Zu Besuch im MARUM

Ich folge Dr. Ursula Röhl durch die Flure des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Sie ist Meeresgeologin und hier für das Bohrkernlager zuständig. Und genau deswegen bin ich heute zu Besuch. Auf den ersten Blick ist das Institut ein Zweckbau, wie viele andere Gebäude auf dem Campus auch. Nichts lässt erahnen, welche Sensationen im Inneren des Forschungszentrums einen eisigen Schlaf schlummern.

„Die Studierenden profitieren sehr von der Einrichtung. Vor allem der direkte Austausch mit jungen Wissenschaftler*innen aus der ganzen Welt ist ein großer Vorteil von MARUM.“ – Dr. Ursula Röhl

In der repräsentativen Eingangshalle des Gebäudes ist maritimes Forschungswerkzeug im Boden eingelassen. Gleich dahinter zweigen weniger beleuchtete Gänge ab. Ich habe längst die Orientierung verloren, als wir eine Art Gerätehalle betreten. Auf einem Anhänger steht dort ein Boot. Außerdem werden hier für mich unidentifizierbare Werkzeuge, Maschinen und Schläuche hinter einem riesigen Rolltor für den Einsatz auf hoher See aufbewahrt.

Aus Bohrkernen lesen

Wenig später stehen wir vor einer dieser typischen Kühlhaustüren, wie man sie aus Gastronomiebetrieben kennt. Doch die „Leckerbissen“ hinter diesen Pforten sprechen vielmehr den Wissenshunger von Meeresforscher*innen an, als dass sie einen Gaumenschmaus versprechen. Das riesige Kühlhaus im Inneren des MARUM ist ohne Frage ein Prunkstück des 2005 eingeweihten Baus. Denn hier lagern 155 Kilometer Sedimentproben von den Ozeanböden. Damit ist das Bremer Bohrkernlager das größte von Dreien des internationalen Forschungsprojekts IODP. Zwei weitere stehen in den USA und in Japan.

„Wenn es im Sommer zu heiß wird im Büro, gehe ich besonders gerne öfter mal ins kühle Bohrkernlager, um nach dem Rechten zu sehen“ – Dr. Ursula Röhl

Auf 4 Grad Celsius ist das Lager runtergekühlt. „Das ist die Durchschnittstemperatur am Meeresboden in der Tiefsee“, verrät mir Ursula Röhl, während sie sich einen dicken Anorak von einem Haken nimmt. Haushoch und bis unters Dach liegen hier die zylinderförmigen Sediment- und Gesteinsproben in Regalen verstaut. Aber wozu der ganze Aufwand?

Dr. Ursula Röhl beschäftigt sich mit Proben aus einem ganz bestimmten Erdzeitalter. In diesem Zeitabschnitt war es auf der Erde sehr viel wärmer als heute. „Wir leben in einem Zeitalter der globalen Erwärmung, deswegen ist es von großem Interesse, wie die Verhältnisse in diesem wärmeren Zeitalter waren“, umreißt Ursula Röhl ihr Forschungsgebiet. Klimaforscher*innen nutzen Erkenntnisse der Wissenschaftlerin etwa, um Klimamodelle für die Zukunft zu entwickeln. Warme Gedanken sollen ja bekanntlich gegen Kälte helfen, und so versuche ich mir vorzustellen, wie die Erde wohl damals aussah.

Der Tag, an dem die Saurier starben

Währenddessen verlassen wir das Lager und stehen wenig später neben einer Gruppe junger Nachwuchsforscher*innen. Die internationale Gruppe belegt einen der begehrten Kurse, in denen die Wissenschaftler*innen im richtigen Umgang mit den Bohrkernen geschult werden. Bevor meine Führung im MARUM endet, möchte Ursula Röhl mir noch einen ganz besonderen Bohrkern zeigen. Selbst mir fällt auf den ersten Blick auf, dass die Schichtung der Erde alles andere als gewöhnlich ist. „Dieser Bohrkern dokumentiert den Moment, an dem die Dinosaurier ausstarben“, sagt Ursula Röhl.

Damals schlug ein mindestens zehn Kilometer großer Asteroid auf der Halbinsel Yucatán im heutigen Mexiko ein. Neben den vom Einschlag gesprengten und geschmolzenen Erdgesteinen findet sich auch eine kleine, aber deutlich sichtbare rote Schicht. „Diese enthält große Mengen des chemischen Elements Iridium und damit außerirdisches Material, denn in diesen Mengen existiert dieses Element gar nicht auf der Erde.“, übersetzt mir Ursula Röhl, was der Bohrkern ihr verrät. Ich bin begeistert ob der epochalen Bedeutung. Fast schon ein wenig ehrfurchtsvoll mache ich ein paar Fotos und verabschiede mich wenig später von meiner heutigen Expeditionsleiterin

Hier findet ihr eine Dokumentation von Terra X über den Asteroiteneinschlag, der das Ende der Saurier bedeutete. Darin spielt auch das MARUM eine wichtige Rolle.