{"id":15825,"date":"2021-01-18T20:56:33","date_gmt":"2021-01-18T19:56:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=15825"},"modified":"2021-02-01T12:40:24","modified_gmt":"2021-02-01T11:40:24","slug":"wie-ein-student-auf-einer-coronastation-arbeitet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2021\/01\/18\/wie-ein-student-auf-einer-coronastation-arbeitet\/","title":{"rendered":"Wie ein Student auf einer Coronastation arbeitet"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li><strong>Stelle dich bitte kurz vor und erz\u00e4hle, wie du zu dem Beruf Intensivkrankenpfleger gekommen bist?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich bin Max, 31 Jahre alt und studiere Politikwissenschaften an der Uni Bremen. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Intensivkrankenpfleger gemacht. Zu dem Beruf bin ich durch mein Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Abitur gekommen. Ich habe das FSJ in einem Bremer Krankenhaus gemacht f\u00fcr ca. 9 Monate. Danach habe ich dann freiwillig noch 3 Monate hinten drangehangen, um mehr Einblicke auf einer Notaufnahmestation zu bekommen. Das war der Punkt an dem ich gemerkt habe, dass mir die Arbeit total viel Spa\u00df, weil jeder Tag komplett anders ist und ich unbedingt eine Ausbildung in diesem Bereich machen m\u00f6chte. W\u00e4hrend der Ausbildung durchl\u00e4uft man verschiedene Stationen und Bereiche und die Arbeit auf der Intensivstation hat mich am meisten fasziniert und gefordert, aus diesem Grund wollte ich dort unbedingt arbeiten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-15826 alignright\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"317\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-773x1030.jpg 773w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-1125x1500.jpg 1125w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-529x705.jpg 529w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Wie kam es zu der Entscheidung nach fast 10 Jahren Berufserfahrung, ein Studium zu beginnen?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>F\u00fcr mich war immer klar, dass der Beruf des Krankenpflegers nicht das Ende meiner beruflichen Karriere sein sollte. Ich mag den Beruf super gerne, aber das System in dem man als Pfleger arbeitet ist nicht lukrativ genug. Es gibt kaum Aufstiegsm\u00f6glichkeiten, der Schichtdienst und die Wochenendarbeit sind auf Dauer sehr anstrengend. Die meiste Zeit habe ich auf der Arbeit verbracht, hatte kaum private Zeit, bzw. auch Zeit das Erlebte auf der Arbeit sacken zu lassen. Der Personalmangel und die Einsparungen sind in dieser Branche wirklich extrem. Man versucht zwar jeden Tag sein Bestes zu geben, aber irgendwann musste auch ich eingestehen, dass ich alleine die Welt nicht retten kann. Nach dieser Einsicht, kam dann auch ziemlich schnell der Wunsch mich nach einer beruflichen Alternative umzuschauen. So traf ich die Wahl auf Politikwissenschaften, um zuk\u00fcnftig auch an dem ganzen Gesundheitssystem etwas \u00e4ndern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Wie w\u00fcrdest du die Vereinbarkeit von Studium und der Arbeit auf der Intensivstation beschreiben?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich habe gottseidank einen sehr r\u00fccksichtvollen und flexiblen Arbeitgeber. Aufgrundessen kann ich meinen Dienstplan so gestalten, dass es mit meinem Studium \u00fcbereinstimmt. Das bedeutet, dass ich in der Woche dann mit meinem Studium Vollzeit besch\u00e4ftigt bin und an den Wochenenden habe ich dann meine Schichten im Krankenhaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Seit letztem Jahr hat ganz Deutschland mit dem Corona Virus zu k\u00e4mpfen, hast du auf der Arbeit einen Unterschied festgestellt seitdem?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Zeit ist seitdem wirklich sehr stressig und anspruchsvoll. Die Sorge sich selbst anzustecken war hoch und lediglich der Gedanke man k\u00f6nnte das Virus in sich tragen und jemand anderen anstecken, war furchtbar. Wir haben bei uns auf der Station direkt Corona Patienten behandelt und haben die ganze Situation sehr ernst genommen. Es wurden versch\u00e4rfte Ma\u00dfnahmen ergriffen, insbesondere im Bereich der Hygiene.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-15827 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"398\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-1030x1030.jpg 1030w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-80x80.jpg 80w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-768x768.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-36x36.jpg 36w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-180x180.jpg 180w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-1500x1500.jpg 1500w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/signal-2021-01-18-200952-705x705.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 398px) 100vw, 398px\" \/><\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Was hat sich in deinem Arbeitsalltag aufgrund von Corona am meisten ver\u00e4ndert?