{"id":17161,"date":"2021-12-04T14:24:50","date_gmt":"2021-12-04T13:24:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=17161"},"modified":"2021-12-04T14:41:54","modified_gmt":"2021-12-04T13:41:54","slug":"tierversuche-an-der-uni-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2021\/12\/04\/tierversuche-an-der-uni-bremen\/","title":{"rendered":"Tierversuche an der Uni Bremen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Wer an der Uni Bremen studiert, hat vielleicht vereinzelt das Ger\u00fccht geh\u00f6rt, dass dort an den Gehirnen von Affen Versuche durchgef\u00fchrt werden. In den letzten Jahren, aber vor allem seit September, gab es immer wieder digitale Aufrufe und Demonstrationen in Bremen gegen diese Tierversuche. Vom 09.-15.11.21 gab es sogar \u00f6rtliche Plakataktionen vom Tierschutzverband. Wieso rede ich hier dann von \u201eGer\u00fcchten\u201c? Ganz einfach: Wenn eine Person mir davon erz\u00e4hlte, handelten diese selten von Fakten oder bestimmten Untersuchungen, sondern lediglich davon, dass irgendwo an der Uni, fast schon mittelalter-kerkerartig im Geheimen an Menschenaffen geforscht wird. Danach seien sie komplett verst\u00f6rt oder schlimmer. Hier muss ich aber hinzuf\u00fcgen, dass das nie Menschen aus dem Fachbereich waren. Und ganz ehrlich\u2026 so wenig wie ich bei Neurobiologie wei\u00df, woran sie forschen, wei\u00df ich es vom Bereich Informatik oder Sport. Wom\u00f6glich geht es den meisten so. Meist wei\u00df man dies nicht einmal genau beim eigenen Fachbereich. Und so ist es ein Leichtes ein Ger\u00fccht zu streuen. Doch was genau ist nun dran an diesen Erz\u00e4hlungen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Fakt ist: Ja, an der Universit\u00e4t Bremen gibt es Forschungen, die an diversen Tieren durchgef\u00fchrt werden. Dies geschieht dabei weder im Geheimen noch in irgendwelchen dunklen kerkerartigen R\u00e4umen. F\u00fcr diese Forschungen ist der Fachbereich der Biologie zust\u00e4ndig. Vor allem Professor Andreas Kreiter taucht hierbei stellvertretend f\u00fcr die forschenden Wissenschaftler: innen in Artikeln und Videobeitr\u00e4gen auf. Geforscht wird an M\u00e4use, Ratten, Fr\u00f6sche und um Rhesusaffen (Makaken). Neuerdings m\u00f6chte auch die Universit\u00e4t gegen diese Ger\u00fcchte arbeiten und hat die Seite \u201e<a href=\"https:\/\/www.uni-bremen.de\/forschung\/tierversuche-in-forschung-und-lehre\">Tierversuche in Forschung und Lehre<\/a>\u201c ins Leben gerufen, um \u00fcber diese Arbeit transparent zu informieren. Die vergangenen Demonstrationen richtet sich dabei haupts\u00e4chlich gegen die Affenforschungen. Laut Wissenschaftler:innen ist das Gehirn der Rhesusaffen dem menschlichen Gehirn vor allem im kognitiven Prozesse \u00e4hnlich, teils identisch. Hierdurch sind eben jene Lebewesen ideal f\u00fcr die Grundlagenforschung des Gehirns. Durch Erkenntnisse wie das Gehirn funktioniert, wie bestimmte Abl\u00e4ufe entstehen und was wiederum etwas verhindern kann, k\u00f6nnen Wissenschaftler:innen im n\u00e4chsten Schritt neue und lebenswichtige Ergebnisse in der Medizin erzielen, wie beispielsweise Epilepsie, Parkinson, L\u00e4hmung und Demenz. Ebenso k\u00f6nnen neue Medikamente entwickelt werden. Bevor an den Affen geforscht wird, erfolgen jahrelange theoretische Abl\u00e4ufe am Institut. Erst wenn sicher ist, dass nur Tierversuche die Forschung weiterbringen und es keine Alternative gibt, wird der Antrag gestellt. Verschiedene Kommissionen pr\u00fcfen anschlie\u00dfend, ob es keine Alternativen gibt, ein Mehrwert f\u00fcr die Wissenschaft besteht, das Tierwohl weiterhin gesch\u00fctzt ist und der Vorgang etisch vertretbar ist. Im Bremer Fall m\u00fcssen alle 3 Jahre diese Entscheidungen und Antr\u00e4ge neu durchlaufen werden. Der aktuelle Antrag lief bis zum 30.11.21 und eine Entscheidung durch die Gesundheitssenatorin steht noch aus. Um die Forschung nicht zu unterbrechen, entschied das Verwaltungsgericht Bremen im Eilverfahren, dass der Bremer Senat vorerst die Versuche weiter dulden muss, bis eine endg\u00fcltige Entscheidung gefallen ist. Die Forschung besteht nun seit mehr als 20 Jahren und wird von der Deutschen Forschungsgemeinde, sowie der Europ\u00e4ischen Union gef\u00f6rdert.