{"id":15770,"date":"2021-01-08T15:27:34","date_gmt":"2021-01-08T14:27:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=15770"},"modified":"2021-01-08T15:27:34","modified_gmt":"2021-01-08T14:27:34","slug":"hilfe-zur-selbsthilfe-mit-der-psychologischen-beratungsstelle-im-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2021\/01\/08\/hilfe-zur-selbsthilfe-mit-der-psychologischen-beratungsstelle-im-gespraech\/","title":{"rendered":"&#8222;Hilfe zur Selbsthilfe&#8220; &#8211; mit der psychologischen Beratungsstelle im Gespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Seit Beginn der Corona-Pandemie wird viel \u00fcber die psychische Gesundheit Betroffener diskutiert. Insbesondere Studierende, die zum Teil sowohl unter finanziellen Sorgen als auch unter enormem Leistungsdruck stehen, haben momentan harte K\u00e4mpfe auszufechten. <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Swantje Wroble ist Leiterin der psychologischen Beratungsstelle des Studierendenwerks und berichtet in diesem Interview, wie Sie und Ihr Team Studierende unter gegeben Umst\u00e4nden, aber auch schon seit Gr\u00fcndung der Uni Bremen, innerhalb ihres Studiums unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>W<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>as war der Grund bzw. Anlass zur Gr\u00fcndung der psychologischen Beratungsstelle, <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>von wem wurde<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b> das initiiert und wann?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Die Beratungsstelle gibt es seit 1974, die Uni hat glaube ich <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">1971 aufgemacht. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">E<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">s kam dann nat\u00fcrlich ganz klar das <strong>Studierendenwerk<\/strong> dazu &#8211; damals noch das Sozialwerk. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">D<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">as Studierendenwerk ist eine Einrichtung, die erfunden worden ist in den 20er Jahren, um das Studieren auch f\u00fcr nicht so verm\u00f6gende Menschen m\u00f6glich zu machen, durch verbilligtes Essen, verbilligtes Wohnen, ev<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">entuell<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> die finanzielle F\u00f6rderung \u00fcber B<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">A<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">f\u00f6G. Das sind alles sozusagen Solidarleistungen, die erbracht werden, damit auch Menschen, die nicht so einen Zugang zu Geld haben, ein Studium erm\u00f6glicht werden kann. Und in dem Zusammenhang findet nat\u00fcrlich die psychologische Beratung oder die Sozialberatung ihre Berechtigung. <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">I<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>n jedem Studium k\u00f6nnen Schwierigkeiten oder Probleme auftreten<\/strong>; sei es, dass sie studienbezogen sind, also Schreibblockade<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">n<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">, Pr\u00fcfungs\u00e4ngste, so Klassiker eigentlich; <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">e<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">s k\u00f6nnen aber auch private Probleme sein. Also, dass man ein Elternteil verliert oder dass man Heimweh hat, wenn man im ersten Semester studiert und in einer neuen Stadt ist usw. Und das war eigentlich der Ausgangspunkt, um zu sagen, Studierende brauchen auch eine psychosoziale Anlaufstelle, die auf ihre Belange zugeschnitten ist. Das hei\u00dft, in psychologischen oder Sozialberatungsstellen arbeiten Menschen, die sich in dem Hochschulbereich gut auskennen. <strong>\u201eWas bedeutet es, zu studieren?\u201c<\/strong> Das ist also <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">speziell<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> eine Beratung, die <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">auf diese Lebensphase zugeschnitten ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Wir haben auch eine <strong>Sozialberatung<\/strong>, die ist bei uns in der Stelle r\u00e4umlich integriert. Da kann man hingehen, wenn man finanzielle Themen hat, wie:<strong> \u201eWie finanziere ich mein Studium?\u201c, \u201eWelche M\u00f6glichkeiten habe ich, wenn ich ein Kind habe?\u201c, \u201eWas muss ich erf\u00fcllen, wenn ich ein Stipendium beantragen will?\u201c.<\/strong> Also alles, was so um Wohnen und Geld usw. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">e<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ine Rolle spiel<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">t<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">. All diese Fragen k\u00f6nnen in der Sozialberatung beantwortet werden. Die Kombination von psychologischer und Sozialberatung ist nat\u00fcrlich super, denn Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, <strong>wenn man ein Problem hat, hat man meist auch das andere.<\/strong><\/span><\/p>\n<table style=\"width: 100.201%;height: 102px\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%\" valign=\"top\" width=\"100%\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Die psychologische Beratungsstelle an der Universit\u00e4t Bremen ist eine Einrichtung des Studierendenwerks und daher hochschulunabh\u00e4ngig in ihrer psychologischen und Sozialberatung. