{"id":18002,"date":"2023-03-20T12:47:55","date_gmt":"2023-03-20T11:47:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=18002"},"modified":"2023-03-20T12:47:55","modified_gmt":"2023-03-20T11:47:55","slug":"hinter-die-kulissen-interview-mit-prof-dr-ing-nando-kaminski","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2023\/03\/20\/hinter-die-kulissen-interview-mit-prof-dr-ing-nando-kaminski\/","title":{"rendered":"&#8222;Hinter die Kulissen&#8220;: Interview mit Prof. Dr.-Ing. Nando Kaminski"},"content":{"rendered":"<p><em>In dieser neuen Interview-Serie m\u00f6chten wir Euch die Professor*innen und Lehrenden an unserer Universit\u00e4t Bremen n\u00e4her vorstellen. Oftmals ist die einzige Begegnung zueinander der H\u00f6rsaal, in dem Lehrinhalte vermittelt werden. Allerdings verbergen sich hinter jedem\/-r Lehrenden interessante Geschichten, Lebenswege und Visionen. Und genau das m\u00f6chten wir mit dieser Interview-Serie in den Fokus stellen. Wir hoffen, dass Euch der Einblick &#8222;hinter die Kulissen&#8220; genauso viel Spa\u00df macht.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Stellen Sie sich kurz vor und was machen Sie an der Universit\u00e4t Bremen? <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-18004 alignright\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-687x1030.jpg 687w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-768x1152.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-1000x1500.jpg 1000w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-470x705.jpg 470w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/IMG_4229-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Mein Team erforscht Leistungshalbleiterbauelemente, also nicht Halbleiter wie man sie aus Computern kennt, sondern solche aus Lokomotiven, Windenergieanlagen und zunehmend auch Elektrofahrzeugen. Wir sprechen da von Str\u00f6men bis \u00fcber 1000A und Spannungen von bis zu 10.000V. Da wir an der Uni keine eigenen Reinr\u00e4ume zur Herstellung solcher Bauelemente haben, untersuchen wir diese per<br \/>\nSimulation oder charakterisieren Bauelemente, die wir vornehmlich von Industriepartnern bekommen. Dabei haben sich Zuverl\u00e4ssigkeitstests als das interessanteste Gebiet herauskristallisiert. Wir setzen die Bauelemente viel h\u00f6herem Stress aus als sie im normalen Leben sehen w\u00fcrden und versuchen dann, aus dem resultierenden Verhalten auf die Lebensdauer im normalen Einsatz zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Was faziniert Sie an Leistungshalbleiterbauelementen?<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem Chip von nur 1cm\u00b2 kann man die Maximalleistung eines Elektroautos innerhalb einer Mikrosekunde ein- und ausschalten. Die Chips \u00fcberstehen dauerhaft 150\u00b0C und kurzzeitig sogar 300\u00b0C oder mehr. Das Ganze kann man mit sehr geringer Leistung ansteuern und es ist sehr robust. Macht man aber den kleinsten Fehler in der Ansteuerung oder im Design, geht der Chip in den Kurzschluss und es gibt eine riesen Sauerei in der Elektronik. Faszinierend.<\/p>\n<p><strong>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Was war ihr Traumberuf als Kind?<\/strong><\/p>\n<p>Damals waren gerade die IC-Z\u00fcge der Bundesbahn mit entsprechend schnittigen Lokomotiven eingef\u00fchrt worden und so war klar, ich will Lokomotivf\u00fchrer werden.<\/p>\n<p><strong>4.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Was war ihr Lieblingsfach in der Schule?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz eindeutig Physik. Da kamen immer sehr spannende Experimente dran, die viele Alltagsph\u00e4nomene erkl\u00e4rten oder eben Effekte zeigten, die ganz unglaublich waren und die Vorstellungskraft sprengten.