Als Studierende sind wir Teil einer Institution, die peinlich genau Forschung betreibt, nämlich der Universität. Forschende, eben unsere Dozentinnen und Dozenten, versuchen wirklichkeitsgetreu alle Bereiche des Lebens zu durchleuchten und zu verstehen. Dabei soll die Forschung auch immer die Wirklichkeit abbilden. Viel Forschung beruht darauf, dass die Welt quantifiziert wird, um sie greifbar zu machen. Im Grunde ähnelt dies dem Vorgehen, das unsere Dozierenden einsetzen, um zu prüfen, ob und inwieweit wir Studierenden die Inhalte und Kompetenzen des Studiums verinnerlicht haben. Macht das Sinn?

Erfahrungen aus der Schulzeit

Vielleicht ist es Euch ja auch passiert, dass Ihr in der Schule eine neue Lehrkraft bekommen habt und sich Eure Noten plötzlich stark verbessert oder verschlechtert haben. Wem das widerfahren ist, der zweifelt an der Art und Weise, wie wir in schulischen und universitären Kontexten geprüft werden. Und tatsächlich wissen wir, dass eine Erhebung von Daten – denn das sind Prüfungen eben auch – mit großer Umsicht geplant werden muss, um Reproduzierbarkeit, Validität etc. gewährleisten zu können. In der Schule wie in der Uni gilt auch, dass ganz subjektive Eindrücke mit in Bewertungen einfließen. Dafür können Lehrkräfte und Dozierende auch teilweise gar nichts. Man bewertet die sechste mündliche Prüfung nacheinander sicherlich anders als die erste. Und Sympathien beeinflussen uns alle unterbewusst, ebenso dumme Vorurteile.

Worum geht es eigentlich?

Es ist teilweise niederschmetternd, wenn man überlegt, dass eben nur Wissen und Fähigkeiten abgefragt werden, die sich auch leicht erheben lassen, etwa in Ankreuztests. Und dann werden die anvisierten Kenntnisse nicht einmal gänzlich genau gemessen. Aber weshalb dann diese Prüfungen? Wir sind so sehr daran gewöhnt, dass wir selten dazu kommen, diese Frage zu stellen. Das Argument dafür ist, dass man die Studierenden vergleichen muss und wissen muss, was sie können oder nicht können. Doch wenn man nur einen Teil der Fähigkeiten erhebt und diesen nur unzuverlässig, dann muss man fragen, ob der große Kraftakt in der Prüfungszeit wirklich angemessen ist. In einer perfekten Welt könnten regelmäßige, gut durchdachte Prüfungen mit konstruktivem Feedback auch dazu dienen, Studierende im Lernprozess zu unterstützen. Leider passt das wahrscheinlich nicht zu dem System der Universität, wie es sich aktuell darstellt.

Wie seht Ihr die Prüfungszeit? Schreibt uns gerne in die Kommentare!

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