{"id":17912,"date":"2023-01-22T21:43:22","date_gmt":"2023-01-22T20:43:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=17912"},"modified":"2023-01-22T21:49:28","modified_gmt":"2023-01-22T20:49:28","slug":"zwischen-leistungsdruck-und-selbstfuersorge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2023\/01\/22\/zwischen-leistungsdruck-und-selbstfuersorge\/","title":{"rendered":"Zwischen Leistungsdruck und Selbstf\u00fcrsorge"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Gerade ist es nahezu unausweichlich. Es ist kalt, oft nass und alle um einen herum scheinen gerade krank zu sein oder etwas zu verschleppen und es sich nicht einzugestehen, dass sie Ruhe br\u00e4uchten. Viel zu oft kann man sich dabei selbst dazu z\u00e4hlen. Seit fast zwei Wochen nun liege ich mit einem grippalen Infekt flach. Doch neben vegetativ Serien \u201eschauen\u201c und komat\u00f6s schlafen, macht sich in mir eine Stimme breit. \u201eIch habe so viele Termine\u201c \u201eDas kann ich nicht aufschieben\u201c \u201eIch habe noch so viel zu erledigen, ich darf jetzt nicht krank sein\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Problem ist: Deinem K\u00f6rper ist es egal ob du jetzt \u201ekrank sein darfst\u201c. Du bist es. Und vielleicht bist du genau wegen des ganzen Stresses krank. Dein Immunsystem war angreifbar und da sind wir nun. Statt also weiter uns Gedanken zu machen, was wir alles machen m\u00fcssten, obwohl wir gerade nicht k\u00f6nnen, sollten wir uns und unserem K\u00f6rper die Ruhe g\u00f6nnen. Leider steckt dieser Leistungsgedanke tief in unserer Gesellschaft. Dementsprechend wurden und werden wir sozialisiert. Wir definieren uns \u00fcber unsere Arbeit und Leistung. Bei Talkshows oder anderen Sendungen steht bei der Vorstellung einer Person immer der Name, das Alter und der Beruf. Wir studieren, reisen, k\u00fcndigen und beginnen einen neuen Job, weil wir eine T\u00e4tigkeit suchen mit der wir uns identifizieren. Erst seit Corona und der damit einhergehenden Pandemie haben wir schmerzlich gelernt, dass wir bei Symptomen zuhause bleiben m\u00fcssen und sollten, auch aus Solidarit\u00e4t anderen gegen\u00fcber. Wie oft schleppen sich Menschen krank ins B\u00fcro oder in die Uni. Dabei ist es nicht nur ungesund f\u00fcr sie, sie stecken damit potenziell andere an. Auch wenn uns bewusst ist, dass wir Ruhe brauchen und nicht arbeiten sollten, sei es f\u00fcr die Uni oder den Job, ist da weiterhin der innere Leistungsdruck. Wir m\u00f6chten unbedingt alle Termine wahrnehmen. \u00c4rgern uns, dass wir die letzten Tage nicht genutzt, wenn nicht sogar prokrastiniert haben. Doch all diese Gedanken sind jetzt nicht hilfreich, denn krank ist krank. Ich kenne das Gef\u00fchl zu gut. W\u00e4hrend ich das hier schreibe, sollte ich mich ausruhen und nicht an den Artikel oder meine BA Pr\u00e4sentation denken, die ich verschieben musste. Tja, nun sitzt ich hier und schreibe. Kein bisschen besser. Doch vielleicht k\u00f6nnen wir uns gegenseitig helfen. Wenn wir merken, dass Freund:innen sich zu viel Druck machen oder schlecht \u00fcber jemanden geredet wird der\/die krank ist, dann mal kurz intervenieren. Mit diesen kleinen \u00dcbungen und Tricks habe ich versucht mich jedes Mal etwas wieder runterzufahren, sobald die Stimme des inneren Leistungsdrucks zu laut wurde:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify\">\n<li>Nicht nur in dieser Situation, sondern auch oft, wenn mich etwas aufregt, frage ich mich: Kann ich etwas daran \u00e4ndern? Wenn ja, was? Das ich krank bin, ist jetzt so. Mich dar\u00fcber dauerhaft zu \u00e4rgern und mir vorzustellen, was ich gerade alles machen k\u00f6nnte, ist kontraproduktiv. Was ich aber \u00e4ndern kann, ist der Weg meiner Genesung. Viel Schlaf, viel Tee trinken, inhalieren und ggf. zum Arzt und Medikamente nehmen.<\/li>\n<li>Wenn die Gedanken rasen, dann schnapp dir ein Blatt Papier und einen Stift. Schreibe auf was dich besch\u00e4ftigt. Warum st\u00f6rt es dich so sehr, dass du gerade krank bist? Gibt es Sachen, die dich richtig daran frustrieren? Wo bist du auch einfach sauer? Alle Gedanken sind erlaubt, lass es raus. Das mag zwar nichts an deiner Situation \u00e4ndern, aber es hilft das alles einfach mal raus zu lassen, statt es in sich hinein zu fressen.<\/li>\n<li>Think positive! Statt einer Pro und Contra Liste, machst du eine reine positive Liste. Egal wie cheesy du dabei denken musst und wie sehr du \u00fcberspitzt oder \u00fcbertreibst, tu es! Warum ist es gerade gut krank zu sein? Du konntest nicht auf die Party? Daf\u00fcr musstest du dich nicht zurecht machen, hast keinen Kater am n\u00e4chsten Tag, wurdest nicht von schr\u00e4gen Menschen angemacht, hast Geld gespart und g\u00f6nnst deinem K\u00f6rper (und der Leber) Ruhe! Dabei kann man sich schon mal etwas bl\u00f6d vorkommen, aber es lenkt die Art deiner Gedanken um beim Wiederholen.<\/li>\n<li>Das tolle daran ist, du kannst jetzt Dinge nachholen, f\u00fcr die du sonst keine Zeit hast. Wolltest du eine Serie durchsuchten? Oder einen Podcast h\u00f6ren? Dann los, dass kannst du super im Bett machen, ohne dich daf\u00fcr schlecht zu f\u00fchlen. G\u00f6nn dir einen Tag mit Fastfood, wenn der Geldbeutel es zu l\u00e4sst und l\u00fcmmel dich so richtig ein. Oder mach dir einen entspannten Abend in der Badewanne.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\">Hast du Tricks und Tipps, wie man mit diesem inneren Leistungsdruck besser zurechtkommt? Dann teile gerne deine Gedanken mit uns!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade ist es nahezu unausweichlich. Es ist kalt, oft nass und alle um einen herum scheinen gerade krank zu sein oder etwas zu verschleppen und es sich nicht einzugestehen, dass sie Ruhe br\u00e4uchten. Viel zu oft kann man sich dabei selbst dazu z\u00e4hlen. Seit fast zwei Wochen nun liege ich mit einem grippalen Infekt flach. 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