Das Studium soll ja bekanntlich nicht nur dem Erwerb von Credit Points (CP) und Abschlüssen dienen, sondern auch der Erweiterung des persönlichen geistigen Horizonts und der Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Interessen.

Die Möglichkeit fachfremde Veranstaltungen zu besuchen, steht Studierenden daher nicht nur offen, sondern ist auch als Teil des Studienverlaufs fest eingeplant. Je nach Studiengang und -fach müssen Studierende neben den CP aus Pflicht- und Wahlpflichtbereich auch noch eine vorgeschriebene Anzahl von Creditpoints aus universitären Veranstaltungen einbringen, die nicht im Curriculum vorgesehen sind. Dieser Teil des Studiums nannte sich lange Zeit Studium Generalis, erhielt aber im Zuge der Bologna-Reform mit der Einführung der Credit Points einen passenderweise ebenfalls englischen Namen. (Zumindest in Studiengängen, die gemäß des Bachelor- und Mastersystems umgestellt wurden.)

Wenn also beispielsweise eine Soziologie-Studentin neben ihrem Interesse für das Zusammenspiel von Individuen in der Gesellschaft auch ihrem Interesse an dem Zusammenspiel von Spezien in einem Ökosystem nachgehen will, kann sie die relevanten Veranstaltungen der Biolog*innen besuchen und sich hier auch CP verdienen. Dabei gelten für sie jedoch die selben Bedingungen wie für Biologie-Studierende. Das heißt: Allein für den Besuch der Veranstaltung bekommt sie keine Bescheinigung. Wenn für eine kleine, mittlere oder große Prüfungsleistung beispielsweise die Teilnahme an einer Klausur erforderlich ist, muss auch die Soziologie-Studentin hieran teilnehmen, um anschließend für die Teilnahme an der Veranstaltung einen sogenannten Leistungsschein zu erhalten. Für diesen findet sie eine Druckvorlage auf den Internetseiten des Zentralen Prüfungsamts (ZPA), für Fachbereiche mit dezentralen Prüfungsämtern, findet man die Links zum Download von Formularen auf den Seiten der jeweiligen Fachbereiche.

Möchte die Soziologie-Studentin mit Interesse an Ökologie ein Seminar zu dem Thema belegen, sollte sie in der Veranstaltungsbeschreibung auf Stud.IP nachschauen, welches Wissen inhaltlich und methodisch vorausgesetzt wird. Ist das Seminar einer oder mehreren Veranstaltungen aus dem Pflichtbereich des Studiengangs Biologie zugeordnet, die für die Mitarbeit im Seminar die Grundlagen legen sollen? Dann könnte es für die Soziologiestudentin möglicherweise schwer sein, dem Seminar zu folgen.

In manchen Seminaren kann, wenn diese zum Beispiel im Laboren stattfinden, wo nur begrenzt Platz zur Verfügung steht, oder in Computerräumen, in denen es nur eine begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen gibt, der Zugang zur Veranstaltung Studierenden aus dem jeweiligen Studiengang vorbehalten werden. Selbiges gilt für Übungen oder Tutorien, die begleitend zu bestimmten Seminaren oder Vorlesungen angeboten werden. In solchen Fällen wird nach der vorläufigen Eintragung einer fachfremden Studentin oder eines fachfremden Studenten in die Veranstaltung via Stud.IP in der Regel keine Bestätigung durch die dozierende Person erfolgen.

