Containern: Appell an „gesunden Menschenverstand“

Nachhaltigkeitsthemen sind aktuell in aller Munde: Nachdem wir vor Kurzem bereits über Foodsharing, die Klimawerkstadt und ähnliches berichteten, wurde ich darauf aufmerksam, dass ein Kaufhaus hier in Bremen Lebensmittel, die eigentlich schon kurz vor– oder nach dem Ablauf des MHDs sind, für alle im Rahmen des sogenannten „Containerns“ zur Verfügung stellt.

Dem wollte ich auf den Grund gehen – es folgt eine kurze ethische Auseinandersetzung mit dem Thema.

Containern – was ist das überhaupt?

 „Containern, auch Mülltauchen oder Dumpster Diving genannt, bezeichnet die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern. Das Containern erfolgt in der Regel bei Abfallbehältern von Supermärkten, aber auch bei Fabriken.“ – Wikipedia

Laut Spiegel Online wurde kürzlich ein Antrag, das Containern zu legalisieren, abgelehnt. Rein rechtlich gesehen, so schreibt es das Lestra Kaufhaus, das seit Mai Containern erlaubt, auch auf ihrer Webseite, gilt das Entwenden der Lebensmittel von Supermärkten als Diebstahl und ist strafbar.

Daraufhin wurde ich neugierig. Warum sollte man dann das Containern als Supermarkt trotz des offiziellen Verbotes anbieten?

Foto: pixabay.com

Wir waren für euch vor Ort und haben nachgefragt – wir hatten die Chance, einem der Geschäftsführer des Hauses, Herrn Strangemann, einige Fragen zu stellen. Vorher konnte ich es mir nicht nehmen lassen, ein paar Schritte durch das Lestra Kaufhaus in Bremen Horn zu laufen. Dabei fallen mir natürlich sofort die prall gefüllten Regale und Theken auf. Besonders stutzen, beziehungsweise genauer hingucken, musste ich bei der Obst- und Gemüsetheke. Der Kunde stellt nun mal hohe Erwartungen, seien es Wassermelonen aus Brasilien für den Verzehr bei den aktuell heißen Temperaturen, Orangen aus Marokko oder täglich frische (!) Flugmango aus Peru, Thai Mango aus Thailand, etc. Neben dem sowieso (gelinde gesagt) nicht kleinen ökologischen Fußabdruck für den Transport dieser Lebensmittel muss hier mit Sicherheit auch einiges täglich weggeschmissen werden an frischem Obst und Gemüse, und vielen weiteren Lebensmitteln darüber hinaus. Dem ist auch so.

Aber was passiert mit diesen Lebensmitteln?

Bis zum Ablauftag dürfe alles verkauft werden, erklärt mir Herr Strangemann. Sogar danach dürfte theoretisch noch verkauft werden – das Problem sei allerdings, dass „der Kunde nicht in den Laden kommt, und etwas Abgelaufenes kaufen [würde]“.

Für viele bedeute „MHD“ sofort: das Lebensmittel ist jetzt abgelaufen und nicht mehr verwendbar.

Um die (unnötige) Lebensmittelentsorgung zu minimieren, gibt Lestra (neben dem Containern) der Gemeinde, beispielsweise dem Naturerlebniszentrum botanika Bremen Lebensmittel zur Fütterung der Tiere, oder stellt Mitarbeitern MHD-Produkte zur Verfügung. Durch Warenwirtschaftssysteme würde versucht werden, dem unnötigen Entsorgen generell entgegenzuwirken. Darüber hinaus gebe es eine Küche, die bei Fehlkalkulationen eine Weiterverarbeitung von Produkten vornimmt.

Mich interessiert natürlich die Frage, ob es bislang schon Probleme gab. Ist es nicht ziemlich mutig, abgelaufene Ware den sogenannten „Lebensmittelrettern“ zur Verfügung zu stellen, obwohl das Containern an sich (noch) strafbar ist?

„Es gibt ja immer das Haftungsproblem, wo viele Sorgen drum haben. Was ist, wenn jemandem was passiert!? Das ist natürlich in dem Moment, wo Lebensmittel das MHD überschritten haben, [dann] ist nicht mehr der Hersteller dafür zuständig, sondern (…) dann geht die Haftung auf uns über. Aber (…) die Haftungsfrage ist beim Containern, dadurch, dass es noch nicht mal in der Mülltonne ist, sondern daneben steht, kann es durchaus sein, dass wir in die Haftung genommen werden. Das ist jetzt ein Risiko, was wir eingehen, wo wir sagen, ok, ich appellier‘ auch noch an den normalen Menschenverstand, wie man mit Lebensmitteln umgeht.“

Foto: Lestra Kaufhaus (via Facebook)

Es sei dennoch wichtig, genügend zu informieren, denn viele kämen nicht zurecht und wüssten nicht, wie lange was noch essbar sei, mit welchen Produkten man vorsichtig sein müsse. Vor allem mit Fleisch und Fisch, wo es nicht mehr um Mindesthaltbarkeits-, sondern um Verfallsdaten ginge, sei nicht zu spaßen. Aus diesem Grund hat das Kaufhaus Hinweisschilder an ihren Containern angebracht.

 

 

 

 

 

Am Ende unseres Telefonats sagt Herr Strangemann schließlich noch folgendes:

„Ich finde, wenn Lebensmittel noch verwendet werden, solange sie gut sind, das sind hochwertige Produkte, da wird viel Arbeit für investiert und es ist einfach schade, wenn so etwas sinnlos entsorgt wird (…)“

Ich gebe Herrn Strangemann in diesem Punkt recht. Und zwar nicht aus kaufmännischer, sondern vor allem aus ethischer Sicht. Obwohl (rechtlich gesehen) das Kaufhaus die Verantwortung für die Lebensmittel trägt, finde ich, dass sie mit der Weitergabe in Form von Containern mit gutem Beispiel voran gehen. Eben solange, wie es sich um Lebensmittel handelt, die noch bedenkenlos zum Verzehr geeignet sind. Hier ist dann jede/-r selbst dafür verantwortlich, dies zu kontrollieren. Denn warum sollten diese Lebensmittel im Müll landen, wenn andere davon noch satt werden?

Wie steht ihr zum Thema Containern? Seht ihr die Weitergabe von abgelaufenen Lebensmitteln eher kritisch oder positiv?

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