{"id":12249,"date":"2019-01-30T18:08:53","date_gmt":"2019-01-30T17:08:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/?p=12249"},"modified":"2019-01-31T12:57:40","modified_gmt":"2019-01-31T11:57:40","slug":"studieren-mit-kind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/2019\/01\/30\/studieren-mit-kind\/","title":{"rendered":"Studieren mit Kind"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>In meiner Kindheit habe ich oft und gerne Vater \u2013 Mutter \u2013 Kind mit meinen Freund*innen gespielt. Ohne gro\u00df dar\u00fcber nachzudenken, was sp\u00e4ter einmal sein w\u00fcrde, ohne Erwartungsdruck oder \u00fcberm\u00e4\u00dfige Verantwortung. Ein einfaches Spiel. Ich erinnere mich daran, wie ich damals des \u00d6fteren sagte: \u201eWenn ich mal erwachsen bin, dann m\u00f6chte ich viele Kinder haben \u2013 am besten w\u00e4ren Zwillinge!\u201c. Jetzt, mit Mitte zwanzig, muss ich grinsen, wenn ich daran zur\u00fcckdenke, wie naiv ich damals war. \u00a0Es beginnt allm\u00e4hlich \u2013 das Kinderkriegen. Um mich herum zumindest. Ganz langsam und dann irgendwie pl\u00f6tzlich wird es zum Thema in meiner Familie und in meinem Freundeskreis. Seltsamerweise fallen mir erst dann die vielen jungen Eltern mit ihren Kindern auf unserem Campus auf. In der Mensa, bei den Veranstaltungen und eigentlich \u00fcberall. Ich frage mich, wie das wohl ist, studieren mit Kind?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um das herauszufinden frage ich spontan eine Kommilitonin, welche auch junge Mutter ist, ob sie mir dazu ein paar Fragen beantworten m\u00f6chte. Mich interessieren ihre Eindr\u00fccke und Erfahrungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jessica studiert genau wie ich im 5. Semester, KuM\u00c4B und Kuwi. Sie ist 22 und seit zwei Jahren Mutter ihrer kleinen Tochter. \u201eIch bin ungeplant Schwanger geworden\u201c erz\u00e4hlt sie mir offen, als wir uns zum Reden einen ruhigen Ort im GW2 direkt neben einer Heizung suchen. Eigentlich wollte sie eine Ausbildung als Tierpflegerin machen und hat sich aufgrund ihrer Schwangerschaft, dann doch f\u00fcrs Studium entschieden. Obwohl sie mehrmals die Woche pendeln muss, ist das Studium f\u00fcr sie eine flexiblere Alternative. Au\u00dferdem hat ihr das Angebot der Uni Bremen f\u00fcr Eltern gefallen, da es sich auch durch Kinderfreundlichkeit auszeichnet und Unterst\u00fctzung f\u00fcr Studierende mit Kind anbietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu Beginn ihres Studiums nimmt sie ihre kleine Tochter, samt Kinderwagen, Windeln, Fl\u00e4schchen und ihrem Lernkram mit zu ihren Veranstaltungen in die Uni. Als ich sie frage, wie diese Zeit f\u00fcr sie gewesen ist und wie sie sich dabei gef\u00fchlt hat, antwortet sie mir:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eAlso am Anfang habe ich mich immer so ein bisschen unwohl dabei gef\u00fchlt, weil ich nicht wusste wie die Dozenten reagieren. Ich bin dann meistens hingegangen und hab immer gefragt, ob es okay w\u00e4re, wenn ich mein Baby mitbringe. <em>\u201eEs schl\u00e4ft auch die ganze Zeit \u2013 keine Sorge! Ich geh\u2018 auch sofort raus, wenn es weint\u201c.<\/em> Und der Gro\u00dfteil war relativ locker und hat mich auch unterst\u00fctzt. Ich fand es anfangs total schwierig, die Wege mit dem Kinderwagen zu finden, um hier die R\u00e4ume zu erreichen, weil die Fahrst\u00fchle alle in diesen T\u00fcrmen [beim GW2-Geb\u00e4ude] sind. Bis man die gefunden hat, hat das seine Zeit gedauert.