<\/p>\n<div style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.uni-bremen.de\/fileadmin\/_processed_\/4\/1\/csm_Makaken_im_Gehege3_Copyright_Universitaet_Bremen_096567f076.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"675\" data-src=\"\/fileadmin\/_processed_\/4\/1\/csm_Makaken_im_Gehege3_Copyright_Universitaet_Bremen_096567f076.jpg\" \/><p class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Universit\u00e4t Bremen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie auf dem Bild zu sehen, leben die Affen in Gehegen am Institut f\u00fcr Hirnforschung der Universit\u00e4t Bremen. Sie leben in Gruppen und werden von Forschenden, Tierpfleger:innen und Tier\u00e4rzt:innen betreut und beobachtet. Dabei wird auf eine m\u00f6glichst artgerechte Haltung der Tiere geachtet. Denn nat\u00fcrlich ist ein Gehege etwas anderes als ein Dschungel. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass in Deutschland keine Tiere aus freier Wildbahn f\u00fcr Versuche genutzt werden d\u00fcrfen. Alle Tiere werden eigens f\u00fcr die Versuche gez\u00fcchtet. Dennoch versuchen die Mitarbeitenden regelm\u00e4\u00dfig mit wechselnden Spielger\u00e4ten und einer Ver\u00e4nderung der Gehege f\u00fcr Abwechslung zu sorgen. Das Wohlergehen der Tiere am Bremer Institut hat f\u00fcr alle einen hohen Stellenwert, denn sobald es den Tieren nicht gut geht, sind auch die Ergebnisse verf\u00e4lscht. Gleicherma\u00dfen ist es f\u00fcr die Forschenden wichtig, dass die Tiere gesund sind. Ver\u00e4ndert sich der Gesundheitsstand eines Tieres und ben\u00f6tigt Medikamente, k\u00f6nnen die erhobenen Daten nicht mehr publiziert werden. Und gerade dieses publizieren ist essenziell, denn die hier erhobenen Daten dienen eben als Grundlage f\u00fcr weitere Forschungen. Erst wenn die Normalfunktion eines gesunden Gehirns ergr\u00fcndet wurde, k\u00f6nnen die Fehlfunktionen der genannten Erkrankungen weiter erforscht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dabei sitzen die Affen mehrere Stunden w\u00f6chentlich vor einem Bildschirm. Mit Mikroelektroden sind sie verkabelt und dadurch mit unterschiedlichen Ger\u00e4ten verbunden. Auf dem Bildschirm ist ein mittiger Punkt, sowie ein Dreieck links und rechts zu sehen. F\u00e4llt einer der Dreiecke um, l\u00e4sst der Affe den Schalter in seiner \u201eHand\u201c auf der entsprechenden Seite los. Als Belohnung erh\u00e4lt er durch einen Schlauch Orangensaft. Durch diesen Ablauf k\u00f6nnen die Wissenschaftler:innen die Koordination und Synchronisation von Nervenzellen ergr\u00fcnden, wodurch sie wiederum verstehen wie Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Ged\u00e4chtnisleistungen ablaufen. Die Konditionierung der Affen wurde des \u00d6fteren kritisiert. An dieser Stelle sei nochmals erw\u00e4hnt, dass die Tiere in keinem negativen Zustand sind. Sie erhalten im Gehege regul\u00e4r kein Wasser, sodass der Orangensaft als Belohnung agiert. \u00c4hnlich ist es bei einem Hund. Der Hund bekommt \u00fcber den Tag ausreichend Futter. Macht er einen Trick oder gehorcht gut beim Spazieren gehen, wird er mit einem Leckerli belohnt. So ist es eben auch bei den Affen. Sie sind ausreichend hydriert und erhalten den Saft zus\u00e4tzlich. W\u00e4re dem nicht so, dann w\u00e4ren sie nicht gesund. Dies wiederum w\u00e4re wie bereits erkl\u00e4rt f\u00fcr die Forschung kontraproduktiv, da die Ergebnisse nicht unter normalen, sondern unter verf\u00e4lschten Umst\u00e4nden entstehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/videos\/bremer-neurobiologen-forschung-makaken-100.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-17154 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/screenshot-300x145.