"die-regelstudienzeit-zeitgemaess-und-realistisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2023\/07\/07\/die-regelstudienzeit-zeitgemaess-und-realistisch\/","title":{"rendered":"Die Regelstudienzeit \u2014 Zeitgem\u00e4\u00df und realistisch?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Seien wir mal ehrlich: Wie viele von euch rechnen damit, ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschlie\u00dfen? Und wie viele mussten sich f\u00fcr ihre \u00dcberschreitung dieser unverbindlichen Angabe auf der Uni-Informationsseite schon den ein oder anderen belustigten oder tadelnden Kommentar von Seiten der Verwandtschaft anh\u00f6ren?<br \/>\nObwohl die Regelstudienzeit eigentlich angeben soll, wie viele Semester ein Studium in der Regel in Anspruch nimmt, erscheinen diese Angaben vielen Studis sp\u00e4testens nach einigen Semestern an der Uni v\u00f6llig unrealistisch. Zurecht?<\/p>\n<div id=\"attachment_18441\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18441\" class=\"size-medium wp-image-18441\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/63774DC3-C152-49C7-92EB-0C0C771BB121-300x200.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/63774DC3-C152-49C7-92EB-0C0C771BB121-300x200.jpeg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/63774DC3-C152-49C7-92EB-0C0C771BB121-768x511.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/63774DC3-C152-49C7-92EB-0C0C771BB121-705x469.jpeg 705w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/63774DC3-C152-49C7-92EB-0C0C771BB121.jpeg 799w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-18441\" class=\"wp-caption-text\">Nur wenige der Bachelor- und Masterstudierenden erreichen ihren Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Tats\u00e4chlich entspricht die angegebene Regelstudienzeit in den meisten F\u00e4llen keineswegs dem Durchschnitt, sondern beschreibt vielmehr einen Idealfall; so wurden im Jahr 2021 nur 20,4% der Bachelorabschl\u00fcsse innerhalb der jeweiligen Regelstudienzeit erreicht, der gleiche Prozentsatz findet sich auch bei den Masterabschl\u00fcssen.<br \/>\nDie Frankfurter Allgemeine schrieb bereits 2014 davon, dass \u201eBachelor-Studenten bummeln\u201c \u2014 aber ist eine solche Formulierung wirklich fair? Kann Tr\u00e4gheit oder Bequemlichkeit tats\u00e4chlich als Begr\u00fcndung f\u00fcr die \u00dcberschreitung der empfohlenen Studiendauer betrachtet werden, wenn das Ph\u00e4nomen doch offenbar so viele Studierende betrifft? Wohl kaum. Stattdessen sind die Gr\u00fcnde sehr vielf\u00e4ltig und in den meisten F\u00e4llen keinsfalls unerheblich.<\/p>\n<p>Leider h\u00e4lt sich das Klischee, Studierende w\u00fcrden ausschweifende Lebensstile auf Kosten von Eltern und Staat pflegen, noch immer hartn\u00e4ckig. Dabei sieht die Realit\u00e4t in der Regel v\u00f6llig anders aus \u2014 im Jahr 2021 waren ganze 37,9% aller Studierenden armutsgef\u00e4hrdet und fast drei Viertel aller Studierenden jobbten 2020 neben dem Studium. Dass ein arbeitsaufwendiges Vollzeitstudium und ein Job (oder sogar zwei, in Anbetracht der stetig steigenden Mietpreise in den St\u00e4dten) nur mit signifikanten Einbu\u00dfen im Bereich der Freizeit miteinander zu vereinen sind und eine gro\u00dfe psychische wie k\u00f6rperliche Belastung darstellen k\u00f6nnen, sollte wohl auf der Hand liegen. Was f\u00fcr Probleme eine solche Arbeitsbelastung mit sich bringen kann, haben wir k\u00fcrzlich in <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2023\/05\/23\/toxic-productivity-wenn-selbstoptimierung-zur-belastung-wird\/\">diesem Artikel<\/a> ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert.<br \/>\nUmso problematischer wird es also, wenn zu der hohen Arbeitslast und den potentiellen finanziellen Problemen bereits bestehende oder sogar dadurch entstandene psychische Erkrankungen oder langwierige\/chronische k\u00f6rperliche Erkrankungen hinzukommen, Kinder zu versorgen oder Familienmitglieder auf Pflege angewiesen sind.<br \/>\nAll diese Faktoren k\u00f6nnen daf\u00fcr sorgen, dass die Regelstudienzeit kaum noch eingehalten werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine Aussage dar\u00fcber, wie zielstrebig, motiviert oder gar begabt eine Person ist, kann anhand der ben\u00f6tigten Semesterzahl allein also keineswegs getroffen werden. Auch die Annahme, dass sich jemand, der die Regelstudienzeit \u00fcberschreitet, weniger intensiv mit seinen Studieninhalten befasst, ist haltlos \u2014 tats\u00e4chlich kann sogar das genaue Gegenteil der Fall sein; dass der h\u00e4ufig hastige, mittlerweile stark verschulte Unialltag mit seiner hohen Frequenz an Pr\u00fcfungsleistungen in einem Semester zum sogenannten Bulimielernen f\u00fchrt und somit eher einem H\u00fcrdenlauf \u00e4hnelt, als einem Marathon, ist schlie\u00dflich l\u00e4ngst kein Geheimnis mehr. In dem Wunsch, sich mehr Zeit daf\u00fcr zu nehmen, sorgf\u00e4ltig und nachhaltig zu lernen, in verschiedene Fachgebiete und Berufsfelder zu schnuppern und in Ruhe die eigenen St\u00e4rken und Interessen zu erkunden, kann ich absolut nichts Schlechtes erkennen.<br \/>\nVor einem existentiellen Problem stehen viele Studierende jedoch vor allem dann, wenn sie aufgrund einer \u00dcberschreitung der Regelstudienzeit ihren BAf\u00f6G-Anspruch verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vielleicht w\u00e4re es also langsam an der Zeit, das Prinzip der Regelstudienzeit zu \u00fcberarbeiten, zum Beispiel die angegebene Semesterzahl der aktuellen, durchschnittlichen Studiendauer anzupassen oder sie umzubenennen in eine \u201eMindeststudienzeit\u201c und somit ihre Bedeutung zu ver\u00e4ndern.<br \/>\nDass der aktuelle Zustand vielen Studierenden Zukunftssorgen und Versagens\u00e4ngste bereitet und im schlimmsten Falle die Freude am Lernen nimmt, steht in jedem Fall fest und macht eine Reform dringend erforderlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seien wir mal ehrlich: Wie viele von euch rechnen damit, ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschlie\u00dfen? 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