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Neben der Anlaufstelle auf dem Campusgel\u00e4nde gibt es noch Au\u00dfenstellen an den Hochschulen von Bremen und Bremerhaven sowie zuk\u00fcnftig auch<\/span> <span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">der Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Da die Beratungskosten u.a. durch die Studiengeb\u00fchren gedeckt werden, ist das Angebot kostenlos f\u00fcr Studierende. <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Ja, das ist ganz oft der Fall. <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Man kann auf Ihrer Website lesen, was f\u00fcr Anliegen es im Allgemeine gibt und da hab ich mich gefragt, was die Hauptanliegen von Studierenden der letzten Jahre sind. Das hat sich ja bestimmt ge\u00e4ndert in den schon fast 50 Jahren <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>seit der Gr\u00fcndung.<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Oh ja, also ich kann einen Zeitraum von 20 Jahren \u00fcberblicken. Ich hab<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">e<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> Ende <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">19<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">99 hier angefangen als Leiterin und seinerzeit war es so, dass <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">s<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">o die typischen Dinge, mit denen Studierende gekommen sind,<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> die <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Klassiker waren, also <strong>Pr\u00fcfungs\u00e4ngste, Rede\u00e4ngste, Schreibblockaden<\/strong>. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">S<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ie hatten auch noch andere Probleme, aber <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">es<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> hat sich in der ganzen Bundesrepublik gezeigt, dass diese studienbezogenen Themen immer im Vordergrund standen. <strong>Im Laufe meines Arbeitslebens hat es eine Ver\u00e4nderung gegeben<\/strong> und zwar war das so im Jahr 2010, 2012 etwa. Da tauchte erstmalig auf Platz Nummer 1, also welcher Anlass des Kommens wird am h\u00e4ufigsten genannt, die <strong>depressive Verstimmung <\/strong><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">auf<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">. Das hei\u00dft, es wurden depressive Symptomatiken geschildert, also <strong>Motivationsverlust, Ersch\u00f6pfung, Stress, Selbstzweifel, Gr\u00fcbeln, Konzentrationsprobleme<\/strong>. D<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ie <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Studierenden <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">haben<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> beschrieben, <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">dass sie <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">deshalb in die Beratung <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">kommen<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Schlafschwierigkeiten und<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> depressive Verstimmung<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">en<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> ha<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ben<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> sich seit dem auf Platz 1 gehalten.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>K\u00f6nnen Sie sich diesen Wandel erkl\u00e4ren?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Eine ganz banale Erkl\u00e4rung ist: vielleicht haben wir die Studierenden vorher nur nicht so genau befragt. Das k\u00f6nnte so sein, es war also schon vorher so, wir haben nur nicht so genau danach gefragt. Aber ich k\u00f6nnte mir auch vorstellen, dass es etwas zu tun hat mit leicht ver\u00e4nderten Leistungsanforderungen. Sie kennen die alten Studienbedingungen nicht mehr, also Diplom und Magister \u2013 diese Umstellung <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">vollzog sich<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> ja <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">etwa <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">in Bremen so 2006, 2007.<strong> Das Studium hat sich eher f\u00fcr die Studierenden komprimiert; die Leistung<\/strong><\/span><strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">sa<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">bfragen vollzogen sich<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> von <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Studienbeginn <\/span><\/strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>an<\/strong>. Das k\u00f6nnte eine Erkl\u00e4rung sein, dass man also auch von Anfang an mit Schwierigkeiten konfrontiert wird; wobei das bei Diplom- oder Magisterstudieng\u00e4ngen weiter nach hinten gezogen wurde. <strong>Wenn man also Schreibschwierigkeiten hatte, dann merkte man das am Ende des Studiums und nicht am Anfang.<\/strong> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Und ich vermute auch mal, so aus der Erfahrung heraus, dass sich <strong>der Druck im Studium auch einfach vergr\u00f6\u00dfert<\/strong> hat. Den Bachelor in sechs Semestern Regelstudienzeit durchziehen und wenn\u2019s dann sieben werden, ist man schon \u201eschlecht\u201c. Der Druck, den die Studierenden sich selber machen, hat sich sicherlich auch vergr\u00f6\u00dfert. Aber das ist auch <strong>ein Ausdruck des gesellschaftlichen Druckes<\/strong>. Studierende sind ja sehr in den Fokus geraten in der Bildungspolitik; es hie\u00df, die deutschen Studierenden studieren zu lange im Vergleich zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern usw. