Plakate, Poster, Proteste – Warum politischer Aktivismus und Hochschulen miteinander verknüpft sind
Wer im Zentralbereich aus der Bahn steigt, dem fällt direkt ein Schriftzug ins Auge; „Meat is murder“ steht da in großen Lettern zwischen den Bahnschienen auf den Asphalt gesprüht, eine für alle sichtbare, unmissverständliche Botschaft, die offensichtlich von an Tierschutz

Die Banner in der Glashalle
interessierten Studierenden angebracht wurde. Führt der weitere Weg durch das Herz des Campus, die Glashalle, wird man direkt von einer ganzen Fülle ähnlicher Nachrichten begrüßt. Banner reiht sich lückenlos an Banner, Meinung an Meinung, Botschaft an Botschaft. Weiterhin braucht man bloß den Blick auf die Treppe richten, um auch eine ganz offizielle Positionierung der Uni zu entdecken. „Come as you are“, der Slogan der Uni Bremen, ist auf den bunt angemalten Treppenstufen zu lesen – ein Motto, welches das Leitbild der Uni Bremen widerspiegeln soll: „Wir bekennen uns zu unserer gemeinsamen Verantwortung für die weltweit notwendigen sozialen und ökologischen Veränderungen, für Demokratie, Vielfalt und für Gerechtigkeit.“ So lautet es auf der Homepage der Uni Bremen. Auf dem Boulevard geht es direkt weiter: Plakate, Flyer, Sticker. Zahlreiche verschiedene Aussagen und Einstellungen zieren eine Großzahl der Flächen.
Also egal ob durch Einzelpersonen, durch hochschulpolitische Gruppen oder ganz offiziell von der Uni selbst: Sozialer und politischer Aktivismus ist vom Campus nicht wegzudenken – und das nicht nur in Bremen! Schon seit jeher engagieren sich besonders Studierende sowohl direkt an ihren Hochschulen als auch außeruniversitär politisch, bilden Vereinigungen und Gruppen (man denke als prominentestes Beispiel an die 68er-Bewegung) und organisieren politische Aktionen, wie an der Bremer Uni 2023 die Besetzung des Hörsaalgebäudes.
Das ist keine Überraschung; schließlich ist gerade der Eintritt in das junge Erwachsenenleben eine Zeit, in der viele Studierende sich selbst finden: Was ist mir wichtig? Wofür setze ich mich ein? Wo sehe ich in unserer Gesellschaft Verbesserungs- und Handlungsbedarf? Während diese Fragen von Vertreter*innen älterer Generationen gerne als jugendlicher Idealismus belächelt werden, trägt das politische Engagement Studierender tatsächlich einen wichtigen Teil zu gesellschaftlichen Wandelprozessen bei. Wissenschaftliche Bildung wird mit politischer Meinung verknüpft, bisher als selbstverständlich erachtete Systeme hinterfragt, gesellschaftliche Ziele und die Wege dorthin neu gedacht. Was wie utopischer Idealismus wirkt, ist eigentlich der noch unverbrauchte Blick junger Menschen, die den Fokus auf ihre persönlichen Werte noch nicht verloren haben – solche Menschen braucht die Gesellschaft, um Fortschritt zu wagen, um aus den „das haben wir nunmal immer so gemacht“-Argumenten herauszutreten und über den Tellerrand zu blicken.
Natürlich muss sich der politische Aktivismus auf dem Campus auch an bestimmte Regeln halten; für Diskriminierung, Schwurbeleien oder Demokratiegefährdung sind Universitäten der völlig falsche Ort. Doch grundsätzlich sind Hochschulen Orte der freien Entfaltung, an denen neue Ideen entstehen und ihren Lauf nehmen. Manchmal scheitern sie – hier lohnt sich der Blick auf den Versuch der ursprünglichen Gestaltung des GW2 als Großraumbüro, geplant als eine sinnbildliche Verkörperung des Konzepts der unhierarchischen Reformuni Bremen – manchmal gelingen sie aber auch und finden ihren Weg vom Campus in die breite Öffentlichkeit.
In jedem Fall war und ist die Uni nie unpolitisch, genauso wenig wie Forschung, Bildung oder Lehre es jemals sein können. Gerade in Zeiten, in denen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit immer salonfähiger werden, müssen Hochschulen standhaft bleiben, sich nicht durch die Forderung nach vermeintlicher Neutralität einschüchtern lassen und auf einen faktenbasierten Diskurs, wissenschaftliche Bildung und Vielfalt in den Seminarräumen beharren. Und dabei spielen wir Studierende, die das Bild auf dem Campus prägen, eine tragende Rolle.









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