Als begeisterte Besucherin der großen und kleinen Bühnen fehlt mir der Gang ins Theater dieses Jahr doch zunehmend. Bremen ist – unter normalen Bedingungen – was Angebote dieser Art angeht, ja recht gut aufgestellt; es gibt Theater für jeden Geschmack, jedes Alter und jeden Geldbeutel. Für Studenten ist der Spaß sogar oft kostenlos oder deutlich ermäßigt. Das bringt natürlich herzlich wenig, wenn einem ein erneuter Teil-Lockdown einen Strich durch die Rechnung macht.

Über den Newsletter der „Bremer Shakespeare Company“ (BSC) ist mir vor Kurzem ein interessantes Alternativangebot zugeflogen: eine über Zoom veranstaltete öffentliche Probe ihres neuen Stückes „Ich, Malvolio“. Da ich ein großer Fan der öffentlichen Proben bin und gerne in den Entstehungsprozess einer Szene hineinlinse, habe ich zwar aus zeitlichen Gründen nicht direkt bei der ersten, aber immerhin der dritten Online-Probe vorbeigeschaut. Und ich muss sage: es hat sich definitiv gelohnt!

Die Probe war für den Mittwochabend um 19:30 angesetzt, die Zuschauer:innen wurden (wie man es von Vorlesungen bereits kennt) ein paar Stunden vorher über einen Zoom-Link eingeladen und konnten einige Minuten vor Probenbeginn den virtuellen Zuschauersaal betreten.

Viele hatten zu Beginn ihre Kameras an, wodurch ich mir ein Bild der 75 bunt gemischten Zuschauer:innen machen konnten; von den Zwanzigern bis ins hohe Rentenalter war wirklich alles vertreten. Alleine schon zu sehen, wie Nicht-Studierende mit der Technik umgehen, die wir „alten Zoom-Hasen“ jeden Tag für die Uni nutzen, war für mich wirklich spannend.

Pünktlich erschienen vier Personen auf der Bühne und nach einer kurzen Einführung von Peter Lüchinger, dem Regisseur des Stücks, begann Tim Lee auch schon mit seinem Dialog als Malvolio.

Vielleicht lag es daran, dass ich schon öfter bei der Shakespeare Company zu Gast war, vielleicht auch am schauspielerischen Talent; auf jeden Fall ist für die Kürze der zwanzigminütigen Probe eine echte Theateratmosphäre aufgekommen. Der Monolog war fesselnd, abwechslungsreich und so hingebungsvoll inszeniert, dass ich zum Schluss wirklich Lust hatte, zu applaudieren (was einige virtuell auch taten).

Da es sich wie erwähnt um eine Probe und kein vollständiges Stück handelte, gab es natürlich Raum für Verbesserungsvorschläge des Regisseurs und – was ich besonders ansprechend fand – auch für Anmerkungen und Fragen des Publikums. Diese konnte man während und nach der Probe im Chat stellen, danach wurden sie auf kleine Zettel geschrieben und auf der Bühne vorgelesen. Dadurch entstand mit der Zeit eine angeregte Diskussion über Themen wie „Warum lachen wir Menschen (aus)?“ oderWelche Rolle spielen Moral und Liebe hierbei?“.

Währenddessen hatten viele Zuschauer:innen ihre Kameras, die während der Szene ausgeschaltet waren, wieder angeschaltet, sodass auch in der BSC ein Gefühl von „echtem“ Publikum aufkommen konnte. Wenn man ständig vor leeren Sitzen probt, ist diese Form der Rückmeldung und des Wahrnehmens wirklich wertvoll für Schauspielende.

Das Angebot des Online-Theaters der BSC soll im Dezember noch weiter ausgebaut werden. Geplant sind weitere interaktive Programmformate, wie sich ihrer Website entnehmen lässt.

Wer immer auf dem neuesten Stand sein möchte, kann sich dort auch für den Newsletter anmelden, durch welchen ich erst auf dieses Angebot gestoßen bin.

Für mich war diese Stunde virtuellen Theaters eine schöne Bereicherung und Abwechslung zum Unialltag und ich bin immer wieder begeistert, welche neuen Wege wir durch Kreativität gemeinsam entdecken.

Wie geht es euch damit: fehlen euch momemtan auch kulturelle Angebote im Alltag? Schreibt uns gerne eure Erfahrungen hierzu!

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