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Das nur mal als Erkl\u00e4rung, um das etwas beleuchten zu k\u00f6nnen, es gibt aber keine handfesten wissenschaftlichen Belege daf\u00fcr. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Wo wir gerade bei Ver\u00e4nderungen sind: Wir haben jetzt ja fast ein Jahr Corona hinter uns \u2013 haben sich in der Zeit die Beratungsbedarfe nochmal ver\u00e4ndert oder sind diese jetzt bei Depressionen <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>etc<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>. geblieben?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Ich hab neulich mal versucht, <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">das <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">so ein bisschen zu er<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">u<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ieren. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Tats\u00e4chlich ist es so, wenn Studierende Schwierigkeiten hatten im psychischen Bereich, also wenn sie unter Stress oder Depressivit\u00e4t litten, dann hat sich die Symptomatik nat\u00fcrlich noch verst\u00e4rkt. <strong>Allein die Situation, das angewiesen Sein auf selbststrukturiertes Arbeiten, das sind ja alles erh\u00f6hte Anforderungen.<\/strong> Und die sind eher belastend als entlastend. <strong>Da muss man schon ganz sch\u00f6n tough sein, um das einigerma\u00dfen hinzukriegen.<\/strong> Manche profitieren davon &#8211; die Mehrzahl eher nicht, sondern das Leiden wird gr\u00f6\u00dfer. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">D<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">as hat auch was mit Finanzierung zu tun: <strong>\u201eWird mein Studium l\u00e4nger finanziert, wenn ich BAf\u00f6G kriege?\u201c, \u201eIch hab meinen Job verloren, was mach ich jetzt?\u201c, \u201eJetzt muss ich noch l\u00e4nger studieren und ich war sowieso schon hinten dran.\u201c <\/strong><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">D<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">as sind auch durchaus existenzielle Fragen <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">und das<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> ver\u00e4ndert und vergr\u00f6\u00dfert den Druck auf Studierende, die dann zus\u00e4tzlich noch allein gelassen sind damit. Ein wichtiges Element am Studieren ist ja, mit anderen zusammen zu sein, das f\u00e4llt schlicht und ergreifend einfach weg. Und von daher denke ich, ja, diese Verunsicherung ist einfach sp\u00fcrbar, die ist deutlich.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Nicht nur die Studierenden unterliegen jetzt den Problematiken <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>von Corona<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>, <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>sondern <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>auch<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b> die Beratenden, <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>f\u00fcr die jetzt<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b> alles schwieriger umzusetzen ist. <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Die \u00fcbliche Beratung von Angesicht zu Angesicht ist<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b> ja jetzt nicht m\u00f6glich. M\u00f6gen Sie einmal beschreiben, wie sich die Art und H\u00e4ufigkeit der Beratungsangebote dieses Jahr ver\u00e4ndert haben?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">D<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">er erste Lockdown war ja <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">im<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> M\u00e4rz und der hat uns in der Beratung ziemlich kalt erwischt. Ich glaube, es gibt niemanden, der sagt: \u201e<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">I<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ch war da gut vorbereitet\u201c. Es war tats\u00e4chlich so, dass wir <strong>auf Telefonberatung umgeschaltet<\/strong> haben. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Weg <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">von <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">der Beratung <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">von Angesicht zu Angesicht. Das war f\u00fcr uns Beratende erst mal komisch, weil wir es ja gewohnt sind, wirklich auch alle Kan\u00e4le zur Verf\u00fcgung zu haben, also den visuellen und den auditiven &#8211; <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">d<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">a mussten wir uns erst mal dran gew\u00f6hnen. Wir sind als Team allerdings auch aufgeteilt worden, um die Corona-Infektionsgefahr zu relativieren, sodass wir in zwei Teams gearbeitet haben. Das hat es auch nochmal ein bisschen erschwert. Aber letztendlich konnten wir f\u00fcr die Studierenden die Telefonberatung aufrecht erhalten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>Schwierig war das f\u00fcr das Gruppenangebot; eine Gruppe lebt wirklich von dem Miteinander.<\/strong> Wir haben dann mehr schlecht als recht versucht, das \u00fcber Telefonkonferenzen zu machen, weil wir keine visuellen Medien nutzen durften aufgrund von datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Alle haben gefragt: \u201e<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">W<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">arum machen wir <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">das<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> nicht \u00fcber Zoom?