<\/p>\n<p><strong>5.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Wie war es, als Sie das erste Mal in einem Vorlesungsaal standen und dozierten? Wie haben Sie sich gef\u00fchlt? Was haben Sie gedacht?<\/strong><\/p>\n<p>Als ich meine Diplomarbeit schrieb, hat mich mein sp\u00e4terer Doktorvater, f\u00fcr den ich schon einige Zeit \u00dcbungsstunden in den unteren Semestern gegeben hatte, eine seiner Vorlesungen halten lassen \u2013 und hat sich selbst mit ins Auditorium gesetzt. Ich muss einen knallroten Kopf gehabt haben und wei\u00df sp\u00e4testens seit der Zeit, was ein Fluchtinstinkt ist. Zum Gl\u00fcck hatte ich mich gut vorbereitet und konnte runterspulen. Den ersten klaren Gedanken habe ich wohl nach einer Viertelstunde gefasst. Jahre sp\u00e4ter bei den ersten eigenverantwortlichen Vorlesungen an den ehrw\u00fcrdigen Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschulen in Z\u00fcrich und Lausanne war es dann nur noch halb so wild. Da habe ich dann meinem Doktorvater jeweils im Stillen gedankt.<\/p>\n<p><strong>6.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Welche Spitznamen geben Ihnen Studierende?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist leider ein trauriges Kapitel. Wie schon in der Schule, im Studium, in der Industrie, so auch bei den Studierenden und in meiner Arbeitsgruppe, es hat nie f\u00fcr einen Spitznamen gereicht. Ich habe schon manchmal gedacht, dass das ein Zeichen mangelnder Wertsch\u00e4tzung ist, aber so konsistent \u2026<\/p>\n<p><strong>7.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Welches ist Ihr Lieblingsplatz an der Uni Bremen?<\/strong><\/p>\n<p>Das Flachdach des NW1. Da kann man allen Mist unter sich lassen und die platte Weite Norddeutschlands typischerweise bei einem ordentlichen Wind genie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>8.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Von welchem Mensa-Essen k\u00f6nnen Sie nicht genug bekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Als Student an der Uni Bremen habe ich noch die alte Mensa erlebt mit Essen direkt auf das Formtablett und dann Essen im dem dunklen Bunker, der die Mensa damals war. Vermutlich musste es dort so dunkel sein, damit man nicht sah, was man a\u00df. Das ist kein Vergleich zu heute, da es ganz viele leckere Gericht gibt. Ich w\u00fcrde mich aber trotzdem f\u00fcr den Klassiker K\u00e4se-Lauch-Suppe mit Hackfleischeinlage entscheiden.<\/p>\n<p><strong>9.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Was ist ihr gr\u00f6\u00dftes Hobby?<\/strong><\/p>\n<p>Hobby? Was soll das sein? Ich bin Professor, also immer in Dienst, und wir wohnen auf einem ehemaligen Bauernhof mit entsprechend gro\u00dfem Grundst\u00fcck \u2026<\/p>\n<p><strong>10.\u00a0\u00a0Warum sind Sie Professor geworden?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist einfach passiert. Lehre hat mir immer Spa\u00df gemacht und so war eine Professur eine Option, die ich mir offen halten wollte, ohne dass ich aktiv danach gestrebt h\u00e4tte. Als dann mein Vorg\u00e4nger und Doktorvater pensioniert wurde, habe ich meinen Hut in den Ring geworfen, obwohl mir die 14 Jahre in der Industrie einen riesen Spa\u00df gemacht hatten. Ich wollte mir wohl nicht sp\u00e4ter vorwerfen, es nicht probiert zu haben. Und dann hatte ich pl\u00f6tzlich den Ruf und meine Frau und ich mussten \u00fcberlegen, ob wir nachhause zur\u00fcckkehren oder unser Yuppie-Leben mit guten Jobs in der Schweiz fortsetzen wollen. Am Ende war es wohl eine Bauchentscheidung \u2013 und ein finanzielles Desaster.<\/p>\n<p><strong>11.