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Hygienema\u00dfnahmen wurden extrem versch\u00e4rft. Im gesamten Krankenhaus gibt es eine FFP2 Masken Pflicht. Bei der Arbeit mit und an Corona Patienten sogar FFP 3 Masken Pflicht, mit einer weiteren Maske dar\u00fcber. Es werden vermehrt Corona Schnelltest mit den Mitarbeitern gemacht. Jeder Patient der nur grippe\u00e4hnliche Symptome aufweist wird direkt isoliert. Egal ob er Corona getestet wurde oder nicht. Zudem k\u00f6nnen Angeh\u00f6rige oder Besucher nicht mehr die Patienten besuchen. Das ist ein Punkt, bei dem man die Auswirkungen extrem merkt. Die Patienten bei uns auf der Intensivstation ben\u00f6tigen sehr viel Unterst\u00fctzung und R\u00fcckhalt von ihren Angeh\u00f6rigen. Diese d\u00fcrfen Sie aber nicht mehr besuchen und diese soziale, psychische Unterst\u00fctzung m\u00fcssen wir als Personal ebenfalls auffangen. Und das obwohl gerade jetzt weniger Zeit f\u00fcr den Patienten da ist und wir auf solche psychischen Unterst\u00fctzungen gar nicht geschult sind. Das ist wirklich eine gro\u00dfe Herausforderung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><strong>Welche Situation oder Moment war f\u00fcr dich der emotionalste, pr\u00e4gendste in dieser Corona Zeit? <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Es gab einen Mann der das Corona Virus in sich trug, dies aber nicht wusste. Er hat keine Symptome. Trotzdessen steckte er beide seiner Eltern, die beide um die 50 Jahre alt waren, an. Die Eltern waren bei uns auf der Intensivstation Patienten und hatten beide einen sehr schweren Verlauf des Corona Virus. Der Vater ist an den Folgen des Corona Virus gestorben und das ohne Vorerkrankung und so pl\u00f6tzlich. Er war ziemlich stabil, die Lungenwerte waren okay und von der einen auf die andere Sekunde bricht der ganze K\u00f6rper zusammen und der Mensch ist tot. Soetwas habe ich in meiner mittlerweile 12-j\u00e4hrigen Berufszeit nie erlebt. Die Mutter hat \u00fcberlebt, aber hat seitdem starke Einschr\u00e4nkungen und weitere Sp\u00e4tfolgen. Das war der Moment vor dem vermutlich jeder Angst hat und ihn live mitzuerleben war grausam. Ich w\u00fcnsche soetwas niemanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li><strong>Im Bereich des Gesundheitswesens und besonders im Bereich der Pflege gibt es seit Jahren einen Personalmangel. Jetzt in diesen Corona Zeiten, hat sich das ganze extrem zugespitzt. \u00c4rtze, die in Rente waren, wurden wieder eingestellt, Medizinstudierende eingesetzt und alle belegten Doppelschichten. Wie hast du das Ganze erlebt?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich habe nat\u00fcrlich versucht die Balance zwischen Studium und Arbeit nicht zu verlieren. Aber um ehrlich zu sein funktioniert das nicht, in so einer Ausnahmezeit. Ich habe mich damals dazu entschieden, Menschen helfen zu wollen und wenn diese Zeiten mehr Einsatz fordern, bringe ich den gerne. Ich habe aufgrundessen mein Studium extrem runtergefahren, nur 2 statt 6 Module belegt und daf\u00fcr die Stunden im Krankenhaus erh\u00f6ht. Ich habe meinen Urlaub verschoben, genauso wie meine Kollegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"8\">\n<li><strong>Hattest du jemals Angst dich selbst zu infizieren, weil du direkt mit und an Corona Patienten arbeitest?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Nat\u00fcrlich hat man die Sorge sich anzustecken. Aber man muss in seine F\u00e4higkeiten und Qualifikationen vertrauen und in die Hygienema\u00dfnahmen, die aufgestellt wurden. Wir haben ziemlich scharfe Ma\u00dfnahmen was die Arbeit an Corona Patienten angeht. Es gibt eine spezielle Ausr\u00fcstung, die wir tragen m\u00fcssen. Anleitungen und Vorschriften wie diese Kleidung an- und auszuziehen ist.<\/p>\n<p>Und um ehrlich zu sein hatte ich weniger Sorge mich auf der Arbeit, als im Privaten anzustecken. Auf der Arbeit gibt es einen streng kontrollierten Raum, nach dem alles nach Vorschriften und einem Hygienekonzept abl\u00e4uft. Auf der Stra\u00dfe, in Einkaufsl\u00e4den begegnet man Menschen, die sich die Maske nicht einmal richtig aufsetzen oder den Abstand nicht einhalten. Ich finde dort ist das Risiko viel h\u00f6her und somit auch die Angst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"9\">\n<li><strong>Wie hat die Corona Pandemie dich beruflich als auch pers\u00f6nlich gepr\u00e4gt?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Corona Pandemie hat furchtbare Folgen mit sich gebracht, die ich in meinem Job tagt\u00e4glich zu Gesicht bekommen. Gleichzeitig hatte ich das Gef\u00fchl, dass f\u00fcr etwas gut war. Sie hat die ganze Welt pausieren lassen. Menschen konnten erstmals wieder richtig durchatmen und man wurde sich vielem erst so richtig bewusst. Man hat zu sch\u00e4tzen gelernt, dass viele allt\u00e4gliche Dinge nicht selbstverst\u00e4ndlich sind, dass Familie und Freunde das wertvollste sind was wir uns w\u00fcnschen k\u00f6nnen. Ich finde diese R\u00fcckkehr in ein gr\u00f6\u00dferes Bewusstsein f\u00fcr diese Dinge, ist ein extremer Zugewinn. Ich hoffe nur, dass diese Wertsch\u00e4tzung auch nach der Pandemie weiter anh\u00e4lt und die Menschen aus dieser Zeit etwas Nachhaltiges mitnehmen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max ist 31 und seit 10 Jahren Krankenpfleger auf einer Intensivstation in Bremen.<br \/>\nWir haben ihn interviewt um zu wissen wie er beruflich als auch privat mit der aktuellen Corona Situation umgeht.<\/p>\n","protected":false},"author":6629,"featured_media":15829,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[10841,580333],"tags":[704242,142590,820259,287],"class_list":["post-15825","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-campus-aktuell","category-studileben","tag-corona","tag-krankenhaus","tag-krankenpfleger","tag-uni-bremen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15825","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6629"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15825"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15825\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15880,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15825\/revisions\/15880"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15829"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}