\u201c Aber <strong>wir machen eine Arbeit, die der Schweigepflicht unterliegt<\/strong> und von daher sind wir an <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">datenschutzrechtliche Regeln<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> gebunden. Wir sind dabei, jetzt solche <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Medien zu installieren, aber wir warten noch auf das &#8222;No&#8220; oder &#8222;Yes&#8220; unseres Datenschutzbeauftragten. Davon h\u00e4ngt es eben ab. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>Was leider ausfallen musste, waren Angebote wie Workshops<\/strong>, die einfach im pers\u00f6nlichen Rahmen stattfinden und auch mal \u00fcber zwei Tage gehen. Wir haben dann versucht, ein anderes Format zu finden, dass wir das \u00fcber Sprechstunden machen oder so. Das klappt nicht besonders gut, aber es ist vielleicht besser als gar nichts. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">D<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">as Hauptaugenmerk lag im Fr\u00fchjahr einfach auf der telefonischen Beratung und nat\u00fcrlich auf dem Ausprobieren von neuen Formaten, im Zusammenhang mit \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Das wir <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">beide<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> jetzt so \u00fcber Zoom kommunizieren, da w\u00e4ren wir vor einem Jahr noch nicht drauf gekommen. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Irgendwie hat ja die Pandemie auch was Positives, nicht wahr? Man entwickelt sich weiter, weil man das auch einfach muss. <\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Genau, wir haben auch in der Beratungsarbeit \u00fcber neue Formate nachgedacht, gerade jetzt beim zweiten Lockdown. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">E<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ine Kollegin hat z<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">um Beispiel<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> ein interaktives Angebot entwickelt; sie stellt jede Woche Texte bei uns auf die Homepage. <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2020\/11\/11\/psychische-gesundheit-studieren-zu-zeiten-von-corona\/\"><strong>\u201eTrotz Corona erfolgreich studieren\u201c<\/strong><\/a> hei\u00dft das. Da kann man sich ein Arbeitsblatt <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">he<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">runterladen und wenn man m\u00f6chte, kann man dann in den Chat einsteigen. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Wir versuchen uns ein bisschen anzupassen an die Belange, die jetzt vielleicht eine Rolle spielen k\u00f6nnten. Und in der Telefonberatung ist es nat\u00fcrlich auch m\u00f6glich, N\u00e4he herzustellen. Wir sind selber ganz erstaunt, wie intensiv sich die Arbeit dann doch auch mal gestaltet. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Gruppenangebote sind ja eher langfristigere Beratungsangebote. Was ist denn die Regel, also dass sich jemand ein, zwei Mal meldet und dann ist es wieder okay oder sind eher langfristige Beratungen die Regel?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Charakteristikum von Beratungsstellen ist, dass Beratung eher kurz- bis mittelfristig angelegt ist, im Gegensatz zu einer l\u00e4ngerfristigen Therapie, die mindestens 25 Stunden dauert. <strong>Bei uns liegt der Durchschnitt so bei drei Kontakten.<\/strong> Man kann ein Mal einen Beratungstermin haben, wo eigentlich schon klar ist, dass es z.B. Sinn macht, eine Therapievermittlung zu machen. Das w\u00fcrden wir in ein bis zwei Gespr\u00e4chen vielleicht behandeln. Es kann aber auch sein, dass jemand uns sieben, acht Mal in Anspruch nimmt. Oder, wenn jemand in einer Gruppe ist, auch l\u00e4nger, vielleicht \u00fcber zwei Semester sogar. Aber bei der Einzelberatung ist es so, dass man in der Regel irgendwas zwischen ein und maximal zehn Kontakten hat. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Sie hatten gerade den Punkt der Therapie erw\u00e4hnt: Inwiefern kann der Besuch der Beratungsstelle den Besuch einer psychotherapeutischen Praxis ersetzen? Es ist klar, dass eine Beratung keinen Ersatz f\u00fcr eine vollwertige Therapie liefern kann, aber vielleicht l\u00f6sen sich ja manche Probleme schon nach ein, zwei Gespr\u00e4chen auf. Haben Sie da Erfahrungen gesammelt?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Ja, da sprechen Sie etwas ganz Wichtiges an. Das ist glaube ich der ganz gro\u00dfe Unterschied zwischen Beratung und Therapie. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>Therapien sind eher l\u00e4ngerfristig angelegt und es geht dort eher darum, problematisches oder beeintr\u00e4chtigendes Verhalten, Denken oder Empfinden langfristig zu ver\u00e4ndern<\/strong>, sodass der oder die Betroffene mehr Lebenszufriedenheit entwickelt. Bei der Beratung ist es h\u00e4ufig so, dass jemand unter einem Thema sehr leidet &#8211; aber wenn man sich das dann mal zwei, drei Stunden lang anguckt oder vielleicht auch mal vier, f\u00fcnf, dass sich dieses Problem dann \u2013 ich will nicht sagen in Luft aufl\u00f6st \u2013 aber als handhabbar erweist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>Wir versuchen eher, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben<\/strong>, daf\u00fcr sind wir nat\u00fcrlich Experten. Und wir haben alle therapeutische Ausbildungen, aber wir begleiten die Betroffenen nicht so l\u00e4ngerfristig oder sagen wir, nicht so pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4ndernd. Das kann keine Aufgabe von Beratung sein. <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">E<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">s geht eher darum, zu gucken,<strong> wie kann ich dir wieder erm\u00f6glichen, mit eigenen Kr\u00e4ften die Probleme, die da sind und auch weiterhin auftauchen werden, selber anzugehen, <\/strong><\/span><strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">so<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>dass du damit auch erfolgreich bist.