Die Soziologie-Studentin aus unserem Beispiel wurde aber für das gewünschte Seminar als Teilnehmerin bestätigt. Sie hatte bereits einiges über Ökologie gelesen und traut sich zu, dem Seminar aus dem Wahlpflichtbereich der Biolog*innen auch ohne Absolvierung des Pflichtbereiches eben jener folgen zu können. Nach der ersten Sitzung geht sie zum Dozenten und klärt offen gebliebene Fragen. Sie hat Glück. Der Dozent sagt ihr, er sehe kein Problem darin, wenn sie als fachfremde Studierende das Seminar besuche. Und: Da sie nicht zwangsläufig eine KPL, MPL oder GPL in dieser Veranstaltung absolvieren muss, um eines der Module in ihrem Studienfach zu komplettieren, sondern lediglich der Veranstaltung folgen und sich dies anschließend auf ihrem Bachelorzeugnis bescheinigen lassen will, bekommt sie die Möglichkeit ein kurzes Referat in einer der Sitzungen zu halten und hiermit einen einzelnen Credit Point zu erwerben. Während KPL, MPL und GPL jeweils festen CP-Anzahlen zugeordnet sind und meist die Teilnahme an einer Klausur in je nach Prüfungsleistung unterscheidlichem Umfang oder das Einreichen eines Essays, beziehungsweise einer Hausarbeit plus Referat erfrodern, können im Rahmen von General Studies auch von der dozierenden Person festgelegte CP-Anzahlen unter ihren Bedingungen erworben werden. Solche Angebote müssen Dozierende den Studierenden allerdings nicht machen.

Am Ende des Semesters geht die Soziologie-Studentin zum Dozenten und lässt die ausgedruckte Druckvorlage vom ZPA von ihm ausfüllen. Die Note (im Falle einer benoteten Leistung, versteht sich), die Anzahl der CP und Unterschrift des Dozenten dürfen natürlich nicht fehlen. Zuletzt holt sich die Studentin noch einen Stempel vom Fachbereich 2 (Biologie/Chemie). Fertig ist der Leistungsschein. Da die Soziologie-Studentin in unserem Beispiel neben dem Studium auch noch Niederländisch am Fremdsprachenzentrum der Hochschulen in Bremen lernt, im vorigen Semester in der Redaktion von KROSSE mitarbeitete und im ersten Semester noch im Popchor der Uni Bremen mitsang, hat sie bereits einige Leistungsscheine zusammen. Es gibt also viele Möglichkeiten, CP in den General Studies zu erwerben. Es ist auch möglich bei Interesse an einer Veranstaltung des eigenen Studienfachs, diese zu belegen, obwohl sie einem bereits abgeschlossenen Modul zugeordnet ist und auf diese Art und Weise CP für den General-Studies-Bereich zu sammeln.

Will man die Bachelorarbeit anmelden, so muss man je nach Studiengang eine bestimmte Anzahl von CP vorweisen. Hierfür zählt, sofern nichts anderes im Handbuch/Studienführer des jeweiligen Studiengangs geschrieben steht, auch der General-Studies-Bereich. Sollten die CP aus diesem Bereich dann benötigt werden, empfiehlt es sich, die gesammelten Leistungsscheine einige Wochen vorher beim zuständigen Prüfungsamt einzureichen, ansonsten kann man getrost bis zu dem Zeitpunkt warten, an dem man alle anderen Leistungen erbracht wurden. Warum überhaupt warten? – Wenn man zwischen den diversen Leistungsscheinen einen oder zwei hat, die eine Note aufweisen, die schlechter als der persönliche Notendurchschnitt aus dem übrigen Studium ist, ist es möglich, diese Leistungsscheine als Freiwillige Zusatzleistungen (FZL) zu deklarieren, sofern man auch ohne die darauf ausgewiesenen CP auf die im General-Studies-Bereich erforderliche Punktzahl kommt. In diesem Falle werden die über die CP-Erfordernis hinaus besuchten Veranstaltungen oder sonstigen extracurricularen Aktivitäten zwar im Bachelorzeugnis aufgeführt, ihre Benotung fließt allerdings nicht in die Bachelornote ein. Mit einem formlosen Antrag, der zusammen mit den Leistungsscheinen eingereicht wird, können Studierende außerdem dafür sorgen, dass neben der FZL gar keine Note aufgeführt wird. Diese Abwägungen lassen sich am besten in den letzten Studiensemestern treffen. In den General Studies können zwar ebenso benotete wie unbenotete Leistungen eingebracht werden. Hier haben Studierende aber keinen Einflus darauf, ob die Noten im Bachelorzeugnis aufgeführt werden. Sind Noten auf den Leistungsscheinen ausgewiesen, gehen diese bei Einreichung als General Studies unweigerlich in die Bachelornote mit ein und werden im Zeugnis aufgeführt.