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"145\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/screenshot-300x145.png 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/screenshot.png 645w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein kurzes Video zur aktuellen Forschung via Buten und Binnen findest du <a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/videos\/bremer-neurobiologen-forschung-makaken-100.html\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>*Eigene Meinung der Autorin, unabh\u00e4ngig von der Universit\u00e4t Bremen*<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich bin mir dessen bewusst, dass das Thema Tierversuche eine umfangreiche Angelegenheit ist. Daher beziehe ich mich im Nachgang ausschlie\u00dflich auf die Versuche am Bremer Institut am Beispiel Affenforschung. Denn es ist unumstritten, dass es Tierversuche gibt, die nicht den Normen der EU entsprechen und dies nicht im Sinne der Wissenschaft sein kann, durch solche Versuche Ergebnisse zu erzielen. Es f\u00e4llt mir pers\u00f6nlich schwer bei diesem Thema f\u00fcr oder gegen die Tierversuche zu sein. Ich bin daf\u00fcr, dass Drogerie und Kosmetik niemals an Tieren getestet werden sollte. Diese Forschung jedoch bezieht sich auf die Grundlagen unseres Gehirns, sowie Heilungsm\u00f6glichkeiten und Medikamente. Ohne die Versuche an Tieren w\u00e4ren wir zum Beispiel nicht in der Lage, nach einem langen Wochenende oder einer Grippe eine Ibu gegen die Schmerzen zu nehmen. Denn diesen Bereich vergessen wir gerne. Und wer schon einmal einen geliebten Menschen oder auch ein Haustier in seinem Leben hatte, dass unheilbar erkrankte, wei\u00df wie sehr man sich in diesen Situationen w\u00fcnscht, es g\u00e4be eine L\u00f6sung. Doch wie soll eine L\u00f6sung gefunden werden, wenn daran nicht geforscht werden kann? Ich vertraue darauf, dass die Uni Bremen und die Wissenschaftler:innen an Alternativen forschen w\u00fcrden, statt an Tieren wenn es die M\u00f6glichkeit g\u00e4be. Ich vertraue darauf, dass die diversen Stellen, die Richtlinien einhalten und die Forschung sonst nicht erlauben w\u00fcrden. Ich vertraue der Wissenschaft, denn sie liefert Zahlen und Fakten und somit M\u00f6glichkeiten f\u00fcr L\u00f6sungsans\u00e4tze. Diese Affen werden nicht am offenen Gehirn operiert oder mit Stromschl\u00e4gen gefoltert, sondern reagieren auf Dreiecke auf einem Bildschirm, w\u00e4hrend Menschen stupide Arbeit am Flie\u00dfband machen m\u00fcssen. Bei beidem w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn das nicht sein m\u00fcsste. Da sind wir uns sicherlich einig. Aber solang an den Affen unter derartig humanen Bedingungen geforscht wird, sollte man sich meiner Meinung nach lieber Gedanken \u00fcber andere Tierhaltungen wie bspw Massentierhaltung machen. Generell ist und bleibt es ein schwieriges Thema und ich kann beide Seiten nachvollziehen, wodurch ich mich nicht g\u00e4nzlich entscheiden kann. Es ist immer ein Abw\u00e4gen zwischen dem ethischen Empfinden, dem Tierschutz und ob die Fragestellung so wichtig ist, dass es eine derartige Forschung rechtfertigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Welche Gedanken hast du zu diesem Thema? Hinterlasse uns gerne deine Meinung in den Kommentaren. Wir freuen uns \u00fcber einen konstruktiven und achtsamen Austausch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1998 werden an der Universit\u00e4t Bremen am Institut f\u00fcr Hirnforschung Tierversuche durchgef\u00fchrt. Was immer wieder ger\u00fcchteartig auf dem Campus kursierte, tauchte nun h\u00e4ufiger in Artikeln, Plakataktionen und Co. auf. Doch was genau hat es nun damit auf sich? <\/p>\n","protected":false},"author":10956,"featured_media":17170,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[10841,580347],"tags":[897981,897980,15903,352335,415,897984,897982,897983,25968,897985,897979,287,18517],"class_list":["post-17161","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-campus-aktuell","category-eule-erklaert","tag-affen","tag-affenversuche","tag-biologie","tag-ethik","tag-forschung","tag-kreiter","tag-makaken","tag-rhesusaffen","tag-tierschutz","tag-tierschutzverband","tag-tierversuche","tag-uni-bremen","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17161","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10956"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17161"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17161\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17204,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17161\/revisions\/17204"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17170"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17161"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17161"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17161"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}