<\/strong> Das ist so ein bisschen der Unterschied zwischen <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">sogenannter \u201e<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Erkrankung\u201c und psychischer Gesundheit \/ Stabilit\u00e4t. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>Wir sind ja alle auch mal traurig oder haben unsere Schwierigkeiten<\/strong>, das hei\u00dft aber nicht gleich, dass wir krank oder behandlungsbed\u00fcrftig w\u00e4ren, sondern wir brauchen dann vielleicht mal die Unterst\u00fctzung von Freunden oder wir brauchen Unterst\u00fctzung von der psychologischen Beratung. Da <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">kann<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> si<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ch<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> also mit wenigen Gespr\u00e4chen problematisches Verhalten oder Empfinden oft l\u00f6sen. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Wenn Sie da <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>nun<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b> einen Therapiebedarf erkennen w\u00fcrden, dann w\u00e4re die Unterst\u00fctzung Ihrerseits aber auch gegeben, also <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>beispielsweise<\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b> beim Vermitteln?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Ja, auf jeden Fall! Wir haben <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">da<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> einen guten \u00dcberblick und k\u00f6nne<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">n<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> eben auch entsprechende Hinweise geben, wie: <strong>\u201e<\/strong><\/span><strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">W<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><strong>elche Therapieform w\u00e4re geeignet?\u201c<\/strong> oder <\/span><strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">\u201eW<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">elcher Therapeut \/ welche Therapeutin, hat sich auf dieses oder jenes spezialisiert?\u201c <\/span><\/strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Das verstehen wir als ganz wichtigen Schwerpunkt bei uns. Denn <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">wenn man <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">als Laie dann ins Telefonbuch guckt und sucht sich jemanden raus, dann scheitert man schon sehr schnell. Und deswegen macht es Sinn, so etwas bei uns vorzuschalten, damit man auch gut vorbereitet ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Es kommen viele Frage<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">n wie: \u201e\u00dc<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">bernimmt das meine Krankenkasse?\u201c und \u201e<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">W<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ie nehme ich Kontakt auf?<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">\u201c <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">und \u201e<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">W<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">as ist, wenn ich den \/ die nicht mag?\u201c Das sind alles wichtige und ernstzunehmende Dinge, die man vorher ganz gut kl\u00e4ren kann, wo man <strong>Angst nehmen<\/strong> kann und dann jemand selbstbewusst darauf zugeht und sagt <strong>\u201eJa, das mach ich jetzt &#8211; <\/strong><\/span><strong><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">i<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">ch denke, das wird mir gut tun!\u201c<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Da kann man also nichts falsch machen mit Ihrer Beratung \u2013 es kann nur gut ausgehen. <\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">Ich hoffe doch! (lacht) Wir haben in den letzten Jahren <strong>Zufriedenheitsbefragungen<\/strong> gemacht und die R\u00fcckmeldungen waren immer \u00fcberw\u00e4ltigend. Ich war immer ganz gl\u00fccklich, weil <strong>95 oder 97% restlos zufrieden<\/strong> waren. Es gab nat\u00fcrlich auch Kritik, aber wir versuchen auch uns nach den Belangen der Studierenden \u2013 denn das ist unsere Zielgruppe \u2013 auszurichten und unser Angebot <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\">so<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"> passgenau auszurichten, dass man sich da auch etwas abholen kann. <\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Neugierig geworden?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>Unter <a href=\"https:\/\/www.stw-bremen.de\/de\/beratung\">https:\/\/www.stw-bremen.de\/de\/beratung<\/a> <\/b><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><b>findet ihr neben weiteren Informationen auch Kontaktdaten sowie die aktuellen telefonischen Sprechzeiten. <\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leistungsdruck, finanzielle Sorgen, Motivationsschwierigkeiten: alles keine Fremdw\u00f6rter f\u00fcr die meisten Studierenden heutzutage. 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