Zieht man von den CP, die zur Vollendung des Studiums benötigt werden, alle CP aus Pflicht- und Wahlpflichtbereich ab, bleiben allerdings meistens mehr CP übrig, als tatsächlich zur freien Verfügung für die General Studies zur Verfügung stehen. In vielen Studiengängen werden Veranstaltungen oder Sprachzertifikate zur Erbringung eines Teils dieser CP vorgeschrieben. Gehören die dann nicht in den Pflichtbereich? Ja. Aber da manche Studiengänge mehr von ihren Studierenden erwarten, als sie gemäß der für den Pflichtbereich erforderlichen CP einfordern können, verlagern sie diese Leistungen geschickter Weise in den General-Studies-Bereich.

Auf die Spitze getrieben wird dies bei Lehramtsstudierenden. Für sie ist die tatsächlich freie Wahl von Veranstaltungen zur Erbringung von abschlussrelevanten Leistungen auf einen Umfang von wenigen CP beschränkt. Bei Lehrämtler*innen nennen sich die General Studies „Schlüsselqualifikationen„. Sie umfassen eine vorgegebene Palette von Veranstaltungen, aus der einzelne ausgewählt werden können. Natürlich werden auch Lehrämtler*innen nicht an der Erbringung von FZL gehindert, aber diese sind ja bis auf eine Randnotiz im Bachelorzeugnis nicht weiter weiter relevant für den Studienabschluss.

Und nun noch einmal zurück zu der anfangs als Beispiel gewählten Soziologie-Studentin. Als sie ihre Leistungsscheine beim Prüfungsamt einreichen will, stellt sie fest, dass ihr noch Punkte in den General Studies fehlen, wenn sie die benoteten Leistungen, die ihren Schnitt runterzögen, lieber als FZL einreicht. Zum Glück hatte sie ihr Pflichtpraktikum um ein paar Wochen verlängert und arbeitete in der vorlesungsfreien Zeit weiter bei dem Meinungsforschungsinstitut, bei dem sie sich später einen Arbeitsplatz erhofft. Die Gesamtzahl der CP, die aus diesem Praktikum und dem dazugehörigen Praktikumsbericht hervorgehen, übersteigen also die 12 CP, die für das Pflichtpraktikum vorgesehen sind. Sie profitiert nun davon, dass man CP aus einer Prüfungsleistung, in diesem Falle dem Praktikum, „splitten“ kann. Sie lässt sich die 12 CP im Rahmen des Pflichtpraktikums anerkennen. Die übrigen CP als General Studies. Da Praktika unbenotet sind, ist es für sie günstiger, diese CP in die General Studies einzubringen, als die CP von ihren Leistungsscheinen, auf denen die für sie unterdurschnittlichen Noten aufgeführt sind. Die unbenoteten CP haben keine Auswirkungen auf ihren Schnitt.

Lasst euch von all diesen Regularien jedoch nicht zu sehr leiten bei der Wahl eurer Veranstaltungen. Das schöne an General Studies ist ja gerade, dass sie euch die Möglichkeit geben sollten, zu lernen, was euch interessiert. Sich mit der Handhabung der Leistungsscheine vertraut zu machen, kann euch jedoch weiterhelfen, wenn ihr an dem Punkt in eurem Studium angekommen seid, an dem ihr euch über dessen Beendigung Gedanken macht!

Da alle Studiengänge ihre eigenen Regeln haben, ist es möglich, dass die hier dargelegten Informationen nicht für alle Studierenden gelten, wenngleich der Autor versucht hat, die Informationen so allgemeingültig zu halten, wie möglich. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen in diesem Artikel kann jedenfalls keine Gewähr seitens der Redaktion übernommen werden.

 

 

 

 

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