Nebenjob: Ghostwriter

Was macht eigentlich ein „Ghostwriter“? Eine rechtliche Grauzone ermöglicht es, Leute zu engagieren die einem die Bachelorarbeit, Masterarbeit oder auch das Schreiben wissenschaftlicher Bücher abnehmen. „Ghostwriter“ verdienen Geld, indem sie die letzte Hürde, zum Beispiel eine Abschlussarbeit für einen Studierenden übernehmen. Was steckt eigentlich dahinter? Unsere Eule-Redakteurin hat sich mit einem Studierenden unterhalten der als „Ghostwriter“ tätig ist. 

Was macht ein sogenannter „Ghostwriter“ eigentlich?

Tobias: Da ist das Spektrum relativ weit. Es geht von beratenden Tätigkeiten bis zu dem wirklichen, fertigen Ausformulieren von einem Text, den der Auftraggeber dann als sein Eigentum und Werk ausgeben kann. Wenn zum Beispiel ein Text für einen Vortrag geschrieben wird, wird der klar vorher komplett formuliert und dann von einer anderen Person vorgetragen. Wenn es um Universitätstexte geht, ist es aber eher so, dass man von beratender Tätigkeit spricht. Eigentlich aber auch eher aus juristischem Sinne. Als „Ghostwriter“ bist du selbstständig angemeldet und es da ist es natürlich vorteilhafter wenn man in solchen Fällen von der „beratenden Tätigkeit“ spricht und nicht auf die Rechnung schreibt, dass die komplette Bachelorarbeit geschrieben wurde.

Was meint die „beratende Tätigkeit“?

Tobias: Dabei geht es „nur“ um die Hilfestellung bei Formulierung, Struktur und solche Sachen. Aber es kann natürlich auch soweit gehen, dass der Ghostwriter eine Vorlage anbietet nach dem Motto: So und so könnte das aussehen. Und der Auftraggeber könnte den dann ja auch so übernehmen. Das liegt dann natürlich bei der Person selbst. Aber Hilfestellung an sich ist ja erstmal nichts wildes, sondern ganz normal. 

Wie wirbst Du als „Ghostwriter“ Kunden an?

Tobias: In meinem Fall war es einfach im Bekanntenkreis. Meine ersten Arbeiten waren für Unternehmensberater, die Vorträge halten mussten vor irgendwelchen Gremien…-mal Hand aufs Herz. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal wo die dieses Vortrag am Ende wirklich gehalten haben. Ich kannte einfach nur das Thema. So bin ich da zu meinem ersten Jobs gekommen. Ich glaube aber, dass das oft der Fall ist, weil ja auch eine gewisse Vertrauensbasis da sein muss. Schließlich spielt der Auftraggeber mit seiner Reputation und wenn du dann einen Ghostwriter hast, der total offen damit umgeht, ist das natürlich nicht vorteilhaft. Es läuft also viel über Empfehlungen. Aber es gibt auch schon Agenturen und eben die Internetpräsenz vom Einzelnen.

Also bist du da sozusagen ein bisschen „reingerutscht“? 

Ja, kann man so sagen. Ich wurde angeheuert und weiter empfohlen. Ja. Und dadurch wurde mir erst bekannt, dass es diese Szene, dieses Business sozusagen, überhaupt gibt. Naja und das man ganz gut verdienen kann. Und das lief dann so weiter.

Du bist ja selbst Student. Wie stehst du moralisch dazu, dass einige Studierende ihre Abschlussarbeiten komplett von fremder Hand schreiben lassen?

Tobias: Das ist eine schwer zu bewertende Geschichte. Aber ich hab das nie eng gesehen. Andere Leute profitieren von meinem Fleiß und bezahlen mich dafür. Ich meine, wenn der Studierende mir den Auftrag gibt und sich im Anschluss die Arbeit durchliest, ist er ja eigentlich genauso schlau wie ich am Ende- nur dass der Studierende nicht den Aufwand hatte sie selbst zu schreiben. Von daher habe ich bei Bachelorarbeiten überhaupt kein schlechtes Gewissen. Bei Masterarbeiten würde es vielleicht schon anders aussehen. Aber das habe ich auch noch nicht gemacht.

Würdest Du Aufträge deshalb auch ablehnen?

Ja schon. Wobei, ich meine, jeder ist irgendwo käuflich. Also, wer weiß?! Aber grundsätzlich, wenn man die „normalen“ Preise beachtet, spielt natürlich die Gewissensfrage eine Rolle. 

Vielen Dank Tobias! Möchtest Du abschließend noch etwas sagen?

Ja. Wissen ist wertvoll! 

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