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotzdem meint Jessica, dass sie auch Gl\u00fcck hatte das ihre Tochter ein stilles Baby war und die meiste Zeit geschlafen hat, wenn sie in der Uni waren. F\u00fcr Eltern, dessen Babys etwas lautst\u00e4rker sind, d\u00fcrfte sich das Studieren etwas schwieriger gestalten, da sie die Veranstaltungen weder st\u00f6ren noch verpassen m\u00f6chten. F\u00fcr Jessica waren genau das die schwierigen Momente. Wenn sie den Raum doch mal mit weinenden Kind verlassen musste.\u00a0 Oder wenn sie zuhause bleibt, weil ihre Tochter krank ist und sie f\u00fcr sie da sein m\u00f6chte. Dann beschleicht sie das Gef\u00fchl, wichtige oder spannende Themen zu verpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich frage Jessica nach ihrem Eindruck, dar\u00fcber wie sie von ihren Kommiliton*innen als junge Mutter wahrgenommen wurde, wenn sie ihre Tochter in der Uni dabei hatte:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eIch habe das Gef\u00fchl, dass ich dadurch nicht so gut Anschluss gefunden habe \u2013 gerade auch, weil ich nicht in Bremen wohne. Es ist dann schwierig gemeinsam etwas zu unternehmen, weil ich oft meinen Zug kriegen und mein Baby nach Hause bringen musste. Ich hatte mir irgendwie vorgestellt, dass hier [an der Uni] viel mehr M\u00fctter mit Kindern rumlaufen, aber in meinem Studiengang war ich gef\u00fchlt die Einzige [\u2026]. Ich hab mich dadurch auch bisschen \u2026 isoliert, sag ich mal, und so auch schlecht Anschluss gefunden.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch wenn Jessica vermutet, dass ihr Studi-Leben ganz anders verlaufen w\u00e4re, wenn sie ohne Kind studiert h\u00e4tte und nach Bremen gezogen w\u00e4re, bereut sie es nicht Mutter geworden zu sein. Mutter zu sein h\u00e4tte sie positiv ver\u00e4ndert: \u201eIch glaube, dass ich dadurch total verantwortungsbewusst geworden bin und auch viel stressresistenter [\u2026]. Ich glaube einfach das ich erwachsener geworden bin.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_12258\" style=\"width: 175px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12258\" class=\"wp-image-12258 \" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/eule\/files\/2019\/01\/Bewerbungsfoto-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"165\" height=\"237\" \/><p id=\"caption-attachment-12258\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcr diesen Artikel haben wir uns mit Jessica (22), studiert KuM\u00c4B und Kulturwissenschaft, unterhalten.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">In unserem Gespr\u00e4ch betont Jessica mehrmals, wie wichtig ihr die Sicherheit und der R\u00fcckhalt ihrer Familie ist, welche sie bei ihrem Studium unterst\u00fctzt, indem sie zum Beispiel einspringen, falls die Tagesmutter ihrer Tochter mal ausf\u00e4llt und Jessica dringend in der Uni anwesend sein muss. Denn tats\u00e4chlich ist es die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung, immer eine Betreuung f\u00fcr das Kind zu haben. Genau in diesen Momenten ist sie sehr dankbar f\u00fcr die Unterst\u00fctzung ihrer Familie. So hatte sie nie das Gef\u00fchl, auf etwas verzichten zu m\u00fcssen und konnte gleichzeitig ihren Weg als Mutter finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beratungsangebote und Services an der Uni Bremen:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.asta.uni-bremen.de\/referate\/studierende-mit-kind\/\">https:\/\/www.asta.uni-bremen.de\/referate\/studierende-mit-kind\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es beginnt allm\u00e4hlich \u2013 das Kinderkriegen. Um mich herum zumindest. Ganz langsam und dann irgendwie pl\u00f6tzlich wird es zum Thema in meiner Familie und in meinem Freundeskreis. Seltsamerweise fallen mir erst dann die vielen jungen Eltern mit ihren Kindern auf unserem Campus auf. 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