\u00a0\u00a0Was w\u00fcrden Sie machen, wenn Sie nicht Professor geworden w\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00e4re eben in der Industrie geblieben und h\u00e4tte vermutlich den seinerzeit bereits eingeschlagenen Weg als Produktionsmanager weiter beschritten. Das war sehr spannend und ich konnte viel bewegen, aber die Technik hat mir zunehmend gefehlt. Ob ich aber dabei geblieben w\u00e4re oder bei den schnellen Entwicklungen in der Industrie irgendwann vom Personalkarussell geflogen w\u00e4re bzw. gesundheitlich nicht mehr gekonnt h\u00e4tte, ist fraglich. Man kann im Leben halt das Kontrollexperiment mit der Referenzgruppe nicht machen, um zu sehen welche Konsequenzen die eigenen Entscheidungen gehabt h\u00e4tten bzw. was besser gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>12.\u00a0\u00a0Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung als Professor ist\u2026?<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 auch nach 13 Jahren den Studierenden noch die Eleganz der Zusammenh\u00e4nge zu vermitteln und zumindest ein wenig Begeisterung mit auf den Weg zu geben, obwohl ich die Themen schon so oft durchgenommen habe und sich zumindest die Grundlagen im Bachelor kaum ver\u00e4ndern. Ich vermute, das geht allen Lehrern so oder so \u00e4hnlich. Bei den Fortgeschrittenen ist es dann eher, das N\u00fctzliche vom Unn\u00fctzen zu trennen. In manchen Skripten habe ich schon wieder Sachen herausstreichen m\u00fcssen, die ich erst vor ein paar Jahren eingef\u00fcgt hatte und die sich dann aber als Sackgasse erwiesen haben.<\/p>\n<p><strong>13.\u00a0\u00a0Wie w\u00fcrden Ihre Kolleg*innen Sie in 3 Worten beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Da m\u00fcssten Sie wohl besser die Kollegierenden fragen \u2026 was ich f\u00fcr Sie getan habe. Aus den nicht repr\u00e4sentativen und m\u00f6glichweise befangenen R\u00fcckmeldungen extrahiere ich: Industriestandard. Direktheit. Humor.<\/p>\n<p><strong>14.\u00a0\u00a0Ein Song der Ihr Leben am besten beschreibt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht. Ich habe meine Mitsch\u00fclerin geheiratet, sie ist immer mitgezogen und hat sich dabei eher noch besser geschlagen als ich, wir hatten einiges Gl\u00fcck, aber immer, wenn es zu gut wurde, gab es wieder R\u00fcckschl\u00e4ge und am Ende sind wir wieder am Ausgangsort zur\u00fcck. Wer wollte so einen Song machen? Da m\u00fcsste die Musik wohl schon richtig gut sein.<\/p>\n<p><strong>15.\u00a0\u00a0Welches ist Ihr bester Ratschlag den Sie Studierenden mitgeben wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Ob der Ratschlag der beste ist, m\u00fcssen die Studierenden selber herausfinden. Denn genau das selber Herausfinden ist das wichtige am Studieren. Sie sollen das Studium nicht m\u00f6glichst schnell absolvieren \u2013 daf\u00fcr sorgt schon der Bachelor-Master-Mist &#8211; sondern auch herausfinden, was sie gut finden und was sie gut k\u00f6nnen, also auch mal links und rechts gucken. Daf\u00fcr ist sp\u00e4ter wenig Zeit und Gelegenheit. Wenn sie das also herausgefunden haben und dann in die Welt hinaus gehen, wissen sie, wo sie sich am besten einbringen k\u00f6nnen und wie sie Spa\u00df dabei haben, weil es ihnen leicht von der Hand geht. Das war wohl schon der Ratschlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser neuen Interview-Serie m\u00f6chten wir Euch die Professor*innen und Lehrenden an unserer Universit\u00e4t Bremen n\u00e4her vorstellen. Oftmals ist die einzige Begegnung zueinander der H\u00f6rsaal, in dem Lehrinhalte vermittelt werden. Allerdings verbergen sich hinter jedem\/-r Lehrenden interessante Geschichten, Lebenswege und Visionen. Und genau das m\u00f6chten wir mit dieser Interview-Serie in den Fokus stellen. 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