Corona Diaries: Part 3 – Unspektakuläre Verwirrung

Liebes Tagebuch, liebe Eule-Leser,

Wenn ich versuche, mich an die letzten Wochen zu erinnern, so verschwimmen sie vor meinen Augen zu einem einzigen Brei. Mit Einbruch der Covid-19 Pandemie hat sich in meinem Leben kaum etwas verändert. Seit Mitte März verbringe ich die Zeit vor allem vor meinem Laptop und bin gefangen zwischen Hausarbeiten und meiner Feldforschung. Zu Beginn war diese noch von gemeinsamen Café Pausen und Spaziergängen mit Freunden geschmückt, doch schon bald stellten wir das ein. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich realisiert habe, wie ernst die Corona-Krise wirklich ist. Meine Freundin und ich haben einen gemeinsamen Ausflug in das Café Marianne gemacht. Gemeinsam schlenderten wir durch das Viertel und immer merkwürdiger erschien uns die Stimmung. Noch war uns der ernst der Situation nicht bewusst. Nur langsam schlich sich ein komisches Gefühl in unser Unterbewusstsein. Das Café musste früher schließen, weil die Besitzerin ihre Tochter abholen musste, die aufgrund des Virus nicht mehr zum Schwimmen gehen konnte. Ansonsten bleibe das Café nun erst einmal regulär geöffnet, erklärte sie uns. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Stopp beim Bäcker, der ebenfalls normal geöffnet hatte. Doch innerhalb der nächsten Woche ging alles ganz schnell. Immer mehr Geschäfte schlossen ihre Türen, bei Spaziergängen machten wir einen Bogen um andere Leute und schon bald waren wir uns nicht mehr sicher, ob wir uns überhaupt noch bei Freunden zu Hause treffen sollten. Im Allgemeinen ist die letzte Zeit von sehr vielen Unsicherheiten geprägt. Soll ich den langen Weg nach Hause wagen und 10 Stunden Zugfahrt in den Schwarzwald riskieren oder bleibe ich doch lieber in meiner WG in Bremen? Darf ich mich überhaupt noch mit Freunden zum Spazieren treffen oder bleibe ich strikt in Isolation? All diese Dinge beschäftigen mich in letzter Zeit und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Momentan beschränken sich meine sozialen Kontakte auf 2 Freunde sowie meine Mitbewohnerin. Und natürlich auf virtuelle Meetings, sowohl mit meinen Liebsten als auch der Universität. Wie in einem Science Fiction Film fühle ich mich, wenn ich meine Webcam so ausrichte, dass die anderen Seminar-Teilnehmer möglichst wenig von meinem chaotischen Zimmer sehen. So bin ich wenigstens gezwungen für ein bisschen Ordnung zu sorgen. Besonders dankbar bin ich momentan vor allem für unseren Südbalkon, den wir schon mit einer Palette und neuen Pflanzen aufgehübscht haben. So kann ich ungestört Zeit im freien Verbringen und muss mich nicht um eine nötige Distanz sorgen. Außerdem spaziere ich täglich zur Weser. Am Deich scheint das Leben noch normal zu sein, wobei ich mir nicht sicher bin ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Wie Gänseblümchen blühen zweier Grüppchen im regelmäßigen Takt auf dem Hügel. Doch nicht alle halten sich an die soziale Distanz. So fährt nun auch das Ordnungsamt Patrouille und ermahnt sämtliche Gruppierungen, die nicht angemessen Abstand voneinander halten. Ziemlich surreal das Ganze und so richtig will mein Kopf die Situation einfach nicht realisieren. Vielleicht auch ganz gesund? Außerdem habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. An einem äußerst verwirrten Tag bin ich erschrocken aufgewacht, in der Annahme dass wir das Jahr 2021 haben… Ups. Nichtsdestotrotz hatte ich auch einige schöne Tage. So haben meine Mitbewohnerin und ich uns vorgenommen, unsere Kochbücher endlich einmal durchzuarbeiten. Zu Ostern gab es eine selbstgemachte Pizza, belegt mit Kürbis, Apfel, Rucola und Granatapfelkernen. Außerdem haben wir uns zur Feier des Tages eine Vorspeise aus Artischocken zubereitet und diese bei einer Flasche Wein am Osterdeich genossen. Das war toll! Des weiteren versüßen mir die nun täglich gesendeten Folgen Fest und Flauschig, der Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz den Tag und gehören mittlerweile fest zum Morgenritual dazu. Viel mehr gibt es aber auch wirklich nicht zu berichten. Gerne hätte ich hier einen witzigen Text geschrieben oder spannende Geschichten erzählt, doch momentan passiert bei mir nichts besonders aufregendes. Dank der Uni und den Hausarbeiten habe ich nun schon lange eine Alltagsroutine, von der ich einerseits genervt, andererseits aber auch dankbar für ein Gefühl von Normalität bin. Ich hoffe, ihr alle könnt meinen unspektakulären Alltag teilen, ist schließlich ja irgendwie auch ein Zeichen dafür, dass uns nichts schlimmeres widerfährt.

Bis hoffentlich bald zurück in der Uni,

Eure Leah

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